Scham – Ein faszinierender Blick auf ein universelles Gefühl
SchamScham ist ein Gefühl, das jeder kennt, aber über das kaum jemand spricht. Matthias Kreienbrink widmet sich diesem oft tabuisierten Thema und beleuchtet es aus unterschiedlichen Perspektiven – gesellschaftlich, ...
Scham ist ein Gefühl, das jeder kennt, aber über das kaum jemand spricht. Matthias Kreienbrink widmet sich diesem oft tabuisierten Thema und beleuchtet es aus unterschiedlichen Perspektiven – gesellschaftlich, historisch und individuell. Dabei zeigt er, wie tief Scham in unser Leben eingreift und welche Mechanismen sie beeinflussen.
Besonders gelungen ist die Art und Weise, wie Kreienbrink persönliche Erlebnisse mit wissenschaftlichen Analysen verbindet. Immer wieder werden Stimmen von Menschen eingeflochten, die Scham auf verschiedene Weise erlebt haben, sei es im Berufsleben, in sozialen Medien oder in zwischenmenschlichen Beziehungen. Dadurch bleibt das Buch nicht abstrakt, sondern wird greifbar und nachvollziehbar. Auch die gesellschaftliche Dimension der Scham, insbesondere ihre Rolle als Machtinstrument und ihre Verstärkung durch digitale Medien, wird eindrucksvoll herausgearbeitet.
Das Buch ist gut verständlich geschrieben und lässt sich angenehm lesen. Zudem überzeugt die hochwertige Produktion: Die Schriftgröße ist angenehm, was das Lesen erleichtert, und das gesamte Buch macht einen sehr stimmigen Eindruck. Wer allerdings ein klassisches Selbsthilfebuch erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein. Zwar gibt es im letzten Abschnitt Ansätze für den Umgang mit Scham, doch stehen diese nicht im Vordergrund. Vielmehr ist es eine tiefgehende Analyse, die zum Nachdenken anregt und das eigene Schamempfinden in einen größeren Kontext stellt.
Fazit: Eine kluge, gut recherchierte Auseinandersetzung mit einem Gefühl, das uns alle betrifft. Wer sich für die gesellschaftlichen und psychologischen Hintergründe von Scham interessiert, wird dieses Buch mit Gewinn lesen.