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Veröffentlicht am 12.01.2021

Das Verbrechen im Schatten des Wiener Prater

Die Prater-Morde
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"Die Prater-Morde" ist der siebte Band der Sarah-Pauli-Reihe von Beate Maxian. Diesmal ist der Wiener Prater Ort des Geschehens. Die Fotografin Lucie Viktor ist auf der Spur nach ganz besonderen Bildern, ...

"Die Prater-Morde" ist der siebte Band der Sarah-Pauli-Reihe von Beate Maxian. Diesmal ist der Wiener Prater Ort des Geschehens. Die Fotografin Lucie Viktor ist auf der Spur nach ganz besonderen Bildern, denn sie will die dortigen Schattenseiten ablichten. Dabei fotografiert sie Drogendeals, aber auch einen aufstrebenden Politiker, wie er anscheinend mit einer Obdachlosen ein Geschäft abwickelt. Kurz darauf wird die junge Fotografin brutal zusammengeschlagen. Besteht hier ein Zusammenhang? Zeitgleich kommt die Journalistin Sarah Pauli bei ihren Recherchen auf eine Spur. Zuletzt starben immer wieder Obdachlose. Es stellt sich heraus dass alle an mit Rizin versetzten Schnaps starben. Sarah Pauli will Licht ins Dunkel bringen, was geht im Prater vor? Beate Maxian schickt ihre Miss Marple des Wiener Boten bereits zum siebten Mal ins Rennen. Dabei wird diese mit kriminellen Geschäften wie Kunstraub, Versicherungsbetrug, Geldwäsche und Drogenhandel konfrontiert. Für den Leser sind diesmal die Bösewichte von Beginn bekannt, während Sarah Pauli und die Polizei nur nach und nach die Hintergründe des Verbrechernetzwerkes aufdecken. Hier setzt auch mein Kritikpunkt an. Über längere Strecken entwickelt sich die Spannung diesmal nur langsam. Die Story ist absolut schlüssig, aber es dauert bis man gefesselt wird. Zwar entwickelt sich diese Richtung Showdown und erreicht auch hohes Niveau, aber der Weg dahin war ein klein wenig zäh. Das Leben der Sarah Pauli und weiterer Protagonisten nimmt auch in diesem Band seinen Teil ein, dies ist ein ständiger Begleiter beim Lesen. Daher empfiehlt es sich auch die Reihenfolge der Bänder einzuhalten, damit man diese Entwicklung besser nachvollziehen kann. Obwohl das dieser Band mich diesmal nicht voll überzeugen konnte, mag ich die Reihe sehr gern. Die Figuren sind mir sympathisch, die Autorin bringt immer ein wenig Wiener Flair in die Krimis mit ein. Dies gefällt mir und ich werde daher dieser Reihe auch weiterhin als Leser treu bleiben.

Veröffentlicht am 09.01.2021

Die Verführung des Loverboys

Ich bin dein Tod
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"Ich bin dein Tod" ist der neunte Band der Kommissar-Dühnfort-Reihe von Inge Löhnig. In verschiedenen bayerischen Städten geschehen Morde, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Doch ...

"Ich bin dein Tod" ist der neunte Band der Kommissar-Dühnfort-Reihe von Inge Löhnig. In verschiedenen bayerischen Städten geschehen Morde, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Doch als eine Tötungsart erneut angewandt wird, wird Kommissar Dühnfort stutzig und erkennt, dass es sich um denselben Täter handeln muss. Gerade zur Abteilung der Operativen Fallanalyse gewechselt, versucht er ein Muster zu erkennen. Die Spuren führen innerhalb der Prostitution zusammen, aber was verbindet die Opfer? War Kommissar Dühnfort in den bisherigen Bänden als direkter Ermittler an der Front tätig, so bekommt er mit diesem Band eine neue Rolle. Er soll analysieren, Täterprofile erstellen und der Soko zuarbeiten. Doch es fällt ihm schwer mit seinem neuen Umfeld warm zu werden. Dieser Ansatz der Ermittlerfigur innerhalb der Münchner Kripo ein neues Betätigungsfeld zu geben gefällt mir sehr gut. Inge Löhnig gibt den Figuren damit eine Entwicklung, die im realen Leben jeder auch irgendwann durchlebt. Glaubwürdig stellt sie dar wie Dühnfort das Loslassen von gewohntem Terrain schwerfällt, er aber nach und nach im neuen Team und der neuen Aufgabe ankommt. Die Thematik "Loverboy" des Kriminalfalles ist aktueller denn je. Gerade im Zeitalter der sozialen Medien stellt dies eine nicht zu unterschätzende Gefahr für junge Mädchen dar. Es endet in Zwangsprostitution und Drogenabhängigkeit. Gelungen finde ich die Aufteilung der Kapitel. So verfolgt der Leser zum einen den Weg des Täters, der Morde und der Ermittlungen, erfährt aber durch das Videotagebuch der toten Lea rückblickend von deren Weg in die Abhängigkeit. Diese Kombination ist stimmig rund und dadurch vermittelt es einem als Leser ein gutes Gesamtbild der Situation. Und obwohl man natürlich einen Verdacht zum Täter im Kopf hat, bleibt doch eine Unsicherheit bis zum Ende über den Ausgang des Krimis. Diese Reihe zeigt für mich auch im neunten Band keinerlei Abnutzungserscheinungen. Im Gegenteil, die Weiterentwicklungen der Figuren machen Lust auf mehr. Für mich ein sehr gelungener Band dieser Krimireihe von Inge Löhnig.

