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Veröffentlicht am 28.10.2018

Trauerbewältigung

Weihnachtshaus
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In diesem Roman geht es um zwei Freundinnen (der Erzählerin und Lilly), die beide trauern, die eine um ihren Mann, die andere um ihre verstorbene Mutter. Gemeinsam mit ihren Kindern bilden sie eine Art ...

In diesem Roman geht es um zwei Freundinnen (der Erzählerin und Lilly), die beide trauern, die eine um ihren Mann, die andere um ihre verstorbene Mutter. Gemeinsam mit ihren Kindern bilden sie eine Art von Schicksalsgemeinschaft, sie arbeiten zusammen, sie verbringen ihre Freizeit zusammen und sie haben gemeinsam ein halbfertiges Wochenendhaus. Der Traum der Erzählerin besteht darin, Weihnachten in diesem Haus zu verbringen, etwas das unrealistisch erscheint, bis der Amerikaner Bill in ihrem Cafe auftaucht und beginnt die Arbeiten im Haus voranzutreiben…

Vorneweg muss ich sagen, dass ich von diesem Buch sehr enttäuscht bin, ich hatte mir eine unkitschige, besondere Weihnachtsgeschichte erwartet. Leider ist sie das nicht, der größte Teil des Textes behandelt Trauer und Erinnerungen (an den verstorbenen Mann Clemens, an Lillys Mutter etc.). Wobei immer wieder in die Gegenwart gesprungen wird. Mit Weihnachten hat diese Geschichte nur bedingt zu tun, die Geschichte beginnt im Advent und endet mit Weihnachten, allerdings ist der Titel irreführend, da die Geschichte genauso gut zu jeder anderen Jahreszeit angesiedelt sein könnte. Es geht um Erinnerungen, darum wie man nach dem Verlust eines Menschen weiterlebt, wie man gerade schwierige Phasen wie Weihnachten oder Geburtstage übersteht. Persönlich finde ich auch die extreme Verknüpfung vom Leben der beiden Frauen auf allen Ebenen ungesund. Natürlich sind Freunde gerade in einer schweren Zeit wichtig, aber diese Art der Vermischung ist dann doch zu viel das Guten. Wer also eine weihnachtliche Geschichte erwartet, wird mit ziemlicher Sicherheit enttäuscht werden, die Geschichte zieht einen beim Zuhören runter.

Dazu kommt noch die Eigenart der Autorin, permanent Dinge zu wiederholen, etwas, was wirklich nervt, mehr als einmal habe ich gedacht, warum kann sie nicht zum Punkt kommen, statt ewig „herumzueiern“. Mir fiel es dadurch schwer, konzentriert zuzuhören, ich bin in Gedanken wiederholt abgeschweift und musste mehrfach Tracks doppelt anhören um nicht den Übergang von Vergangenheit zur Gegenwart und zurück nicht zu verpassen. Daher von mir aus diesen beiden Gründen keine Lese/Hörempfehlung.

Veröffentlicht am 27.10.2018

Die dritte Mrs. Hemingway

Hemingway und ich
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Dieser Roman beschreibt aus der Ich-Perspektive die Lebensgeschichte von Martha Gellhorn, der dritten Ehefrau von Ernest Hemingway vom Beginn ihrer Bekanntschaft 1936 in Florida bis zur Scheidung 1941. ...

Dieser Roman beschreibt aus der Ich-Perspektive die Lebensgeschichte von Martha Gellhorn, der dritten Ehefrau von Ernest Hemingway vom Beginn ihrer Bekanntschaft 1936 in Florida bis zur Scheidung 1941. Naiv und leichtsinnig und von Hemingway fasziniert reist sie mit ihm in den spanischen Bürgerkrieg um sich als Kriegsjournalistin einen Namen zu machen.

