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Veröffentlicht am 14.04.2025

Witzeleien ohne roten Faden, liest sich flüssig, abwechslungsreich, sprachlich ein paar gute Bilder

Wer erbt, muss auch gießen
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"Renate Bergmann geb. Strelemann, wohnhaft in Berlin, Trümmerfrau, Reichsbahnerin, Haushaltsprofi und vierfach verwitwet" - ich kann sie nicht leiden. Meine Kritik beginnt bereits am Umschlag des Buches. ...

"Renate Bergmann geb. Strelemann, wohnhaft in Berlin, Trümmerfrau, Reichsbahnerin, Haushaltsprofi und vierfach verwitwet" - ich kann sie nicht leiden. Meine Kritik beginnt bereits am Umschlag des Buches. Dort wird der Eindruck erweckt, man habe einen Roman vor sich, also eine fiktive Erzählung. Es soll laut Klappentext darum gehen, dass Renate durch einen Aktienkauf unversehens zu einem kleinen Vermögen gekommen ist, um dessen Vererbung sie sich nun Gedanken macht. Tatsächlich wird diese Thematik lediglich 3-4x kurz angesprochen. Sie bildet keinen Rahmen in der Geschichte und schon gar nicht ist sie der Rote Faden in der Handlung. Denn eine Handlung gibt es nicht. Renate erzählt einfach von allem, was ihr in den Sinn kommt. Sie springt mal hier hin, mal da hin. Wenn sich eine umfangreichere Episode entwickelt, dann enthält die garantiert Abschweifungen. Wahrscheinlich kennt jeder so eine Person, die labert und labert und labert, wenn man sie lässt. Und ich hoffe, dass der Autor Torsten Rohde nicht einfach nur so ist wie Renate Bergmann, sondern dass so eine Person darzustellen seine Absicht war. Dann hat er das wirklich geschafft. Ich nehme zudem den Versuch wahr, eine Figur zu gestalten, die einerseits Klischees, die man übers Alter hat, erfüllt und andererseits mit ihnen bricht. Das Ergebnis finde ich missraten. Allein schon Renates Rechtschreibkünste haben mich bereits genervt. Ich kenne Menschen 80+ und auch wenn die nicht alle neuen Worte richtig mitbekommen, finde ich es unglaubwürdig und kein bißchen lustig, dass Renate beispielsweise "Fittamine" schreibt. Unlustig fand ich bereits den Beginn, wo Renate ihrer veganen Tochter Fleischreste und anderen Müll unterjubelt. Das ist so altbacken, so Pepe Nietnagel. Und nicht alle alten Leute, die nicht mehr mitkommen bei dem, was ihre Kinder so machen und bewegt, sind deshalb gegen ihre Kinder so respektlos wie Renate Bergmann. An der Stelle habe ich überlegt, ob das nicht als Witz, sondern als Gedankenanstoß gemeint ist. Denn anschließend bemerkt Renate ja, dass es mit der Tochter viel schöner ist, wenn man sich nicht dauernd übers Essen streitet. Aber obwohl auch ein paar tiefere Einsichten im Buch enthalten sind, ist der durchlaufende Ton eher abfällig und flachsend. Nach meinem Empfinden macht das Buch wenig Werbung für gegenseitiges Verständnis. Es scheint um Unterhaltung durch Witzelei zu gehen. Auch wenn die Witze bei mir eher nicht gezogen haben, fand ich das Buch flüssig zu lesen. Es war abwechslungsreich und sprachlich gab es das ein oder andere gute Bild. Insgesamt bewerte ich das Buch mit 3 Sternen und werde in Zukunft um Renate Bergmann einen Bogen machen.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Einblick in eine Kinderseele, teils lustig, teils berührend

Der kleine Nick
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Inhalt: Das sind "prima Geschichten vom kleinen Nick und seinen Freunden", heißt es zu Beginn des Buches. Nick ist vielleicht 6 Jahre alt und es werden 18 Episoden aus seinem Alltag erzählt. Darin geht ...

Inhalt: Das sind "prima Geschichten vom kleinen Nick und seinen Freunden", heißt es zu Beginn des Buches. Nick ist vielleicht 6 Jahre alt und es werden 18 Episoden aus seinem Alltag erzählt. Darin geht es viel um die Schule, seine Schulfreunde und um seine Eltern. Es wird dargestellt, was Nick und seine Klasse mit Lehrern wie dem Hühnerbrüh und am letzten Schultag erleben. Der Leser erfährt von verschiedenen Spielen der Kinder und wie sie zueinander stehen. Aber auch Besonderheiten werden thematisiert. Da ist der Geburtstag der Mutter, eine Urlaubsreise nach Vlieland an der Nordsee, und zweimal bekommt die Schule hohen Besuch: Der Schulrat gibt sich die Ehre und sogar der Minister. Und zum Schluß will Nick ausreissen.

Bewertung: Ich mag den kleinen Nick, auch wenn, oder vielleicht: weil das Buch nicht vollkommen lustig ist. Die Sprache ist nach meiner Meinung der eines Kindes nachempfunden, das voller Begeisterung etwas sehr schnell erzählt. Mit Gedankensprüngen und Abbiegungen. Dabei konzentriert es sich auf das Geschehen; die Innenwelt muss der Leser meist erahnen. Der kleine Nick versteht oft selbst nicht, was die Menschen um ihn herum bewegt. Manchmal registriert er, dass jemand z. B. nicht besonders begeistert ist, ihn und seine Freunde zu sehen, oder er nimmt einen seltsamen Blick wahr. Oft merkt er nur, dass jemand etwas tut, und kann es sich nicht erklären. Wie dass der Gymnastiklehrer einfach weggeht. Nur der Leser weiß: Der ist frustriert, weil er die Kinder nicht geordnet bekommt. Solche Dinge machen das Buch für Erwachsene empfehlenswert: Die Geschichten zeigen, dass Kinder die Welt anders sehen als Erwachsene und es deshalb zu Missverständnissen und Konflikten zwischen Kindern und Erwachsenen kommt. So sind Nick und seine Freunde rasch abgelenkt und jeder Moment hat für sie eine ungemeine Wichtigkeit inne. Dazu sind sie unzureichend in der Lage, zu auszudrücken, was sie bewegt, so wie in der Geschichte mit der Bohne. Dem Leser, jedoch nicht seinen Eltern, kann der kleine Nick sagen, dass es ungerecht ist, wie er gefangen ist zwischen den widersprüchlichen Anweisungen seiner Eltern. Die Eltern dagegen sind unfähig einerseits zu erfragen, was denn nun Nicks Problem ist, und andererseits ihre Erwartungen an Nick klar auszudrücken. Man schreit ihn an, dass er wohl wirklich eins hinten drauf bekommen wolle, als Nick in dem Dilemma steckt, es nicht beiden Eltern rechtmachen zu können. Hauen ist ein großes Thema im Buch. Die Geschichte wurde erstmals 1960 veröffentlicht, als Schlagen noch ein Erziehungsmittel war. Die Lehrerin zieht einem Schüler die Ohren lang. In einem Sport-Angebot für Kinder droht der Lehrer mit Schlägen; die Eltern sowieso immer wieder. Und Nick findet es ganz prima, wenn er sich mit seinem Freunden kloppen kann. Während ich Nicks Begeisterung verstehen kann (auch wenn einer "auf die Nase kriegt", passiert nicht wirklich viel und die Hauerei ist beinahe ausgeglichen), so kann er einem leid tun. Es wird deutlich, dass er sich oft unverstanden fühlt und es tatsächlich auch ist. Am bedauernswertesten finde ich den Streber Adalbert. Er sagt oft, dass alle gegen ihn sind, was leider stimmt. Er hat nichts ausser seine guten Noten und bei Konflikten wünscht er sich oft, dass er stirbt. Das wünscht sich Nick auch ein paar mal. Daher würde ich das Buch meinem Kind nicht einfach so überlassen. Da gibt es viel zu besprechen. Im Review klingt das Buch nun sehr viel trauriger, als es wirklich ist. Durch die Art der Darstellung sind die einzelnen Geschichten sehr lebhaft, abwechslungsreich und unterhaltsam, während das Negative eher ein Zwischenton ist, den man teils sogar überlesen könnte. Vor allem die Interaktionen machen aus jeder Situation ein interessantes Geschehen, dem ich gerne zugesehen habe. Ich gebe dem Buch 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Abwechslungsreiches Geschehen, aber unsympathische, überhebliche Figur

Hectors Reise
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Anfangs fand ich die Fähigkeit des Autoren Francois Lelor, komplexe Sachverhalte auf den Kern herunterzubrechen, auffallend und den daraus resultierenden Schreibstil in seiner Schlichtheit ansprechend. ...

Anfangs fand ich die Fähigkeit des Autoren Francois Lelor, komplexe Sachverhalte auf den Kern herunterzubrechen, auffallend und den daraus resultierenden Schreibstil in seiner Schlichtheit ansprechend. Nach wenigen Seiten jedoch dachte ich, dass es sich der Autor öfter mal zu einfach macht. Kurz danach ging es dann darum, wie es ist zu begreifen, dass man nicht begriffen hat. Und ich wartete darauf, dass der Autor in diesem Sinne einige seiner Statements vielleicht irgendwann zum Ende hin revidieren würde. Aber nein. Es bleibst so stehen, dass Hectors (aus dessen Perspektive die Geschichte geschrieben ist) Lebensgefährtin ein wenig Schuld sei an seinem Fremdgehen, weil sie ihn auf der Reise nicht begleitet hatte. Was für ein Clown. Hectors Einstellung zu Frauen stieß mir mehrmals übel auf. Sie fallen ihm entweder auf, wenn sie "hübsch" und "reizend" sind (Frauen müssen für ihn also Unterhaltungswert haben) oder negativ wie die Psychiaterin Marie-Louise, die mit ihrem Wunsch, dass ihre Kinder ohne Chauffeur und Leibwächter sicher zur Schule gehen können, dafür sorgt, dass ihr Ehemann in einem anderen Land weit weg von seinen Eltern leben muss. Dabei hätte es Hector als Kind doch cool gefunden, mit Chauffeur und Leibwächter in die Schule zu kommen. Bei solchen Sätzen dachte ich mir, Hector müsse ein ziemlicher Idiot sein. Er war mir am Ende reichlich unsympathisch. Da gab es Formulierungen, die ich für unbedacht hielt wie die, dass die chinesischen Kellner wie "normale" Kellner aussehen - Hallo? Wenn man in China ist, dann sind wohl Chinesen das Normale und alles andere die Ausnahme. Mir kamen solche Dinge nicht vor, als sollten sie eine gezielte Provokation des Lesers sein. Denn im Folgenden erhält man keine Gelegenheit, mit dieser Kritik irgendwo anzuknüpfen. Zusammengenommen wirkte Hector recht selbstverliebt mit seiner Überzeugung, er könne die Welt durchschauen und jeden zum Reden bringen. Mehrmals sagt er, die Wissenschaft brauche man nur zur Überprüfung von Erkenntnissen, die jeder für sich selbst machen könne. So schafft es Hector ja auch, auf seiner Reise sämtliche Prinzipien des Glücks aufzuschreiben, die die gesamte Forschungslandschaft zusammengetragen hat. Lebenserfahrung ersetzt Wissenschaft. Irgendwann merkte ich dann, dass der Stil des Autors, Dinge zu vereinfachen, diese Überheblichkeit widerspiegelt. Bei mir kam es so an, als habe man dem Leser zeigen wollen, dass sich die Menschen (so wie Hectors "grundlos" unglückliche Patienten) zu sehr verkopfen und dass es auch einfacher und damit besser ginge. Es kam dabei allerdings etwas heraus, das abgeglitten ist, wenn nicht in die Babysprache, dann aber in eine belehrende Sprache für sehr kleine Kinder. Die verschiedenen Stationen der Reise und die Begegnungen waren durchaus interessant. Das war sehr abwechslungsreich und vielfältig. Nicht nur durch die Menschen, die eben verschieden sind, sondern auch durch die unterschiedlichen Stimmungen, die über den Situationen lagen. Aber ich lese sicher kein Buch mehr von Hector (da gibt es ja noch etliche Bände). 3 Sterne von mir für das Buch, 3 minus!

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Solide Unterhaltung, trotz blasser Figuren und schlechtem Timing

Der Teufel von Eguisheim
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Mir hat der Krimi nicht so toll gefallen, obwohl er sich flüssig liest und ich durchaus Interesse dafür entwickelt habe, wie die Geschichte weitergeht. Auf Seite 11 hatte ich zum ersten Mal den Gedanken, ...

Mir hat der Krimi nicht so toll gefallen, obwohl er sich flüssig liest und ich durchaus Interesse dafür entwickelt habe, wie die Geschichte weitergeht. Auf Seite 11 hatte ich zum ersten Mal den Gedanken, dass Timing nicht wirklich die Stärke der Autorin Jules Vitrac ist. Da liegt einer tot auf dem Pflaster und man holt aus gefühlt bis Adam und Eva, wenn es darum geht, wer wen leiden kann oder nicht. Das war recht oft der Fall, dass ich Beschreibungen und Erläuterungen als Störelemente empfand. Besonders der Hinweise auf den Vorgängerband hätte es für mich nicht bedurft. Die waren nach meiner Meinung für den aktuellen Fall nicht erhellend und machten mich nicht neugierig auf den vorherigen. Dann störten die falschen Fährten, die ich sofort für etwas dick aufgetragen hielt. Allerdings fand ich es gut, dass die Autorin diese zeitnah bearbeitete und man merkte, sie selbst nimmt auch nicht an, dass diese Spuren subtil gelegt wären. Ich halte es für arg übertrieben, dass der Klappentext schreibt, man würde tief in die Abgründe menschlicher Seelen steigen. Auch wenn es verschiedene, kleine Überraschungen gab in Hinblick auf die Lebensgeschichten, blieben die Figuren eher blaß. Als "herrlich schrullig" bezeichnet der Klappentext das Ermittler-Duo aus dem jungen Brigardier Luc Bato und der etwas älteren, sportlichen Chefin der Police Municipale Céleste Kreydenweiss. Für mich waren das beide nicht. Der eine singt im Kirchenchor und wird schnell rot. Die andere hat gleichzeitig mit zwei Männern was laufen und wenig im Kühlschrank. Das finde ich nicht gerade exzentrisch. Auch die weiteren Figuren genauso wie das real existierende Eguisheim konnte ich mir schlecht vorstellen. Man verlor sich in unwichtigen Details und beschrieb sie zu Unzeiten, wenn die Handlung gerade einen Höhepunkt hatte. Ich habe mir Eguisheim im Internet angesehen und die malerische, mittelalterliche Atmosphäre war für mich kaum spürbar. Vielleicht wenn man den Ort kennt, dass man diesen Krimi besser zu würdigen weiß. Sprachlich fiel die durchschnittliche Satzlänge negativ auf. Da reihte sich sehr oft ein Relativsatz an den nächsten. Lesen würde ich das Buch nicht noch einmal. Aber wenn man einmal damit angefangen hat, bietet es eine solide Unterhaltung. Ich gebe dem Krimi 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Schlecht gealtert, passt nicht wirklich mehr in unsere Zeit

King Kong
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Inhalt (Klappentext):

"King Kong, der unsterbliche Riesengorilla liebt die blonde Schöne aus New York. King Kong lässt sich im Urwald fangen, um seine Schöne in der Stadt wiederzufinden. King Kong ...

Inhalt (Klappentext):

"King Kong, der unsterbliche Riesengorilla liebt die blonde Schöne aus New York. King Kong lässt sich im Urwald fangen, um seine Schöne in der Stadt wiederzufinden. King Kong sprengt Ketten und kämpft auf Wolkenkratzern. Delos W. Lovelace schrieb nach dem Drehbuch von Edgar Wallace und Merian C. Cooper den Roman "King Kong". Der Urvater aller Katastrophenfilme wurde zum berühmtesten Film von Edgar Wallace, ja zu einem der erfolgreichsten Streifen überhaupt, die in Hollywood produziert wurden. Noch heute ist King Kong einer der meistgesehenen Filme im Kino und Fernsehen. Die Verfolgung des schwarzen Gorillas King Kong und seine Sehnsucht nach der weißen Frau, der er bis in die Straßen New Yorks auf den Fersen bleibt, jagt Millionen Lesern und Filmbesuchern immer noch kalten Schauer über den Rücken. Mit seiner einzigartigen Mischung von Spannung, Abenteuer und Tragik ist King Kong, wie Tarzan, zu einer der bekanntesten Kultfiguren der Welt geworden."

Bewertung:

Jeder wird die Story von King Kong kennen und daher wissen, dass der Klappentext nicht korrekt ist. Von wegen unsterblich, von wegen "lässt sich fangen". Alle wissen, dass King Kong aus Gewinnsucht gefangen und nach New York verschleppt wurde. Im Roman zeichnet man zwar das Bild des tapferen, überlegenen Abenteurers. Gemessen an Worten und Taten erschienen mir die Figuren indes eher überheblich und unempathisch. So konnten sie bei mir wenig Sympathie gewinnen. Ann Darrow ist bei dem Unternehmen nur dabei, weil der Filmemacher Denham meint, für das Publikum sei "das Abenteuer so schal wie Spülwasser (...), wenn nicht von Zeit zu Zeit ein Schmollmündchen erscheint." Dementsprechend wurde in den unmöglichsten Momenten darauf hingewiesen, dass Anns Burst "prall" ist und Ann hier und da "wohlgerundet" und natürlich "goldhaarig" und "weiß" ist. Für Denham zählt nur sein Film und wenn er dabei z. B. einem Nashorn zu nahe kommt, wird das eben abgeknallt. Verkauft wird das als Wagemut und Selbstvertrauen eines Könners. Nur, dass der Könner mit seiner ungestümen Landung auf einer abgelegenen, unbekannten Insel mitten in eine Zeremonie hineinplatzt, ihm anschließend seine Hauptdarstellerin gestohlen wird und er ihr durch den Dschungel nachjagen muss. Ziemlich bald wird der erste Dinosaurier völlig unnötig getötet - man hatte ihn betäubt und dann wurde er kurzerhand erschossen. Man sieht sich einem lebenden Fossil gegenüber und es fällt einem nichts anderes dazu ein, als es kalt zu machen. Kurz danach gibt es die ersten beiden Toten und dann sind vom 14köpfigen Suchtrupp bald nur noch Denham und sein erster Offizier Driscoll übrig, der sich in Ann verliebt hat und sie aus Liebe und Verantwortungsgefühl retten möchte. Vorbei ist es erst einmal mit der Überlegenheit des weissen Mann, welche immer wieder in Bezug auf die schwarzen Inselbewohner geäussert wird. Diese werden als "Wilde" bezeichnet. Dann ist von einem "jungen Eingeborenenmädchen" die Rede, das "selbst für eine Südseeinsulanerin von seltener Anmut" ist. Und es heißt bezüglich des Priesters/"Hexenmeisters", "diese alten Hexenböcke haben gewöhnlich irgendwo einen ganzen Harem versteckt." Um die Überlegenheit des weissen Mannes zu stoppen, braucht es jedoch nach der Meinung von Edgar Wallace eine prähistorische Megafauna säbelzahnbewaffneter Monster. Zusammengefasst, das Buch ist an verschiedenen Stellen schlecht gealtert: Einstellung zu anderen Ethnien, zu Frauen, zur Natur. Ab und zu hatte ich den Verdacht, dass vielleicht doch etwas Anerkennung für die Inselbewohner, für Ann und die Natur, verkörpert von King Kong, zu spüren wäre. Aber der grundsätzliche Tenor war erdrückend. Was die Figuren betrifft, blieben die meisten ziemlich blass, und irgendwie fand ich sie alle zu sehr von sich selbst eingenommen. Bis auf Ann, deren Stärke darin besteht, sich durch das Abenteuer schleppen zu lassen. Als der Haudrauf Denham dann irgendwann zu philosophieren anfing und er dafür bewundert wurde, war es für mich endgültig vorbei mir der Glaubwürdigkeit der Figuren. Besonders Denham war mir zu widersprüchlich und seine positive Darstellung wirkte auf mich aufgesetzt. Was die Handlung betrifft, fand ich es nicht so gut, dass der größte Teil die Vorbreitung der Schiffsfahrt und die Fahrt selbst umfasst. Das Abenteuer im Dschungel war dann schnell erzählt. Es wurden rasch ein paar Echsen tot gemacht und ein paar Menschen gefressen. Dann hopplahopp der Riesenaffe eingefangen, und die Episode in New York ist auch sehr kurz. Der Schwerpunkt der Darstellung war für mich falsch gewählt. Die späteren Episoden hätten ausführlicher sein können. Sprachlich war die Geschichte ok. Teils schlängelte sich ein Satz etwas zu lange. Es gab auch recht viele Adjektive. Aber der Roman las sich flüssig. Insgesamt bewerte ich das Buch mit 3 Sternen

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