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Veröffentlicht am 15.09.2016

✎ Lance Rubin - Denton Little 1 Bin mal kurz tot

Bin mal kurz tot
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Ein Buch, an das ich keine Erwartungen hatte..
Ich weiß auch gar nicht, warum es damals auf meiner Wunschliste gelandet ist, aber als ich es letztens wieder sah, dachte ich mir: Warum nicht ausprobieren?!
Ich ...

Ein Buch, an das ich keine Erwartungen hatte..
Ich weiß auch gar nicht, warum es damals auf meiner Wunschliste gelandet ist, aber als ich es letztens wieder sah, dachte ich mir: Warum nicht ausprobieren?!
Ich war dann auch echt überrascht, dass es teilweise so tiefgründig zugeht. Anfangs hab ich hier und dort einfach nur mal geschmunzelt, aber nach und nach wurde ich stellenweise doch sehr nachdenklich. Das verliert sich dann irgendwann wieder, weil es in Richtung Krimi geht - es ist also ein Mix aus allem: Jugend, Krimi, Humor, Weisheiten,..
Man sollte hier keine tiefgründige Geschichte erwarten, zumal diese auch aus der Sicht von dem 17-jährigem Denton erzählt wird. Manche Aussagen fand ich dennoch gut: "Ich werde dein Leben feiern, wenn du gestorben bist." (S. 146) oder "Offen zu den Leuten sein. [...] Ihnen etwas Aufrichtiges über sie zu sagen, das ihnen ein gutes Gefühl gibt. Und das ihnen hilft, sich selbst besser zu verstehen." (S.246) sind zum Beispiel solche Situationen, die mir einmal mehr zeigten, was manchmal wichtig(er) ist..
Ein bisschen schade fand ich, dass das Ende so abrupt kam. Kaum ein Hinweis war zu finden, wie sich die Geschichte entwickeln würde. Aber vielleicht war das auch Absicht, weil Lance Rubin das Augenmerk in diesem Teil auf etwas anderes legen wollte - was ihm wiederum super gelungen ist. Ich zumindest hab mir so manches Mal meine Gedanken darum gemacht, wie es wäre, sein Sterbedatum zu kennen..

Ich hab zufällig gesehen, dass es wohl noch einen 2. Teil zu Denton dieses Jahr geben soll. Ich glaube, den werde ich mir dann auch gönnen, denn die ein oder andere Frage hätte ich schon gern noch beantwortet.

©2016

Veröffentlicht am 15.09.2016

✎ Danielle Vega - Survive the Night

Survive the night
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Jugendbuch ab 14 Jahre?!? Entschuldigung, aber beim besten Willen nicht! Ich mein, ich hab schon manchmal schlucken müssen.. und ich will gar nicht wissen, wie Jugendliche auf einige dieser Szenen reagieren.. ...

Jugendbuch ab 14 Jahre?!? Entschuldigung, aber beim besten Willen nicht! Ich mein, ich hab schon manchmal schlucken müssen.. und ich will gar nicht wissen, wie Jugendliche auf einige dieser Szenen reagieren.. Es trägt zu Recht den Hinweis 'Thriller'! Und als Film wäre es bestimmt auch nicht für 14-Jährige freigegeben..

Als ich vom Verlag gefragt wurde, ob ich dieses Buch lesen und rezensieren mag, habe ich relativ schnell zugesagt, denn Psycho-Horror-Thriller lese ich in letzter Zeit viel zu wenig..

Der Anfang des Buches ist noch relativ verhalten. Man lernt die Umgebung kennen, erfährt ein paar Sachen aus der Vergangenheit. Aber es sprang noch nicht wirklich der Funke über. Hier hätte ich das Werk auch problemlos Jugendlichen empfohlen.

Als die Freunde dann im Untergrund sind, wird es dann schon interessanter. Zwar hatte ich die ganze Zeit Probleme, mir diesen Ort wirklich vorzustellen, aber meine Nerven waren trotzdem zum Zerreißen. Das lag vor allem an dem sehr beschreibenden Schreibstil, der bei den Horrorelementen verwendet wurde. Und spätestens da sagte ich mir: Das gehört nicht in die Jugendbuchabteilung!

Die Auflösung des Ganzen ist dann wieder so typisch Jugendbuch: einfach, unspektakulär und ein wenig abrupt.

Auf mich wirkte die Geschichte schon ziemlich überzeugend. Als ich über den Beginn hinaus war, war ich gefangen - und ich fand es erstaunlich, welche Wirkung dies alles auf einen haben kann. Aber auch die anderen Beschreibungen, die Casey aus ihrer Sicht erzählt, wirken sehr authentisch.

Auch wenn das Werk bestimmt belehren soll / will, finde ich es für 14-Jährige nicht ganz angemessen - dafür sind die Beschreibungen an manchen Stellen einfach zuuu genau, ja geradezu brutal. Für (junge) Erwachsene hingegen könnte der Anfang ein k.o.-Kriterium sein, denn der passt genau in die Zielgruppe des Verlags.

