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JohannaMaus

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.02.2026

Ein Abschied, der zu uns passt

Kein Grab wie jedes andere
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Mit Kein Grab wie jedes andere – Der Ratgeber für individuelle, moderne und nachhaltige Bestattungen widmet sich Amalia Bergmann einem Thema, das viele gern verdrängen – und trifft damit bei mir einen ...

Mit Kein Grab wie jedes andere – Der Ratgeber für individuelle, moderne und nachhaltige Bestattungen widmet sich Amalia Bergmann einem Thema, das viele gern verdrängen – und trifft damit bei mir einen sehr persönlichen Punkt.

Ich setze mich bewusst mit dem Thema Tod auseinander, obwohl es mir nicht leichtfällt. Generell habe ich im Leben oft das Gefühl, nicht genau zu wissen, wie „Dinge funktionieren“. Dann heißt es immer: Da wächst man rein. Aber wenn man plötzlich in einer Ausnahmesituation steckt – sei es eine Beerdigung oder auch eine Hochzeit –, ist man oft einfach nur überfordert. Man möchte allem und jedem gerecht werden, steht unter Zeitdruck, zahlt am Ende viel zu viel – nur weil „Beerdigung“ draufsteht – und verliert dabei aus dem Blick, was eigentlich wichtig gewesen wäre. Was waren die Wünsche des verstorbenen Menschen?

Genau hier setzt dieses Buch an. Es informiert umfassend über moderne Bestattungsformen wie Wald- und Seebestattungen, anonyme Beisetzungen oder neue Verfahren wie die Reerdigung. Dabei bleibt der Ton sachlich, respektvoll und gut verständlich. Besonders hilfreich fand ich, dass nicht nur Möglichkeiten aufgezählt, sondern auch Hintergründe zu nachhaltigen Materialien, ökologischen Aspekten und organisatorischen Abläufen erklärt werden. Viele Punkte hätte ich selbst nie bedacht.

Sehr zeitgemäß ist auch das Kapitel zum digitalen Nachlass. Was passiert mit E-Mail-Konten, Social-Media-Profilen oder Online-Zugängen? Gerade in einer emotionalen Ausnahmesituation können solche Fragen schnell überfordern. Die Checklisten und Vorlagen im Buch geben Struktur und nehmen einem das Gefühl, ahnungslos dazustehen.

Was dieses Buch für mich so wertvoll macht, ist seine Haltung: Es geht nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern um Selbstbestimmung und darum, Angehörige zu entlasten. Ich werde die enthaltenen Listen ganz bewusst mit den Menschen durchgehen, die mir wichtig sind – nicht aus Angst, sondern aus Fürsorge. Um vorbereitet zu sein. Um nicht irgendwann dazustehen und nur noch zu funktionieren.

Fazit: Ein kluger, ruhiger und praxisnaher Ratgeber, der nicht nur informiert, sondern auch Sicherheit schenkt. Ein Buch, das ich jedem empfehlen würde – gerade denjenigen, die Angst haben, im Ernstfall den Überblick zu verlieren.

Veröffentlicht am 17.02.2026

Essen verstehen statt bekämpfen

Abnehmen durch Annehmen. Unbewusste Gefühle verstehen – körperlichen Ballast loswerden
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Abnehmen durch Annehmen von Andreas Winter ist kein klassischer Diätratgeber – und genau das macht das Buch so besonders. Anstatt Kalorien zu zählen oder Verzicht zu predigen, geht es hier darum, die emotionalen ...

Abnehmen durch Annehmen von Andreas Winter ist kein klassischer Diätratgeber – und genau das macht das Buch so besonders. Anstatt Kalorien zu zählen oder Verzicht zu predigen, geht es hier darum, die emotionalen Hintergründe des eigenen Essverhaltens zu verstehen.

Warum essen wir, obwohl wir keinen Hunger haben? Weshalb greifen wir in stressigen oder traurigen Momenten automatisch zu Süßem? Und warum scheitern so viele Diäten trotz bester Vorsätze? Der Autor macht deutlich, dass es nicht an Disziplin fehlt, sondern dass die Ursachen oft in unbewussten Prägungen und alten Gefühlen liegen.

Besonders hilfreich fand ich die vielen Fallbeispiele. Man erkennt sich in überraschend vielen Situationen wieder und beginnt automatisch, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Die Übungen sind alltagstauglich und regen dazu an, ehrlich hinzuschauen. Esse ich gerade aus Hunger – oder aus einem Gefühl heraus? Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir die „Schutzschicht“-Übung.

Ein echtes Highlight ist die klar strukturierte „Zehn-Tage-Abnehm-Offensive“. Jeder Tag enthält überschaubare Impulse und Reflexionsfragen, die gut umzusetzen sind und nicht überfordern. Man fühlt sich Schritt für Schritt begleitet, ohne Druck oder Zwang. Auch der Umgang mit Rückschlägen wird realistisch und ermutigend thematisiert.

Der abschließende Teil „Nachhaltig frei werden” rundet das Buch sinnvoll ab und macht deutlich, dass es nicht um eine kurzfristige Veränderung geht, sondern um ein neues, friedlicheres Verhältnis zu sich selbst und zum eigenen Körper.

Für mich ist dieses Buch eine wertvolle Unterstützung für alle, die das Diätdenken hinter sich lassen möchten und verstehen wollen, was wirklich hinter ihrem Essverhalten steckt. Ein ganzheitlicher, reflektierter Ansatz mit vielen Aha-Momenten.

Veröffentlicht am 17.02.2026

Freundschaft, Fragen und ein besonderer Abend

Nadja und Elias feiern Pessach
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In „Nadja und Elias feiern Pessach” von Eva Lezzi und Anna Maria Praßler wird das wichtigste jüdische Fest auf eine besonders einfühlsame und kindgerechte Weise erlebbar gemacht.

Nadja lädt ihren besten ...


In „Nadja und Elias feiern Pessach” von Eva Lezzi und Anna Maria Praßler wird das wichtigste jüdische Fest auf eine besonders einfühlsame und kindgerechte Weise erlebbar gemacht.

Nadja lädt ihren besten Freund Elias zum Sederabend ein. Gemeinsam mit ihrer Familie feiert sie Pessach – mit der Haggada, dem Sederteller, Liedern, Fragen und der Suche nach dem Afikoman. Durch Elias’ neugierige Fragen erfahren junge Leser*innen ganz selbstverständlich, warum zu Pessach keine Kekse im Haus sind, was das ungesäuerte Brot bedeutet und weshalb bittere Kräuter auf dem Tisch stehen. Dabei wird die Bedeutung des Auszugs aus Ägypten verständlich erklärt, ohne belehrend zu wirken.

Besonders schön ist die Darstellung der Freundschaft zwischen Nadja und Elias. Religiöse Unterschiede werden hier nicht problematisiert, sondern als Bereicherung gezeigt. Elias und sein Vater begegnen den Traditionen offen und interessiert – so wird interreligiöser Dialog auf Augenhöhe vorgelebt. Das Buch vermittelt, wie wertvoll es ist, Feste miteinander zu teilen und Fragen stellen zu dürfen.

Die ruhige Erzählweise und die farbenfrohen, lebendigen Illustrationen machen das Bilderbuch zu einem warmherzigen Vorleseerlebnis für Kinder ab etwa vier Jahren. Ergänzende Informationen im Anhang helfen Erwachsenen, Hintergründe besser zu verstehen und Gespräche mit Kindern zu vertiefen.

Ein gelungenes, lehrreiches und zugleich herzlich erzähltes Kinderbuch, das Offenheit, Neugier und gegenseitigen Respekt in den Mittelpunkt stellt.

Veröffentlicht am 11.02.2026

Japan zum Einkuscheln und Wegträumen

Hidden Japan
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„Hidden Japan” ist für mich ein ganz besonderes Reisebuch. Schon beim ersten Durchblättern war ich begeistert: Die wunderschöne Gestaltung, die hochwertige Verarbeitung und vor allem die vielen atmosphärischen ...

