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Veröffentlicht am 15.09.2016

Das Ende einer Flucht

Wie sie uns ansehen
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Ein Radfahrer schlägt sich in die Büsche um seine Blase zu entleeren und macht eine schreckliche Entdeckung. Im Gebüsch liegt die Leiche eines jungen Mädchens.

Als Kominalkommissarin Cornelia Arents ...

Ein Radfahrer schlägt sich in die Büsche um seine Blase zu entleeren und macht eine schreckliche Entdeckung. Im Gebüsch liegt die Leiche eines jungen Mädchens.

Als Kominalkommissarin Cornelia Arents am Fundort eingetroffen ist, fallen ihr und ihrem Kollegen auf den ersten Blick die Würgemale am Hals der Toten auf. Da bei der Leiche eine Handtasche gefunden wird, die sowohl ein Portemonnaie mit Kleingeld, als auch Ausweispapiere enthält, kann ein Raubmord weitestgehend ausgeschlossen werden. Die elektronische Aufenthaltskarte wurde vor einem Dreivierteljahr ausgestellt. Diese weist die Tote als Majida Esber aus, 16 Jahre alt, Heimatland: Syrien.

Cornelia Arents befürchtet, dass dieser Mord einen fremdenfeindlichen Hintergrund haben könnte.

„Wie sie uns ansehen“ ist der 3. Band in der die Ermittlerin Cornelia Arents die Hauptrolle spielt. Das Buch kann, wie die Vorgänger auch, problemlos als Einzelband gelesen werden.

Meiner Meinung nach handelt es sich hier deutlich um den stärksten Teil der Trilogie. Möglicherweise bin ich jedoch voreingenommen, da mich das Thema in diesem Buch emotional sehr berührt. Wer sich mit der Thematik um Flucht und Flüchtlinge nicht identifizieren kann, könnte hier eventuell den falschen Krimi in der Hand haben.

Einerseits habe ich Nerven aus Drahtseilen, mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Andererseits bin ich ein emotionales Weichei und Dinge, die mir zu Herzen gehen, treiben mir auch schnell das Wasser in die Augen. Dass ich bei einem Kriminalroman weinen muss, ist mir vor diesem Buch noch nicht passiert.

Das Buch beginnt mit einem Tagebucheintrag. Majida beschreibt ihre Gedanken zu etwas, das sie im TV gesehen hat. Es hat mit dem aktuell vorherrschenden Krieg in Syrien, den Dschihadisten und dem IS zu tun. Majida kennt die Einstellung ihres Vaters und wünscht sich in ihrem Tagebucheintrag, dass er seine Gedanken niemals offen aussprechen wird. Ihm würde sofort der Kopf abgehackt werden.

„Vater sagt, ein Mensch, der für seinen Glauben töten will, hat seinen Gott verloren.“

Da Majida tot in einem deutschen Gebüsch gefunden wird, wird dem Leser sehr schnell klar, dass dieser Tagebucheintrag aus der Vergangenheit stammen muss, denn zwischen ihrem Leben in Syrien und ihrem Tod in Deutschland liegen einige Monate.

Durch die immer wieder eingeschobenen Einträge aus Majidas Tagebuch bekommt der Leser Einblicke in die nahe Vergangenheit. Die Gründe, warum Majida und ihre Familie aus Syrien fliehen, die gefährliche und anstrengende Flucht selbst und die Ankunft und das Leben in Deutschland. All das wird von Rebekka Pax sehr bewegend erzählt, es hat mich wirklich tief berührt.

"Wie sie uns ansehen, mit ihren kalten Blicken. Als wären wir keine Menschen, sondern Dinge. Dinge, die sie anekeln."

Der zweite Erzählstrang beschäftigt sich mit der Gegenwart und den Ermittlungen von Cornelia Arents und ihrem Team, den Tod der 16jährigen aufzuklären. Ihre Arbeit führt Cornelia zu Majidas Mutter und Tante im Flüchtlingsheim und zu den Anwohnern direkt neben diesem Flüchtlingsheim.

Es ist sicherlich nicht einfach in einem Milieu zu ermitteln, das einem menschlich total zuwider ist. Im Rahmen der Ermittlungen muss Cornelia sich auch mit Menschen mit überaus rechter Gesinnung auseinandersetzen.

Das Tagebuch von Majida ist natürlich auf arabisch geschrieben und Majidas Verwandte sprechen auch noch kein Deutsch, Cornelia ist auf Hilfe angewiesen. Sie lernt Dr. Faris Aydin kennen, einen jungen syrischen Arzt, der sich aufgrund seiner guten Sprachkenntnisse gerne als Dolmetscher zur Verfügung stellt. Durch seine Tätigkeit rutscht er jedoch auch in den Fokus der rechtsradikalen Nachbarschaft.

Faris wird als überaus attraktiver und netter junger Mann beschrieben und ich kann verstehen, dass es zwischen Cornelia und Faris leicht zu knistern beginnt. Ihr Kollege Robin, der viele Jahre auch ihr Lebenspartner war, hat in Cornelias Leben endlich keine Bedeutung mehr. Es gefällt mir gut, dass Cornelia hier einen neuen Weg einschlägt.

Gemeinsam mit ihren Kollegen und Faris Aydin gelingt es Cornelia, den Tathintergrund zu ermitteln und den Täter dingfest zu machen, bevor weitere Menschen durch ihn zu Schaden kommen.

Das Ende des Buches stellt meiner Meinung nach den perfekten Abschluss für diese Geschichte dar – die eigentlich nicht wirklich eine Geschichte ist, sondern das Schicksal von Millionen von Menschen beschreibt.

Wer sich den aktuellen Nachrichten nicht verschließt, der weiß, dass Majidas fiktive Geschichte seit Jahren für viele Flüchtlinge bittere Realität ist. Seit 2015 spaltet dieses Thema unsere Gesellschaft und sorgt für Diskussionen und Streit, selbst zwischen bisher guten Freunden.

Diese Menschen flüchten vor Krieg und Tod und möchten bei uns in Deutschland nur eines: In Sicherheit sein. Sie nehmen es lieber in Kauf auf der Flucht zu sterben als wehr- und chancenlos in einem sinnlosen Krieg. Hier angekommen wirft man ihnen vor Schmarotzer zu sein und nur unser Geld zu wollen ….. wer sich ernsthaft mit diesen Menschen befasst, dem wird sehr schnell klar, dass es eben nicht so ist. Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, muss man jedoch seine Angst vor dem Unbekannten über Bord werfen und zulassen, dass diese Menschen sich einem nähern dürfen – nicht körperlich sondern emotional - denn dann wird eine Umarmung zu einer Freundschaftsgeste und nicht zu einer sexuellen Belästigung.

Eine 5-Sterne-Bewertung wird dem Buch nicht gerecht, es hat so viel mehr verdient.

Vielen Dank Rebekka für dieses Buch!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Cornelia Arents 1. Fall

Lokes Mond
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Auf einer Weide im Bochumer Stadtteil Riemke findet eine junge Frau morgens die Leichen von zwei bestialisch ermordeten Pferden. Die Köpfe der Pferde wurden abgetrennt und sind spurlos verschwunden. Einen ...

Auf einer Weide im Bochumer Stadtteil Riemke findet eine junge Frau morgens die Leichen von zwei bestialisch ermordeten Pferden. Die Köpfe der Pferde wurden abgetrennt und sind spurlos verschwunden. Einen Hinweis auf den oder die Täter sucht man vergeblich im frisch gefallenen Neuschnee.

Als Hanna Wehrheim in Bochum-Riemke ihrem Mann das Frühstück zubereiten möchte, wirft sie einen Blick aus dem Fenster in ihren Vorgarten und erstarrt. Zwischen den Hortensien stehen 2 Stangen und auf jeder von ihnen ist ein Pferdekopf aufgespießt.

Diese „Neidstangen“ (althochdeutsch für: Neid, Hass, Zorn) stellen eine unmissverständliche Beleidigung und zugleich Herausforderung an Professor Wehrheim dar. Aber wer hat diese Stangen in den Garten gestellt und aus welchem Grund?

Was hat es mit der Studentenvereinigung „Lokes Mond“ auf sich und hat Professor Wehrheim etwas mit ihr zu tun?

Das herauszufinden ist der 1. Fall von Kriminalkommissarin Cornelia Arents.

Mit „Lokes Mond“ hat Rebekka Pax ihren 1. Kriminalroman geschrieben. Die Reihe ist als 3teiler angelegt.

Da mir ihre historischen Romane (die sie unter Pseudonym Rebecca Maly schreibt) so gut gefallen haben, konnte ich mir natürlich einen Krimi aus ihrer Feder nicht entgehen lassen. Nach den ersten Seiten war klar: „Wer kann, der kann“, denn die Geschichte hat mich sofort in ihren Bann gezogen.

Außerhalb einer Leserunde hätte ich das Buch vermutlich in der gleichen Nacht noch fertig gelesen. Ja, Leserunden können gelegentlich auch Spaßbremsen sein.

Wir lernen Kriminalkommissarin Cornelia Arents kennen und sie wird realistisch beschrieben. Sie hat Ecken und Kanten und macht Fehler, sie trauert noch immer um ihr eigenes totes Pferd und muss beruflich dann auch noch mit ihrem Ex zusammenarbeiten. Genau das schafft die Nähe zwischen dem Leser und ihr. Es menschelt.

Ihr Ex, Kriminalkommissar Robin Schenz, bearbeitet gemeinsam mit Cornelia diesen Fall. Wie er sich als Freund benommen hat erfährt der Leser nicht wirklich, aber es hat ja einen Grund, warum er nicht mehr der Freund sondern der Ex ist. Was er sich dann in seinem Status als Exfreund leistet, geht gar nicht. Robin versucht Cornelia noch immer vorzuschreiben was sie zu tun und zu lassen hat. Vor allen Dingen als Cornelia dann auch noch Vincent Norads näher kennen lernt, der ihr bei ihren Recherchen in der Universitätsbibliothek eine große Hilfe ist. Robins Eifersucht hat auch Auswirkungen auf seine polizeiliche Arbeit.

Alle Protagonisten und Nebenprotagonisten wurden sorgfältig ausgearbeitet und selbst die Wolfshunde hinterlassen beim Leser einen bleibenden Eindruck.

An einigen Stellen im Buch geht Rebekka Pax richtig ins Detail. Ich mochte es gar nicht lesen wie die Pferde abgemetzelt werden oder eine Leiche seziert, aber ein Krimi ist nun mal kein Krimi wenn nix dramatisches in ihm passiert. Wie schon erwähnt, trägt die Spannung den Leser von der ersten bis zur letzten Seite und macht Lust auf die Fortsetzung.

Im März diesen Jahres habe ich Rebekka Pax in Leipzig persönlich kennen lernen dürfen und wenn man weiß, welch sympathische Person sich hinter einem Autorennamen verbirgt, macht das Lesen guter Lektüre noch mal so viel Spaß!

Ich freue mich auf den 2. Teil „Spiegelseele“ der am 04.02.2016 erscheint und der 3. Band folgt, wenn ich das richtig verstanden habe, auch noch in der ersten Jahreshälfte 2016.

Dieses Buch gehört definitiv auf meine Highlight-Liste für 2015!

Veröffentlicht am 01.01.2019

Mehr Schein als Sein

Nebenan funkeln die Sterne
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Nach ihrer gescheiterten Beziehung kehrt Emma ihrer Heimat Regensburg den Rücken. Um möglichst viel Raum zwischen sich und Simon zu bringen, zieht sie nach London in die 1-Zimmer-Dachgeschosswohnung ihrer ...

Nach ihrer gescheiterten Beziehung kehrt Emma ihrer Heimat Regensburg den Rücken. Um möglichst viel Raum zwischen sich und Simon zu bringen, zieht sie nach London in die 1-Zimmer-Dachgeschosswohnung ihrer Tante. Aufgrund eines Vorfalles, der letztendlich auch zur Trennung von Simon geführt hat, leidet Emma unter einer Art Agoraphobie, sie hat Angst vor die Türe und unter Menschen zu gehen. Heutzutage – im Zeitalter der weltweiten Vernetzung via Internet – ist es tatsächlich kein großes Problem, tage-/wochen-/monatelang seine Wohnung nicht verlassen zu müssen. Einkäufe erledigt Emma online, gebracht wird die Ware per Lieferservice bis zur Wohnungstüre und ihr Geld verdient sie damit, Web-Siten für Firmen zu erstellen. Emma arbeitet nachts und schläft tagsüber und ihre Sozialkontakte pflegt sie über Instagram, wo sie mehrere tausend Follower hat. Ein paar Bilder, ein wenig Photoshop – das Profil von „Em_dreams“ quillt über von tollen Fotos und zeigt ein perfektes Leben, das es jedoch in Wirklichkeit so gar nicht gibt. Als in der Nachbarwohnung ein neuer Mieter einzieht und Emma sich fortan die Dachterrasse mit Nathan Burberry teilen muss, kommt sie ganz langsam aus ihrem Schneckenhaus wieder heraus. Noch weiß sie nicht, dass auch Nathan seiner Umwelt stellenweise ein Fake-Profil präsentiert.

Ich habe mich für dieses Buch entschieden, weil ich (Jahrgang 1965) eine sehr kritische Einstellung zum Umgang mit den „Social Media“ habe. Natürlich nutze auch ich ein Smartphone, habe Accounts bei Instagram und Facebook, aber ich glaube, dass ich ein gesundes Nutzerverhalten an den Tag lege. Wenn ich mir die Jugendlichen aus meinem direkten Umfeld so anschaue, dann irritiert es mich immer wieder, wie wenig reale Kontakte sie haben – ihr Leben findet online statt und sie finden das toll. Statt einem Telefonat schreibt man sich lieber WhatsApp-Nachrichten und private Informationen teilt man auf Instagram, Facebook & Co. mit seinen „Followern“, wer auch immer sich dahinter verbergen mag. Man liegt stundenlang im Bett, mit dem Handy in der Hand und in der Anonymität des Netzes kann man sich durchaus ein Leben aufbauen, das man gerne hätte – aber nicht haben wird – und niemandem fällt es auf, dass man seit Tagen seine Wohnung nicht verlassen hat.

Emma hat sich genau so ein Leben aufgebaut. Sie lebt alleine in ihrer 1-Zimmer-Wohnung und man könnte das Gefühl haben, dass sie sich dabei eigentlich – bis auf einige wenige Ausnahmen - ganz wohl fühlt. Sie plant ihren Tag per Bullet-Journal und wenn ihr die Decke auf den Kopf fällt, loggt sie sich bei Instagram ein, verteilt ein paar Herzchen und Kommentare auf den Seiten der Menschen, denen sie folgt. Für ihre eigene Seite retouchiert sie alte Fotos, pimpt sie mittels Photoshop auf und suggeriert ihren Followern, dass sie unterwegs gewesen wäre. Zum Beispiel postet sie ein Foto vom Strand/Meer mit dem Hinweis „Herrliches Wochenende an der Küste verbracht“; in Wirklichkeit ist das Foto 1,5 Jahre alt und Emma hat am Wochenende natürlich keinen Schritt vor die Türe gemacht.

