Profilbild von KimVi

KimVi

Lesejury Star
offline

KimVi ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit KimVi über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.08.2019

Total unrealistisch, völlig überspitzt und rabenschwarz. Klasse!

Achtsam morden
0

Der erfolgreiche Anwalt Björn Diemel wird von seiner Frau Katharina dazu gezwungen, ein Achtsamkeits-Seminar bei Coach Joschka Breitner zu besuchen. Durch seinen Beruf ist Björn immer im Stress und hat ...

Der erfolgreiche Anwalt Björn Diemel wird von seiner Frau Katharina dazu gezwungen, ein Achtsamkeits-Seminar bei Coach Joschka Breitner zu besuchen. Durch seinen Beruf ist Björn immer im Stress und hat wenig Zeit für Frau und Tochter. Das muss sich ändern, denn sonst gibt Katharina der Ehe keine Chance mehr. Das Seminar soll Björn dabei helfen, seine Work-Life-Balance wieder herzustellen und damit sein Familienleben in den Griff zu bekommen. Und dann tritt das ein, womit niemand, am allerwenigsten Björn selber, gerechnet hat: Björn verinnerlicht die Achtsamkeitsregeln. Es kommt sogar so weit, dass er sie in seinen Berufsalltag integrieren kann. Allerdings anders als gedacht, denn als sein Mandant, ein Großkrimineller, der einiges auf dem Kerbholz hat, Björn und seine Tochter bedroht, räumt er dieses Problem, natürlich streng nach den Regeln der Achtsamkeit, einfach aus dem Weg....

Der Einstieg in diesen entschleunigten Kriminalroman gelingt beinahe mühelos. Denn Strafverteidiger Björn Diemel führt locker durch die Handlung. Zunächst erzählt er, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass er das Achtsamkeits-Coaching besucht hat. Danach gewährt er Einblicke in sein neu erlerntes Wissen über die Prinzipien der Achtsamkeit und wie er die Kenntnisse in sein Berufs- und Privatleben integrieren konnte. Das klingt ziemlich trocken, ist es aber überhaupt nicht! Denn es handelt sich hier um einen Krimi und keinesfalls um ein Sachbuch.

Der Krimi ist in einzelne Kapitel unterteilt. Jedem Kapitel ist ein Abschnitt aus dem fiktiven Achtsamkeits-Ratgeber von Björns Coach Joschka Breitner vorangestellt. Dieser kurze Achtsamkeitstipp wird im folgenden Kapitel dann gleich von Björn umgesetzt. Man mag manchmal kaum glauben, wie konsequent er diese kleinen Weisheiten umsetzt und auf welche Situationen sie sich anwenden lassen. Selber wäre man wahrscheinlich im Traum nicht darauf gekommen, doch man lernt ja bekanntlich nie aus.

Obwohl der Strafverteidiger Björn im ersten Moment nicht unbedingt sympathisch wirkt, versteht er es hervorragend, seine Geschichte so locker zu präsentieren, dass man beinahe meint, ihm gegenüber zu sitzen und seiner Erzählung zu lauschen. Er berichtet von kuriosen Situationen, die völlig überspitzt wirken. Doch Björns schwarzer Humor sorgt dafür, dass man sich ausgesprochen gut unterhält und es deshalb egal ist, dass man es für äußerst unwahrscheinlich hält, dass man mit diesen Methoden lange auf freiem Fuß wäre.

Diese Lektüre ist definitiv nur zu empfehlen, wenn man schwarzen Humor liebt und sich nicht an völlig überspitzten Situationen stört. Doch dann kann man dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite genießen.

Veröffentlicht am 18.08.2019

Für mich hätte es etwas gefühlvoller sein dürfen

Chicago Devils - Die Einzige für mich
0

Der äußerst attraktive Anton, Kapitän des Eishockey-Teams "Chicago Devils", wird von seinen Mannschaftskameraden oft damit aufgezogen, dass er sich auf keine Frauengeschichten einlässt. Anton ist das egal, ...

Der äußerst attraktive Anton, Kapitän des Eishockey-Teams "Chicago Devils", wird von seinen Mannschaftskameraden oft damit aufgezogen, dass er sich auf keine Frauengeschichten einlässt. Anton ist das egal, ihm kommt es nur darauf an, dass niemand die Wahrheit ahnt. Denn Anton ist schon seit Jahren in Mia verliebt. Diese Frau geht ihm direkt unter die Haut, sodass er an keine andere denken kann. Mia ist für ihn allerdings tabu! Diese Liebe kann und darf es nicht geben, denn Mia ist die Ehefrau eines Teamkollegen....