Veröffentlicht am 06.01.2021

Der Mord während des Arbeiteraufstandes im Juni 1953

Juni 53
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"Juni 53" ist der fünfte Band der Max-Heller-Reihe von Frank Goldammer. Während der Tage des Arbeiteraufstandes rund um den 17. Juni 1953 geschieht in einem Dresdner Glaswollebetrieb ein grausamer Mord. ...

"Juni 53" ist der fünfte Band der Max-Heller-Reihe von Frank Goldammer. Während der Tage des Arbeiteraufstandes rund um den 17. Juni 1953 geschieht in einem Dresdner Glaswollebetrieb ein grausamer Mord. Oberkommissar Max Heller wird darauf angesetzt, aber zugleich ermittelt ein Hauptmann des Ministerium der Staatssicherheit. Immer wieder grätscht dieser in Heller's Ermittlungen durch ideologisches Wertedenken der jungen DDR. Doch Heller bleibt seiner Linie treu. Während der Nazizeit als auch jetzt lehnt er jegliches Parteibuch ab. Doch auch zuhause häufen sich die Probleme. Sein Sohn Klaus ist ihm fremdgeworden und seiner Frau Karin wächst vieles über den Kopf. Es reift der Gedanke, ob für die beiden nicht ein Neuanfang im Westen die bessere Entscheidung wäre solange es noch möglich ist. Zum bereits fünften Mal lässt Frank Goldammer uns an den Fällen des Max Heller teilhaben und nimmt den Leser mit auf seine Zeitreise. Dabei ist dieser Band diesmal zu einem hohen Maß auch durch das private Umfeld des Ermittlers geprägt. Viel dreht sich um die Überlegungen von Max Heller und seiner Frau, wo ihr Platz in dieser neuen Welt sein wird. Er kämpft sehr mit sich und den Gegebenheiten. Die ideologische Entfremdung zu seinem Sohn Klaus macht ihm dabei ebenfalls zu schaffen. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass der Kriminalfall sogar ein klein wenig in den Hintergrund rücken musste. Dieser war ebenfalls sehr geprägt von der Auseinandersetzung Hellers mit dem Hauptmann Bech vom MfS. Ist Heller bedacht auf eine fundierte kriminologische Ermittlungsarbeit, setzt Bech auf Massenverhaftungen und polterndes Auftreten. Teilweise empfand ich diesen Konflikt der beiden als ein wenig zu viel und hätte mir mehr Kriminalfall gewünscht. Aber es trägt wiederum auch gut dazu bei das aktuelle Bild von Max Heller zu zeichnen. Seine jahrelangen Grabenkämpfe erst während der Nazizeit und jetzt in der DDR sich selbst treu zu bleiben, sein Schmerz einer alten Verletzung und seine Sorge um seine Familie. Er hat an Elan verloren und hinterfragt ob er noch in diese Welt passt. Auch wenn ich den Kriminalfall mir etwas spannender gewünscht hätte, ist dem Autor die Geschichte des Max Heller in dieser Zeit gut gelungen. Man darf gespannt sein wie der weitere Weg des Oberkommissars verläuft und wo es ihn letztendlich mit seiner Frau Karin hinzieht. In Summe für mich ein guter, aber nicht der beste Band dieser Reihe bisher.

Veröffentlicht am 03.01.2021

Wer herrschen will, der muss es auch wirklich wollen ...

Schwert und Krone - Der junge Falke
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"Der junge Falke" ist der zweite Band der Schwert-und-Krone-Reihe von Sabine Ebert. Er beginnt im Jahr 1147 zur Zeit der Vorbereitung der Kreuzzüge unter König Konrad und deckt den Zeitraum bis zur Krönung ...

