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Veröffentlicht am 22.10.2025

- bewegendes Psychogramm eines verschlissenen MMA-Kämpfers und den Verlust seiner kognitiven Fähigkeiten -

Umnachtet
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John Vercher - Umnachtet
(Polar Verlag)

- bewegendes Psychogramm eines verschlissenen MMA-Kämpfers und den Verlust seiner kognitiven Fähigkeiten -

Montgomery County, südöstlich von Philadelphia. Die ...

John Vercher - Umnachtet
(Polar Verlag)

- bewegendes Psychogramm eines verschlissenen MMA-Kämpfers und den Verlust seiner kognitiven Fähigkeiten -

Montgomery County, südöstlich von Philadelphia. Die magische 30-Jahre-Grenze längst überschritten, ist der mäßig erfolgreiche MMA-Kämpfer Xavier „Scarecrow“ Wallace nicht nur in die Jahre gekommen, sondern körperlich auch ziemlich kaputt. Neben diversen Knochenbrüchen, plagen den Extrem-Sportler Schwindelgefühle, Kopf- und Gelenkschmerzen, Tinnitus, Druck hinter den Augen, Sehstörungen, Übelkeit und immer extremer werdende Gedächtnislücken. Nachdem Xavier den Bungalow seines Vaters Sam Wallace bezogen hat, den er aufgrund seiner COPD-Erkrankung, sowie seiner fortschreitenden Demenz in ein Pflegeheim eingewiesen hatte, muss sich der Sohn eines Weißen und einer Afroamerikanerin zusätzlich mit den rassistischen Anfeindungen seines Nachbarn und MAGA-Anhängers Ray herumschlagen. Kurz vor Ende seiner Wettkampfsperre stehend, versucht sich Xavier wieder auf sein Training und das der Boxer, Kickboxer und MMA-Kämpfer im Gym seines Cousins und Managers Shemar Oscar Tracy - kurz Shot - zu konzentrieren. Aufgrund Xaviers Unzuverlässigkeit, seiner zahlreichen Gebrechen, sowie seiner Verpflichtungen gegenüber seinem Vater, sowie seinem Bullterrier Loki, will ihm das jedoch nicht so recht gelingen. Der schwer kranke Journeyman, der gerne jegliche Verantwortung vor sich her schiebt, bringt sich und Shot nicht zuletzt durch seine unkontrollierte Hitzigkeit gar in finanzielle Schwierigkeiten. Als endlich der langersehnte Anruf kommt und der MMA Old-Timer Xavier Wallace erneut in den Ring steigen darf, wird dies ein Kampf gegen sich selbst und die übermächtige, unbezwingbare Chronisch Traumatische Enzephalopathie (CTE), auch bekannt als Boxerdemenz. Xaviers Comeback-Kampf bei der größten MMA-Promotion gerät zu einem mittleren Desaster, die seine Lebensgeschichte letzten Ende auf ihren bitteren Ausgang zusteuern lässt.

In seinem neuesten Psychogramm und Familiendrama "Umnachtet" beleuchtet der US-amerikanische Schriftsteller John Vercher die vielen physischen und seelischen Auswirkungen einer Extremsportart, wie Mixed Martial Arts. Der immer dramatischere Züge annehmende körperliche, wie geistige Verfall, der den MMA-Kämpfer Xavier Wallace immer öfter einholt, führen ihn in Situationen, die er nicht oder nur falsch einschätzen kann. Hierbei lotst Vercher, der früher selbst MMA trainierte, seine Leserschaft bewusst in verwirrende Situationen und Dilemma, um den Zustand seines Akteurs anschaulich darzustellen und die Begebenheiten in erschreckend spürbarer Weise auf den Leser zu projizieren. Xavier will seine psychische Auflösung weder wahrhaben noch akzeptieren. Den "Point of no return" längst überschritten, driftet der afroamerikanische MMA-Kämpfer in einen immer löchrig werdenden Dunstkreis aus depressiven Schüben, kaum auszuhaltenden Schmerzen und paranoiden Zuständen ab. Dass er sich dringend Hilfe holen muss, verdrängt er dabei völlig. Das Alleinsein, die Ablehnung, die Konfrontationen mit Rassismus (sogar durch seinen eigenen Vater), der Verlust der kognitiven Fähigkeiten, die Verwirrung, das Leid und der Schmerz reißen tiefe Löcher in Xaviers schwindende Gefühlswelt. John Vercher, der jahrelang als Physiotherapeut arbeitete und mit seiner Frau, sowie seinen beiden Söhnen in der Gegend von Philadelphia lebt, nutzt in seinem Martyrium "Umnachtet" eine vergleichende Rhetorik. So bewertet er die Alzheimererkrankung und die damit einhergehende Einsamkeit Sams mit der Xaviers, sowie den ehemaligen Kampfhund Loki, der nicht mehr bellen kann, mit Xaviers sich dem Ende neigender Karriere. Dieses, als Schreckensszenario verpackte, von Melancholie durchflutete Psycho- und Familiendrama stimmt einen nicht nur traurig, sondern hält einem das eigene, früher oder später einsetzende Dahinsiechen, beziehungsweise sein allmähliches Verschwinden nur allzu deutlich vor Augen.

(Janko)

MMA = Mixed Martial Arts (Vollkontakt-Kampfsportart, in einer losen Mischung aus diversen Kampfstilen und Techniken, wie zum Beispiel: Boxen, Karate, Jiu-Jitsu, Kickboxen, Taekwondo, Ringen, Muay Thai, Judo und Sambo)

https://www.johnvercherauthor.com
https://www.instagram.com/jverchwrites

Brutalität/Gewalt: 37/100
Spannung: 73/100
Action: 58/100
Unterhaltung: 80/100
Anspruch: 68/100
Atmosphäre: 65/100
Emotion: 68/100
Humor: 08/100
Sex/Obszönität: 14/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 80/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 15 Jahren (aufgrund des Kontexts)

John Vercher - Umnachtet
Polar Verlag
Noir
ISBN: 978-3-910-91830-6
312 Seiten
Gebundene Ausgabe mit Leseband
Originaltitel: After The Lights Go Out (2022)
Aus dem Amerikanischen von Harriet Fricke
Erscheinungstermin: 15.09.2025
EUR 26,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (Kindle Ausgabe): 978-3-910-91831-3
Erscheinungstermin: 15.09.2025
EUR 21,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Umnachtet" beim Polar Verlag: https://polar-verlag.de/produkt/john-vercher-umnachtet

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Veröffentlicht am 09.10.2025

- mitreißendes, emotionales und gewalttätiges Historiendrama zur Zeit des Sezessionskrieges -

Im Süden
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James Lee Burke - Im Süden
(btb Verlag)

- mitreißendes, emotionales und gewalttätiges Historiendrama zur Zeit des Sezessionskrieges -

Saint Martinville, Louisiana, zu Zeiten von Sklaverei und Bürgerkrieg. ...

James Lee Burke - Im Süden
(btb Verlag)

- mitreißendes, emotionales und gewalttätiges Historiendrama zur Zeit des Sezessionskrieges -

