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Veröffentlicht am 11.09.2024

Ich hab ihn lieb, den Adrian

Die verschollenen Tagebücher des Adrian Mole
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Inhalt:
Nachdem Adrians Haus im letzten Teil (Cappuccino Years) abgebrannt ist (wie gewonnen, so zerronnen), lebt er zunächst mit seinen beiden Söhnen Glenn (13) und William (7) gemeinsam in einem Raum ...

Inhalt:
Nachdem Adrians Haus im letzten Teil (Cappuccino Years) abgebrannt ist (wie gewonnen, so zerronnen), lebt er zunächst mit seinen beiden Söhnen Glenn (13) und William (7) gemeinsam in einem Raum im Haus der Mutter Pauline. Diese ist immer noch mit Ivan Braithwaite verheiratet, so dass Adrian und seine Angebetete, Pandora jetzt Stiefgeschwister sind. Und zwar zu 100%, denn auch Adrians Vater George und Pandoras Mutter Tania sind miteinander verheiratet. Allerdings haben beide Familien keine Lust auf Adrian und die Enkel. Also muss er in eine Sozialwohnung einziehen, gelegen in einem sozialen Brennpunkt. Man schlägt sich so durch in der Nachbarschaft, mit den Kindern, im Job und in der Liebe. Und Adrian schreibt alles nieder, was ihn bewegt, und behält dabei auch Politikgeschehen und Kultur im Auge.
Meine Bewertung:
Ich mag auch diesen Band der Adrian Mole-Serie ausgesprochen gern. Einziges Manko sind die vielen Bezüge zu britischen Promis und Ereignissen. Das war diesmal etwas viel und mir entgeht dort so mancher Witz. Aber an diesem Buch ist trotzdem noch genug, über das man lachen kann. Die Figuren sind so schrill und dramatisch und Sue Townsend gab ihnen ein Leben, das die Handlung des Buches unterhaltsam chaotisch macht. Allen voran Adrian, der sich schnell verliebt und aus unglücklichen Beziehungen schwer lösen kann. Andererseits kann Adrian einem (wenn man ihn quasi von kleinauf kennt) leidtun mit seiner anhaltenden Suche nach Bindung. Auch die beiden Kinder sind neben Wutanfällen und pubertären Dummheiten rührend dargestellt mit ihren Sorgen und Nöten und ihrer Zuneigung zu Adrian. Zudem übt Sue Townsend eine geschickt in die Handlung verflochtene und humorvoll verpackte Sozialkritik. "A satire of our times ... very funny indeed" hat die Sunday Times dazu geschrieben. Von mir erhält dieses Buch 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 11.09.2024

Rosaurus kam etwas zu kurz in dieser Geschichte

Leben & Schicksale des Katers Rosaurus
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Inhalt:
Die kleine Prinzessin ist 6 Jahre alt, als sie im Kamin ein Kätzchen findet. Wie das Kätzchen Rosaurus in den Kamin kam, wie es seinen Namen erhält, und sonstige Abenteuer erzählt dieser Text aus ...

Inhalt:
Die kleine Prinzessin ist 6 Jahre alt, als sie im Kamin ein Kätzchen findet. Wie das Kätzchen Rosaurus in den Kamin kam, wie es seinen Namen erhält, und sonstige Abenteuer erzählt dieser Text aus dem 19. Jahrhundert in 13 Kapiteln oder auf ca. 68 Seiten. Dabei erfährt die Leserschaft zunächst, wie man damals als Prinzessin lebte, bevor es um Rosaurus geht. Dann wird seine Herkunft berichtet, was die Abstammung, aber auch die Landung im Kamin betrifft. Rosaurus kommt danach viel herum und dies gestattet dem Leser Einblicke in das damalige Leben: Wie das Leben zu dieser Zeit so war für Reich und Arm; wie man mit Tieren und Menschen umging; wie man Dinge bewertet hat. Wie der Titel verrät, wird fast die gesamte Lebensspanne des Katers vom Text umfasst. Zum Schluß ist Rosaurus alt und genießt seinen Lebensabend.
Meine Bewertung:
Insgesamt habe ich diese Geschichte nicht gemocht. Einerseits gefiel mir die damalige Haltung nicht, die mit Bestrafung und Schmerz erzieht. Rosaurus wird geschlagen, um ihm etwas abzugewöhnen. Einem Jungen wird, weil er etwas stehlen wollte, der Arm gebrochen. Ein dreijähriges Kind wird vom Löwen gefressen und es ist irgendwie selbst schuld daran, weil es der Schwester ausgerissen ist und auch sonst ungehorsam war. Man wirft Katzen, nur weil sie auf dem Dach sind, etwas hinterher und verletzt sie schwer. Arme Leute würden nicht aus Not stehlen, sondern weil es ihnen Freude mache. Das war mir alles zuwider. Dafür kann die Autorin nichts. Das war eben damals so. Aber für die Erzählweise kann sie etwas. Diese hat mir nicht gefallen. Die Einleitung war etwas lang. Laut Titel soll es doch um Rosaurus gehen. Fast das erste Kapitel handelt jedoch von der Prinzessin, ihren Puppen und Freundinnen. Die Charaktere bleiben dabei arg flach und erregten wenig Interesse bei mir. Im Verlauf werden viele Szenen beschrieben, die gefährlich sind. Ich fand sie aber weniger spannend und mehr aversiv, weil es darin eben oft um Misshandlung geht. Gestört haben mich zudem etliche Einschübe, die recht unverbunden daherkamen. Als es um den Zirkus geht, darf der Menageriebesitzer von seinen Tieren erzählen. Das ergibt dann mehrere Passagen wie "Der Tiger" oder "Der Leopard", in der diese Tiere und ihre Lebensweise beschrieben werden. In damaligen Zeiten, ohne die heutigen Kenntnisse, mögen solche Ausflüge interessant gewesens ein. Allerdings fügen sich diese Einschübe kaum ein, wirken auf mich wie Fremdkörper und zudem etwas langatmig. Bewertungen wie, der Tiger habe nicht die Würde des Löwen, sind mir unverständlich und ich empfinde sie als Anmaßung. Ganz genauso ging es mir mit den Geschichten, die der Polizeipräsident dem jungen Dieb erzählt, dem er den Arm gebrochen hat. Auch diese sind fast gar nicht in den Text eingebunden. Teils fehlt jedliche Überleitung. Insgesamt kommt Rosaurus, der laut Titel die Hauptrolle haben sollte, etwas kurz davon. Zum Schluß darf er ein paar Worte sprechen, was mich, nicht im positiven Sinne, verblüfft hat. Nichts hat darauf zugeführt, denn er war eher ein Accessoire im vorausgehenden Text, auch wenn er gerade einmal das Geschehen dominierte. Positiv ist vielleicht, dass man über diese Erzählung viel diskutieren könnte und sich überlegen, wie sich die Einstellung der Menschen im Lauf der Zeit geändert hat. Ich gebe diesem Text zusammengefasst 2 Sterne. Der Text ist online im Projekt Gutenberg erhältlich.

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Veröffentlicht am 15.07.2024

Es fehlte mir der rote Faden und die Sprache war mir zu anstrengend

Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns
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​​Inhalt:​ Die Geschichte beginnt, als Gritta 7 Jahre alt ist. Sie lebt mit ihrem gräflichen Vater, der Maschinen erfindet, und einem alten Diener auf einer heruntergekommenen Burg. Das Geld ist knapp; ...

​​Inhalt:​ Die Geschichte beginnt, als Gritta 7 Jahre alt ist. Sie lebt mit ihrem gräflichen Vater, der Maschinen erfindet, und einem alten Diener auf einer heruntergekommenen Burg. Das Geld ist knapp; der Graf cholerisch und in seine Arbeit vertieft. Da begibt es sich, dass er ins Dorf gehen muss. Auf dem Weg trifft er ein edles Fräulein mit ihrem Gefolge. Sie verlieben sich und Gritta wird ins Kloster abgeschoben. Daraus ergeben sich zahlreiche Erlebnisse und Abenteuer für Gritta. Illustriert haben das Märchen Gisela von Arnim und Herman Grimm.
​Meine Bewertung: Die Autorinnen hatten durchaus viel Fantasie, beginnend bei Wortneuschöpfungen und erfundenen Namen hin zur Handlung mit vielen Ereignissen und Höhepunkten. Allerdings ist kein wirklich roter Faden in der Geschichte. Sie wird chronologisch erzählt, aber viele Dinge, die breit dargestellt werden, haben letztlich wenig bis keine Bedeutung im weiteren Verlauf.

Diese Passagen boten mir keine besondere Unterhaltung und ich fand sie nicht lesenswert. Zugegeben, habe ich das Buch nach etwa der Hälfte abgebrochen und nur noch überflogen. Sprachlich fand ich den Roman anstrengend. Wohl der Zeit entsprechend, finden sich ungewohnte Satzstellungen, Auslassungen und veränderte Wortbedeutungen, so dass ich öfter zweimal lesen musste, um zu verstehen. Ich fand zwar, dass die Autorinnen ein Talent für Ironie hatten. Allerdings wurde es nur selten eingesetzt. Zudem war der Text für meinen Geschmack mit Details überfrachtet. Mir hat außerdem nicht gefallen, dass Gritta nur langsam an Bedeutung gewann. Sie ist doch laut Titel die Hauptperson der Geschichte. Dann wird aber breit davon erzählt, wie sich der Graf in die Jungfer Nesselkrautia verliebt. Erst als Gritta ins Kloster gebracht wird, steht sie im Zentrum des Geschehens. Der Graf ist sowieso ein Unsympath. Ich konnte ihn von Anfang an nicht leiden.

Nesselkrautia ist ebenso unsympathisch mit den vielen Ohrfeigen, die sie an die Pagen verteilt. Als sie Gritta ins Kloster schickt, ist das keine große Überraschung. Im Kloster geht es dann weiter mit den bösen Menschen, was für mich auch anstrengend war. Ich fand die bösen Figuren an dieser Stelle recht klischeehaft. Am Ende allerdings löst sich das etwas auf. Die Illustrationen fand ich schwierig zu erfassen. Das mag am Format gelegen haben. Ich kann mir vorstellen, dass sie auf einer ganzen Buchseite abgedruckt deutlicher sind. Allerdings fiel mir auf, dass das Zentrale eines Bildes oft von sehr viel Rand umgeben war und damit in seiner Bedeutsamkeit geschmälert wurde. Andererseits hatte man sich mit ihnen viel Mühe gegeben, indem man ihnen Perspektive und zahlreiche Details verliehen hat. Weil ich das Märchen sehr wenig mochte, vergebe ich insgesamt 2 Sterne an den Roman.

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Veröffentlicht am 16.06.2024

Das letzte Viertel hat es mir verdorben

Das Baumhaus
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Mir hat das Buch über weite Strecken ausgesprochen gut gefallen. Das letzte Viertel hat es für mich dann jedoch verdorben.

Während es im ersten Viertel der Autorin Vera Buck sehr gut gelungen ist, den ...

Mir hat das Buch über weite Strecken ausgesprochen gut gefallen. Das letzte Viertel hat es für mich dann jedoch verdorben.

Während es im ersten Viertel der Autorin Vera Buck sehr gut gelungen ist, den Handlungsspielraum vielversprechend breit und interessant anzulegen, fand ich die zweite Hälfte zu überfrachtet mit Ereignissen und Personen. Es wurde auf zuviele Büschen geklopft und leider wurde nichts ausgelassen. Die Bezugnahme auf Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter und Bullerbü fand ich von Anfang an unpassend und bei mir erzeugte sie weder Spannung zwischen diesen Idyllen der Kindheit und der dargestellten grausamen Realität, noch sah ich irgendwelche Parallelen zu einer der Figuren.

Bestimmte Dinge wurden bereits sehr früh in der Handlung durch schnelle Wendungen aufgedeckt. Das fand ich sehr positiv, dass die Ereignisse nicht erst am Ende sortiert werden und man dadurch als Leserin stärker in die Ermittlung eingebunden ist. Jedoch in der Auflösung am Ende verstand ich, dass der Leser auf falsche Spuren geprügelt wurde und der Zufall eine zu große Rolle spielt. Und mich hat geärgert, dass bestimmte Zeitabläufe nicht stimmig waren.

Bis dahin hatte mir gefallen, dass der Text anschaulich und lebendig geschrieben ist, ohne sich in unnötigen Details zu verfangen. Emotional fand ich den Text zunächst gut balanciert. Es wurden zwar schreckliche Ereignisse dargestellt, jedoch mit einer gewissen Distanz. Zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass etwas eben so geschildert wurde, wie es war. Das wirkt alles sehr begreifbar. Während zum Ende hin es wohl eher darum ging, den Leser zu schocken, und Grusel und Action in den Thriller zu bringen. Sprachlich mochte ich den Text eigentlich sehr. Umso mehr haben dann die Ausreißer gestört, wo sich die Autorin zu konventioneller Ausdrücke und Bilder bediente. Im Verlauf wurden sie immer mehr.

Mir fiel es zwar etwas schwer, am Ende jedes Kapitels die Perspektive zu wechseln. Jedoch waren dadurch interessante Einblicke möglich und besonders die Beziehung von Nora und Henrik konnte besser verstanden werden. Viele der Figuren mochte ich allerdings nicht und sie wurden mir durch die Einblicke in ihr Seelenleben nicht sympathischer.

Bei Rosa hat mich von Anfang an genervt, dass mit ihr das Klischee bedient wurde, man müßte irgendwie gestört sein, um sich mit dem Tod zu beschäftigen. Sie nimmt mir mit ihrer eigenen Geschichte außerdem zuviel Raum ein. Ein paar Figuren, die allerdings untergeordnet sind, waren mir zu einfach und extrem angelegt. Nur weil man einer Figur wenig Raum gibt, muss sie doch keinem Prototyp entsprechen. Das ist mir zu billig.

Anfangs dachte ich, dass Vera Buck sehr gut durch die Geschichte führt und man immer das Gefühl hat, an der richtigen Stelle in der Handlung zu sein. Dann kam der erste Cliffhanger. Das finde ich immer einen billigen Trick, um die Spannung hochzuhalten. Für mich ist eine Führung, die man als Leser
in akzeptiert, die höhere Kunst und angenehmer. Auch die Träume wirkten auf mich wie ein Taschenspielertrick, um die Seiten zu füllen.

Zusammengenommen bewerte ich diesen Roman mit 3 Sternen. Hätte das letzte Viertel mehr dem Vorausgehenden entsprochen, wären es 4 Sterne geworden.

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Veröffentlicht am 14.04.2024

Ein Buch, das sich schwer einordnen lässt und viel Interpretationsspielraum bietet

Die dunkle Seite des Mondes
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Dass der prominente Wirtschaftsanwalt Urs Blank von seinem Job frustriert ist, wird bereits mit dem ersten Satz des Romans klar. Wenig später erkennt der Leser, dass es sich um eine ausgewachsene Lebenskrise ...



Dass der prominente Wirtschaftsanwalt Urs Blank von seinem Job frustriert ist, wird bereits mit dem ersten Satz des Romans klar. Wenig später erkennt der Leser, dass es sich um eine ausgewachsene Lebenskrise handelt. Besserung scheint die Bekanntschaft mit einem halb so alten Hippie-Mädchen zu bringen, bis Lucille Urs Blank jedoch in Kontakt mit Drogen bringt. Ein aufwändig inszentierter Pilz-Trip lässt den Anwalt vollends abstürzen. Er interpretiert es jedoch positiv als Befreiung seines inneren Tieres, das er im Lauf seiner Kindheit zu unterdrücken gelernt hatte (nomen est omen). In die Natur "zurückzukehren" und mit ihr eins zu werden wird ihm stetig wichtiger.

Ich fand interessant, dass ich das Buch in keine "Schublade stecken" konnte. Ist es ein Roman oder ein Thriller? Richtig spannend wurde die Handlung für mich nicht, auch wenn die entsprechend notwendigen Elemente dafür vorhanden waren: Gewalttaten, überraschende Wendungen, mehrere Parteien, die auf der Jagd sind. Ich fand es ansprechend, wie gelungen anfangs der rote Faden von einem Kapitel ins nächste gereicht wurde, und ich fand es schade, dass es später eher zu einem Hin und Her zwischen den verschiedenen Figuren wurde. Die blieben etwas blaß. Gefühlen und Gedanken wurde viel Raum gegeben, dennoch war nicht immer vorhersagbar, wie jemand handeln würde - ein Pluspunkt für das Buch. Interessant fand ich zuerst auch die Dinge, die sich Urs Blank über die Natur, Survival und Jagd aneignete. Irgendwann, als mehrmals aufgelistet wurde, beispielsweise jeder Ausrüstungsgegenstand, wurde es mir zuviel, obwohl diese Auflistungen auch etwas vermitteln könnten: die Wichtigkeit des Unternehmens; die Kompetenz oder gar die Überlegenheit der Person, die sich so ausrüstet... Auch wenn diese als Stilmittel verstanden werden konnten, fand ich diese Stellen irgendwann dann langatmig. Gefallen hat mir die Idee, dass Kleinigkeiten, die eigentlich nichts mit der Sache zu tun haben, der Ausschlag sind, um die Sache zu wenden; also die Butterfly-Effekte der Handlung. Nicht ganz einverstanden war ich mit dem Ende. In Bezug auf die Hauptfigur war es sehr passend. Allerdings hätte ich mir für die Nebenfiguren einen Abschluß gewünscht, der jedoch offen blieb. Ich vergebe für das Buch vier Sterne.

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