Durch ihre große Zahl an Followern dauert es immer nur kurze Zeit bis einer ihrer Beiträge kommentiert wird und dadurch fühlt Emma sich lebendig und „von Freunden umgeben“. Mit einer Hand voll Followern hat Emma sogar eine etwas engere Beziehung; man schreibt sich private Nachrichten aber sobald es auf ein Treffen hinausläuft, fällt Emma immer irgend etwas ein, warum sie zu diesem Treffen nicht kommen kann. Selbst ihrer Familie kann sie seit fast 2 Jahren erfolgreich etwas vorspielen und ihre Schwester Jana immer wieder von einem Besuch bei ihr abhalten.

Dem Leser wird zwar klar, dass Emma ein Problem damit hat unter Menschen zu gehen und am Leben teilzunehmen, das direkt vor der Haustüre stattfindet, es wird jedoch erst im Laufe der Geschichte offenbart, warum das so ist. Für mich steht das Verhalten von Emma in keinem Verhältnis zu dem Vorfall, der sie dazu veranlasst hat, sich in ihr Schneckenhaus zurückzuziehen. Emma zeigt für mich auch nicht die typischen Anzeichen eines Menschen der unter Panikattacken leidet, wenn er seine sichere Wohnung verlässt, sie fühlt sich unwohl, hat ein wenig Herzklopfen, mehr aber auch nicht. Sie ist durchaus in der Lage einkaufen zu gehen, wenn alle anderen Optionen versagen.

Zudem frage ich mich permanent, warum man seiner Umwelt solche Fake-Nachrichten zukommen lassen muss. Klar, man fühlt sich gut, wenn man positive Bewertungen/Kommentare bekommt, aber fällt man nicht anschließend automatisch wieder in ein Loch, wenn einem bewusst wird, dass das Leben gar nicht so rosarot ist, wie man es nach außen darstellt? Macht man sich so seine eigene Depression nicht selbst?

Als Nathan neben Emma einzieht, weiß dieser natürlich nichts von ihren Ängsten und ihrem „Doppelleben“ und er lädt sie öfter mal ein; zum Grillen, zum gemeinsamen Sitzen auf der Dachterrasse, zum Kaffee trinken …. Da Emma nicht immer „Nein“ sagen kann, schafft sie es nach und nach sich wieder dem richtigen Leben zu öffnen und in die Normalität zurückzufinden.

Ein Roman ist natürlich nicht vollständig, wenn nicht auch ein Quentchen Liebe darin vorkommt aber die Romanze zwischen Emma und Nathan braucht viel Zeit und Raum um sich zu entwickeln und wird dann von einem Ereignis überschattet, das Nathan schon lange bevor er Emma kennenlernte geplant hat. Auch Nathan hat eine Vergangenheit, mit der er abschließen muss.

Der Charakter von Emma hat sich mir leider nicht erschlossen, ich konnte mich eher mit Nathan identifizieren, ihn fand ich richtig sympathisch. Auch Nilla, die Inhaberin eines Schreibwarenladens, kam beim Lesen sehr sympathisch rüber und Emma schlägt sich ihretwegen stellenweise mit Eifersucht herum. Und dann ist da noch Britney, die als „BritMom“ in Instagram unterwegs ist und mit der sich Emma dann doch irgendwann im Laufe der Geschichte noch trifft. Auch sie wird sehr authentisch dargestellt.

Im ersten Drittel des Buches gibt es nur Emma und ihre Befindlichkeiten, im zweiten Drittel kommt Nathan dazu und meiner Meinung nach kommt das Buch erst im letzten Drittel so richtig in Fahrt, als Emma sich wieder dem wirklichen Leben widmet und offen ist für ihre Umwelt. Die Geschichte ist komplett aus der Sicht von Emma erzählt, der Schreibstil der Autorin ist gut zu lesen, mir fehlt aber irgendwie etwas, was mich mitreißt. Ich habe auch eine ganze Weile gebraucht, um das Buch zu Ende zu lesen.