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Anton und Mia geschildert. Dadurch bekommt man einen guten Einblick in ihre Gedanken und Gefühle und erfährt außerdem, wie sie aufeinander wirken. Beide Charaktere wirken vom ersten Moment an sehr sympathisch. Man merkt sofort, dass Anton sich schon lange zu Mia hingezogen fühlt und dass diese Gefühle aufrichtig sind. Die Ausgangslage, dass Anton gemeinsam mit Mias Ehemann in einem Team spielt und sie deshalb tabu für ihn ist, klingt eher nach einer nicht so vorhersehbaren Liebesgeschichte, mit ungewissem Ausgang, und macht deshalb neugierig.

Obwohl beide Charaktere sympathisch wirken und man verfolgt, wie sich langsam Gefühle zwischen ihnen entwickeln, bleibt man beim Lesen etwas auf Distanz. Durch die wechselnden Ich-Perspektiven sollte man die Gefühle ja eigentlich hautnah und ungefiltert wahrnehmen. Das ist aber leider nicht so. Man merkt zwar die wachsende Sympathie und kann auch glaubhaft nachvollziehen, dass Mia schon lange die große Liebe für Anton ist, doch richtig transportiert werden die großen Gefühle nicht. Es gibt natürlich einige Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt, doch große Überraschungen gibt es dabei nicht, sodass die Geschichte leider etwas vorhersehbar wirkt. Der Schreibstil ist allerdings angenehm zu lesen. Man kann sich die beschriebenen Szenen vorstellen und der Handlung ohne Schwierigkeiten folgen.

Ich habe mich beim Lesen dieses ersten Teils der Sports-Romance-Reihe um die "Chicago Devils" gut unterhalten. Die ganz großen Gefühle zwischen Mia und Anton sind zwar nicht richtig bei mir angekommen. Da hatte ich mir leider mehr erhofft. Dennoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen und bin gespannt auf die Fortsetzung der Reihe.

Veröffentlicht am 17.08.2019

Leider habe ich mir deutlich mehr erhofft

Totentanz am Strand
0

Dr. Bernhard Sommerfeldt ist auf der Flucht. Er hat sein heißgeliebtes Ostfriesland verlassen und sich in Gelsenkirchen eine neue Identität erschaffen. Doch Sommerfeldt sinnt auf Rache. Rache an seiner ...

Dr. Bernhard Sommerfeldt ist auf der Flucht. Er hat sein heißgeliebtes Ostfriesland verlassen und sich in Gelsenkirchen eine neue Identität erschaffen. Doch Sommerfeldt sinnt auf Rache. Rache an seiner eigenen Familie in Bamberg, die ihn durch ihren Verrat überhaupt erst in die Lage gebracht hat, sich unter falschem Namen in Ostfriesland anzusiedeln. Und dann ist da noch das Heimweh nach Ostfriesland - und nach Beate! Doch eine Rückkehr ist viel zu gefährlich, denn Ann Kathrin Klaasen sucht noch immer intensiv nach ihm....

Nach "Totenstille im Watt" ist "Totentanz am Strand" der zweite Krimi um den Hochstapler Sommerfeldt, der sich, nach den Ereignissen im ersten Teil, auf der Flucht vor Ann Kathrin Klaasen befindet. Genau wie der erste Band, wird auch dieser wieder in der Ich-Perspektive, aus der Sicht von Sommerfeldt, geschildert. Er steht im Zentrum der Ereignisse. Kommissarin Ann Kathrin Klaasen, die Fans des Autors sicher aus den erfolgreichen Ostfriesen-Krimis kennen, ist hier nur eine Randfigur. Man kann den aktuellen Ereignissen sicher auch dann folgen, wenn man den ersten Teil nicht gelesen hat, da Sommerfeldt ausschweifende Rückblicke gewährt. Um jedoch zu erfahren, wie genau es dazu kam, dass Sommerfeldt zum Hochstapler und schließlich sogar zum Serienmörder wurde, ist es ratsam, den ersten Band zuerst zu lesen.

