Zwischen Geheimnissen und Gefühlen – durchwachsene Fortsetzung
Ashen Throne
„Ashen Throne“ ist für mich ein typischer zweiter Band – mit Höhen und Tiefen, aber auch Momenten, die Lust auf mehr machen. Die Geschichte schließt direkt an den ersten Teil an, was ich grundsätzlich ...
„Ashen Throne“ ist für mich ein typischer zweiter Band – mit Höhen und Tiefen, aber auch Momenten, die Lust auf mehr machen. Die Geschichte schließt direkt an den ersten Teil an, was ich grundsätzlich mag, aber der Einstieg fiel mir trotzdem nicht ganz leicht. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mit Yessa einfach nicht richtig warm werde.
Ihre Entwicklung ist zwar nachvollziehbar, aber in vielen Szenen fand ich sie anstrengend – zu impulsiv, zu stur, manchmal fast ein bisschen ungerecht gegenüber Cassim. Dabei ist gerade seine Figur für mich das Highlight des Buches. Man spürt seine innere Zerrissenheit, seine Schuld, aber auch seinen Wunsch, es besser zu machen. Dass er in Yessa mehr sieht als nur seine Reiterin, sondern jemanden, für den er tatsächlich Gefühle entwickelt, verleiht seiner Geschichte Tiefe.
Die Dynamik zwischen den beiden bleibt das Herzstück der Handlung. Die Spannung lebt weniger von großen Kämpfen oder spektakulärem Worldbuilding, sondern von den leisen Konflikten, dem Misstrauen und den unausgesprochenen Wahrheiten. Besonders eine Wendung in der zweiten Hälfte hat mich wirklich überrascht – im positiven Sinne. Die „spicy“ Szenen und der Sex zwischendrin wirkten auf mich allerdings komplett überflüssig. Sie haben der eigentlichen Geschichte nichts hinzugefügt, sondern eher den Erzählfluss gestört. Ich hatte das Gefühl, dass sie mehr als Füllmaterial dienten, als dass sie tatsächlich zur Entwicklung der Charaktere oder der Handlung beigetragen hätten.
Zwischendurch hatte ich das Gefühl, dass die Handlung etwas zu vorhersehbar verläuft, und gerade zu Beginn war mir vieles zu glatt und schnell gelöst. Auch hätte ich mir etwas mehr Fokus auf die neue Umgebung und die politischen Strukturen gewünscht – hier steckt viel Potenzial, das bisher nur leicht angerissen wurde.
"Ashen Throne" ist kein perfekter zweiter Band, aber einer, der neugierig auf das Finale macht. Vor allem Cassims Entwicklung fand ich gelungen und berührend. Yessa hingegen bleibt für mich eine Figur, an der ich mich ein wenig reibe. Die Mischung aus Romantasy, innerem Konflikt und düsteren Geheimnissen funktioniert insgesamt gut, auch wenn ich mir ein bisschen mehr Spannung und Tiefe gewünscht hätte. Ich lande bei 3,5 Sternen – Tendenz nach oben, je nachdem, was Band 3 noch rausholt.