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Veröffentlicht am 22.11.2021

Etwas überzogen und trotzdem spannend

Nichts als Staub
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Im Hamburger Phoenixviertel, welches seit Jahren unter Drogenkriminalität, Bandenkriegen und illegalen Glücksspielen leidet und zudem eine extrem hohe Rate an Alkoholikern aufweist, wird eine Leiche gefunden, ...

Im Hamburger Phoenixviertel, welches seit Jahren unter Drogenkriminalität, Bandenkriegen und illegalen Glücksspielen leidet und zudem eine extrem hohe Rate an Alkoholikern aufweist, wird eine Leiche gefunden, die durch einen Stich ins Herz getötet wurde. Bei dem Toten handelt es sich um Dimitrios Floros, einen Kleinkriminellen, der polizeibekannt war und schon mehrfach im Knast gesessen hat. Die Tatwaffe weist darauf hin, dass es sich hier um das 4. Opfer eines Serienkillers handeln könnte, der mit seinen Bekennerschreiben „Drogen töten!“ auf sich aufmerksam macht.

Alina Grimm, Streifenpolizisten auf dem Hamburger Kiez, und ihr Kollege Bilal Aydin hinterfragen die Tatsache, wieso Dimitrios in Hamburg-Harburg ermordet wurde, wo er seine eignen Geschäfte doch eher in St. Georg abwickelt.

Als sie ihren Kontaktmann treffen möchte, um von ihm Hintergrundinformationen zu bekommen, wird Alina hinterrücks niedergeschlagen und landet im Krankenhaus. Nach 2 Tagen wacht sie aus ihrer Bewusstlosigkeit auf und ist wegen Drogenbesitzes vom Dienst suspendiert. Alina hat keine Ahnung, wer (und warum) ihr diese Drogen untergeschoben haben könnte, es kann jedoch nur eines bedeuten; sie soll ihre Nase nicht in anderer Leute Angelegenheiten stecken.

Doch jetzt beschließt Alina erst recht, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Kann sie den Fall aufklären?

„Nichts als Staub“ ist der erste Fall aus der „Alina Grimm-Reihe“, deren Straftaten und Ermittlungen sich in Hamburg positionieren. Alina ist Streifenpolizistin, ihre eigentliche Berufung sieht sie aber bei der Kriminalpolizei. Wenn ihre persönlichen Umstände andere wären, hätte sie schon lange mit der Ausbildung begonnen Bis ihre große Chance kommt, schiebt sie täglich Streifendienst mit ihrem Kollegen Bilal.
Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus kehrt Alina an den Ort zurück, an dem sie niedergeschlagen wurde und wird dort von Gerwald Arentz angesprochen, einem früheren Freund ihres verstorbenen Vaters. Dieser bietet ihr sowohl finanzielle als auch personelle Unterstützung durch seinen Leibwächter Elias an, damit Alina so schnell als möglich den Täter dingfest machen kann. Alina nimmt das Angebot an.

Gemeinsam mit dem unerschrockenen Elias, der früher als Söldner gearbeitet hat, kommen die Beiden mit ihren Ermittlungen schon recht weit. Aber, um alle Puzzleteile an den richtigen Platz zu bringen, benötigen sie zusätzlich noch die Hilfe von Lennart Dewalt, einem früheren Klassenkameraden von Alina, der in die unterschiedlichsten Verkleidungen schlüpfen kann (und nebenbei per Haftbefehl von der Polizei gesucht wird).

Da es sich um den Auftakt einer Reihe handelt, sind die handelnden Protagonisten noch nicht sehr ausführlich beschrieben. Einerseits bleibt da viel Raum dafür, dass in den Nachfolgebänden immer weitere Informationen einfließen, andererseits führt das dazu, dass die Figuren teilweise noch keine ausreichende Tiefe aufweisen, die den Leser dazu veranlassen, jemanden sympathisch oder unsympathisch zu finden.

Einige der Handlungen sind unrealistisch, andere absolut vorhersehbar, die handelnden Personen sind klischeebehaftet und trotzdem fand ich die Geschichte so spannend, dass ich sie zügig durchgelesen habe.

Für mich handelt es sich jedoch nicht um einen Thriller, ich würde es eher in das Genre Kriminalroman einordnen.