Es ist die Geschichte einer ehrgeizigen Schriftstellerin, die Zeit ihres Lebens wie die Motte vom Licht von Kriegsschauplätzen angezogen werden wird. Spanien, Finnland, China etc. – Martha Hemingway sucht und findet den Krieg. Parallel zu ihrer journalistischen Tätigkeit entwickelt sich auch ihre Ehe mit Hemingway immer mehr zu einem Schauplatz für Streitereien, Kränkungen und Machtspielchen. Was sogar für den Leser gerade zum Ende hin ziemlich zermürbend ist.

Es ist die Geschichte zweier Schriftsteller, die sich in vielen Dingen zu ähnlich sind. Martha Hemingway, hartnäckig, zielstrebig und unabhängigkeitsliebend lebt im ständigen Vergleich mit dem erfolgreicheren Ehemann und trotz ihres aufregenden und ungewöhnlichen Lebens bleibt sie am Ende doch – leider- nur die dritte Mrs. Hemingway.

Dies ist ein fiktiver Roman im Rahmen realer historischer Ereignisse – eine Tatsache, die man dank Paula Mc Lains meisterhafter Beschreibungsgabe des Öfteren vergisst. Leider ist es dadurch schwer, die Grenzen zwischen Fiktion und Wahrheit zu sehen. Persönlich kann ich Martha Hemingways beschriebene Faszination für Kriegsgeschehen in keinster Weise nachvollziehen, sondern sehe nur Sensationslust und Zynismus. Für ihren Mut als Kriegsreporterin kann ich sie daher nicht bewundern, wohl aber für ihr Streben nach Unabhängigkeit und beruflichen Erfolg. Paula Mc Lain holt mit ihrem Buch eine bemerkenswerte Frau ins Licht und bewirkt, dass man mehr wissen will – mehr über Martha Hemingway, mehr über Ernest Hemingway und auch mehr über die geschilderten historischen Ereignisse.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Erzähstil
  • Atmosphäre
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2018

Inspirationen vom ungewöhnlichsten Cafe der Welt

Wenn du Orangen willst, such nicht im Blaubeerfeld
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Dieses kleine Buch ist eine kleine Sammlung von allgemeinen Gedanken zum (besseren) Leben. Es ist kein zusammenhängender Text, sondern besteht aus Textbausteinen und Zitaten. Wer John Strelecky's Besteller ...

Dieses kleine Buch ist eine kleine Sammlung von allgemeinen Gedanken zum (besseren) Leben. Es ist kein zusammenhängender Text, sondern besteht aus Textbausteinen und Zitaten. Wer John Strelecky's Besteller liebt, wird die dort angedachten Ideen hier in einem praktischeren Kontext wiederfinden.

Ein Beispiel: Wie wäre es, am Wochenende keine to do Liste für die kommende Woche zu schreiben, sondern für jeden Wochentag mindestens einen Punkt zu finden, auf den man sich freuen kann? Einfach, aber effektiv, ich habe es ausprobiert; es verändert die Sicht auf die Tage wirklich. Oder: wenn du glücklicher werden willst, überlege dir, was du in deinem Alltag ungern tust und versuche es schrittweise zu reduzieren. Natürlich sind diese Ratschläge nicht so plakativ formuliert wie ich das hier wiedergebe, sondern schön in kleine Texte verpackt

Insgesamt ist dies kein Buch, das man normal "in einem Rutsch" liest, sondern man schlägt es immer wieder irgendwo auf und liest, was einem gerade so zufällig vor die Augen kommt. (Ich habe dieses kleine Buch eine Zeitlang immer in meiner Tasche mitgetragen und darin gelesen, wenn ich z.B. irgendwo warten musste.)

Für mich ist es auf jeden Fall ein Buch, das ich mit gutem Gewissen wirklich weiterempfehlen kann und sicher auch verschenken werde.