"Der junge Falke" ist der zweite Band der Schwert-und-Krone-Reihe von Sabine Ebert. Er beginnt im Jahr 1147 zur Zeit der Vorbereitung der Kreuzzüge unter König Konrad und deckt den Zeitraum bis zur Krönung König Friedrich I. im Frühjahr 1152 ab. Der Roman ist dabei in drei Teile unterteilt. Ist anfangs die Geschichte von Hungersnot und der Entstehungsgeschichte zum Wendenkreuzzug und dem des Königs ins heilige Land geprägt, so übernimmt der Mittelteil dann die Geschehnisse während dieser Feldzüge. Im letzten Abschnitt erlebt der Leser dann die Zeit danach und die Verschiebung der Machtverhältnisse innerhalb des deutschen Königreiches. Sabine Ebert schafft es dabei auch diesmal mich als Leser für sich zu gewinnen. Historisch fundiert recherchiert erzählt sie spannend ihren Roman zu dieser Zeit. Man wird dabei mit sehr vielen Personen aus den verschiedenen Herrschaftshäusern konfrontiert, aber taucht immer mehr in die strategischen Verbindungen, Ränkespiele und Machtverhältnisse ein, sowohl in der weltlichen als auch geistlichen Welt. Die Werte der damaligen Zeit, insbesondere der Frauen wird anschaulich vermittelt. Und so kommt man als Leser zwangsläufig dazu, dass man Sympathien und Antipathien zu den jeweiligen Personen entwickelt. Sehr gelungen finde ich auch die zusätzlichen Informationen rund um den Roman in Form der Personen-, Karten- und Ahnentafeln. Während des Lesen der Geschichte schlug ich auch immer wieder dort nach um mir weitere Details besser einzuprägen. Die Entwicklung Friedrich, Herzog von Schwaben, ist sehr gut dargestellt und man lernt ihn und seine Persönlichkeit immer besser kennen. Zum einen ein junger Ritter mit großem politischen Geschick, aber auch ein kühler, teilweise eiskalter Mensch der gnadenlos Menschen auch vor den Kopf stoßen konnte. "Der junge Falke" ist in meinen Augen eine sehr gelungene Fortsetzung und die Autorin verdient vollstes Lob dafür. Auch diesmal konnte sie mich für dieses Teil deutscher Geschichte vollauf begeistern und schon jetzt bin ich absolut neugierig wie es im Folgeband weitergeht.

Veröffentlicht am 27.12.2020

Wer stellt die Soko Bieberer Berg ins Abseits?

Abseits
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"Abseits" ist der dritte Band der Offenbach-Krimi-Reihe von Thorsten Fiedler. Eine vermisste Schülerin, ein aus der Haft entlassener Pädophiler, ein Lehrer bei dem belastendes Bildmaterial der Schülerin ...

"Abseits" ist der dritte Band der Offenbach-Krimi-Reihe von Thorsten Fiedler. Eine vermisste Schülerin, ein aus der Haft entlassener Pädophiler, ein Lehrer bei dem belastendes Bildmaterial der Schülerin gefunden wird und er selbst erhängt aufgefunden wird. Was anfangs alles Einzelfälle sind scheint in irgendeiner Weise zusammenzuhängen. In OFC-Foren hatten sich vorher alle abfällig, teils hasserfüllt über die Leistungen des örtlichen Fußballverein Kickers Offenbach geäußert. Scheint es einen selbsternannter Rächer zu geben? Thorsten Fiedler lässt seine bekannten Protagonisten diesmal in einem Fall ermitteln, bei dem nichts ist wie es zunächst aussieht. Teilweise werden Beschuldigte in den Tod getrieben, teilweise brutal ermordet. Ein Täter der gezielt Beweise in der Datenwelt manipuliert um so seine Opfer zu bestrafen. Es werden falsche Spuren im World Wide Web gelegt, IP-Adressen manipuliert, anscheinend ein Täter mit bestem Hacker-Wissen. Dieser neue Fall von Hauptkommissar Hessberger ist wieder spannend aufgebaut, auch dessen Leidenschaft für die Kickers ist wie in den Vorgängerbänden ausführlich geschildert. Manchmal vielleicht auch ein klein wenig zu viel. Denn die Spannung würde noch besser erhalten bleiben, wenn man stattdessen weitere Details zu Opfern oder Täter erhalten hätte. So bleiben hier teilweise offene Fragen. Was war der Beweggrund für den Rachefeldzug, wie schafft es der Täter sich in geschützte Netzwerke einzuschleichen? Hier hätte ich mir noch ein klein wenig mehr Information gewünscht. Aber "Abseits " zeichnet sich auch durch hohes Tempo aus. Die Ermittler sind gezwungen dem Täter hinterher zu hecheln, denn der lässt ihnen und dem Leser keine Atempause. Diese Rasanz und die damit verbundene Zuspitzung auf den Showdown fesseln. Das macht den Krimi zum Pageturner und man will ihn nicht vor der letztendlichen Auflösung des Falles weglegen. In Summe ist Offenbach ein sehr gefährliches Pflaster für die Soko Bieberer Berg, aber ein spannendes für den Leser.