©2016

Veröffentlicht am 15.09.2016

✎ Ramona S. - Seelentaumel

Seelentaumel
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Nachdem ich 'Janes Seelenreise' gelesen hatte und mich beim Starks-Sture Verlag erneut ein wenig umsah, fiel mir dieses Buch ins Auge. Eigentlich ist es mit anfangs gar nicht aufgefallen, da sich die beiden ...

Nachdem ich 'Janes Seelenreise' gelesen hatte und mich beim Starks-Sture Verlag erneut ein wenig umsah, fiel mir dieses Buch ins Auge. Eigentlich ist es mit anfangs gar nicht aufgefallen, da sich die beiden Cover so dermaßen ähneln, dass es da schnell zu einer Verwechslung kommen kann. Das finde ich etwas schade, denn obwohl beide das gleiche Thema beinhalten, ist deren Umsetzung doch total anders - und jedes auf seine eigene Weise interessant.

Ramona S.' Buch ist ehrlich und reflektierend. Nichts beschönigend und Hoffnung machend.

Manche bemängeln ihre fehlende Professionalität beim Schreiben. Aber sie ist einfach ein Mensch, der sich mit seiner Krankheit, mit seinem von der Gesellschaft aufgezwungenem Stempel auseinandergesetzt hat und ihn loswerden wollte.
Durch ihren einfachen Schreibstil fühlte ich mich nicht überfordert und konnte somit ihrer Geschichte lauschen. Ihre Gefühle hat sie toll zu beschreiben gewusst und ich konnte gut in sie hineinversetzen und mit ihr mitfühlen.

Ich finde es gut, dass sie aufzeigt, wie Borderliner reagieren können, aber nicht müssen - es ist ihre persönliche Geschichte.

Krass finde ich, wie Ärzte teilweise reagierten. Es hat mich richtig erschrocken zu lesen, welche Worte sie an den Kopf geschmissen bekommen hat:

"»Haben Sie eine Borderline-Störung?«, fragte der Arzt. [...] »Wie bekommt man das eigentlich? Wird das vererbt?«" (S. 9)

Besonders hat mir am Schluss gefallen, dass einige (Fach)Begriffe noch erklärt wurden - das fand ich einen runden Abschluss.

Ich möchte dieses Buch gerne weiterempfehlen. Nicht nur Betroffenen oder Angehörigen. Auch Menschen, die vielleicht nicht wissen, ob sie an BPS leiden, weil sie zwar mit sich selbst zu kämpfen haben, aber nicht den Mut besitzen, sich Hilfe zu holen. Manchmal ist der Weg bestimmt steinig und schwer, aber irgendwann gerät man sicher an den richtigen Menschen, der einem die Hilfe bietet, die man individuell braucht.

©2016

weitere Zitate:

"Viele Menschen urteilen erbarmungslos über das, was sie nicht verstehen, aber sie wagen keinen Blick hinter die Fassaden." (S. 124)

"Tatsachen hören nicht aus zu existieren, nur weil man sie zur Seite schiebt!" (S. 121)

"Meine Schnittverletzungen schmerzen höllisch. Ich bin gezeichnet und voller Hämatome. Ausgelaugt schleppe ich mich ins Bad, ziehe mich an und gehe nur wenig später in aufrechter Haltung zur Arbeit. Ein neuer Tag hat begonnen und niemand wird etwas bemerken." (S.10)

Veröffentlicht am 15.09.2016

✎ Sally Perel - Ich war Hitlerjunge Salomon

Ich war Hitlerjunge Salomon
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Ich war total gespannt auf dieses Buch - versprach es doch mal eine andere Sicht auf eine Zeit, die man sooo schnell wohl nicht wieder vergisst und vergessen sollte.

Anfangs war ich auch noch recht angetan. ...

Ich war total gespannt auf dieses Buch - versprach es doch mal eine andere Sicht auf eine Zeit, die man sooo schnell wohl nicht wieder vergisst und vergessen sollte.

Anfangs war ich auch noch recht angetan. Der Schreibstil ist angenehm. Der Text wird nicht unnötig unterbrochen oder in die Länge gezogen. Aber genau das ist auch ein Kritikpunkt: Ich hätte mir manchmal mehr Details gewünscht - vor allem, was Sally Perels Gefühle angeht. Zwar versucht er teilweise mit Worten zu beschreiben, was in ihm vorging, aber so richtig kam das bei mir nicht an.

Es gab natürlich auch Textstellen, die mich berührt haben:

"Ich wollte leben, noch eine Stunde, einen Monat, vielleicht ein Jahr überleben, wollte einfach am Leben bleiben." (S. 134)

"Eines Abends fragte mich ihre Mutter: »Warum behandelt ihr Deutschen die Juden so grausam?«" (S. 121)

"Ist es schon schwierig, ein Jude zu sein, so ist es noch viel schwieriger zu versuchen, keiner zu sein." (S. 179)

Wie man sieht, gab es gewiss Situationen, die mich nicht kalt ließen. Aber dem Text fehlt einfach die Lebendigkeit, die man ihm durch Bilder zum Beispiel geben könnte. Auch habe ich in einer anderen Rezension gelesen, dass es wohl ein Interview am Ende des Buches bei manchen Ausgaben gibt - dies hatte ich leider auch nicht.

