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Karolina_Hruskova

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.01.2026

Herzschmerz - aber nichts für mich

Write Me for You
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Mein erster Roman von Tillie Cole - auch mein letzter?!?

Ich bin mir während des Lesens lange unsicher gewesen, wie ich den ganzen Roman einordnen soll. Das Alter der Protagonisten war mir zu jung, aber ...

Mein erster Roman von Tillie Cole - auch mein letzter?!?

Ich bin mir während des Lesens lange unsicher gewesen, wie ich den ganzen Roman einordnen soll. Das Alter der Protagonisten war mir zu jung, aber gleichzeitig hat die Story nur so wirklich funktioniert. Junes Unsicherheiten konnte ich nicht nachvollziehen, sie war für mich zu zögerlich, zu zurückhaltend, blass. Jesse hat mich leider mit seiner aufgesetzten fröhlichen Art durchgehend genervt (auf jeder Seite nennt er June "Junebug" - ich habe das Wort irgendwann regelrecht verabscheut). Oft fand ich ihn nicht authentisch.

Aber gleichzeitig habe - musste - ich immer weiterlesen. Wie Tillie Cole den Schmerz, die Hoffnung und im selben Atemzug auch Hoffnungslosigkeit fein, aber doch präsent verarbeitet hat, war ergreifend. Die Intensität war teilweise überwältigend, da wurde schon sehr auf die Tränendrüse gedrückt. Tillie Cole hat sich durchgehend auf Emotionen konzentriert, weniger auf echte Überraschungen. Leider ist der Fokus auch so stark darauf gelegt, dass meiner Ansicht nach andere Dinge, wie beispielsweise ein ansprechender Schreibstil, untergegangen sind.

Die Idee, quasi auch das Herzstück, des Romans fand ich interessant. June schreibt Jesses und ihre Geschichte - nur mit einem alternativen Ende. Oft hat mich der Wechsel zwischen ihrer Realität und Fiktion verwirrt, aber vielleicht auch nur, weil sich alles gleichermaßen echt hat lesen lassen.

Alles in einem war es für mich wahrscheinlich nicht der richtige erste Roman von Tillie Cole. Zu 100 % bin ich persönlich nicht überzeugt, kann den Roman aber trotzdem jüngerem Publikum empfehlen, das auf der Suche nach einer herzzerreißenden und gefühlvollen Geschichte ist.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Genialer Titel und konsequente Umsetzung

Jahre ohne Sprache
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»Jahre ohne Sprache« trägt für mich einen der besten Titel mit viel Aussagekraft und einer extremen Tiefe. Der Roman lebt von Naos Sprachlosigkeit, ihrem unsicheren Inneren und einer besonderen Atmosphäre. ...

»Jahre ohne Sprache« trägt für mich einen der besten Titel mit viel Aussagekraft und einer extremen Tiefe. Der Roman lebt von Naos Sprachlosigkeit, ihrem unsicheren Inneren und einer besonderen Atmosphäre. Langsam nähert man sich mit Nao der Wahrheit, den Geschehnissen von früher an. Was war das mit der Hand damals, eine Grenzüberschreitung, sexuelle Gewalt, oder nur eine falsch abgespeicherte Erinnerung? Sie traut ihrer eigenen Wahrnehmung nicht, sucht Bestätigung und Klarheit zwischen Relativierungen und Verdrängung.

Ann Esswein bietet hier keine einfache Antwort auf Naos Fragen. Die Suche danach wird zum Prozess, der von Unsicherheiten, Misstrauen und Zögern geprägt ist. Naos Erinnerungen wirken fragmentarisch, sie werden hinterfragt, überschrieben und verzerrt. Als Leser:in erfährt man, wie schwierig es sein muss, den eigenen Erinnerungen zu glauben, wenn man ihnen selbst nicht traut.

Stilistisch ist diese Sprachlosigkeit perfekt in den Roman übernommen worden. Sprachlich sehr ruhig, zurückhaltend, aber präzise wird Wert auf das Wichtigste gelegt, ohne die Geschichte zu überschatten. Durch Leerstellen gibt es genügend Raum für Ungesagtes. Der Roman hat sein eigenes Tempo, ist langsam, vorsichtig, zaghaft, manchmal auch ausgedehnt, und spiegelt damit Naos innere Verfassung wider.

Was zurückbleibt ist nicht etwa die Handlung, sondern die Ohnmacht, ein Gefühl, das durch die Schwere des Schweigens drückt. Das Buch wirkt durch eben jene Sprachlosigkeit besonders nach und überzeugt durch seine Tiefe und konsequente, vielseitige Umsetzung des Themas.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Anfangs enttäuschend, zum Schluss der Lieblingsband der Reihe

The Monet Family – Be Strong, My Pearl
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Der Cliffhanger des vorherigen Bandes hatte mich echt gepackt und dann war es doch ziemlich enttäuschend, wie Band 5 damit weiterging. Der Cliffhanger war quasi in einem Satz wieder aufgelöst und die Story ...

Der Cliffhanger des vorherigen Bandes hatte mich echt gepackt und dann war es doch ziemlich enttäuschend, wie Band 5 damit weiterging. Der Cliffhanger war quasi in einem Satz wieder aufgelöst und die Story verlief wie immer: Wir begleiten Hailies - zugegeben - ungewöhnlichen Alltag und sie bricht bei jeder Kleinigkeit in Tränen aus. Gähn.

Aber dann hat sich etwas verändert, hat Hailie sich verändert, und plötzlich hat mich die Story überzeugt. Völlig unvorhergesehen agiert Hailie (wahrscheinlich zum ersten Mal) vernünftig, verantwortungsbewusst und mutig in einer schnellen, actiongeladenen Umgebung, in die sie geworfen wurde.

Und da war dann das Eis gebrochen. Band 5 könnte mein liebster Band der Reihe sein, weil Hailie endlich nicht mehr wie ein kleines, naives Kind auftritt. Ihre Brüder öffnen sich ihr mehr, das Familienunternehmen wird ihr endlich offenbart (hat ja nur 5 Bände gebraucht?!). Auch ihre Brüder habe ich diesmal deutlich angenehmer wahrgenommen (#teamdylan) und nicht mehr so extrem übergriffig. Einzig und alleine die plumpe Sprache war mir ein Dorn im Auge, weil Hailie dadurch nach wie vor unreif und kindlich wirkt und das zu Band-5-Hailie einfach nicht mehr gepasst hat.

Alles in einem habe ich den Teil der Reihe echt gern gelesen und wurde mit allem versorgt, was ich mir erhofft habe: Spannung, Drama (in Maßen!) und Mafia-Vibes. Hailie ist endlich selbstbestimmt, trifft wichtige Entscheidungen und ich freue mich echt auf den nächsten Band!

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Veröffentlicht am 05.12.2025

There's no such thing as an easy job

Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen
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Das Offensichtlichste zuerst: Der Titel sticht nur so ins Auge. Ich habe ähnliche Vibes wie in »Geht so« von Beatriz Serrano (sehr empfehlenswert!) erwartet, allerdings habe ich schnell gemerkt, dass ausgerechnet ...

Das Offensichtlichste zuerst: Der Titel sticht nur so ins Auge. Ich habe ähnliche Vibes wie in »Geht so« von Beatriz Serrano (sehr empfehlenswert!) erwartet, allerdings habe ich schnell gemerkt, dass ausgerechnet der Titel in die Irre führt und war in dieser Hinsicht etwas enttäuscht. Leider war es auch so, dass ich den Roman zur (für mich) falschen Zeit gelesen und mich etwas damit gequält habe. Dem gegenüber hat mich aber Kikuko Tsumuras angenehmer, sanfter, auch sehr leiser Schreibstil die Aussage des Romans sehr schnell und einfach fassen lassen.

Und dabei geht es definitiv nicht um Yakisoba. Vielmehr begleitet man die namenlose Erzählerin auf der Suche nach ihrer Selbstverwirklichung und Erfüllung. »There's no such thing as an easy job« heißt der Roman im Englischen und trifft damit den Nagel 100 % auf den Kopf.

Während sich die Erzählerin in verschiedenen Jobs ausprobiert, geschehen allerhand seltsame, mysteriöse und auch etwas skurrile Dinge. Jedes Detail war dabei gewichtig: Mittagspausen, Kolleg:innen, Mahlzeiten, Schauplätze und (banale) Aufgaben haben ineinander gegriffen und ein Bild erzeugt, das mich neugierig gemacht hat. Denn in der Einfachheit der Jobs haben sich plötzlich Geschehnisse, Zufälle, Sekten, Geister und verschwundene Läden gefunden... und ich habe nur gestaunt, in welche Richtung Kikuko Tsumura die Geschichte gelenkt hat. Jeder Job hatte seine Eigenheiten und war auf einmal gar nicht mehr so banal.

Diesen Twist mochte ich sehr - auch die Tatsache, dass die einzelnen Kapitel keinem Schema folgten und damit nicht vorhersehbar waren. Letztendlich betrachte ich den Roman aber neutral, weil er mir zu nüchtern war. Gleichzeitig denke ich, dass gerade diese Kombination aus Nüchternheit und diesem Hauch Unbekannten, dem Unerwarteten und diesem unaufgeregten Überraschungsmoment Wiedererkennungswert hat und dem/der ein oder anderen gut gefallen wird.

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Veröffentlicht am 05.12.2025

Durchwachsene Charaktere, aber dennoch liebenswürdig

Off to the Races
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Mit Pferdegeschichten bin ich ja noch nie warm geworden. Nie eine Wendy gehabt, kein Interesse an dem Tier, keinen Reitunterricht, einfach nichts. Und dann kam »Off to the Races.«

Es hat wirklich Spaß ...

Mit Pferdegeschichten bin ich ja noch nie warm geworden. Nie eine Wendy gehabt, kein Interesse an dem Tier, keinen Reitunterricht, einfach nichts. Und dann kam »Off to the Races.«

Es hat wirklich Spaß gemacht, vor allem Billie kennenzulernen. Vaughn hat mich mit seiner herablassenden und respektlosen Art Frauen gegenüber leider nicht überzeugt – eher im Gegenteil. Auch besaß er keine Weitsicht, war engstirnig (insbesondere in Bezug auf seinen verstorbenen Großvater) und war durchgehend ein Unsympath für mich. Billie hingegen war erfrischend. Präsent mit einer Stärke, die sie sich hart erarbeitet hat, und einer prägenden Vergangenheit, an der sie gewachsen ist. Trotzdem blitzten hin und wieder ihre Unsicherheiten auf, die sie als Charakter authentisch abgerundet haben. Die größte Überraschung für mich persönlich: Besonders ihre Bindung zu DD, ihrem Pferd, war sehr berührend. Obwohl ich glaube, dass sich Pferde nicht wie im Roman beschrieben verhalten?! Auch die Liebesgeschichte zwischen Billie und Vaughn war gut ausgearbeitet. Etwas spicy, glaubwürdig und herzerwärmend – tatsächlich mochte ich Vaughns Sicht auf Billie sehr. Das wars aber auch schon mit ihm.

Die Story war okay. Irgendwie vorhersehbar, irgendwie nicht. Keine Überraschungen, aber solide. Die Nebenfiguren empfand ich als zu große Klischees, aber haben sich dennoch gut in die Geschichte gefügt. Oder war die Geschichte einfach zu sehr mit Klischees gespickt, sodass das auch nicht mehr ins Gewicht fällt? Eine Story, deren Setting auf einer Pferderanch ist, muss wahrscheinlich unweigerlich gewisse Erwartungen erfüllen.

Ich habe den Roman sehr gern gelesen. Der Schreibstil war flüssig, bildlich, leicht humorvoll und schwerelos, die Figuren lebhaft. Alles verlief geradlinig, ohne unnötige Ausschweifungen und ich wurde alles in einem gut und – trotz Klischees – abwechslungsreich unterhalten.

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