„Hidden Japan” ist für mich ein ganz besonderes Reisebuch. Schon beim ersten Durchblättern war ich begeistert: Die wunderschöne Gestaltung, die hochwertige Verarbeitung und vor allem die vielen atmosphärischen Aquarell-Illustrationen machen das Buch zu einem echten Schmuckstück. Man kann sich damit gemütlich einkuscheln und in eine wundervolle Welt eintauchen.

Es ist kein klassischer Reiseführer mit endlosen Listen und nüchternen Fakten – und genau das macht ihn so besonders. Stattdessen vermittelt das Buch Stimmungen, erzählt von versteckten Gassen, besonderen Vierteln und authentischen Momenten. Beim Lesen fühlt man sich fast so, als würde man selbst durch Tokio schlendern, Streetfood probieren oder eine ruhige Ecke abseits der Touristen entdecken.

Trotzdem kommen praktische Tipps nicht zu kurz: Neben den inspirierenden Beschreibungen kann man sich wunderbar Ideen und Adressen für die nächste Japanreise notieren. Für mich ist „Hidden Japan” sowohl eine traumhafte Lektüre für zu Hause als auch eine tolle Vorbereitung auf eine Reise. Ein Buch, das Fernweh weckt und Japan schon beim Lesen ganz nah erscheinen lässt.

Veröffentlicht am 11.02.2026

Zwischen Moor und Erinnerung

Wo das Schweigen wohnt
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„Wo das Schweigen wohnt“ ist kein lautes Buch. Es beginnt leise, beinah tastend, und entfaltet gerade dadurch eine enorme emotionale Kraft. Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass es hier nicht nur um ...

„Wo das Schweigen wohnt“ ist kein lautes Buch. Es beginnt leise, beinah tastend, und entfaltet gerade dadurch eine enorme emotionale Kraft. Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass es hier nicht nur um den Suizid einer Mutter oder ein plötzlich auftauchendes Familiengeheimnis geht, sondern um etwas viel Tieferes: um die Narben des Krieges, um verdrängte Wahrheiten und um das, was zwischen Eltern und Kindern unausgesprochen weitergegeben wird.

Almas Rückkehr in das elterliche Haus im Schwarzwald ist mehr als eine organisatorische Notwendigkeit. Sie ist eine Reise in eine Vergangenheit, zu der sie lange Distanz gehalten hat. Die Moorlandschaft wirkt dabei wie ein Spiegel der Geschichte: still, düster und voller verborgener Schichten. Als plötzlich ein Mann vor ihr steht und behauptet, ihr Bruder zu sein, gerät ihr ohnehin brüchiges Weltbild endgültig ins Wanken. Das Misstrauen zwischen den beiden ist spürbar, doch ebenso die vorsichtige Annäherung.

Je tiefer Alma und der Fremde in die Lebensgeschichte ihrer Mutter eindringen, desto klarer wird, wie sehr die Nachkriegsgeneration von Schuld, Scham und Sprachlosigkeit geprägt war. Das Schweigen ist hier nicht nur ein Motiv, sondern beinahe eine eigene Figur: Es steht zwischen den Menschen, trennt sie und schützt sie zugleich vor einer schmerzhaften Wahrheit.

Lea Söhners Sprache ist eindringlich und atmosphärisch dicht. Besonders die Rückblicke in die Vergangenheit gehen unter die Haut. Manche Szenen sind schwer auszuhalten, weil sie die emotionale Kälte und die traumatischen Erfahrungen so klar benennen. Gleichzeitig entsteht ein tiefes Verständnis für die Figuren, für ihre Härte, ihre Distanz und ihre inneren Kämpfe.

Die Handlung entwickelt sich ruhig und behutsam, was der Geschichte Raum gibt. Raum für Zwischentöne, für Blicke und unausgesprochene Gedanken. Die Spannung entsteht weniger durch äußere Ereignisse als durch das allmähliche Freilegen einer verdrängten Familiengeschichte.

„Wo das Schweigen wohnt“ ist ein intensiver und nachdenklich stimmender Roman über transgenerationale Traumata und die Frage, ob die Wahrheit Befreiung bedeutet oder neue Wunden aufreißt. Ein Buch, das lange nachhallt – wie Schritte im Moor, die noch zu hören sind, wenn man längst weitergegangen ist.