Saint Martinville, Louisiana, zu Zeiten von Sklaverei und Bürgerkrieg. Wade Lufkin, Gast auf der Plantage "Lady of the Lake", hat sich in die berauschend schöne kreolische Sklavin Hannah Laveau verliebt. Als sie kurz zuvor von seinem Onkel Charles Lufkin an den Plantagenbesitzer Minos Suarez vermietet wurde, soll sie dort für einen Aufruhr unter den Farmarbeitern gesorgt haben. Ein paar Tage später wird Minos Suarez leblos und verstümmelt aufgefunden. Ein triftiger Grund für den Sklavenpatrouilleur Constable Pierre Cauchon, mit Mr. Charles Lufkin und Hannah Laveau über ihren Voodoo-Zauber, sowie die Begebenheiten, die zu diesem skrupellosen Mord führten, zu sprechen. Wade Lufkin bietet Hannah seine Hilfe an. Auch Constable Pierre Cauchon, sowie die vornehme und altruistische Leiterin einer Privatschule in New Iberia, Florence Milton sind auf Hannahs Seite. Ob ihr das bei der Anklage wegen Mordes, Körperverletzung und Hexerei weiterhelfen wird, bleibt vorerst fraglich. Die sture Kreolin zeigt sich nämlich alles andere als kooperativ und flüchtet mit Hilfe von Florence Milton aus dem Gefängnis. Dabei bringen sich die Damen immer wieder in höchste Gefahr. Sklavenhändler, Freischärler, Zuhälter und Yankees stellen sich ihnen in den Weg. Eine Flucht und ein Martyrium ungeahnten Ausmaßes bricht sich Bahn. Auch Familie Lufkin, Constable Cauchon, sowie die 23 Jahre alte Sklavin der Suarez Plantage Darla Babineaux, in die sich Cauchon verliebt, bekommen heftigen Gegenwind aus verschiedenen Richtungen.

1936 in Houston, Texas geboren, zählt James Lee Burke zu den besten Erzählern der Gegenwartsliteratur. Der US-amerikanische Schriftsteller erarbeitet komplexe und brutale Welten, die sich so nah am Geschehen bewegen, dass man sie kaum in Wort zu fassen vermag. Gewaltprononciert, aber einfühlsam. Ungeschönt, aber ehrlich. Historisch korrekt, aber explizit, entwirft Burke auf 352 Seiten ein mitreißendes, emotionales und gewalttätiges Historiendrama zur Zeit des Sezessionskrieges (1861 - 1865). Er spickt seinen anspruchsvollen, intelligent aufgebauten, gleichermaßen atmosphärisch dichten Pageturner kontinuierlich mit treffenden, zeitgenössischen Anekdoten und baut beiläufig Begebenheiten, Charakterzeichnungen und landschaftliche Settings auf, in die der Leser mit Leichtigkeit einzutauchen vermag. Die lebensbedrohlichen Gefahren, in der jedes falsche Wort und die falsche Hautfarbe den Tod bedeuten kann, die abgründigen Ängste, sowie die morbide Verrohung durch die Auswirkungen von Sklaverei und Krieg, werden "Im Süden" nur allzu offenbar. Marodierende Truppen ziehen durchs Land. Plündern, vergewaltigen, verstümmeln, morden und verbrennen, was ihnen in den Weg kommt. Überlegenheitsgefühl, Machtverhältnisse, Ausbeuterei, Gier, Skrupellosigkeit, Bestechung und Zerstörung, aber auch Hilflosigkeit, Schmerz, Verlust, Trauer, Krankheit, Verdrängung und Tod sind dabei die wesentlichen Eckpfeiler, auf die sich das halb fiktionale "Im Süden" stützt. "Flags on the Bayou", wie das 2023 erschienene Historiendrama im Original betitelt wurde, arbeitet einen Teil der unrühmlichen, gar erbärmlichen Vergangenheit der Amerikaner in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf. Dabei macht es einen sehr betroffen, wenn nicht gar sprachlos, wenn man über all die erschütternden Missetaten nachdenkt, die den Sklaven damals angetan wurden. James Lee Burke, der diesen Dezember 89 Jahre alt wird, ist ein virtuoser Erzähler, der zum Mitfühlen einlädt. Ich klebe jedes Mal aufs Neue an seinen Seiten, wie ein Neugeborenes an den Brüsten seiner Mutter. "Im Süden" ist mit Pathos erzählt und jeden einzelnen Cent wert!

