Profilbild von Island

Island

Lesejury Star
offline

Island ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Island über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2026

Dreiecksfreundschaft

Spielverderberin
0

Im Mittelpunkt von Marie Menkes Roman stehen drei junge Frauen. Sophie und Lotte sind in der gleichen Bauerschaft im fiktiven Süthland aufgewachsen, wo jeder jeden kennt. Romy kam erst in der Oberstufe ...

Im Mittelpunkt von Marie Menkes Roman stehen drei junge Frauen. Sophie und Lotte sind in der gleichen Bauerschaft im fiktiven Süthland aufgewachsen, wo jeder jeden kennt. Romy kam erst in der Oberstufe zu ihnen, weil ihre Eltern aus München nach Süthland gezogen sind.

Die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt. Zunächst treffen sich die drei Protagonistinnen einige Jahre nach dem Abi an einem Weiher in ihrem Heimatort wieder. Dann gibt es Rückblicke in die Schulzeit, als sich durch Romys Zuzug einige Veränderungen ergeben haben. Während Lottes Leben noch während der Schulzeit anders als geplant verläuft, ziehen Sophie und Romy zum Studium nach Köln, wobei Sophie sich das ganz anders vorgestellt hat, als es am Ende abläuft. Zu Beginn des Studiums kommt es dann zu einem Ereignis, dass das Leben aller drei jungen Frauen verändert. Was genau passiert ist, wird aber lange nur angedeutet.

Mir hat gefallen, wie die Autorin den Kontrast zwischen Stadt- und Landleben eingefangen hat, man kann sich gut in Sophie hineinversetzen, wie es für sie ist, plötzlich in der Großstadt Köln zu leben, die lange so reizvoll erschien und doch irgendwie das Gefühl zu haben, nicht richtig in der Stadt heimisch zu werden. Lotte hätte für meinen Geschmack eine etwas größere Rolle im Roman einnehmen dürfen, wie es ihr mit all dem Erlebten geht, bleibt weitgehend offen. Etwas viel war für mich auch die Obsession, die Sophie bezüglich Romy entwickelt hat, für mich wäre das Identifikationspotenzial größer gewesen, wäre es um eine rein platonische Dreier-Freundschaft gegangen, bei der immer eine Person das Gefühl hat, außen vor zu sein.

Die Autorin schreibt aber gut nachvollziehbar und auch die Spannung, was nun genau vorgefallen ist, bleibt bis zum Schluss erhalten. Ich habe das Hörbuch zum Roman angehört und empfand auch dessen Sprecherin als passend gewählt, Stimme und Tonfall passen zur Atmosphäre des Buches.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2026

(Nicht ganz) friedliche Ostertage in Neapel

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
0

Das Cover dieses Neapel-Krimis fängt die süditalienische Atmosphäre der Hafenstadt sehr gut ein und versetzt einen direkt in die richtige Stimmung für die Lektüre.

Die Handlung spielt in der Osterwoche, ...

Das Cover dieses Neapel-Krimis fängt die süditalienische Atmosphäre der Hafenstadt sehr gut ein und versetzt einen direkt in die richtige Stimmung für die Lektüre.

Die Handlung spielt in der Osterwoche, sodass der Titel doppeldeutig und sehr passend gewählt ist. Commissario Gaetano verbringt die Feiertage eigentlich mit seinem Bruder, seiner schwangeren Nichte und deren Mann im Hinterland, wo die Familie ein kleines, wenig lukratives Weingut betreibt. Doch dann zieht es den Kommissar doch in die Stadt zurück, weil im Hafenbecken ein toter Mann angeschwemmt wurde und seine Kollegin Beppa Bellucci noch in der Ausbildung bei der Kriminalpolizei steckt.

Man merkt auf jeden Fall, dass der (deutsche) Autor längere Zeit in Neapel gelebt hat und sich in der Stadt auskennt und mit vielen Besonderheiten vertraut ist. Er schreibt sehr anschaulich und es findet sich eine Menge Lokalkolorit, sowohl was die Traditionen rund um Ostern, als auch was Kulinarisches oder beliebte Orte und auch die weniger schönen Seiten der Stadt angeht. Stellenweise finden sich auch kritisch-ironische Anmerkungen, die zum Schmunzeln anregen. Die beiden Ermittelnden sind sympathisch und menschlich. Commissario Gaetano hat einige Baustellen in seiner Familie zu bearbeiten und seine Kollegin Beppa Bellucci bringt frischen Wind in die Ermittlungen und ist dabei eine bodenständige einheimische Fischertochter, die teils auch von ihren Verwandten unterstützt wird, die ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge haben. Auf jeden Fall ein lesenswerter und nicht zu blutiger Krimi, durch seine Rahmenhandlung besonders jetzt in die Zeit um Ostern passend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.02.2026

Grenzüberschreitung

Hazel sagt Nein
1

Nur vom Cover von "Hazel sagt nein" ausgehend, dachte ich zunächst, es ginge um eine amerikanische Hausfrau, die beschließt ihr Leben umzukrempeln. Ganz unpassend ist die Covergestaltung aber auch, was ...

Nur vom Cover von "Hazel sagt nein" ausgehend, dachte ich zunächst, es ginge um eine amerikanische Hausfrau, die beschließt ihr Leben umzukrempeln. Ganz unpassend ist die Covergestaltung aber auch, was die wirkliche Handlung des Romans angeht, nicht. Denn die Familie Blum, die im Mittelpunkt der Geschichte steht, zieht aus New York in die Kleinstadt Riverburg, weil Vater Gus dort eine Professur angeboten bekommt. Dort können sie sich auch direkt ein Einfamilienhaus kaufen, da Gus nun wesentlich mehr verdient und zugleich die Preise viel niedriger sind als in New York. Die 18-jährige Hazel und ihr jüngerer Bruder Wolf sind jedoch weniger begeistert über den Umzug.

Dann wird Hazel an ihrem ersten Schultag auch noch ins Büro des Direktors gerufen, der ihr mitteilt, dass er sich jedes Jahr eine Schülerin der Abschlussklasse aussucht, um mit ihr Sex zu haben und dieses Jahr sei seine Wahl auf Hazel gefallen. Hazel verweigert dies, obwohl er ihr damit droht, ihr den Weg an ihr Wunsch-College zu verbauen. Dieser Vorfall führt dann zu einer Menge an Ereignissen, die das Leben von Hazel und ihrer Familie auf den Kopf stellen.

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen, auch wenn ich ansonsten eher europäische Handlungsorte bevorzuge. Die Autorin schreibt in einem modernen, angenehm lesbaren Stil und es ist auch zwischen den Zeilen eine Menge Gesellschaftskritik vorhanden. Die Protagonist:innen, allen voran Hazel, die sich selbst treu bleibt, sind überzeugend ausgestaltet und auch die Atmosphäre in der amerikanischen Kleinstadt wird von Jessica Berger Gross, die selbst in der Gegend lebt, sehr gut eingefangen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2026

Marias Einsatz für die ledigen Mütter

Die Berghebamme – Zeit der Kinder
0

Hierbei handelt es sich um den dritten und letzten Teil der Trilogie um Berghebamme Maria, die vor gut 100 Jahren als Hebamme in einem kleinen oberbayerischen Dorf tätig ist.

Mittlerweile ist sie mit ...

Hierbei handelt es sich um den dritten und letzten Teil der Trilogie um Berghebamme Maria, die vor gut 100 Jahren als Hebamme in einem kleinen oberbayerischen Dorf tätig ist.

Mittlerweile ist sie mit dem Arzt des Dorfes verheiratet und wird von den Bewohner:innen mehr oder weniger gut akzeptiert, weil sie sehr gute Arbeit leistet. Als sie und ihr Mann jedoch ein Heim für ledige Mütter im Dorf gründen wollen, bekommen sie den Widerstand vieler Einheimischer nicht nur durch Worte zu spüren.

Auch dieser letzte Band schildert wieder sehr eindrucksvoll, welche Bedingungen und Vorbehalte damals noch herrschten. Marias Arbeit wird sehr anschaulich beschrieben und sie gewinnt dabei viele Sympathiepunkte. Auch die weiteren Charaktere um Maria und Simon sind sehr liebenswert und so ist es sehr schade, dass dies nun bereits der letzte Teil dieser Reihe ist. Gerne hätte ich Maria und ihre Lieben noch weiter begleitet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.02.2026

Mit dem Kriegsende war noch lange nicht alles gut

Die weiße Nacht
0

Ich mag die "Fräulein Gold"-Reihe von Anne Stern sehr, daher war ich auch auf diese neue historische Krimireihe der Autorin neugierig. Der erste Band "Die weiße Nacht" spielt im Berliner Hungerwinter 1946, ...

Ich mag die "Fräulein Gold"-Reihe von Anne Stern sehr, daher war ich auch auf diese neue historische Krimireihe der Autorin neugierig. Der erste Band "Die weiße Nacht" spielt im Berliner Hungerwinter 1946, kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Covergestaltung passt sehr gut dazu, zeigt sie doch das vermeintlich Gegensätzliche, ein Kettenkarussell mit Menschen, die sich amüsieren, vor dem vom Krieg zerstörten Berliner Stadtschloss. Das Ganze wird durch das Objektiv einer Kamera betrachtet, passend zur Protagonistin Lou Faber, die mit ihrer Leica, die sie anscheinend von einem amerikanischen Liebhaber bekommen hat, auf der Suche nach der Schönheit zwischen all der Zerstörung ist.

Die zweite Hauptperson, Kriminalkommissar Alfred König, war während der Herrschaft der Nationalsozialisten inhaftiert und hat davon auch körperliche Schäden zurückbehalten. Durch diese schrecklichen Erlebnisse gilt er den Allierten als unbelastet und wurde daher nach kurzer Vorbereitung auf diesen Posten gesetzt.

Als Fotografin Lou auf einem ihrer Streifzüge zufällig eine Frauenleiche vor der Linse hat, wird Alfred König zum Fundort der Leiche gerufen. Lou lässt der Fall aber nicht kalt und so kreuzen sich die Wege von ihr und dem Kriminalkommissar immer wieder.

Anne Stern schildert die prekäre Situation im Nachkriegs-Berlin sehr anschaulich mit wirklich vielen sprachlichen Bildern. Es wird sehr deutlich, wie alle unter Hunger und dem Mangel an vielen anderen überlebenswichtigen Dingen leiden, selbst die Polizei ist weiter sehr dürftig ausgestattet. Dazu kommen Revierkämpfe zwischen den einzelnen Siegermächten, wer in Berlin wofür zuständig ist, was für zusätzliches Durcheinander sorgt. Lou ist mir als Protagonistin sehr sympathisch, in sie konnte ich mich sehr gut hineinversetzen, während mir Alfred König noch etwas fremd blieb, in mancher Hinsicht. Der Fall selbst passt natürlich in diese Zeit, tritt aber fast etwas in den Hintergrund bei all den weiteren Problemen, die die Menschen damals zu bewältigen hatten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere