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Veröffentlicht am 01.02.2021

Patchworkgeschwister haben es nicht immer leicht

Das ungeheimste Tagebuch der Welt!, Band 1 - Wie mein bescheuerter Bruder Klassensprecher in meiner Klasse wurde …
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Seit die Mutter von Paul und der Vater von Karline fest zusammenleben, bilden sie zusammen eine Patchworkfamilie, was der Nachwuchs nicht immer so prickelnd findet. Nachdem Paul dann auch noch die sechste ...

Seit die Mutter von Paul und der Vater von Karline fest zusammenleben, bilden sie zusammen eine Patchworkfamilie, was der Nachwuchs nicht immer so prickelnd findet. Nachdem Paul dann auch noch die sechste Jahrgangsstufe wiederholen muss, gehen sie sogar in die gleiche Klasse, was bei beiden wenig Freude auslöst. Und dann wird Paul auch noch zum Klassensprecher gewählt, Karline ist so gar nicht erfreut. Sie hat aber einen Trumpf gegen ihn in der Hand. Obwohl er sich über ihr Tagebuch lustig macht, schreibt er heimlich auch Einträge in sein "Logbuch" und sie kennt sein Versteck und kann so heimlich mitlesen.

Das Buch ist dann auch abwechselnd aus der Perspektive von Karline und Paul verfasst und erzählt in authentischer Sprache aus deren Perspektive davon, was sie gerade so erleben und was sie beschäftigt. Und natürlich auch, was sie aneinander nervt. Durch die Perspektivwechsel können sich Jungen genauso gut wie Mädchen in die Situationen hineinversetzen und das Buch ist für beide Geschlechter ebenso geeignet, wie auch für Kinder, die selbst nicht in einer Patchworkfamilie aufwachsen, denn auch leibliche Geschwister gehen sich gegenseitig auf die Nerven. Und Einzelkinder werden ebenfalls gut unterhalten und können sich daran erfreuen, keine Geschwisterstreitigkeiten ausfechten zu müssen.

Die verschiedenen Schriftarten lassen alles modern und tagebuchähnlich wirken, aber ohne dass die Lesbarkeit der Schrift zu sehr darunter leidet. Die Illustrationen sind ebenfalls sehr modern, witzig und ansprechend gestaltet und lockern den Text zusätzlich auf. Der Schreibstil ist gut lesbar und passt zu den Tagebucheinträgen der Kinder.

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Veröffentlicht am 01.02.2021

Spannendes Thema, die Umsetzung überzeugt mich aber nicht voll

2,5 Grad - Morgen stirbt die Welt
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Der Klappentext hat mich wirklich neugierig auf das Buch gemacht, da es zwar in naher Zukunft spielt, es aber um Szenarien geht, die nicht allzu unrealistisch sind, wenn der Mensch die Klimaerwärmung weiter ...

Der Klappentext hat mich wirklich neugierig auf das Buch gemacht, da es zwar in naher Zukunft spielt, es aber um Szenarien geht, die nicht allzu unrealistisch sind, wenn der Mensch die Klimaerwärmung weiter vorantreibt.

Während in Deutschland gerade Flüsse über die Ufer treten und der ansteigende Meeresspiegel dazu führt, dass auch viele deutsche und europäische Städte unbewohnbar werden, stirbt der Forscher Jakob Richter, weil seine Forschungsstation in der Aktis aufgrund der schmelzenden Eismassen zusammenbricht. Seiner schwangeren Freundin Leela in Deutschland hat er kurz zuvor noch per E-Mail verschlüsselte Daten zukommen lassen, die geheime Informationen über Konzerne und Politiker enthalten, die mit ihrem Verhalten zur Erderwärmung beitragen. Leela soll diese Daten den richtigen Personen zukommen lassen, sie und ihre Unterstützer geraten aber schnell ins Visier eines Killers, der sie zum Schweigen bringen soll. In weiteren Handlungssträngen geht es dann noch um riesige Flüchtlings ströme aus Afrika, da die Heimat der Menschen dort unbewohnbar geworden ist, um neue Rechte, die an die Macht kommen wollen, eine christliche Endzeitsekte, um Politiker und um radikale Klimaschützer, die mit allen Mitteln kämpfen.

Soweit klingt das alles sehr spannend. Auf manchen Handlungsstrang und manche Person hätte aber auch verzichtet werden können. Einerseits tragen die häufigen Perspektivwechsel mit Cliffhangern am Ende zwar zum Spannungsaufbau bei, zu viele Handlungsstränge zerreißen die Geschichte für meinen Geschmack aber zu sehr. Auch hätte ich eine realistischere Herangehensweise gewünscht, manche Geschehnisse und Verhaltensweisen der Protagonist:innen sind dann doch zu übertrieben oder zu abstrus. Mich persönlich hätte dich Geschichte noch viel mehr gepackt, wenn ich durchgehend das Gefühl gehabt hätte, dass dies alles in wenigen Jahrzehnten wirklich Realität in Deutschland sein könnte. Der Schreibstil des Autors ist jedoch gut lesbar und auch anschaulich.

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Veröffentlicht am 01.02.2021

Eine Sonneberger Spielzeugfabrik im Wandel der Zeit

Wo wir Kinder waren
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Eva, Iris und Jan kommen in im thüringischen Sonneberg zusammen, um das Haus ihrer Großeltern und Urgroßeltern leer zu räumen, die dort eine Spielzeugfabrik betrieben, die die verschiedenen politischen ...

Eva, Iris und Jan kommen in im thüringischen Sonneberg zusammen, um das Haus ihrer Großeltern und Urgroßeltern leer zu räumen, die dort eine Spielzeugfabrik betrieben, die die verschiedenen politischen Systeme ab dem Kaiserreich überdauerte, aber nach der Wende zu Grunde ging. Auch die drei Protagonist:innen haben sich seit ihrer Kindheit entfremdet, stoßen aber beim Entrümpeln auf gemeinsame Erinnerungen. Mit jedem der verschiedenen Gegenstände, die sie in dem Haus entdecken, wechselt die Autorin dann immer auf die zweite Zeitebene zurück in die Vergangenheit der Familie und man erfährt mehr über die Familien- und natürlich die Firmengeschichte, aber auch, was es mit dem jeweiligen Erinnerungsstück auf sich hat. Und auch die drei Erb:innen nähern sich einander langsam wieder an.

Mir hat die Geschichte gut gefallen, da ich Geschichten, in deren Mittelpunkt ein Familienunternehmen steht, immer sehr interessant finde. Sonneberg ist gar nicht so weit von meiner Heimat entfernt, auch wenn diese in Westdeutschland liegt. Umso spannender finde ich es, mehr über die Tradition der Spielzeugherstellung zu erfahren, für die der Ort berühmt ist und darüber, wie die verschiedenen politischen Systeme das Leben der Fabrikantenfamilie beeinflussten. Der Schreibstil der Autorin ist anschaulich und angenehm lesbar.

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Veröffentlicht am 29.01.2021

Eine junge Frau auf der Suche nach ihren Wurzeln und sich selbst

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
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Hannah ist 27 und arbeitet in Berlin an ihrer Dissertation in Germanistik. Mit ihrem Doktorvater beginnt sie eine Affäre, zuvor hatte sie immer wieder One Night Stands, aber keine ernsthafte Beziehung. ...

Hannah ist 27 und arbeitet in Berlin an ihrer Dissertation in Germanistik. Mit ihrem Doktorvater beginnt sie eine Affäre, zuvor hatte sie immer wieder One Night Stands, aber keine ernsthafte Beziehung. Ihre recht alternative Mutter ist vor einiger Zeit an Krebs gestorben, aber ihre mittlerweile 95-jährige, geistig noch sehr fitte Oma Evelyn besucht sie einmal wöchentlich in deren Seniorenresidenz. So bekommt sie mit, dass die alte Dame einen Brief aus Israel bekommen hat, in dem steht dass diese die nächste Verwandte jüdischer Vorfahren ist und daher potentielle Erbin derer im Dritten Reich geraubten Kunstgegenstände, sollte diese, unter anderem eben das Bild der "Jungen Frau am Fenster stehend, blaues Kleid" wieder auftauchen. Hannah erfährt so zum ersten Mal von den jüdischen Verwandten ihrer Großmutter, deren leibliche Mutter Senta im Berlin der 20er Jahre einen jüdischen Verleger geheiratet hatte.

Auf einer zweiten Zeitebene erfährt der Leser mehr über Senta, wie sie zunächst unglücklich mit einem Militärpiloten verheiratet ist, den sie wegen der ungewollten Schwangerschaft mit Evelyn heiraten musste, obwohl es ihr großer Traum war, mit ihrer besten Freundin nach Berlin zu gehen. Diesen Traum erfüllt sie sich schließlich doch und lässt Evelyn bei deren Tante väterlicherseits zurück, wodurch das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter für immer angeknackst ist.

Hannah findet nun nach und nach mehr über die Geschichte von Senta heraus, was nicht so leicht ist, weil Evelyn nicht gerne über sie spricht. Dabei findet sie auch langsam zu sich selbst und merkt, was ihr wichtig ist.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, Hannah als Protagonistin ist mir sehr sympathisch und ich fand es interessant, mit ihr immer mehr über die Geschichte ihre Urgroßmutter Senta und der jungen Evelyn und deren Leben vor und während der Zeit des Nationalsozialismus und auch danach zu erfahren. Durch die verschiedenen Zeitebenen blieb die Geschichte lange spannend. Der Schreibstil der Autorin ist sehr anschaulich und gut verständlich.

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Veröffentlicht am 16.01.2021

Die Champagnerwitwe kämpft um ihr Erbe

Madame Clicquot und das Glück der Champagne
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Auch wenn ich nicht gerade ein Fan von prickelndem Schaumwein bin, interessiere ich mich für die Geschichte bedeutender Champagner- und Weingüter und die Techniken der Herstellung. Die Champagnermarke ...

Auch wenn ich nicht gerade ein Fan von prickelndem Schaumwein bin, interessiere ich mich für die Geschichte bedeutender Champagner- und Weingüter und die Techniken der Herstellung. Die Champagnermarke Veuve Clicquot war mir auch bevor ich Susanne Popps Roman gelesen habe, ein Begriff. Allerdings habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, dass "Veuve" Witwe bedeutet, sondern bin immer davon ausgegangen, dass Veuve Clicquot einfach ein Doppelname ist.

Nachdem ich den Roman gelesen habe, finde ich es sehr passend, dass der Champagner so heißt und der Witwe Clicquot so quasi ein Denkmal dafür gesetzt wurde, dass sie sich nach dem frühen Tod ihres Mannes so für die Rettung des Familienunternehmens eingesetzt hat und auch immer wieder offen für Innovationen war, die ihren Champagner verbessert und zu dem gemacht haben, was er heute noch ist. Die Frau und ihre Geschichte haben mich auf jeden Fall sehr beeindruckt, wie sie sich durchsetzt, obwohl es damals noch sehr unüblich war, dass Frauen ein Unternehmen führen und auch die Rahmenbedingungen ansonsten, zum Beispiel aufgrund von Kriegen, nicht die besten waren. Dafür gibt sie privat viel auf, da sie weiß, dass sie das Erbe ihres Mannes nur so fortführen kann, wenn sie Witwe bleibt. Nichtsdestotrotz ist sie aber keine harte Geschäftsfrau, die der Firma alles unterordnet, sondern lässt auch Gefühle zu und zeigt immer wieder ein weiches Herz. Ich fand es definitiv sehr interessant, mehr über die Geschichte der Witwe Clicquot, die damalige Zeit und natürlich auch die Feinheiten der Champagnerherstellung zu erfahren. Der Schreibstil der Autorin ist sehr anschaulich und gut lesbar, sie nimmt einen quasi mit in die Champagne vor etwa 200 Jahren. Ich empfehle das Buch gerne weiter!

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