Durch die verwendete Ich-Perspektive hat man eine etwas eingeschränkte Sicht auf das Gesamtgeschehen, da man in die Gedanken und Gefühle von Sommerfeldt eintaucht und nur das erfährt, was auch ihm bekannt ist. Sommerfeldt erzählt seine Geschichte so entspannt, dass man beinahe meint, ihm gegenüber zu sitzen und seinen Ausführungen zu lauschen. Er plaudert munter vor sich hin, beginnt dabei allerdings auch oft abzuschweifen, sodass man schnell das Gefühl bekommt, dass er sich wirklich gerne reden hört und voll und ganz von sich überzeugt ist. Diese ausschweifenden Plaudereien sorgen dafür, dass man gedanklich manchmal abschweift und nicht ganz bei der Sache ist. Man hat das Gefühl, dass man auf der Stelle tritt und hofft, dass sich endlich mal etwas Spannung einstellt. Diese sucht man über weite Teile der Handlung allerdings vergeblich. Es gibt zwar immer mal wieder kleine Momente, in denen es etwas spannender zugeht, doch leider sind diese Szenen eher rar gesät.

Da ich bereits den ersten Band gelesen habe, war ich gespannt, wie es mit Dr. Sommerfeldt weitergehen wird. Leider wurde ich etwas enttäuscht, da mich die langen Monologe Sommerfeldts nach einer Weile ziemlich gelangweilt und ermüdet haben. Für mich kamen in diesem Krimi leider die spannenden Momente viel zu kurz.

Veröffentlicht am 12.08.2019

Gelungener Abschluss

Geblendet
0

Jenny Aaron ist eine Elitepolizistin, die, trotz ihrer, vor einigen Jahren bei einem Einsatz zugezogenen Blindheit, einem Spezialkommando angehört. Aufgeben war und ist für Jenny Aaron nie eine Option. ...

Jenny Aaron ist eine Elitepolizistin, die, trotz ihrer, vor einigen Jahren bei einem Einsatz zugezogenen Blindheit, einem Spezialkommando angehört. Aufgeben war und ist für Jenny Aaron nie eine Option. Durch eine neue Therapie scheint es endlich möglich, dass sie ihr Augenlicht zurückerhält. Doch Jenny Aaron muss sich entscheiden, denn das Spezialkommando, das für sie eine Familie ist, braucht unbedingt ihre Hilfe, denn es steht kurz vor der Auslöschung. Die Männer, die beim letzten Einsatz ihr Leben für Aaron gaben, dürfen nicht umsonst gestorben sein. Aaron muss eine Entscheidung treffen, doch was ist ihr wichtiger? Die Möglichkeit ihr Augenlicht zurückzuerhalten oder das Spezialkommando?

"Geblendet" ist nach "Endgültig" und "Niemals" der dritte und damit letzte Teil der Thriller-Trilogie um die blinde Elitepolizistin Jenny Aaron. Man kann den aktuellen Ereignissen sicher auch dann folgen, wenn man keinen Teil der Reihe gelesen hat, da wichtige Informationen kurz in die Handlung eingestreut werden. Dennoch ist es bei dieser Trilogie sicher sinnvoller, sie in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da man so die Weiterentwicklung der Charaktere und die Hintergrundinformationen zum Spezialkommando und Aarons Erblindung einfach besser verstehen kann.

Es gelingt Andreas Pflüger vom ersten Moment an, das Interesse an der Handlung zu wecken, da man im Prolog ein Mädchen beobachtet, das von ihrem Vater anscheinend für seine Mordpläne ausgebildet wurde. Wer das Mädchen ist und wie sich das alles mit dem aktuellen Geschehen verbinden wird, ist zunächst nicht klar, doch die Neugier wird auf jeden Fall geweckt.

Das Wiedersehen mit Jenny Aaron verläuft zunächst eher gemächlich, da man beobachtet, wie sie versucht, sich auf die Therapie einzulassen. Man kann gut nachvollziehen, dass ihre Gedanken ständig kreisen und die Vor- und Nachteile abwägen. Ihre inneren Dämonen machen es ihr dabei auch nicht gerade leicht. Das Abwägen und Aarons Unentschlossenheit nehmen einen großen Teil der Handlung ein. Da die Entscheidung wichtig ist und man nachvollziehen kann, dass Aaron gründlich überlegt, wirkt dieser Part zwar sehr authentisch und durchaus interessant, doch die Spannung kocht dadurch anfangs, im Gegensatz zu den vorherigen Teilen, leider etwas auf Sparflamme.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und sehr angenehm lesbar. Der Autor versteht es wieder hervorragend, Handlungsorte und Protagonisten so lebendig zu schildern, dass man sie unwillkürlich vor Augen hat und sich ganz auf das Geschehen einlassen kann. Nach einem eher gemächlichen Einstieg steigt die Spannung dann aber stetig an. Die Actionszenen wirken wieder sehr rasant, sodass beim Lesen ein nervenaufreibendes und äußerst fesselndes Kopfkino entsteht.

Ich habe die gesamte Trilogie um Jenny Aaron mit Begeisterung verfolgt. Obwohl dieser letzte Band zunächst eher gemächlich startete, geriet ich dann doch noch in den Sog der Ereignisse und mochte das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen, bevor ich am Ende angekommen war. Auf mich wirkte dieser Teil zwar nicht ganz so rasant und spannend wie die Vorgänger, doch insgesamt gesehen, bin ich mit dem Verlauf dieser Reihe voll und ganz zufrieden.

Veröffentlicht am 12.08.2019

Berührt und regt zum Nachdenken an

An einem Sonntag im August
0

Obwohl Niki Schmidt und Suse Schiller ganz unterschiedlich sind, kommen sie wunderbar miteinander aus und sind die besten Freundinnen. Sie sind auch Kolleginnen, denn gemeinsam führen sie den Friseursalon ...

Obwohl Niki Schmidt und Suse Schiller ganz unterschiedlich sind, kommen sie wunderbar miteinander aus und sind die besten Freundinnen. Sie sind auch Kolleginnen, denn gemeinsam führen sie den Friseursalon "Schillers Locke". Niki ist manchmal etwas chaotisch, doch die nahezu perfekte Suse, die außerdem alleinerziehende Mutter von zwei Kindern ist, gleicht das wieder aus. Doch dann kommt der Tag, der allen den Boden unter den Füßen wegzieht. Suse verunglückt tödlich! Plötzlich steht Niki nicht nur alleine mit dem Salon da, sondern muss außerdem Verantwortung für Suses Kinder übernehmen....

Im ersten Kapitel beobachtet man Niki und Suse etwas distanziert. Obwohl man bereits dort einen guten Eindruck von ihrer einzigartigen Freundschaft bekommt, die durch den Unfall schlagartig endet. Im zweiten Kapitel ist dann alles anders. Die Erzählperspektive wechselt in die Ich-Form. Man betrachtet nun alles aus der Sicht von Niki. Es ist über ein Jahr vergangen und sie hat mittlerweile die Verantwortung für die Kinder, Hund Liesel und den Salon übernommen. Es gelingt der Autorin hervorragend, Nikis Gedanken und Gefühle zu vermitteln. Denn leicht ist das Leben, das sie nun führt, sicher nicht.

Der Schreibstil ist flüssig und äußerst angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen und sich ganz auf Nikis Situation einlassen. Die Charaktere wirken alle sehr lebendig, sodass man mit ihnen mitfühlen kann. Auch wenn man nicht alles gutheißt, was man liest, und man gerade die Teenager-Tochter gerne das ein oder andere Mal genießerisch erwürgen möchte, kann man sich mühelos mit Niki identifizieren. Man fühlt mit ihr, erlebt Trauer, wird zum Nachdenken angeregt, möchte sich vor lauter Verzweiflung die Haare raufen und muss doch immer wieder schmunzeln. Denn Niki hat, trotz aller Probleme und ihrer leicht chaotischen Art, das Herz auf dem richtigen Fleck und kann unheimlich schlagkräftig argumentieren. Es macht einfach Spaß, diesen Roman zu lesen. Deshalb gerät man bereits früh in den Sog der Ereignisse und mag das Buch nur noch ungern aus der Hand legen. Denn die Protagonisten wachsen einem unwillkürlich ans Herz, sodass man sich in der Geschichte einfach wohlfühlt.

An einem Samstag im August habe ich diesen Roman in einem Rutsch gelesen. Einmal angefangen, mochte ich mich nicht mehr von den lebendigen Charakteren trennen. Ich habe mit ihnen mitgefiebert, gespannt jede einzelne Seite genossen und empfehle dieses Buch deshalb gerne weiter.