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Veröffentlicht am 27.04.2020

Der Künstler!

Der Künstler
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Wie kann dieser klassische Krimi besser beschrieben werden als mit folgendem Zitat aus dem Buch selbst: Es endet, zu meinen Füßen tote Poeten (Thomas Bernhard).

Dieses Zitat, das der Killer, der von den ...

Wie kann dieser klassische Krimi besser beschrieben werden als mit folgendem Zitat aus dem Buch selbst: Es endet, zu meinen Füßen tote Poeten (Thomas Bernhard).

Dieses Zitat, das der Killer, der von den Medien den Spitznamen Der Künstler erhält, verwendet, führt schlussendlich zu dem Ort des Verbrechens.

Der Künstler hat dieses Zitat Bernhard´s gewählt, weil Bernhard zwar die Verlogenheit der Kunst erkannt hat, doch nicht fähig war, einen Schritt weiter zu gehen. Dieses Versäumnis Bernhards holt Der Künstler mit seinen Werken nach. Nachfolgend zitiere ich den Künstler in Interviewform. Denn nur so ist sein Vorgehen am besten zu verstehen.

Mit meinem Projekt werde ich den Blick der Menschen auf die Kunst für immer verändern.

Wieso glauben Sie, dass die Darstellungen erst Wirklichkeit werden müssen, um ihre Wirkung zu entfalten?

Weil ein Gemälde in der heutigen Zeit nicht mehr ausreicht, um die Herzen der Menschen zu erreichen. Weil sie nie gespürt haben, was wahre Kunst zu leisten imstande ist. Doch bald werde ich der Welt die ganze Macht der Kunst wieder vor Augen führen!

Als ich ein kleiner Junge war, da waren die Meisterwerke von Bacon und Géricault meine ganze Welt! Meine Eltern, diese selbstsüchtigen Hohlköpfe, haben mir alles gekauft, was ich haben wollte. Aufs teuerste Internat des Landes haben sie mich geschickt. Aber waren sie für mich da? Nein. Nur die Bilder – die Bilder waren immer da. Nächtelang, wochenlang, jahrelang habe ich diese unsterblichen Werke in den Kunstbänden meines Vaters bewundert. Was ich dabei empfunden habe, kann sich niemand ausmalen. Schon gar nicht das übersättigte Feierabendpublikum von heute.

Nun ja, große Kunst kostet eben alles. Doch nennen Sie es, wie Sie wollen. Ich für meinen Teil würde sagen, ich verleihe meinen Modellen Unsterblichkeit. Jeder Mensch ist ein einmaliger Mensch, und tatsächlich für sich gesehen das größte Kunstwerk aller Zeiten. Ist es nicht gerade die Stärke der Kunst, dass sie die Schranken der Realität überwinden kann?

Also halten Sie sich für einen Künstler?

Ein Künstler? Nein, dafür fehlt mir das Talent. Sagen wir es so, ich vollende die großen Kunstwerke der Welt. Bacon oder Géricault waren Genies. Aber sie waren feige! Weil sie alle ihre Visionen abgeschwächt haben, um die Erwartungen von Gesellschaft oder Moral zu erfüllen. Darum ist ihre Kunst niemals vollkommen.

Und Sie können deren Kunst vollkommen machen?

Ja, ich kann sie vollkommen machen. Denn Vollkommenheit bedeutet Tod. Und ich, ich schrecke nicht vor dem Tod zurück.

Der Fall wird gelöst. Doch wie, das verrate ich nicht, damit es beim Lesen spannend bleibt.

Der Krimi ist logisch aufgebaut und sehr spannend geschrieben. Hauptakteure sind in erster Linie Der Künstler und seine Kunstwerke, Kommissar Michelsen und die Bachelor of Arts Praktikantin Laura. Dieser Krimi gehört mit zu den Bücher, die man erst dann aus der Hand legen mag, wenn man vermutet, wer Der Künstler sein könnte, dessen Initialen R. G. sind.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Spannung
  • Cover
Veröffentlicht am 06.04.2020

mkAHzG

Mein kleiner Apfelhof zum Glück
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Der Roman mein kleiner Apfelhof zum Glück ist eine fluffig leicht zu lesende Selbstfindungs- und Liebesgeschichte mit Happy End.

Erzählt wird die Geschichte einer junger Frau, die aufgrund eines breaking ...

Der Roman mein kleiner Apfelhof zum Glück ist eine fluffig leicht zu lesende Selbstfindungs- und Liebesgeschichte mit Happy End.