(Janko)

https://www.jamesleeburke.com/
https://www.facebook.com/JamesLeeBurkeAuthor
https://www.instagram.com/jamesleeburke/

Brutalität/Gewalt: 81/100
Spannung: 81/100
Action: 74/100
Unterhaltung: 90/100
Anspruch: 70/100
Atmosphäre: 81/100
Emotion: 77/100
Humor: 20/100
Sex/Obszönität: 27/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 89/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 16 Jahren (aufgrund des historischen Hintergrunds und der teils drastischen Gewaltdarstellungen)

James Lee Burke - Im Süden
btb Verlag
Historiendrama
ISBN: 978-3-442-77506-4
352 Seiten
Taschenbuch, Broschur
Originaltitel: Flags on the Bayou (2023)
Aus dem Amerikanischen von Alexander Wagner
Erscheinungstermin: 10.09.2025
EUR 15,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-641-32491-9
Erscheinungstermin: 10.09.2025
EUR 9,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Im Süden" beim btb Verlag: https://www.penguin.de/buecher/james-lee-burke-im-sueden/taschenbuch/9783442775064

Leseprobe: https://content.penguinrandomhouse.de/content/edition/excerpts/1146039.pdf

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Veröffentlicht am 26.09.2025

- kurzweiliger Western, der auf Zorn und Rache fußt -

Ein Mann namens Loprete
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Mariana Travacio - Ein Mann namens Loprete
(Pendragon Verlag)

- kurzweiliger Western, der auf Zorn und Rache fußt -

In einem von Hitze geplagten Landstrich, irgendwo in Südamerika. Ein Mann namens Loprete ...

Mariana Travacio - Ein Mann namens Loprete
(Pendragon Verlag)

- kurzweiliger Western, der auf Zorn und Rache fußt -

In einem von Hitze geplagten Landstrich, irgendwo in Südamerika. Ein Mann namens Loprete betritt El Tanos Bar und fragt nach Pepa. Sie sei ihm verloren gegangen, behauptet der Fremde. Fünf Gläser Gin später liegt er verblutend am Boden. El Tano, der Ich-Erzähler Manoel und ein weiterer Mann namens Juancho begraben Loprete anschließend vor der Bar und schwören sich, dass dies niemals passiert sei. Als zwei Wochen später drei Reiter vor El Tanos Bar auftauchen und sie sich als drei von insgesamt acht Brüdern Lopretes ausgeben, erklärt ihnen El Tano seelenruhig, er habe keinen Mann gesehen, der wie der Beschriebene aussehe. Doch die Männer glauben ihm nicht, kommen wieder und spornen ihn nachhaltig zum Nachdenken an. Das ist zu viel für El Tano und er flieht mit Manoel zu seiner Schwester Luisa.

"Ein Mann namens Loprete" ist ein schnörkelloser, spartanischer und schnell erzählter Western, mit kurzen Kapiteln. Nicht selten unter einer Seite lang. Der 128 Pagina umfassende Debüt Roman, der 1976 in Rosario (der drittgrößten Stadt Argentiniens) geborenen Autorin Mariana Travacio, hält sich nicht lange mit Einleitungen, Erklärungen oder Charakterbeschreibungen auf, sondern geht unmittelbar und nervenaufreibend zur Sache. In ein südamerikanisches Flair vor vielleicht 80 bis 100 Jahren verpackt, wird Brutalität, Gewalt, Angst und Verrohung in knackigen, prosaischen Sätzen geliefert. Dabei konzentriert sich die ehemalige Klinikpsychologin und Lehrerin für Forensische Psychologie rein auf das Wesentliche. Die Gewaltszenen, die Mariana Travacio selten eingehend seziert, dienen ihr lediglich als Stilmittel zur Unterfütterung ihres komprimierten Plots. Das Lokalkolorit beschränkt sich fast ausschließlich aufs Wetter. Die Charakterzeichnungen bleiben den Umständen geschuldet farblos, was auch dem immersiven eintauchen in das Bouquet voller verpasster Chancen ein klein wenig entgegensteht. Von Sentimentalität und Tristesse gezeichnet, hat jeder einzelne Akteur sein Päckchen zu tragen und auf seine Weise mit den Geistern der Vergangenheit zu kämpfen. In Mariana Travacios Novelle bleibt alles ein wenig mysteriös und nicht wirklich greifbar.