Ich denke, man kann dieses Buch ruhig mal lesen, denn Sally Perel wird einer der wenigen sein - oder der Einzige?!? -, der diese Zeit als 'Schaf im Wolfspelz' überlebt hat. Es ist wirklich mal eine andere Sicht und nicht schlecht. Es war auch mal interessant, nicht immer von den Grausamkeiten in den Konzentrationslagern zu lesen, sondern auch mal die Gleichgültigkeit vor den Mauern beschrieben zu bekommen. Aber nehmt eine Ausgabe, in die ein bisschen mehr Recherche und Nacharbeit investiert wurde und nicht der Text einfach runtergeschrieben steht..

©2016

weitere Zitate:

"In der Uniform meiner Feinde durch eine Kugel meiner Verbündeten zu sterben! Welch groteske Tragödie!" (S. 109)

"Ich habe mich ganz und gar meinem Selbsterhaltungstrieb überlassen." (S. 134)

"Ich litt unter permanenter Verfolgungsangst." (S. 212)

"[...] Wahlspruch eines unserer Lehrer [...]:»Wir brauchen keine Gelehrten, wir brauchen möglichst viele Vaterlandsverteidiger.«" (S. 225)

"[...] auf einem Plakat [...] verkündete der Führer: »Dein Körper gehört der Volksgemeinschaft, deine Pflicht ist Gesundheit.«" (S. 225)

"»Ja, ich gebe es zu, man hat uns getäuscht. Das Drama ist, daß sich die Bevölkerung, allen voran die Jugend, von der Propaganda der Obrigkeit so leicht hinters Licht führen läßt und fest an die Aufrichtigkeit des eigenen Landes glaubt.« Seine Naivität machte mich stumm." (S.294)

"Ich war bestürzt über das erschütternde Desinteresse und die Gleichgültigkeit, die wenige Meter vor den Ghettomauern herrschte." (S. 331)

"Sogar die Tatsache, mich mit anderen Juden in einem Ghetto wiederzufinden, schien mir weniger schlimm als meine ständige Einsamkeit." (S. 372)

"Ich hatte das Gefühl, frei zu sein, doch frei wie ein zum Tode Verurteilter in einer Zelle ohne Gitterstäbe und Türschloß." (S. 376)

"Der Lehrer rief mich auf und bat mich, die Notwendigkeit der Vernichtung der jüdischen Rasse zu erklären." (S. 384)

Veröffentlicht am 15.09.2016

✎ Jan Weiler - Antonio 1 Maria, ihm schmeckt's nicht

Maria, ihm schmeckt's nicht
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Letztes Jahr habe ich das Buch 'Bambini sind Balsamico für die Seele' von Sandra Limoncini gelesen, welches mir richtig gut gefiel. Als ich im Zuge einiger Recherchen dann herausgefunden habe, dass sie ...

Letztes Jahr habe ich das Buch 'Bambini sind Balsamico für die Seele' von Sandra Limoncini gelesen, welches mir richtig gut gefiel. Als ich im Zuge einiger Recherchen dann herausgefunden habe, dass sie die Frau von Jan Weiler ist, habe ich mir gedacht, dass ich ja dann auch mal was von ihm lesen könnte, denn seine Bücher sind ja wirklich sehr bekannt.
In meiner Onleihe habe ich dann zufällig beim Stöbern 'Maria, ihm schmeckt's nicht' entdeckt und entschieden, dass dies mein erstes Buch von ihm wird.

Nachdem die Freude groß war, als ich sah, dass er das Hörbuch selbst liest, folgte erstmal die Ernüchterung, dass es knapp 7 Stunden lang ist - also eine ungekürzte Fassung, die man ja eher selten findet.

Trotzdem freute ich mich drauf, denn ich denke immer, Autoren können ihre Bücher am besten interpretieren - schließlich wissen sie, welche Gefühle ihre Protagonisten gerade beherbergen.

Leider habe ich mich nicht sonderlich gut unterhalten gefühlt. Weder die Dialoge fand ich besonders interessant, noch die Interpretation. Ich war froh, als ich endlich am Ende ankam.

Jan Weiler hat meist versucht, seinem Schwiegervater eine eigene Stimme zu geben und die Eigenart seines Sprechens auch zu verdeutlichen. Leider ist ihm dies teilweise echt misslungen und man konnte Antonio von den anderen nicht mehr unterscheiden. Auch hat er die ganze Geschichte an sich in einem sooo langweiligem Ton gesprochen, dass ich mich echt gefragt habe, ob ihm sein eigenes Buch eigentlich keinen Spaß macht.

Dann hat es mich gewundert, dass seine Frau hier als 'Sara' betitelt wird. Warum wird denn nicht ihr richtiger Name verwendet? Ist wirklich alles nur erfunden? Dieses Gefühl hatte ich durch die Story weg und deshalb hat sie für mich wenig authentisch geklungen.

Also ganz ehrlich: Ich werde es mir zweimal überlegen, ob ich tatsächlich noch ein Buch von Jan Weiler lesen / hören werde, aber das Buch seiner Frau kann ich 1000%ig weiterempfehlen.

©2016