Erzählt wird die Geschichte einer junger Frau, die aufgrund eines breaking points in Form des Arbeitsplatzverlustes zu sich selbst findet. Sie verlässt Hamburg und geht auf den Hof ihrer Oma in der Lüneburger Heide zurück. Ihre Oma hält dort anstelle von Scharfen drei Alpakas, wovon eines schwanger ist und ein Cria bekommt. Die finanzielle Situation ihrer Oma ist sehr angespannt. Doch anstelle den Hof zu verkaufen, was ich traurig gefunden hätte, erfüllt sich Emma einen Traum. Sie baut eine alte Scheune mit Hilfe von Omas Freunden in ein Restaurant um. Dadurch verwirklicht sie ihren Kindheitstraum der Köchin. Der Landtierarzt Lukas kümmert rührend um die Alpakas. Er wird als freundlicher und geduldiger Mann beschrieben, der gerne hilft.

Für Emma ist es nicht einfach, Lukas zu vertrauen. Denn ihr Freund hat sie betrogen und sie hat ihn dabei inflagranti erwischt. Es ist ein emotionales Hin und Her bevor Emma versteht, dass Lukas ein ehrlicher Mann ist, der es ernst mit ihr meint. Eine wichtige Rolle spielen die Alpakas. Sie sorgen dafür, dass sich Emma und Lukas immer wieder annähern, wenn Emma mal wieder emotional ausgetickt ist, was häufig der Fall ist. Schlussendlich werden die beiden ein Paar.

Die Äpfel selbst spielen im gesamten Roman nur eine kleine Rolle und zwar, als Emma´s Oma im Krankenhaus liegt und Emma ihr ihren Apfelkuchen backt. Auch der erste Annäherung von Emma an Lukas erfolgt beim Äpfel pflücken.

Die Charaktere, die Frau Flieder entwirft, haben ihre Stärken und Schwächen. Dadurch werden sie einem sympathisch. Manchmal kann mitgefiebert werden beispielsweise bei der Geburt des Babyalpakas und der Suche, als es wegläuft.

Frau Flieder schreibt bildhaft, verständnisvoll und rührend. Es wird das Interesse geweckt, sich die Lüneburger Heide in echt anzusehen und das Summen eines Alpakas zu hören.

Es hat Spaß gemacht, diese Geschichte zu lesen und hat mich in Zeiten von Covid-19 gedanklich an einen Ort geschickt, der nicht infiziert ist .

  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 13.03.2020

Dame des Nebels

Die brennenden Kammern
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„Was, wenn wir uns irren? Was, wenn uns auf der anderen Seite nichts erwartet? Außer Dunkelheit?“

„Das ist ein Glaubenskrieg.“

„In einem Glaubenskrieg geht es immer um mehr als um den Glauben ….“

Der ...

„Was, wenn wir uns irren? Was, wenn uns auf der anderen Seite nichts erwartet? Außer Dunkelheit?“

„Das ist ein Glaubenskrieg.“

„In einem Glaubenskrieg geht es immer um mehr als um den Glauben ….“

Der historische Roman „Die Brennenden Kammern“ von Kate Mosse spielt im Jahre 1862, in der Zeit, in der der erste Hugenottenkrieg ausbricht. Diese Zeit ist durch Gefühle wie „Angst und Verlust, Zorn und Erbarmen“ geprägt.

Es wird in drei Teilen die Geschichte der Bibliothekarsfamilie Jouberts erzählt, die in Carcasonne wohnt. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die katholische erzogene Minou Joubert, die 19 jährige Tochter. Diese ist hochgewachsen, braunhaarig und hat ein braunes und ein blaues Auge. Diese Merkmale werden im Laufe der Geschichte noch eine wichtige Rolle spielen.

Sie trifft durch Zufall auf den Hugenotten Piet Reydon, der auf der Flucht ist, weil der das Grabtuch des Heilandes gestohlen hat. Beide verlieben sich ineinander. Für Piet ist Minou seine Dame des Nebels wegen der Umstände der ersten Begegnung. Wegen dem Diebstahl des Grabtuches wird der nichtwissende Vater Bernard Joubert in das Inquistionsgefängnis gebracht und dort gefoltert. Aufgrund dieser Folterhaft bittet er Minou zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Carcasonne zu verlassen und nach Toulouse zu ihrer katholischen Tante zu reisen, bis sozusagen wieder Normalität in der Stadt zurückgekehrt ist.