Als sich die gesamte Tragweite der Tragödie allmählich zu entfalten beginnt und die Vergangenheit der Männer im Dorf, wie auch die der Lopretes auf den Tisch gebracht wird, kocht unbändiger Zorn in Manoel hoch. Er wird in sein Dorf zurückkehren. Er wird die Lopretes suchen und finden. Er wird sich grausam an ihnen rächen! In Begleitung von zehn fähigen Männern, die ihm ein alter Freund von El Tanos Vater als Eskorte zuweist, bricht sich eine blutige und bedrohliche Fehde voller Raserei, Wahnsinn und bizarrer Begebenheiten Bahn. Ein gegenseitiges Massaker in heftigem Regen und Schlamm mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. "Ein Mann namens Loprete" zeugt dabei von Freundschaft, Zusammenhalt, Stärke, Kampf, Schmerz, Verlust, Vergänglichkeit, Schuld und Tod. Die argentinische Schriftstellerin und Übersetzerin für Französisch und Portugiesisch Mariana Travacio wuchs in Brasilien auf und lebt heute noch in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Für den kurzweiligen Western, welcher ursprünglich im Jahre 2016 unter dem Titel "Como si existiese el perdón" veröffentlicht wurde und die der Pendragon Verlag als gebundene Ausgabe mit Lesebändchen publiziert, sind die aufgerufenen 22,00 Euro allerdings kein Pappenstiel.

(Janko)

https://www.facebook.com/mariana.travacio
https://www.instagram.com/mariana_travacio/

Brutalität/Gewalt: 64/100
Spannung: 66/100
Action: 58/100
Unterhaltung: 79/100
Anspruch: 36/100
Atmosphäre: 62/100
Emotion: 58/100
Humor: 01/100
Sex/Obszönität: 06/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 77/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 16 Jahren (aufgrund der Gewaltdarstellungen)

Mariana Travacio - Ein Mann namens Loprete
Pendragon Verlag
Gesellschaftsroman/Thriller/Western
ISBN: 978-3-86532-910-3
128 Seiten
Gebundene Ausgabe mit Lesebändchen
Originaltitel: COMO SI EXISTIESE EL PERDÓN (2016)
Aus dem argentinischen Spanisch von Kirsten Brandt
Erscheinungstermin: 03.09.2025
EUR 22,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Ein Mann namens Loprete" beim Pendragon Verlag: https://www.pendragon.de/autor/mariana-travacio/ein-mann-namens-loprete

Leseprobe: https://www.pendragon.de/prospekte/Travacio-Ein%20Mann%20namens%20Loprete-%20Leseprobe-web.pdf

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Veröffentlicht am 19.09.2025

- zynischer, sarkastischer und verkopfter Roadtrip durch das Tal des Todes -

Death Valley
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Steven Uhly - Death Valley
(Secession Verlag Berlin)

- zynischer, sarkastischer und verkopfter Roadtrip durch das Tal des Todes -

Nachdem seine Mutter und ihr Lebensgefährte Gerd bei einem Ausflug ins ...

Steven Uhly - Death Valley
(Secession Verlag Berlin)

- zynischer, sarkastischer und verkopfter Roadtrip durch das Tal des Todes -

Nachdem seine Mutter und ihr Lebensgefährte Gerd bei einem Ausflug ins Death Valley zu Tode gekommen sind, muss sich der autofiktionale Schriftsteller Steven Uhly um die sterblichen Überreste seiner Mutter kümmern. Kurzerhand fliegt er parallel zu Hans Butt, dem Sohn von Gerd, in die USA und strandet kurzzeitig am Flughafen Washington-Dulles. Hier lernt er den 30 Jahre alten Richard "Richie" Becker und seine wunderschöne, zwei Jahre ältere Schwester Angela "Angie" Becker kennen. Genau Stevens Beuteschema. Auch die Beckers haben hier in den USA Erbschaftsangelegenheiten zu regeln. Nur in wesentlich größeren Dimensionen. Mehr so im Beherbergungssegment. Und so wird das "Findelkind" Uhly kurzzeitig zum Gast der Beckers in Suite 21, in deren Hotel in Las Vegas. Als bekennender Menschenfeind wirft der Autor gerne mal politisch unkorrekte und zeitgenössische Spitzfindigkeiten mit scharf- oder irrsinnigem Weitblick ein. Die Wendungs- und Wandlungsfähigkeit seiner geradezu philosophisch gearteten Rhetorik ist schon enorm und bemerkenswert. Steven Uhly jongliert mit gewissen Tabus, denen er sich lediglich gedanklich und in Textform, nicht aber im wahren Leben hingeben kann. So vögelt der verheiratete Lebemann, nach einem ausgiebigen und feuchtfröhlichen Abendessen Richies Schwester Angie, bis er sich am nächsten Tag in dessen Leihgabe, in Form eines finanziell und motormäßig völlig überdimensionierten Pick-ups, auf die Fahrt durch das Tal des Todes macht. Dabei trifft der Zyniker auf allerlei illustre Gestalten, wie auch auf Hans, dessen Leihwagen eine Panne hat. Und so wird aus den Erbschafts-Konkurrenten beinahe so etwas wie "bäst fränds". Dass die ganze Angelegenheit jedoch nicht so einfach ist, wie sie sich anfangs darstellt, dürfte allerdings jedem Leser klar sein.

Steven Uhly, der am 6. Juni 1964 erstmals das grelle Licht eines Kölner Kreißsaals erblickte, sagt in seinem neuesten Geniestreich "Death Valley" dem ideologischen Irrsinn dieser Welt den Kampf an. Das garniert der deutsch-bengalische Autor auf 303 Seiten in locker flockiger, wie geistreicher Manier und beißendem Sarkasmus. Dabei ist der zwanghafte Egomane und selbsternannte Misanthrop denkbar selbstkritisch, allerdings nur sich selbst gegenüber. Sozialkritisch ist er auch, dann aber gerne mit Außenwirkung. Uhly schreibt "Death Valley" in der Ich-Perspektive, als wäre er Teil seines eigenen Reiseberichts. Ein autobiografisch verfasster Roman also? Mitnichten! Der Egozentriker möchte lieber vernichten und (sich selbst) belügen und zerstören und wiedergutmachen und noch so vieles mehr, was ihm mit Bravour gelingt. Hierbei rubbelt er sich mal ironisch, mal widersprüchlich an Stereotypen satt, beurteilt Menschen gerne nach ihrem Äußeren und bedient auf diese wundersame Weise Klischees, Vorurteile und Ideologien. Gedankenprononciert, wenn nicht gar verkopft spielt der, von multiplen Phobien geplagte Autor erlesen, extrovertiert und humorvoll mit Sprache, mit seinem eingenisteten oder spontanen Gedankengut oder auch seinem jeweiligen Gegenüber. Und das ist genau mein Ding. Dieses niveauvoll-frivole jonglieren mit Wortmaterial, Syntax und Kontext. Als guter Beobachter seines Umfeldes nimmt Uhly selbiges nicht so richtig ernst und gerne mal auf die Schippe. Der Schriftsteller und Übersetzer, der heute mit seiner Familie in München lebt, geht mit sich und den gesellschaftlichen Konventionen (vor allen Dingen denen der bekloppten Amis) hart ins Gericht. Der an einer leichten Form der Schizophrenie leidende Protagonist (für alles hat er einen gedanklichen Trainer oder Zensor oder Beauftragte oder Kontrolleure) bläst den eigentlichen Minimalismus der Story bis zum Bersten auf. Den Weg zu sich selbst längst aufgegeben (für einen jugendlichen Selbstfindungstrip ist es für den 60-jährigen Uhly wohl zu spät), rechnet er stattdessen viel lieber mit dem Amerika unter Trump ab. "Death Valley" ist zwar nicht immer leicht zu lesen, doch wer auf humorvolle Geschichten voller Sarkasmus, Selbstzweifel, Wurzellosigkeit, Anpassungsschwierigkeiten, Menschenhass, politischer und psychologischer Kriegsführung steht, bekommt im Tal des Todes die volle Dröhnung. Hier ist eindeutig der Weg das angestrebte Ziel!

(Janko)

https://www.facebook.com/Druhly
https://www.instagram.com/druhly

Brutalität/Gewalt: 03/100
Spannung: 30/100
Action: 43/100
Unterhaltung: 85/100
Anspruch: 65/100
Atmosphäre: 76/100
Emotion: 41/100
Humor: 54/100
Sex/Obszönität: 18/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 84/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 16 Jahren (aufgrund des anspruchsvollen Kontexts)

Steven Uhly - Death Valley
Secession Verlag Berlin
Gesellschaftsroman / Autofiktion
ISBN: 978-3-96639-126-9
303 Seiten
Gebundene Ausgabe (genäht) ohne Schutzumschlag
Erscheinungstermin: 28.08.2025
EUR 22,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook: 978-3-96639-127-6
Erscheinungstermin: 28.08.2025
EUR 22,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Death Valley" beim Secession Verlag Berlin: https://secession-verlag.com/buecher/death-valley

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Veröffentlicht am 12.09.2025

- irrationaler, unglaubwürdiger und widersprüchlicher psychologischer Noir -

Todestaufe
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Jon Bassoff - Todestaufe
(Polar Verlag)

- irrationaler, unglaubwürdiger und widersprüchlicher psychologischer Noir -

Deerfield, Michigan, Spätherbst 2018. Als Holt Davidson vom Selbstmord seiner Mutter ...

Jon Bassoff - Todestaufe
(Polar Verlag)

- irrationaler, unglaubwürdiger und widersprüchlicher psychologischer Noir -

Deerfield, Michigan, Spätherbst 2018. Als Holt Davidson vom Selbstmord seiner Mutter erfährt, kehrt er widerwillig in seinen ehemaligen Heimatort Thompsonville zurück. Stets von inneren Dämonen geplagt, betritt Holt das heruntergekommene Ranch-Style Haus, in dem er aufgewachsen ist. Unter einem abstehenden Dielenbrett, im Zimmer seiner Mutter, entdeckt der 39-jährige Feuerwehrmann einen Revolver, eine Schachtel mit einem Liebesbrief, sowie ein altes Polaroid Foto. Auf selbigem sitzt ein versehrter Mann an eine Wand gelehnt in einer Blutlache. Warum hatte seine Mutter dieses Foto versteckt oder überhaupt aufgehoben? Hatte sie etwa den offensichtlich toten Mann auf dem Bild mit dem Revolver erschossen? Und wenn ja, aus welchem Antrieb heraus? Grund genug für Holt ein wenig zu recherchieren und die Vergangenheit umzugraben.

"Beneath Cruel Waters", wie Jon Bassoffs 2022 im amerikanischen Original erschienener Kriminalroman betitelt wurde, ist ein bedrückendes, sich ganz allmählich steigerndes Sozial-Drama. Auch wenn "Todestaufe" stellenweise etwas gedankenverloren vor sich hin plänkelt, taucht man durch Bassoffs Hervorheben der unbehaglichen Kulisse augenblicklich in die Tristesse, die Resignation und die Hoffnungslosigkeit dieses Psychological Noir ein. Als stiller Beobachter erfährt man von der trostlosen Adoleszenz des damals 5-jährigen Holt und der Einweisung seiner zehn Jahre älteren, an depressiven Schüben leidenden Schwester Ophelia, in die Psychiatrie. Von den glücklosen Partnerschaften seiner Mutter Vivian, von seinem Onkel Bobby, dem ruhelosen und egozentrischen Musiker, von Joyce, der besten Freundin seiner Mutter und deren Ehemann, dem Polizisten Mike. Dabei geriet Familie Davidson in eine bösartige Spirale aus Bedrohungen, Stalking, Psychoterror, sexuellem Missbrauch, Gewalt und Mord. 1974 in New York City geboren, arbeitet der hauptberufliche Englischlehrer in "Todestaufe" mit gewissen Stereotypen und lässt Holts, Vivians und Ophelias verstörenden Albtraum wieder "aufblühen".