Der Schreibstil des Autors ist – wie ich es schon aus anderen Büchern von ihm kenne – gut zu lesen. Um eine Geschichte rund werden zu lassen, muss ein Autor sich manchmal seiner künstlerischen Freiheit bedienen und hier hat sich Alexander Hartung mehr als einmal daran bedient, was die Story an manchen Stellen hat unglaubwürdig werden lassen – trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 17.10.2021

Hamburg 1925 - 1948

Der Traum von Freiheit
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Mina hat es geschafft. Die Firma Kopmann & Deharde – und hier insbesondere Mina als Frau – hat sich einen festen Platz in der Hamburger Kaufmannschaft erarbeitet. Sie wird endlich an der Börse als Händlerin ...

Mina hat es geschafft. Die Firma Kopmann & Deharde – und hier insbesondere Mina als Frau – hat sich einen festen Platz in der Hamburger Kaufmannschaft erarbeitet. Sie wird endlich an der Börse als Händlerin anerkannt (nicht zuletzt durch ihre Heirat mit Frederik von Lohmeyer) und durch das Abkommen mit ihrem Schwiegervater in Guatemala wird das Kontor mit hervorragenden Kaffeebohnen beliefert. Eigentlich könnte alles so schön sein ….. eigentlich ….

Frederik von Lohmeyer betreibt in Berlin einen florierenden Nachtclub und auch wenn Mina und er nur noch eine Ehe auf dem Papier führen, kann Frederik nicht umhin, Mina von den Gerüchten zu erzählen, die in Berlin die Runde machen; der Name Adolf Hitler (damals Vorsitzender der NSDAP) ist in aller Munde und irgendwie schafft der Mann es, seine antisemitische und rassistische Ideologie des späteren Nationalsozialismus in die Köpfe der Menschen zu pflanzen. Langsam aber stetig beginnt die Hetze gegen jüdische Bürger – und sowohl Edo, Minas heimliche große Liebe, als auch Anton, der Mann ihrer Schwester Agnes, sind jüdischer Abstammung. Noch glaubt niemand daran, dass dieser Adolf Hitler mehr als ein „kleines Licht“ werden wird und auch Mina nimmt die gutgemeinten Ratschläge ihres Ehemannes nicht ernst.

Was dann geschieht, ist Geschichte!

„Der Traum von Freiheit“ ist der 3.und letzte Band der Speicherstadt-Saga. Die Geschichte beginnt im Jahr 1925, also einige Jahre später als der 2. Band endet und umfasst die Jahre 1925 bis 1948.

Nachdem Großmutter Hiltrud gestorben ist, hat Mina ihre Schwester Agnes und ihren Mann Anton eingeladen, zu ihr in die Villa zu ziehen. Edo wohnt noch immer in der kleinen Kutscherwohnung und da Mina offiziell mit Frederik von Lohmeyer verheiratet ist, können sie ihre Liebe noch immer nur hinter verschlossenen Türen leben.

Mina ist zwar, was den Kontor und die kaufmännische Seite betrifft, schon immer sehr fortschrittlich und für eine Frau der damaligen Zeit sehr weit voraus, politisch ist sie jedoch (wie so viele andere Deutsche damals) ziemlich naiv unterwegs. Trotzdem lässt sie sich von ihrem langjährigen Freund Heiko und später auch von Edo in politische Aktionen einspannen, die für alle Beteiligten gefährlich sind und harte Konsequenzen nach sich ziehen würden.

Die Bombardierung Hamburgs macht natürlich auch vor der Villa Kopmann nicht halt und die Bewohner der Villa verbringen viele Stunden im Luftschutzkeller. Seitdem das harte Regiment von Hiltrud Deharde geendet hat, verbindet Mina mit ihren Angestellten ein eher freundschaftliches denn herrschaftliches Verhältnis.

Nicht alle Personen überleben, aber nicht jeder stirbt durch den Krieg.

Der Klappentext suggeriert, man würde sich gleich im Kriegsjahr 1940 befinden, dem ist leider nicht so. Das erste Drittel des Buches hat sich deswegen ein wenig zäh gelesen, da nicht wirklich etwas passiert bis zum Ausbruch des Krieges und durch den großen zeitlichen Umfang von 24 Jahren werden zusätzlich einige Charaktere in die Geschichte integriert, die es mir nicht immer leicht machten, den Überblick zu behalten.

Insgesamt ist dieser 3. Band ein gelungener Abschluss für die Speicherstadt-Saga, für mein Empfinden haben die Charaktere in diesem Teil aber sehr an Wärme und Tiefe verloren. Es hätte auch nicht unbedingt 448 Seiten gebraucht um die Saga zum Abschluss zu bringen, einige Längen hätte man durchaus vermeiden können. Trotzdem hat es mir gefallen, Mina und ihre Lieben ein paar Jahre ihres Lebens zu begleiten.

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Veröffentlicht am 17.10.2021

Sharing Is Caring

Sharing – Willst du wirklich alles teilen?
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Sharing Is Caring

Bettina und Markus Kern sind überzeugt davon, dass es wichtiger denn je ist, die Umwelt und das Klima zu schützen und vorhandene Ressourcen sinnvoll und effektiv zu nutzen. Sie leben ...

Sharing Is Caring

Bettina und Markus Kern sind überzeugt davon, dass es wichtiger denn je ist, die Umwelt und das Klima zu schützen und vorhandene Ressourcen sinnvoll und effektiv zu nutzen. Sie leben nach dem Motto „Sharing Is Caring“ und aus diesem Grund haben sie vor 5 Jahren die Firma „Kern & Kern Carsharing“ eröffnet. Ihr Haupt-Augenmerk liegt auf dem Car-Sharing, sie verfügen aber auch über einige Mietwohnungen.

Als Bettina abends nicht vom Fitness-Center nach Hause kommt, erhält Markus über ihren WhatsApp-Account einen Link, dem er folgen soll. Er landet auf einer Seite im Darknet und sieht seine Frau, nackt und breitbeinig gefesselt, auf einem Stuhl sitzend. Der Entführer setzt ihn telefonisch darüber in Kenntnis, dass über 20.000 online-Kunden (die für die Show natürlich bezahlt haben) gleich sehen werden, wie Bettina „geteilt“ wird. Am nächsten Tag soll Markus seine Frau jedoch wieder zurück bekommen.

Markus bekommt seine Frau zurück – allerdings lebt sie nicht mehr. Und nun beginnt der ganz persönliche Albtraum von Markus Kern, denn am gleichen Tag verschwindet seine 15jährige Tochter Leonie. Auch in ihrem Fall bekommt er vom Entführer einen Link zu einer (kostenpflichtigen) Seite im Darknet, die Leonie-Sharing-Show soll jedoch erst in einigen Stunden beginnen.

Markus hat eine Ahnung, wer sich da an ihm rächen wollen könnte, aber alle Indizien sprechen dafür, dass er selbst seine Frau getötet und seine Tochter entführt hat. Nicht zuletzt deswegen, weil seine Tochter ihn bei der Polizei als Lügner dargestellt hat. Da der Entführer ihm ein Ultimatum gestellt hat und er ein Rätsel lösen muss, um seine Tochter noch vor der offiziellen Sharing-Show im Darknet zu finden, beginnt eine waghalsige Flucht vor der Polizei.

Schafft Markus es, seine Tochter zu retten oder wird auch sie „geteilt“?

„Sharing“ ist das neueste Buch des Thriller-Autors Arno Strobel. Auch dieses Mal greift der Autor – genau wie in „Die App“ oder „Offline„- ein Thema der Zeit auf; Sharing – die Benutzung des gleichen Gegenstandes (Auto/Wohnung/Hund etc.), aus wirtschaftlichen Gründen, durch mehrere Menschen.

Der Schreibstil des Autors ist – wie auch in den anderen Büchern, die ich bisher von ihm gelesen habe – angenehm zu lesen und sehr temporeich. Ich habe das Buch an 2 Tagen gelesen, weil ich wissen wollte, ob der Täter tatsächlich der ist, auf den schon ziemlich weit vorne im Buch hingewiesen wird; wenn ja, was sein Motiv war, wenn nein; wer dann der Täter ist….

Erschreckend finde ich immer wieder, wie schnell man seinen Ruf verlieren kann – vor allen Dingen bei Freunden. Markus steht unter Mordverdacht und ruck zuck wenden sich Menschen von ihm ab, von denen er glaubte, eng mit ihnen befreundet zu sein, oder sie sind sogar Teil seiner Familie. Das ist im echten Leben leider nicht anders als hier in diesem Thriller, der eigentlich der Unterhaltung dient.

In kursiv geschriebenen Kapiteln kann man den Gedanken Leonies folgen, sie erlebt gerade die schrecklichsten Momente ihres Lebens.

Da Arno Strobel den Leser gleich mitten ins Geschehen wirft, konnte ich zu Markus keinerlei Beziehung aufbauen. Ich hätte mir etwas mehr persönlichen Hintergrund gewünscht. Auch der Sharing-Gedanke wird eigentlich nicht weiter ausgeführt, als dass es der Titel des Thrillers ist und Bettinas Peinigung mit mehr als 20.000 Zuschauern im Darknet geteilt wird. Einige Handlungen von Markus sind unrealistisch, einige total vorhersehbar, die Täter-Enthüllung hat mich überrascht, nichts desto trotz hat mich das Buch gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 17.10.2021

Familie kann man sich nicht aussuchen …

SCHWEIG!
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23.12., ein Tag vor Heilig Abend.
Obwohl Esther und Sue keinen sehr engen Kontakt haben, möchte Esther ihre „kleine Schwester“ an diesem Tag kurz besuchen um ihr ein Weihnachtsgeschenk zu bringen.

Esther ...

23.12., ein Tag vor Heilig Abend.
Obwohl Esther und Sue keinen sehr engen Kontakt haben, möchte Esther ihre „kleine Schwester“ an diesem Tag kurz besuchen um ihr ein Weihnachtsgeschenk zu bringen.

Esther lebt gemeinsam mit ihrem Mann Martin und ihren Kindern Ella und Jonas in der Stadt. Sue wohnt, nach der Scheidung von ihrem Mann Robert, alleine in einem 10-Zimmer-Haus mitten im Wald und nach dem Desaster vom letzten Weihnachtsfest, möchte Esther sich einfach nur davon überzeugen, dass es ihrer Schwester auch wirklich gut geht. Da sie anderenfalls sicherlich keine ruhige Minute haben würde, nimmt sie – obwohl sie selbst noch jede Menge Vorbereitungen zu erledigen hat – die Fahrt von etwas mehr als 1 Stunde auf sich.

Das Zusammentreffen verläuft gänzlich anders als erwartet und trotzdem ergibt es sich, dass die beiden Schwestern sich für einen kurzen Moment nahe kommen, sich gemeinsam an den Tisch setzen, woraus dann ein Gespräch resultiert, bei dem offen alle Karten auf den Tisch gelegt werden.

Am Ende des Tages ist eine Person tot ……..

„Ich bin kein freier Mensch, ich habe eine Schwester“
(Track 1)


„Schweig!“ ist eine Geschichte, die aus der Sicht von 3 Personen erzählt wird. Da sind zum einen die Schwestern Esther und Sue, die die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählen, als auch Esthers Ehemann Martin, der seine Sicht der Dinge in der 3. Person erzählt.

Esther glaubt tatsächlich, dass ihre „kleine Schwester“ Sue ohne sie nicht lebensfähig ist. Seit beide ihr eigenes Leben leben und getrennt wohnen, kann Esther nicht mehr auf Sue aufpassen und deswegen – zumindest glaubt das Esther – hat diese ihre Ehe an die Wand gefahren, ihren Job verloren, ist psychisch labil, muss deswegen Tabletten nehmen und wohnt einsam in ihrem Haus im Wald. Esther möchte Sue nicht alleine lassen, sie kann sie aber auch schlecht zu sich nach Hause einladen – man denke nur daran, was letztes Jahr passiert ist, als sie alle zusammen Weihnachten bei Esther verbracht haben.

Was letztes Jahr passiert ist erfährt man aus den Rückblicken der beiden Schwestern, die jede aus ihrer Perspektive erzählen, wie es sich für sie angefühlt hat – das letzte Weihnachtsfest. Ebenso wie einige Geschehnisse aus der Kindheit aufgerollt und zerpflückt werden. Sehr schnell wird klar, dass Esther und Sue eine komplett andere Sicht der Dinge haben. Esther wollte Sue immer nur beschützen, Sue fühlte sich hingegen permanent kontrolliert, manipuliert, bevormundet von einer Schwester, die nur ihre eigene Wahrheit gelten lässt. Es springt einem schon richtiggehend ins Gesicht, dass zwischen den Beiden keine Geschwisterliebe sondern eine hoch toxische Beziehung herrscht. Sue möchte eigentlich nur, dass Esther schnell wieder geht und sie in Ruhe lässt, weswegen sie sehr wortkarg und geradezu unhöflich ist – Esther interpretiert das Verhalten ihrer Schwester als depressiv und glaubt, sie braucht gerade heute besonderen Schutz.

Es handelt sich nur um einen einzigen Tag, genauer, ein paar wenige Stunden, die in diesem (Hör-)Buch beleuchtet werden. Nach kurzer Zeit hat man sich ganz sicher auf die Seite einer der beiden Schwestern geschlagen. Und dann kommt der Punkt, an dem man nicht mehr weiß, ob man sich auf der richtigen Seite befindet, denn nun wendet sich das Blatt…… und wieder wendet es sich, als Martin sich in die Geschichte einklinkt. Auch Martin beleuchtet das letzte Weihnachtsfest, seine Schwägerin, seine Ehe, einfach alles, aus seiner Sicht. Zwischendurch gibt es noch Rückblenden von einem Kind – „Das Mädchen“ genannt – und irgendwann weiß man selbst nicht mehr, wer von den Beteiligten jetzt eigentlich gut“ und wer „böse“ ist.

Ich hoffe, dass mich niemals in meinem Leben jemand „Schnecke“ nennt. Das ist der Spitzname, mit dem Ester ihre Schwester anspricht und auch Esthers Kinder sagen „Tante Schnecke“ zu Sue.

Das Gespräch zwischen den beiden Schwestern ist das, was die Geschichte interessant macht. Auch wenn die gleichen Situationen aus 2 Perspektiven beschrieben werden, ist es krass, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind. Ich habe ganz oft gedacht, dass das Verhalten von Esther mehr als übergriffig ist.

Leider wird die Sache zäh und langatmig als auch Martin beginnt, seine Geschichte zu erzählen. Nun erfährt der Leser/Hörer die gleichen Sachen noch einmal, aus der Sicht von Esthers Ehemann. Das war mir an einigen Stellen zu viel. Durch Martin hat man aber auch noch ein paar Details erfahren, die die Schwestern so nicht zur Sprache gebracht haben.

Der Schluss war anders als erwartet, aber es zeigt sich, dass Esther zu keiner Zeit und egal was passiert, niemals die Kontrolle aus der Hand gibt.

Auch wenn es stellenweise (für mein Empfinden) etwas zu langatmig war, war es doch unterhaltsam. Als Thriller würde ich es jedoch nicht bezeichnen, eher als Familien-Psycho-Drama. Die SprecherInnen Christiane Marx, Ulrike Kapfer und Tim Gössler haben die Geschichte einer hoch-toxischen Beziehung lebendig werden lassen.

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Veröffentlicht am 08.09.2021

Das Ende der Stille

Die Fotografin - Das Ende der Stille
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1919: Der 1. Weltkrieg ist vorbei, die Wirtschaft erholt sich ganz langsam wieder und auch in der Druckerei von Anton und Mimi geht es bergauf. Während Mimi sich (nach wie vor) um die Geschäfte kümmert, ...

1919: Der 1. Weltkrieg ist vorbei, die Wirtschaft erholt sich ganz langsam wieder und auch in der Druckerei von Anton und Mimi geht es bergauf. Während Mimi sich (nach wie vor) um die Geschäfte kümmert, widmet sich Anton seiner neuesten Passion: Er stellt Prothesen für Kriegsversehrte her. Er ist so sehr auf diese Arbeit fixiert, dass man es schon Besessenheit nennen kann, wie sehr Anton sich in dieser Sache verliert. Obwohl Mimi und Anton sich gegenseitig ihre Liebe geschworen haben und Anton Mimi gebeten hat, seine Frau zu werden, steht irgend etwas zwischen ihnen und so zögert Mimi nicht die Einladung anzunehmen, die sie aus den U.S.A. erreicht hat. Sie soll nach Hollywood kommen, um dort den zur Zeit berühmtesten und begehrtesten Stummfilm-Star zu fotografieren.

Mimi stellt sich nur kurz die Frage, warum ein berühmter Star in den U.S.A. ausgerechnet von ihr und nur von ihr fotografiert werden möchte, dann packt sie ihre Koffer. In Hollywood angekommen staunt sie nicht schlecht, denn bei der berühmten Chrystal Kahla handelt es sich um Christel Merkle, die 1911 aus Laichingen verschwunden ist. Aus dem anfangs geplanten Bildband entsteht nach und nach die Biografie der Chrystal Kahla und Mimis Abwesenheit aus Münsingen dauert länger als geplant. Doch auch nach Abschluss des Auftrages reist Mimi nicht direkt nach Hause zurück, sie gönnt sich noch ein paar Tage „Auszeit“ bevor sie sich über den Heiratsantrag von Anton Gedanken machen möchte.

Zurück in Münsingen muss Mimi feststellen, dass Anton – ohne ein Wort des Abschieds – nach England gegangen ist, um sich dort beruflich zu verwirklichen.

Ist das das Aus für ihre gemeinsame Zukunft?

„Die Fotografin: Das Ende der Stille“ ist der 5. und damit der finale Band der Fotografinnen-Saga der Autorin Petra Durst-Benning. Auf knapp 1.200 Seiten hat der Leser die Wanderfotografin Mimi Reventlow über 8 Jahre ihres Lebens begleitet. Mimi hat in dieser Zeit eine enorme Entwicklung durchgemacht, sie war aber von Anfang an sehr fortschrittlich und der Zeit weit voraus.

In diesem 5. Band wird die Geschichte der Chrystal Kahla alias Christel Merkle erzählt, die ihr Heimatdorf Laichingen im Jahr 1911 mit den Ersparnissen ihres damaligen Freundes Anton über Nacht verlassen hat. Die Autorin hat hier geschickt die Geschichte einer Person mit dem geschichtlichen Werdegang des Films verknüpft. Chrystal ist eine berühmte Slapstick-/ Stummfilmschauspielerin und durch ihre Erzählungen, die von Mimi in der Biografie verarbeitet werden sollen, erfährt der Leser auf angenehme Art und Weise die Hintergründe der Entstehung der Stummfilme. In Hollywood zeigt sich Mimi auch auf drastische Art und Weise der Unterschied zwischen dem Leben im zerstörten Nachkriegsdeutschland und dem Leben im Land der Siegermacht U.S.A.

Natürlich treffen wir auch wieder auf Alexander, der sich endlich von seinem Mäzen Mylo getrennt hat und sein Leben nun wieder selbstbestimmt leben kann. In Bad Kreuznach wohnt und lebt er unerkannt und verdient sich seinen Lebensunterhalt mit kleinen Malereien, die er an eine Galerie verkauft. Niemand weiß, dass es sich bei Alexander um den berühmten Maler Paon handelt und auch seiner Freundin Lena gegenüber sagt er zuerst einmal nicht, wer er ist.

Alexander lädt alle seine Laichinger Freunde zu einem Wiedersehen nach Bad Kreuznach ein und so werden von der Autorin am Ende alle Handlungsstränge zusammengeführt.

Der Schreibstil der Autorin ist – wie gewohnt – leicht und flüssig zu lesen. Man taucht von der ersten Seite an in das Buch ein. Für mich hätte es jedoch gerne weniger Chystal Kahla haben dürfen, dafür aber noch ein wenig mehr Bernadette und Corinne, denn es war immer der Zusammenhalt der Frauen, die die Geschichte für mich haben lebendig werden lassen. Mit Chrystal/Christel hatte ich irgendwie so gar keine Verbindung.

Petra Durst-Benning versteht es hervorragend, den Leser zu fesseln und an die Story zu binden. Aber jede Geschichte ist irgendwann einmal erzählt und so ist der 5. Band ein gelungener Abschluss für die Fotografinnen-Reihe.

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