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Veröffentlicht am 18.05.2025

Leseempfehlung besonders an Erwachsene: über die Ethik der Gesellschaft und die Macht der Sprache

Duplik Jonas 7
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Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Es ist ein Jugendroman und er hat die dafür typische Sprache: eher einfach, sachlich und kurz. Es gibt zwar viele Fremdwörter, vor allem aus der Biologie, die im Grunde ...

Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Es ist ein Jugendroman und er hat die dafür typische Sprache: eher einfach, sachlich und kurz. Es gibt zwar viele Fremdwörter, vor allem aus der Biologie, die im Grunde genommen jedoch gängig sind. Zur Not hat es im Anhang ein Wortverzeichnis. Die Schlichtheit der Sprache, die meist geraffte Darstellung der Handlung und die eher blasse Beschreibung der Figuren bewirken Nüchternheit. Das Gefühl des Lesers geht wenig mit, selbst wenn ihm ein Gefühlsausbruch geschildert wird. Ich denke, das ist so beabsichtigt, weil ich Jugendbücher allgemein, über verschiedene Autoren hinweg bisher zwar ausgesprochen interessant, aber kaum spannend fand. Auch diese Geschichte fand ich unaufgeregt fesselnd und habe sie zügig gelesen. Es gab für mich darin wenig, was vorhersehbar war. Ich fand die Geschichte, obwohl sie an die 30 Jahre alt ist, relevant für die Gegenwart mit ihren Themen und Fragen. Was schuldet man dem Staat? Darf die Mehrheit alles bestimmen, weil sie es gut meint? Gruselig fand ich die Macht der Worte. Das haben die Nazis damals ja auch gemacht: Man versuchte, die Schrecklichkeit der Taten hinter Worten wie Endlösung zu verstecken. Im Buch wird die Hauptperson Jonas 7, ihre Familie und ihre gesamte Gesellschaft mit Hilfe der Sprache soweit entmenschlicht, dass sie nur mehr als Sache gelten. Man kann die Geschichte als eine Aufforderung zum eigenständigen Denken verstehen. Einerseits vermittelt die Person des Jonas Helcken (des "Menschen") die Wichtigkeit, eigene Motive zu klären. Andererseits macht die Autorin Birgit Rabisch mit dieser Geschichte darauf aufmerksam, dass man sich die Sprache der Politik und der Medien sehr genau anhören und sich überlegen sollte, ob man sie übernehmen möchte und wie man etwas anders benennen könnte oder müsste. Das sind alles Dinge, die sich Menschen jeden Alters überlegen sollten. Daher 5 Sterne und eine Leseempfehlung besonders an Erwachsene von mir.

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Berührend, ja, aber Hape Kerkeling ist mir auch unsympathisch geworden

Der Junge muss an die frische Luft
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Ich hatte den Film gesehen und nach dieser bereits berührenden Draufsicht hatte mich die von Hape Kerkeling vermittelte Einsicht interessiert. Diese habe ich in der Tat bekommen und die von ihm persönlich ...

Ich hatte den Film gesehen und nach dieser bereits berührenden Draufsicht hatte mich die von Hape Kerkeling vermittelte Einsicht interessiert. Diese habe ich in der Tat bekommen und die von ihm persönlich erzählte Geschichte wirkte auf mich deutlich weniger positiv als der Film. Das hatte ich bereits erwartet und ich hätte mich gewundert, wenn es anders gewesen wäre. Wie verzweifelt der kleine Peterhansel in den letzten Jahren, wo er fast allein mit seiner kranken Mutter war, gewesen war, und auch seine Trauer nach ihrem Tod war anrührend. Allerdings nahm der Autor einen Kilometer Anlauf, um die Geschichte seiner Kindheit zu erzählen. Er brauchte einen "Gruß an die Leser" und drei ganze Kapitel, um zu schildern wie es kommt, dass er davon sprechen möchte. Dieser lange Anfang liest sich wie eine Bewerbung oder eine Dankesrede - was habe ich alles Tolles gemacht, wenn kenne ich alles Wichtiges. Im weiteren Verlauf gibt es immer wieder diese Einschübe und die wenigsten sind so interessant wie der, als der Autor einmal hinter der Schauspielerin Barbara Valentin im Laden stand und überlegte, sie zu bitten seine Mutter zu werden. Auch die Oma wusste schon immer, dass aus dem Hans-Peter was ganz Großes wird. Dann aber kontrastrierend seine Bescheidenheit: "Ich kann mir selbst kaum vorstellen, dass ich dem (beinahe vermessenen Anspruch) immer gerecht geworden bin." Die kommt mir dann irgendwie unehrlich vor. Zudem entstand bei mir der Eindruck, dass der Autor von sich glaubt, die Menschen und die Welt in hohem Maße durchschaut zu haben. Insgesamt wurde mir durch dieses Buch Hape Kerkeling unsympathisch. Ich schätze durchaus den gewährten Einblick in die Familie. Aber mich hat an dem Buch zuviel gestört z. B. auch die Sprache. Die war für mich überfrachtet mit Adjektiven und Adverben und wirkte bemüht. Die vielen Einschübe waren oft auch störend für mich. Drei Sterne von mir für das Buch.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Eine oberflächliche Frau zwischen zwei Männern, die man trotzdem liebgewinnt

Beim nächsten Mann wird alles anders
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Der Inhalt: Constanze Wechselburger will ihr Liebesleben und den Abschlußfilm für ihr Studium an der Filmakademie auf die Kette kriegen. Zuerst wirft sie ihren Lebensgefährten Albert raus und dann wirft ...

Der Inhalt: Constanze Wechselburger will ihr Liebesleben und den Abschlußfilm für ihr Studium an der Filmakademie auf die Kette kriegen. Zuerst wirft sie ihren Lebensgefährten Albert raus und dann wirft sich sich an ihren Dozenten Gottfried Schachtschnabel ran. Aber es ist kompliziert. Sonst würde der Stoff nicht für ein Buch reichen.
Meine Meinung: Ich fand das Buch toll. Beim ersten Lesen hat mich das oberflächliche, belanglose Geplapper gestört. An einer Stelle jedoch kippt die Story und an der merkt man dann, dass nicht der Roman oberflächlich und belanglos ist, sondern die Hauptfigur. Eva Heller hat es wunderbar geschafft, Constanze als eine oberflächliche, berechnende Stakete darzustellen. Die kommt sich intellektuell vor, wenn sie geklaute, verstiegene Konzepte umformuliert, und emanzipiert, wenn sie sich Prinz Charles wünscht und versucht, ihrem Ex mit einer neuen Beziehung eins auszuwischen. Beim zweiten Lesen konnte ich das alles dann wie einen Witz betrachten und dann machte es mir Spaß, Constanze zuzusehen. Trotzdem kann man Constanze mit der Zeit lieb gewinnen.
Mein Fazit: Erstausgabe war 1987, daher sicher an der ein oder anderen Stelle altbacken (Prinz Charles :lol:). Aber für mich trotzdem 5 Sterne wert.

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Veröffentlicht am 15.04.2025

Ich halte es eher für ein Buch, das Erwachsene lesen sollten, um Kinder besser zu verstehen

Der kleine Nick und seine Bande
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Inhalt: In der Fortsetzung von "Der kleine Nick" ist Nick nicht wahrnehmbar älter geworden. Er ist immer noch ungefähr 6 Jahre alt und seine Bande ist nicht wirklich eine, sondern es sind einfach nur seine ...

Inhalt: In der Fortsetzung von "Der kleine Nick" ist Nick nicht wahrnehmbar älter geworden. Er ist immer noch ungefähr 6 Jahre alt und seine Bande ist nicht wirklich eine, sondern es sind einfach nur seine Schulfreunde, die in der Nähe wohnen. Weitere wichtige Figuren in Nicks Leben sind seine Eltern und seine Lehrer. Man kennt sie alle aus dem ersten Band. Alle diese treten in den verschiedenen Episoden auf, die der kleine Nick dem Leser von seinem Alltag erzählt. Viel davon spielt sich in der Schule ab, wo es durch die kindliche Natur und viele Missverständnisse immer wieder zu Reibereien zwischen allen Parteien kommt. Der Kinder liebste Unterhaltung ist, sich miteinander zu hauen. Jedes Vorhaben, sei es ein Fußballspiel oder Briefmarken zu tauschen, entwickelt sich rasch zu einer Handgreiflichkeit. Aber auch wenn immer gleich einer weint, war es am Ende für Nick ganz prima.

Bewertung: Ich würde diese Geschichten ein Kind nicht alleine lesen lassen. Denn die Geschichten enthalten einiges, was man aufklären sollte. Sei es die Erziehung von früher, wo man für Kleinigkeiten, die das Kind nach Nicks Schilderung oft nicht einmal versteht, geschlagen wurde. Oder seien es sie Dinge, die Nick vor ein Rätsel stellen - die Pointe der Episoden, würde ich meinen, kapiert man als kleineres Kind nicht. Nicks Unverständnis wird an vielen Stellen deutlich. Er wundert sich über Reaktionen, besonders über die der Erwachsenen, oder darüber, was an Spannung zwischen den Eltern in der Luft hängt. So ist das Buch vielleicht eher ein Buch für Erwachsene: Die sollten sich einmal anschauen, wie Kinder so ticken und wie die Dinge bei Kindern ankommen. Es wird klar, dass Nick und seine Freunde leicht ablenkbar sind und sehr emotional reagieren, was dann wiederum die erwachsenen Figuren verblüfft. Ich als Leserin fand die dadurch entstehende Dramatik unterhaltsam und fühlte mich von der Begeisterung der Kinder etwas mitgenommen. Die Erwachsenen fand ich oftmals zum Ärgern, wie sie einfach ohne Nachfragen explodieren und haufenweise Strafen austeilen. Teils waren sie bedauernswert mit ihrem Frust und ihrem Scheitern an den Kindern, die sie einfach nicht durchschauen können. Die Geschichten waren abwechslungsreich. Auch wenn etliche Themen der Erwartung an Geschichten über ein Kind entsprechen, gelang es dem Autor alle Episoden interessant zu gestalten; sei es durch die Figuren, die sich nicht immer erwartungsgemäß verhalten, oder die Sprache, die schlingernd, jedoch mit viel Tempo und Eindringlichkeit durch die Handlung führt. Ich gebe diesem Buch insgesamt 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 14.04.2025

Witzeleien ohne roten Faden, liest sich flüssig, abwechslungsreich, sprachlich ein paar gute Bilder

Wer erbt, muss auch gießen
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"Renate Bergmann geb. Strelemann, wohnhaft in Berlin, Trümmerfrau, Reichsbahnerin, Haushaltsprofi und vierfach verwitwet" - ich kann sie nicht leiden. Meine Kritik beginnt bereits am Umschlag des Buches. ...

"Renate Bergmann geb. Strelemann, wohnhaft in Berlin, Trümmerfrau, Reichsbahnerin, Haushaltsprofi und vierfach verwitwet" - ich kann sie nicht leiden. Meine Kritik beginnt bereits am Umschlag des Buches. Dort wird der Eindruck erweckt, man habe einen Roman vor sich, also eine fiktive Erzählung. Es soll laut Klappentext darum gehen, dass Renate durch einen Aktienkauf unversehens zu einem kleinen Vermögen gekommen ist, um dessen Vererbung sie sich nun Gedanken macht. Tatsächlich wird diese Thematik lediglich 3-4x kurz angesprochen. Sie bildet keinen Rahmen in der Geschichte und schon gar nicht ist sie der Rote Faden in der Handlung. Denn eine Handlung gibt es nicht. Renate erzählt einfach von allem, was ihr in den Sinn kommt. Sie springt mal hier hin, mal da hin. Wenn sich eine umfangreichere Episode entwickelt, dann enthält die garantiert Abschweifungen. Wahrscheinlich kennt jeder so eine Person, die labert und labert und labert, wenn man sie lässt. Und ich hoffe, dass der Autor Torsten Rohde nicht einfach nur so ist wie Renate Bergmann, sondern dass so eine Person darzustellen seine Absicht war. Dann hat er das wirklich geschafft. Ich nehme zudem den Versuch wahr, eine Figur zu gestalten, die einerseits Klischees, die man übers Alter hat, erfüllt und andererseits mit ihnen bricht. Das Ergebnis finde ich missraten. Allein schon Renates Rechtschreibkünste haben mich bereits genervt. Ich kenne Menschen 80+ und auch wenn die nicht alle neuen Worte richtig mitbekommen, finde ich es unglaubwürdig und kein bißchen lustig, dass Renate beispielsweise "Fittamine" schreibt. Unlustig fand ich bereits den Beginn, wo Renate ihrer veganen Tochter Fleischreste und anderen Müll unterjubelt. Das ist so altbacken, so Pepe Nietnagel. Und nicht alle alten Leute, die nicht mehr mitkommen bei dem, was ihre Kinder so machen und bewegt, sind deshalb gegen ihre Kinder so respektlos wie Renate Bergmann. An der Stelle habe ich überlegt, ob das nicht als Witz, sondern als Gedankenanstoß gemeint ist. Denn anschließend bemerkt Renate ja, dass es mit der Tochter viel schöner ist, wenn man sich nicht dauernd übers Essen streitet. Aber obwohl auch ein paar tiefere Einsichten im Buch enthalten sind, ist der durchlaufende Ton eher abfällig und flachsend. Nach meinem Empfinden macht das Buch wenig Werbung für gegenseitiges Verständnis. Es scheint um Unterhaltung durch Witzelei zu gehen. Auch wenn die Witze bei mir eher nicht gezogen haben, fand ich das Buch flüssig zu lesen. Es war abwechslungsreich und sprachlich gab es das ein oder andere gute Bild. Insgesamt bewerte ich das Buch mit 3 Sternen und werde in Zukunft um Renate Bergmann einen Bogen machen.

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