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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.10.2025

Wertvoller Bluefin

Rotes Gold
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Der Luxemburger Koch Xavier Kieffer ist Zeuge, als der japanische Sushi-Meister Mifune während eines Diners ihm zu Ehren tot zusammenbricht. Er wurde vergiftet. Der Bürgermeister von Paris bittet Xavier, ...

Der Luxemburger Koch Xavier Kieffer ist Zeuge, als der japanische Sushi-Meister Mifune während eines Diners ihm zu Ehren tot zusammenbricht. Er wurde vergiftet. Der Bürgermeister von Paris bittet Xavier, undercover zu ermitteln und dieser lässt sich darauf ein.

Zusammen mit Xavier taucht der Leser in die Fischmärkte von Paris und Luxemburg ein und lernt eine Menge über den Thunfischfang, seine Traditionen sowie die Folgen der Überfischung in den letzten Jahren. Ich hatte vor zwei Jahren bereits ein Buch über die Mattanza (Germana Fabiano) gelesen, von daher war einiges von dem, was Tom Hillenbrand in seinem Krimi beschreibt, mir bereits bekannt. Für mich lag der Wert des Krimis tatsächlich in dem Hintergrundwissen zu Fischfang und den Grundlagen der japanischen Küche. Daneben machen die Wegebeschreibungen durch Luxemburg-Stadt auch Lust, sich selbst einmal auf Erkundung zu begeben.

Was die Auflösung des Krimis angeht, so hat sich das gute Netzwerk Xaviers mal wieder als hilfreich erwiesen. Je mehr der Koch über die Hintergründe erfährt, desto mehr erschließen sich ihm auch Beweggründe und Motive und führen schließlich zum Täter.

Was ich weniger gut fand, ist, dass Xavier viel zu viel raucht und jede einzelne Ducal auch im Buch Erwähnung findet. In den 60er Jahren hätte ich das noch verstanden, aber in den 2010er Jahren schien es mir übertrieben.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Handschellenknoten und Bernstein

Nordlicht - Die Toten im Nebel
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Es handelt sich um den 4. Krimi um das deutsch-dänische Ermittlerteam rund um Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg.
Im Hafen von Esbjerg wird in einer verlassenen Lagerhalle die Leiche eines Mannes mit gefesselten ...

Es handelt sich um den 4. Krimi um das deutsch-dänische Ermittlerteam rund um Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg.
Im Hafen von Esbjerg wird in einer verlassenen Lagerhalle die Leiche eines Mannes mit gefesselten Händen und durchschnittener Kehle gefunden. Eine zweite Leiche taucht kurze Zeit später in einem deutschen Dorf an der Grenze zu Dänemark auf, auf die gleiche Art und Weise gefesselt, aber auf andere Art und Weise zu Tode gekommen.
Die deutsch-dänische Ermittlergruppe vermutet einen Zusammenhang, zumal kurze Zeit später ein weiteres Indiz auf den gleichen Täter hindeutet.
Und so beginnt ein spannender Krimi, der die Spannung auch tatsächlich bis zum Schluss aufrechterhalten kann. Leser, die auch die vorangegangenen Bände kennen, müssen im Laufe der Handlung Abschied nehmen, Opfer gibt es nämlich auch in Polizeikreisen.
Zunächst einmal ist das Motiv des Täters vollkommen unklar. Die Opfer stehen in keinem Zusammenhang miteinander und kommen aus vollkommen unterschiedlichen Kreisen und Gesellschaftsschichten. Erst langwierige Polizeiarbeit und nächtelanges Wälzen von Belegen und Unterlagen bringt Licht ins Dunkel der Ermittlungen.
Auch wenn dieses langwierige Umdrehen und Lesen jeden einzelnen Belegs dem Text einige Längen gibt, so macht es auf der anderen Seite doch klar, wie wichtig dieser Teil der Ermittlungen ist. Ohne es genau zu wissen, stelle ich mir vor, dass dies einen großen Teil der Arbeit in den Ermittlungen ausmacht.
Das Team um die beiden Ermittler ist eine eingeschworene Gemeinschaft, in diesem Fall kommen sie aber an ihre Grenzen, zumal nicht jeder von ihnen Teamplayer ist und der ein oder andere auch schon mal eigene Wege geht.
Ich fand alle bisherigen Krimis dieser Reihe lesenswert, „Die Toten im Nebel“ ragt aus dieser Reihe aber noch mal heraus, von daher gebe ich volle Punktzahl.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit???

Über die Toten nur Gutes
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Mads Madsen ist Trauerredner und liebt seinen Beruf. Für ihn gibt es kaum etwas Schöneres, als einem Leben nachzuspüren und denen, die gehen mussten, einen würdigen Abgang zu verschaffen.

Er arbeitet ...

Mads Madsen ist Trauerredner und liebt seinen Beruf. Für ihn gibt es kaum etwas Schöneres, als einem Leben nachzuspüren und denen, die gehen mussten, einen würdigen Abgang zu verschaffen.