Alles in allem eine nette und vorhersehbare Geschichte, die mich aber leider nicht nachhaltig begeistern konnte.

Veröffentlicht am 13.12.2018

Die Fotografin

Die Fotografin - Am Anfang des Weges
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Die Fotografin

Wir befinden uns im Jahr 1905. Eine Zeit, in der das Frauenbild noch in einem ziemlich engen Korsett steckt; die gutbürgerliche Frau ist von Beruf Gattin, sie darf ohne Erlaubnis ihres ...

Die Fotografin

Wir befinden uns im Jahr 1905. Eine Zeit, in der das Frauenbild noch in einem ziemlich engen Korsett steckt; die gutbürgerliche Frau ist von Beruf Gattin, sie darf ohne Erlaubnis ihres Mannes weder einem Broterwerb nachgehen noch über eigenes Geld verfügen, sie hat keinen Anspruch auf ihre eigenen Kinder - einzig die Gewalt über den Schlüssel der Speisekammer obliegt ihr.

In dieser Zeit lebt Minna – Mimi – Reventlow. Als eine der wenigen Frauen hat Mimi Abitur und eine abgeschlossene Berufsausbildung. Als sie an ihrem 26. Geburtstag einen Heiratsantrag von Heinrich Grohe bekommt, tut sie etwas schier unglaubliches: Sie lehnt diesen Antrag ab und entschließt sich dazu, in die Fußstapfen ihres Onkels zu treten. Sie möchte Wanderfotografin werden und das langweilige Feld der eingefahrenen Studio-Portrait-Fotografie verlassen. Ihr Kopf steckt voller neuer Ideen.

Mimi muss viele Klinken putzen bis ihr ein Zufall dazu verhilft, Bekanntschaft als Fotografin zu erlangen und sie reist eine Zeit lang durchs ganze Land. Als ihr großes Vorbild, Onkel Josef, erkrankt, reist sie zu ihm nach Laichingen. Schnell wird ersichtlich, dass es hier mit „Kurzzeitpflege“ nicht getan ist und Mimi beschließt, bei Josef zu bleiben und ihn zu pflegen. Um ihren Unterhalt zu verdienen eröffnet sie das seit Jahren geschlossene Foto-Atelier ihres Onkels aber mit ihrer offenen und modernen Art und ihrem zielgerichteten Auftreten trifft sie bei den konservativen Laichingern jedoch nicht überall auf Wohlwollen – schon gar nicht bei Herrn Gehringer, dem größten Arbeitgeber Laichingens.


Petra Durst-Benning hat es wieder einmal geschafft – sie hat es geschafft, mich einzufangen mit ihrer Geschichte. Ich liebe ihre Bücher; egal ob die zeitgenössische Maierhofen-Reihe oder die historischen Romane. Zum einen erschafft sie immer starke Protagonistinnen, die ihrer Zeit meist weit voraus sind, zum anderen sind ihre Themen/Schauplätze immer hervorragend recherchiert und gekonnt in einer wunderbaren Geschichte in Szene gesetzt.

„Ich möchte den Menschen Schönheit schenken! Sie in der freien Natur fotografieren, von mir aus auch mit Requisiten. Aber um Himmels willen nicht mit Kopf- und Körperstützen und immer in denselben Posen! Ich möchte mit Licht und Schatten spielen, ich möchte die Menschen mithilfe meiner Fotografien verzaubern …..“

Mimi war mir von der 1. Seite an sympathisch. Wenn es diese starken Charaktere nicht wirklich gegeben hätte (und heute nicht auch noch geben würde), dann wären wir Frauen wahrscheinlich noch immer brave Heimchen am Herd, die sich um nichts anderes als die 3 K (Küche, Kinder, Kirche) kümmern würden.

Petra Durst-Benning hat den Schauplatz ihres neuesten historischen Romans auf die schwäbische Alb gelegt, genauer gesagt nach Laichingen. Dort lebten die Menschen lange Zeit nach festgefahrenen Traditionen: Ganze Generationen von Männern arbeiteten als Weber in den Fabriken der Tuchindustrie, die Frauen fertigten Stickereien in Hausarbeit; es gab nichts anderes und über den Tellerrand zu schauen war damals nicht üblich oder man konnte es sich schlichtweg nicht leisten. Trotz harter Arbeit lebten die meisten Familien in Armut und ihr Hauptnahrungsmittel war „schwarzer Brei“, ein Brei aus Musmehl, den es heute noch in einer deftigen und einer süßen Variante gibt. Die Autorin schafft es mit ihren Beschreibungen, dass man sich als Leser ganz in die damalige Zeit zurückversetzt fühlt.

Mimi lernt in Laichingen das karge und harte Leben der Leinenweber kennen aber sie versteht es nicht, dass niemand der Alteingesessenen aus diesem Joch ausbrechen möchte oder, wenn schon die Eltern es nicht tun, sie nicht wenigstens ihren Kindern die Möglichkeit geben etwas anderes zu tun als Generationen vor ihnen. Mimi erkennt zum Beispiel, dass einer der Jugendlichen ein großes Talent zum Zeichen hat und sie möchte ihm gerne helfen, dass er die Zeichenschule in Stuttgart besuchen darf. Leider stößt diese Idee bei seinen Eltern auf Widerstand. Aber Mimi wäre nicht Mimi, wenn sie sofort aufgeben würde.

Neben dem Erzählstrang von Mimi, die dem Leser die Geschehnisse aus ihrer Sicht zeigt, erfahren wir von Anton und Alexander, wie das eingefahrene Leben in Laichingen sich für die Jugendlichen anfühlt und mit Eveline hat Petra Durst-Benning eine Protagonistin erschaffen, die aus „gutem Hause“ stammt und die Ehe mit einem Leinenweber eingegangen ist.

Alle Protagonisten sind sehr liebevoll und realistisch angelegt worden und es macht Spaß, ihnen als Leser über die Schulter zu schauen und an ihrem Leben teilzuhaben. Natürlich kommen auch die Gefühle nicht zu kurz, denn Mimi lernt auf ihrer Reise durch Deutschland einen Wander-Gewerkschafter kennen, zu dem sie sich gleich hingezogen fühlt. Leider trennen sich ihre Wege und niemand weiß, ob sie sich jemals wiedersehen werden. Vielleicht verhilft das Schicksal ihnen ja zu einem Treffen zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort, wer weiß?

Als 1. Teil einer Serie endet das Buch natürlich mit einem Cliffhanger (zumindest finde ich das natürlich, dass das Buch nicht in sich abgeschlossen ist). Die Wartezeit bis zu Band 2 wird schmerzlich, das weiß ich, aber umso schöner wird es im April dann sein, die Fortsetzung lesen zu können.

Zu einem Buch, auf dem Petra Durst-Benning drauf steht, greife ich bedenkenlos – weil ich weiß, dass ich für ein paar Lesestunden wirklich gut unterhalten werde.

Veröffentlicht am 06.12.2018

Neue Thriller-Serie „Freak City“

Freak City / Hexenkessel
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Bei „Freak City“ handelt es sich um die neue Serie des Thriller-Autors Martin Krist. „Hexenkessel“ ist der Auftakt der Reihe und der Leser schaut Pearl bei seiner Arbeit als Ermittler über die Schulter. ...

Bei „Freak City“ handelt es sich um die neue Serie des Thriller-Autors Martin Krist. „Hexenkessel“ ist der Auftakt der Reihe und der Leser schaut Pearl bei seiner Arbeit als Ermittler über die Schulter. Handlungsort ist eine Stadt die niemals schläft: New York.

Pearl ist kein Polizist aber auch kein Privatdetektiv – generell bekommt man als Leser sehr wenig Informationen zu seiner Person. Einzig der Hinweis darauf, dass er ein Halbblut ist, ziemlich auffällige Narben hat und Vermisste, Verschwundene, Entführte, Totgeglaubte, ebenso Entführer, Erpresser, Mörder und Killer sucht. Da er keinem Berufskodex folgen muss, kann er seine Ermittlungen so konventionell oder auch unkonventionell führen, wie er gerade Lust hat. In „Hexenkessel“ begleiten wir ihn auf der Suche nach einer verschwundenen Schauspielerin.

Patsy ist seit 2 Monaten geschieden und zieht gerade mit ihrem neuen Freund Milo einen Einbruch durch. Eigentlich passt das gar nicht zu ihr und so redet sie sich ein, dass sie das nur für ihre Tochter Christie tut. Leider läuft in ihrem Leben gerade so gar nichts nach Plan und so kommt es, dass sie und Milo im Haus ihres Opfers vom Jäger zum Gejagten werden.

„Hexenkessel“ ist ein Thriller mit gerade mal 224 Seiten und nach typisch amerikanischer Manier legt der Autor in dieser Geschichte ein ziemlich schnelles Tempo vor. Das Buch ist in 12 Kapitel unterteilt, die abwechselnd aus der Sicht von Pearl und Patsy erzählt werden und jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger. So gehört sich das in einem Thriller, der Leser muss regelrecht danach lechzen, das nächste Kapitel lesen zu wollen.

Die unterschiedlichen Handlungsstränge von Pearl und Patsy haben scheinbar überhaupt nichts miteinander zu tun. Der Autor schafft es, den Spannungsbogen die ganze Zeit über oben zu halten. Als Leser fragt man sich permanent, wie das alles miteinander in Zusammenhang steht und man findet einfach keine Lösung. Ich bin ja auch bekanntlich kein guter Kriminologe – ich bin diejenige, die meistens bis zur Auflösung im Dunkel steht. Der Schluss des Buches lässt bei mir die ein oder andere Frage offen, wirklich wichtig um das Buch zu verstehen, sind die Antworten auf diese Fragen jedoch nicht.

Grundsätzlich hat mir der 1. Teil der New-York-Reihe sehr gut gefallen und ich werde auch ganz sicher den 2. Teil lesen. Trotzdem gibt es aus meiner Sicht einige wenige Kritikpunkte, die ich gerne anmerken möchte.

Zum einen habe ich extreme Probleme damit, wenn die Protagonisten in unterschiedlichen Handlungssträngen Vornamen haben, die mit dem gleichen Buchstaben anfangen. Da man auf den ersten Seiten noch niemanden wirklich kennt und keine Unterscheidungsmerkmale hat, hatte mein Gehirn mit Pearl und Patsy ein Problem. Sicherlich geht es nicht nur mir so.

Zum anderen gehöre ich zu den Lesern, die sich gerne mit den Protagonisten identifizieren möchten – ich kann nicht mit jemandem mitfühlen, wenn sich mir die Person nicht erschließt. Ein paar Seiten mehr hätten aus dem Buch noch keinen Wälzer gemacht und ein paar Informationen über Pearl, aber auch über Patsy und Milo, hätten mir persönlich gut gefallen. Aber … das ist subjektives Empfinden und die Tatsache, dass es nicht mehr Informationen gibt, ist auch sicherlich vom Autor genau so gewollt. Mich lässt es ein wenig in der Luft hängen, da ich niemanden der agierenden Personen wirklich greifen kann.

Alle Bände von „Freak City“ sind – nach Aussage des Autors – in sich abgeschlossen. Ich hoffe trotzdem, dass die Person von Pearl noch ein wenig mehr beleuchtet wird.