Veröffentlicht am 06.10.2018

Jeden Tag eine Angst überwinden - und dabei glücklich werden

Verliebt für eine Weihnachtsnacht
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Harriet Knight ist Hundesitterin aus Überzeugung, Leidenschaft und mit voller Hingabe. Nachdem ihre Zwillingsschwester ausgezogen ist, fühlt sie sich einsam und beschließt ihr Leben zu ändern. Bis Weihnachten ...

Harriet Knight ist Hundesitterin aus Überzeugung, Leidenschaft und mit voller Hingabe. Nachdem ihre Zwillingsschwester ausgezogen ist, fühlt sie sich einsam und beschließt ihr Leben zu ändern. Bis Weihnachten will sie sich jeden Tag einer Angst stellen - ihre Harriet Challenge. Dabei landet sie in der Notaufnahme und lernt den charismatischen Arzt Ethan kennen - und am Ende lieben...

Harriet war in meinen Augen immer die langweiligere Zwillingsschwester. In diesem 6. Band der Manhattan-Serie lernt man sie endlich besser kennen und aufgrund ihrer warmherzigen und gradlinigen Art schätzen. Zudem finde ich ihre Art mit ihren Ängsten umzugehen und ihre Konsequenz bewundernswert. Ethan ist insgesamt ein bisschen zu perfekt, aber sehr sympathisch.

Ich habe mich auch sehr über den (leider zu kurzen) Ausflug nach Vermont gefreut, wo der Leser altbekannte Figuren wieder trifft. Insgesamt ist das Buch ein wunderschöner Roman für die Weihnachtszeit - viele lustige/nachdenkliche Dialoge, viel Schnee, viel Stimmung und ein tolles Glitzercover.

Veröffentlicht am 30.09.2018

Ein farbloses Leben

Die Magie der Farben
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Paul träumte als Jugendlicher davon Maler zu werden und lebt nun als Raumausstatter ein unaufgeregtes Leben. Eines Tages steht eine junge Frau in seinem Laden, die ihn frappierend an seine Jugendliebe ...

Paul träumte als Jugendlicher davon Maler zu werden und lebt nun als Raumausstatter ein unaufgeregtes Leben. Eines Tages steht eine junge Frau in seinem Laden, die ihn frappierend an seine Jugendliebe erinnert - Aurelie, die immer wieder in seinem Leben aufgetaucht war und von der er seit Jahren nichts mehr gehört hat. Aber kann es wirklich sein, dass Aurelie zurückgekommen ist? Paul macht sich auf die Suche nach dieser Frau…

Dieser Roman beschreibt in zwei verschiedenen Erzählsträngen abwechselnd einmal das Leben des jungen Paul und einmal des erwachsenen Pauls. Leider muss ich sagen, dass mir das Buch inhaltlich überhaupt nicht gefallen hat, der Schreibstil allerdings gefällt mir sehr gut. Pauls Besessenheit in Bezug auf Aurelie hat in meinen Augen krankhafte Züge und geht weit über eine romantische Jugendschwärmerei hinaus. Zudem ist es auch so, dass die Liebe über weite Strecken einseitig erscheint, Aurelie lässt Paul wie eine Puppe tanzen und behandelt ihn nicht gut. Erst am Ende erfährt man, gemeinsam mit Paul, wie sehr ihn Aurelie angeblich geliebt hat.

Erschreckend finde ich, wie sehr dieses Thema auch sein gegenwärtiges Leben dominiert. Man wünscht ihm als Leser so sehr, dass er endlich das Leben lebt, das er haben will, glücklicher wird, aber es passiert nicht. Anstatt seine Energie auf sein reales Leben zu richten, lebt Paul seit dem Moment als die Kundin bei ihm aufgetaucht ist, nur für den Gedanken „seine“ Aurelie wiederzusehen. Obwohl es allein vom Alter der Frau her gar nicht Aurelie sein kann.

Gerade dieser verschrobene, kraftlose Protagonist passt für mich nicht zum Titel, da ich Farben mit positiver Energie assoziiere – und davon spürt man in diesem Buch leider so gar nichts.