Er arbeitet fest mit dem Bestattungsunternehmen Amelung zusammen und der Junior des Unternehmens Fiete ist einer seiner besten Freunde.

Eines Tages erfährt er, dass sein Freund Patrick aus Kindheitstagen bei einem Unfall ums Leben kam, bei dem wohl nicht alles mit rechten Dingen zuging. Jedenfalls ermittelt die Mordkommission, verantwortlich für die Auflösung des Falles ist eine chronisch schlecht gelaunte Kommissarin namens Luisa Mills.

Mads wird von Patricks Mutter, aber auch von ihm selbst - sozusagen aus dem Jenseits – mit der Trauerrede beauftragt und macht sich auf die Suche nach Kontaktpersonen, Freunden, Kollegen.

Und damit bringt er nicht nur sich selbst, sondern die ganze Familie in Schwierigkeiten. Denn da gibt es doch einige, die es gar nicht gut finden, dass Mads in ihrem Leben herumstochert und recherchiert.

Für mich war es ein merkwürdiges Buch. Auf der einen Seite oft total überzeichnet und eher unrealistisch, auf der anderen Seite schon fast philosophisch und tiefgründig. Wobei mir die tiefgründige Seite von Andreas Izquierdo besser gefällt, da ist doch oft vieles, über das es sich lohnt, einmal nachzudenken.

Ein Zitat von Gabriel Garcia Marquez rahmte die gesamte Handlung ein:

„Nicht, was wir gelebt haben, ist das Leben, sondern das, was wir erinnern und wie wir es erinnern, um davon zu erzählen“.

Dieses Zitat steht ganz am Anfang und damit beschließt Mads auch seine Trauerrede für Patrick und söhnt sich so mit ihm, aber auch mit seinem Vater aus. Denn auch der hatte aus dem Leben der früh verstorbenen Mutter eine Legende gemacht, so wie er sie erinnern wollte.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Ein Traum von Heimat

Heimat
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Jana zieht mit ihrer Familie von der Stadt aufs Land in ein eigenes Haus mit Garten und mehr Platz für die zwei, bald drei Kinder.

Zunächst einmal fühlt sie sich ziemlich verloren, ihr Mann Noah ist zwar ...

Jana zieht mit ihrer Familie von der Stadt aufs Land in ein eigenes Haus mit Garten und mehr Platz für die zwei, bald drei Kinder.

Zunächst einmal fühlt sie sich ziemlich verloren, ihr Mann Noah ist zwar Lehrer, scheint aber den ganzen Tag zu unterrichten und kommt meistens erst spät nach Hause. Die beiden Kinder gehen in die Kita, Jana ist durch die dritte Schwangerschaft aber oft sehr müde und fühlt sich der Situation nicht gewachsen.

Im Eiscafé lernt sie Karolin kennen und erfährt zu ihrem großen Erstaunen, dass diese gutaussehende, gepflegte Frau 5 Kinder hat, die sie zuhause betreut. Karolin präsentiert sich außerdem auf Instagram und Jana folgt ihr und ihren Reels bald täglich. Karolin inszeniert sich als Tradwife, sie propagiert alte Werte, kocht und backt gern und ist ganz für Mann und Kinder da. Dass sie damit auch Geld verdient, es also auch ein Erwerbsjob ist, das wird verschwiegen. Daneben, und ich denke das hat Jana von vornherein an ihr fasziniert, ist sie durchaus sehr belesen, vor allem Gedichte sind ihr Steckenpferd.

Karolin nimmt bald in Janas Gedanken mehr Raum ein als ihr Mann Noah. Man merkt die Entfremdung zwischen den beiden Eheleuten. Durch Karolin erhält sie Zugang zu weiteren jungen Müttern, die ähnlich traditionell unterwegs sind.

Jana bleibt über die ganze Strecke des Romans hinweg ziemlich blass, es scheint ihr gar nicht klar zu sein, wo ihre neuen Freundinnen politisch verortet sind bzw. welche Partei ihre konservative Haltung für sich ausnutzt. Sie sucht eigentlich in erster Linie Anschluss im Dorf und Gesprächspartner, damit sie nicht immer so einsam und allein ist. Umso besser, wenn die neuen Freundinnen auch selbst Kinder haben, so dass sogleich ein gemeinsames Thema gegeben ist. Janas Unsicherheit und der Wunsch, im Ort akzeptiert zu werden tragen dazu bei, dass sie den neuen Kreisen bedenkenlos und unkritisch gegenübertritt. Mir fiel allerdings auf, dass die Freundschaft untereinander oft nur geheuchelt war und über den anderen hergezogen wurde, sobald sich die Gelegenheit ergab. Und auch die Ehen der Freundinnen scheinen trotz aller Beteuerungen nicht so glücklich zu sein, wie sie nach außen scheinen sollen. Sowohl bei Karolin als auch bei Becci zeigen sich Risse in der Beziehung, die aber nicht weiter thematisiert werden.

Generell ist es die Entscheidung einer Familie, ob man seine Kinder in den ersten Jahren selbst begleiten will oder nicht. Heute gibt es glücklicherweise genügend Kita-Plätze, so dass auch denjenigen Müttern oder Vätern geholfen wird, die so schnell wie möglich wieder in ihren Job zurückkehren wollen. Beide Einstellungen oder Verhaltensweisen kann man akzeptieren und man muss sie nicht unbedingt direkt mit einer bestimmten politischen Richtung verknüpfen.

Problematisch wird das Ganze durch die bewusste Unterordnung der Frau. Hier spielen religiöse Gründe mit hinein und ich denke, die Autorin hat auch evangelikale Kreise im Sinn, die ein anderes Rollenbild predigen, als wir es heute gemeinhin kennen und schätzen.

Das Ende des Buches lässt mich etwas ratlos zurück. Ich habe es für mich so interpretiert, dass Jana bald Karolins Platz an der Seite von Klemens einnehmen wird, aber möglicherweise kann man es auch ganz anders sehen.

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Schwestern-Schicksale

Der Wind von Yorkshire
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Lia Scott hat nach den wunderbaren Bänden „Sturmjahre“, die in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg in Schottland spielten, sich sowohl eine andere britische Region als auch eine andere Zeit ausgesucht. Der ...

Lia Scott hat nach den wunderbaren Bänden „Sturmjahre“, die in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg in Schottland spielten, sich sowohl eine andere britische Region als auch eine andere Zeit ausgesucht. Der Wind von Yorkshire spielt in den 1860er Jahren in den Craven Dales und in Bradford, dem damaligen Zentrum der internationalen Wollindustrie. Schafzucht hatte in diesem Teil Englands schon immer eine große Rolle gespielt, doch die Verarbeitung der Wolle war lange in den Händen von Familien geblieben. Mit der Industrialisierung wurden die kleinen Webstühle nun obsolet, in Bradford bildeten sich große Firmen, die in viel kürzerer Zeit sehr viel mehr Waren herstellen konnten. Die Arbeitsbedingungen in diesen Fabriken waren allerdings alles andere als gut, Lärmbelastung führte z. B. zu späterer Taubheit, die chemischen Substanzen, mit denen die Wolle gereinigt wurde, zu Hauterkrankungen.

So bildete sich nach und nach ein Arbeiter-Proletariat, der Zufluss in die Städte riss nicht ab, immer wieder rückten billige Arbeitskräfte nach.

Wir lernen zunächst einmal June und ihre beiden Schwestern in den Craven Dales sowie im Anschluss daran auch ihren Vater und ihre Tante kennen. Dahlia ist der Schöngeist der Familie, schreibt Gedichte, kann aber auch wunderbare Handarbeiten anfertigen, die sie verkauft. June hilft ihrer Tante und wird auf den Beruf als Heilerin und Hebamme vorbereitet und Fern ist der eher robuste Typ, der sich eine eigene Schafzucht aufgebaut hat.

Auf der anderen Seite ist da Frankie, offenbar aus Bradford, der sich bei einem älteren Bauernehepaar verdingt hat und dabei hilft, Mauern zu bauen und Zäune instand zu halten. Um ihn weht ein Geheimnis, denn die Tante weiß von einer Frau zu berichten, die mit ihm zusammen aufs Land gekommen ist und bei ihm lebt. Diese Frau gebärt ein Kind und stirbt bei der Geburt, vorher allerdings lässt sie ihren Mann noch wissen, dass alles seine Schuld sei. Frankie verlässt die Region und überlässt den Sohn seiner Schwester, die im gleichen Tal lebt.

Vieles in diesem ersten Band bleibt ein Geheimnis, denn ein zweiter Band wird bereits im Dezember folgen und sicher einige meiner Fragen beantworten. So kann man zunächst einmal nur über das weitere Schicksal der Schwestern und Frankies mutmaßen. Das Buch ist tatsächlich wie ein Serienfilm aufgebaut, der Cliffhanger zum Schluss stellt sicher, dass man dranbleibt und wissen will, wie es in der Handlung weitergeht. Das Buch ist flüssig und spannend geschrieben und, soweit ich das beurteilen kann, auch gut recherchiert. Der erste Teil hat mich auf jeden Fall neugierig gemacht und so würde ich auch die Fortsetzung gerne lesen.

Was die gedruckte Ausgabe angeht, so gefällt mir die Haptik, das Buchcover hätte dennoch ein klein wenig dicker und fester sein dürfen. Auch das Titelbild ist sehr geschmackvoll und verbindet durch die junge Frau, die in einer Heidelandschaft steht und auf die Industriestadt hinübersieht, die beiden Settings, die Dales mit der Industriestadt Bradford.

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