"Mindestens fünfzehn weitere Glas Wein wären nötig, um überhaupt daran zu denken, diese Lippen zu küssen, die wie Wiener Würstchen in seinem Gesicht klebten." Zitat S. 64

Ein zweiter Handlungsstrang behandelt die Zeit nach Vivians Beerdigung und die Erkenntnisse, die Holt anschließend gewinnt. Er spricht mit Joyce, der Freundin seiner verstorbenen Mutter, um sich seine eigene Kindheit ins Gedächtnis zu rufen und die Zeit nach seinem Auszug vor 20 Jahren zu beleuchten. Er besucht Ophelia in der psychiatrischen Einrichtung, spricht mit Ärzten und erkennt allmählich, wie es zu den unerträglichen Umständen kommen konnte, denen Familie Davidson jahrelang ausgesetzt war. Soweit, so gut. Doch ab dem Mittelteil reagieren Bassoffs Akteure, trotz Berücksichtigung der jeweiligen Extremsituation und Traumata in der sie stecken, völlig irrational und alles andere als plausibel. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der Erzählung und die Kraft, mit der sich die Leserschaft in die Geschehnisse hineindenken kann. Das 328-Seiten starke Konstrukt, das durchaus mehr Druck, mehr Action und mehr Authentizität hätte vertragen können, wirkt mit einem Mal künstlich zusammengestückelt und montiert. Es bleiben einfach zu viele Fragen offen. "Todestaufe" ist auf der einen Seite ein emotionales Werk, auf der anderen Seite ist es stellenweise doch arg widersprüchlich und zerfahren. Auch werden Jon Bassoffs Charaktere im weiteren Verlauf der Lektüre immer farbloser. Er konzentriert sich hier vielleicht zu sehr auf die kausalen Zusammenhänge der Begebenheiten und lässt die eigentlichen Belange seiner Protagonisten links liegen. Die gesamten Umstände geraten ab einem gewissen Zeitpunkt zu einer regelrecht nervigen und äußerst suspekten Angelegenheit. Macht es sich Bassoff da ab dem Mittelteil nicht ein wenig zu leicht, als dass es der aufmerksame und anspruchsvolle Vielleser einfach so schlucken würde? Ich denke schon. Mit "Todestaufe" beschwört Bassoff ein psychologisches Sodom um Gomorrha herauf. Leider ein höchst unglaubwürdiges!

(Janko)

https://www.jonbassoff.com
https://www.facebook.com/jon.bassoff
https://www.instagram.com/jonbassoff/

Brutalität/Gewalt: 37/100
Spannung: 60/100
Action: 42/100
Unterhaltung: 74/100
Anspruch: 32/100
Atmosphäre: 55/100
Emotion: 61/100
Humor: 03/100
Sex/Obszönität: 22/100

LACK OF LIES - Wertung: 72/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 14 Jahren (aufgrund von sexuellem Missbrauch und Gewalt)

Jon Bassoff - Todestaufe
Polar Verlag
Kriminalroman/Psycho-Gothic-Noir-Thriller
ISBN: 978-3-910918-28-3
328 Seiten
Klappenbroschur
Originaltitel: Beneath Cruel Waters (2022)
Aus dem Amerikanischen von Sven Koch
Erscheinungstermin: 15.08.2025
EUR 17,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Todestaufe" in der Herbst Vorschau beim Polar Verlag: https://polar-verlag.de/produkt/jon-bassoff-todestaufe

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