Piet versucht, bevor der endgültig Carcasonne verlässt, mit seinem damaligen Studienkollegen und Freund Vidal, der Katholik ist, eine Aussprache und Anknüpfung an die alte Freundschaft. Doch Vidal hat nur den Verbleib des Grabtuches für seine Karriere im Sinn. Es kommt, wie es kommen muss. Piet hat fluchtartig Carcasonne im Hinblick auf sein Leben zu verlassen. Er geht ebenfalls nach Toulouse.

Dann bricht der Krieg in Toulouse aus. Durch verschiedene Umstände und Erlebnisse verlagert sich dann die Familiengeschichte nach Puivert.

In Puivert erfährt Minou die Wahrheit ihrer Herkunft und zwar, dass ihre bei ihrer Geburt verstorbene Mutter verheiratet mit Herrn de Bruyère und Hugenottin war. Minou ist adligen Blutes und die rechtmäßige Erbin der Besitztümer von Puivert.

Die derzeitige Herrin von Puivert Blanche de Bruyère sieht sich aufgrund des Erbes Minou in ihrer Existenz bedroht und entführt Minous kleine Schwester. Sie plant, Minou zu töten durch die Brennenden Kammern. Denn „nur durch Feuer können wir entsündigt und entsühnt werden. … Sündig sind wir alle. Gefallen, verdorben vom Werk Satans.“ Aus Sicht von Blanche sind die Brennenden Kammern „der einzige Weg, jene, die sich von Gott, von der Erlösung abgewandt haben, vor der endlosen Verdammnis für ihre Häresie zu bewahren.“ Der Mord an Minou durch die Brennenden Kammern wird nur durch das Eingriffen der Tante von Minou vereitelt.

Die Figur der Blanche finde ich selbst am faszinierendsten. Sie ist die Böse im Vergleich zu Minou und eine psychische kranke Frau, die die Stimme Gottes in ihrem Kopf hört.

Sie will ihre Existenz sicher durch die Erlösung Minous Seele durch die Brennenden Kammern. Minou, die gezeugt wurde von einem Katholiken mit einer „hugenottischen Hure“. Diese Erlösung kann nur durch Feuer geschehen. Denn die Märtyrer alter Zeit, die sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören, wurden auf den Scheiterhaufen verbrannt: „In Feuersäulen stiegen ihre Seelen zum Himmel auf“.

Vidal, der inzwischen im Besitz des echten Grabtuches ist, hält nichts länger in Puivert. Vidal treiben sexuelle Lust und Ehrgeiz an. Blanche erkennt, dass nicht sein Dienst an Gott in fortgehen lässt, sondern sein Ehrgeiz: Vidal jetzt Monsignore Valentin. „Valentin. Welch langweilige Namenswahl zur Ordination. Der Name eines italienischen, keines französischen Märtyrers, und ein Festtag im Februar. In England, wo die Häresie jeden Aspekt des Lebens vergiftet, ist er der Schutzheilige der Liebenden. Auf Gottes Geheiß tötet Blanche sich und ihr mit Vidal gezeugtes ungeborenes Kind.

Vidal ist das Spiegelbild von Blanche. Beide sind sozusagen aus einem Holz geschnitzt. Denn beide haben nur ihre Existenzsicherung und (finanziellen) Aufstieg im Sinne. Dafür sind sie bereit zu morden bzw. die Menschen zurückzulassen, die ihnen nicht mehr zu nutze sind.

Minou hingegen ist in ihrem Glauben tolerant. Sie glaubt, „dass in solchen Dingen – dem Licht und dem Stein, dem Wald und dem Himmel – Gott wahrhaft gefunden werden kann.“

Minou tritt ihr Erbe als de Puivert an. Sie heiratet Piet und ist stolze Mutter von einer Tochter und einem Sohn. Damit endet der Roman und lässt aufgrund des Prologs erahnen, dass im nächsten Teil die Geschichte der Tochter von Minou, Marta, erzählt werden wird.

Kate Mosse schreibt sehr bildhaft, klar strukturiert und logisch im gesamten Aufbau. Der Roman erhält so gut wie keine Redundanzen, außer die notwendigen zum Fortgang der Geschichte und zur Erhaltung der Spannung. Sie erzählt eine glaubhafte (Liebes-)Geschichte in Zeiten des Krieges mit Happy End.

Aufgrund des Prologs möchte ich schon wissen, welche Frau aus sozusagen Minous Genpool 300 Jahre später Minous Tagebuch in den Händen hält und von einem Mann an- oder erschossen wird, der eine weise Haarsträhne in seinen schwarzen Haaren gleich Vidal hat auf einem Friedhof am Cap de Bonne-Espérance.

  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre