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Veröffentlicht am 16.11.2023

Schimmernde Perlen der Eifel

Lost & Dark Places Eifel
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Auf der Rückseite des Buchen steht DÜSTER UND DUNKEL, so erschien mir auch das ganze Buch beim ersten Durchblättern. Wenn man sich aber die Zeit nimmt, die einzelnen Stationen in Ruhe zu betrachten und ...

Auf der Rückseite des Buchen steht DÜSTER UND DUNKEL, so erschien mir auch das ganze Buch beim ersten Durchblättern. Wenn man sich aber die Zeit nimmt, die einzelnen Stationen in Ruhe zu betrachten und zu lesen, dann findet man helle Stellen, z. B. die Nr. 11, den Brunnentempel, der aus dem Buch herausleuchtet. Mich hat dann besonders die Nr. 19 interessiert, gerade habe ich noch den Roman Perlenbach gelesen und hier finde ich die Beschreibung der Wanderung dort entlang. Wunderschön.

Die Eifel ist sicher nicht jedermanns Sache, es ist schon manchmal recht düster dort, aber wer schon einmal in Monschau war, wird sicher auch anderes bewundert haben. Für die Burg Vogelsang (Nr. 32) haben wir vor Jahren einen ganzen Tag gebraucht, auch in der Umgebung viel Interessantes gefunden. Mit diesem Buch wird es einem leicht gemacht, die Highlights und verborgenen Geheimnisse zu entdecken.

Dass sich die Eifel so weit bis an den Rhein erstreckt, ist mir erst mit diesem Buch klar geworden. Auf Reisen in diese Landschaft sollte man das Buch keinesfalls vergessen, es wäre schade, wenn man die interessanten Details verpasst.

Schon beim letzten Band der Lost & Dark Places, den ich gelesen habe (Odenwald), hat mir die Gestaltung nicht mehr ganz so gut gefallen wie bei Sachsen. Die Idee, den gesamten Buchblock mit einem Fond zu bedrucken, der aussieht, als wäre die Druckmaschine verschmutzt, die erschließt sich mir nicht. Es ist doch das meiste im Buch sowieso schon düster und dunkel. Und die Lesbarkeit der nicht besonders großen Grundschrift wird dadurch auch nicht gerade verbessert.

Fazit: Interessant und lesenswert, regt zum Reisen in die Eifel an.

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Veröffentlicht am 16.11.2023

Gedanken, Fantasien, Schreibversuche

Vom Kopf aufs Blatt
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Der junge Autor wagt sich mit seinem kleinen Buch in die Welt. Noch sind es seine Gedanken und Fantasien, die er bei Schreibübungen und Schreibversuchen aufs Papier bringt. Noch ist der Stil nicht ausgereift, ...

Der junge Autor wagt sich mit seinem kleinen Buch in die Welt. Noch sind es seine Gedanken und Fantasien, die er bei Schreibübungen und Schreibversuchen aufs Papier bringt. Noch ist der Stil nicht ausgereift, er will fürs Erste vielleicht ein bisschen zu viel erreichen. Da sind die Worte manchmal störrisch, manchmal lassen sie sich nicht in Formulierungen einhüllen. Aber das macht nichts, denken, fühlen und schreiben sind allemal besser als nichts zu tun. Und so habe ich diese kurzen und ganz kurzen Geschichten gern gelesen. Dass mich besonders eine längere Geschichte interessiert hat, liegt an meiner eigenen Lebensgeschichte. Dachau, ein Ort des Grauens, Niklas Gentner beschreibt seinen Besuch und die innere Aufruhr, die ihn erfasst hat angesichts des Unsagbaren. Wie schreibt man darüber? Er nutzt die Worte, um seine Leser zum Nachdenken zu bringen. Angesichts der gerade herrschenden inneren und äußeren Aufruhr der Gedanken nach dem Massaker der Hamas finde ich seine Worte sehr passend.

Fazit: Niklas Gentner schreibt: "Zukunft. Wie wird sie aussehen?" Ich würde ihm gern Mut machen. Es wäre spannend zu erfahren, was er in zehn Jahren darüber schreibt.

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Veröffentlicht am 16.11.2023

Entdeckung einer Großstadt

Idyllisches Berlin
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45 verwunschene Orte in Berlin, die so gar nicht zum Großstadtgewimmel zu passen scheinen, hat der Autor besucht, fotografiert und in gut lesbaren, kurzen Texten beschrieben. Auch ein paar Extras sind ...

45 verwunschene Orte in Berlin, die so gar nicht zum Großstadtgewimmel zu passen scheinen, hat der Autor besucht, fotografiert und in gut lesbaren, kurzen Texten beschrieben. Auch ein paar Extras sind noch eingefügt, bei einem musste ich schon bei der Überschrift im Inhaltsverzeichnis schmunzeln „Rieselfelder“! Ich habe als Kind in Pankow gewohnt, da roch man sie, wenn der Wind ungünstig stand, bin die Stadt hinein. Und Le Petit Village, das Französisch Buchholz, das kenne ich aus Kindertagen als ein Dörfchen mit Kirche und Endhaltestelle der Straßenbahn 49 (heute fährt dort die 50), riesige Kleingartenanlagen, wo mein Onkel Gustav (nicht verwandt mit dem Kneipenwirt!) eine kleine Laube hatte. Davon ist heute nichts mehr übrig, es wurde ein riesiges Neubaugebiet darauf errichtet. Aber die Kirche ist noch da, wie man sie im Buch sieht.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, egal ob Berliner oder Tourist, jeder wird interessante Stellen finden, die er noch nicht kennt. Bei meinem nächsten Berlinurlaub werde ich mindestens drei der Empfehlungen von Gary Schunack ansteuern: den Südstern mit dem polnischen Spezialitätenrestaurant, den Friedhof In den Kisseln, wo ein 1945 gefallener Verwandter von mir ruht, und auf jeden Fall die Gartenstadt Staaken. Denn selbst 45 Jahre Leben in Berlin haben mich dort nie hingeführt.
Ein liebevoll gestaltetes Buch mit vielen Ideen und passenden stimmungsvollen Fotos. „Berlin ist ein Dorf“ war schon früher ein geflügelter Ausdruck, Schunack bestätigt das auf unterhaltsame Weise.

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Veröffentlicht am 08.11.2023

Zehn Finger in jeder Wunde

Willkommen im falschen Film
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Wunderbar im falschen Film, das hört sich klasse, die beiden machen wirklich Laune, obwohl man bei den Themen eher schlechte Laune kriegen kann. Einige Kapitel musste ich gleich noch einmal wiederholen! ...

Wunderbar im falschen Film, das hört sich klasse, die beiden machen wirklich Laune, obwohl man bei den Themen eher schlechte Laune kriegen kann. Einige Kapitel musste ich gleich noch einmal wiederholen! Zum Beispiel die Story der braunen Strickliesel, das bringt Monika Gruber mit so triefender Ironie und Sarkasmus zu Gehör, einfach perfekt. Sie wechselt sich mit Andreas Hock in der Beschreibung der "Lage" in Deutschland und anderswo ab, beide sind brillant. Sie legen ihre Finger gleich zehnerweise auf die woken Wunden unserer so gern zitierten Demokratie und das hohe Gut der "Freiheit" im Allgemeinen und Besonderen. Es wird zwar in der Mitte etwas langatmig, aber es geht dann wieder munterer weiter bis zum herrlichen Ende "Stil ist nicht das Ende des Besens".
Nur das Cover gefällt mir nicht so gut, beim Buch hätte ich wahrscheinlich nicht zugegriffen, beim Hörbuchdownload hat es mich nicht gestört. Die beiden gucken bei weitem nicht so lustig und ironisch, wie der Inhalt daherkommt.
Wenn ich genug Zeit hätte, würde ich mir das Hörbuch gleich noch einmal anhören. Der bayerische Akzent störte mich als Preußen auch nicht, als eindeutig: Hörempfehlung.

WillkommenimfalschenFilm

NetGalleyDE

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Veröffentlicht am 29.10.2023

Heilige, Galgen und Ruinen wollen erforscht werden

Lost & Dark Places Odenwald
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Das Buch „Odenwald“ ist bereits das dritte Buch der Reihe „Lost & Dark Places“, das die geschichtsbegeisterte Fotografin in diesem Jahr vorlegt. Nach „Sachsen“ ist ihr damit ein weiterer großer Wurf gelungen. ...

Das Buch „Odenwald“ ist bereits das dritte Buch der Reihe „Lost & Dark Places“, das die geschichtsbegeisterte Fotografin in diesem Jahr vorlegt. Nach „Sachsen“ ist ihr damit ein weiterer großer Wurf gelungen. Aus verschiedenen Gründen lese ich diese Bücher eher mit geschichtlichem Interesse, als dass ich sie auf meinen Reisen nutze. Es ist in jedem Fall eine absolute Bereicherung des Geschichts- und Regionalwissens, wenn man dann noch das Glück hat, den einen oder anderen Ort zu besuchen, umso besser.
Es sind 33 geheimnisvolle Orte, die beschrieben und mit sehr stimmigen Bildern illustriert werden. Ich greife hier nur ganz wenige Geschichten heraus, die es mir besonders angetan haben: Das Grab des Wunderrabbis in Michelstadt und im gleichen Ort die Einhardsbasilika aus der Karolingerzeit. Erwähnenswert der Zusatztipp: Abstecher zur Synagoge im gleichen Ort. Dann fand ich besonders verlockend die Burg Breuberg, die Ruine Schauenburg oder die Pfeilerbasilika in Amorbach. Egal, alle 33 Ziele sind so hingebungsvoll beschrieben, so detailliert recherchiert und fantastisch bebildert, ich bin einfach begeistert. Übrigens, der einzige Ort, den ich schon besucht habe, ist Heidelberg. Dass dort eine Thingstätte ist, wusste ich nicht.
Die für mich schönste Geschichte jedoch ist die der Walburga. Sie scheint mir so spannend und historisch wertvoll, da könnte ich mir vorstellen, es gäbe ein ganzes Buch über sie. Ich war kürzlich in Antwerpen, wo ein von Peter Paul Rubens geschaffener Hochaltar für die Walburgakirche existierte, die Kirche wurde abgerissen, der Altar zersägt, aber es soll Reste in der Liebfrauenkathedrale geben. Die habe ich leider beim Besuch nicht gesehen oder bemerkt. Im Nachhinein finde ich das trotzdem spannend.
Das Einzige, was mir am Buch im Gegensatz zum Band „Sachsen“ nicht so gefällt, ist die typografische Idee, die Seiten mit einem „antiken Grauschleier zu versehen“. Schade, so sehen die Seiten nicht schöner aus und ich dachte immer wieder, ich hätte einen Fehldruck vor mir. Aus meiner Lehrzeit weiß ich, dass manchmal die Transportwalzen für die gedruckten Bögen schmutzig waren, das sah dann auch so aus.
Cornelia Lohs hat einen gut lesbaren Erzählstil, ein fundiertes Wissen und offensichtlich viel Freude an den Orten, die sie sich erwählt. Auch die Zusatztipps sind oft echte Schmankerl für Geschichtsfans!
Fazit: Wer gerade nicht reist, nimmt Geschichtsunterricht! Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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