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Veröffentlicht am 30.07.2017

Literarischer Kurzurlaub auf Mallorca

Meeresblau & Mandelblüte
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Leonie fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass ihre Tante verstorben ist und ihr eine Finca auf Mallorca hinterlassen hat. Eigentlich passt ihr das so gar nicht in den Kram, denn sie ist Geschäftsfrau ...

Leonie fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass ihre Tante verstorben ist und ihr eine Finca auf Mallorca hinterlassen hat. Eigentlich passt ihr das so gar nicht in den Kram, denn sie ist Geschäftsfrau durch und durch. Ihr ganzes Leben hat sie auf ihren Job ausgerichtet. Freizeit und Freunde sind Fremdworte für sie.
Um an der Beisetzung ihrer Tante und der Testamentseröffnung teilzunehmen, fliegt sie nach Mallorca. Dort erlebt sie so manche Überraschung, denn nichts läuft so ab, wie sie es sich vorgestellt hat.
Wohl oder übel muss sie erst einmal auf der Insel bleiben, um die Finca renovieren zu können, denn ihre Tante hat ihr den Besitz nicht ohne spezielle Auflagen hinterlassen. Auch die Senioren-WG wird sie nicht so einfach los. Sie muss sich mit den Gegebenheiten und den Menschen arrangieren, und das fällt der jungen Frau nicht leicht. Auch weiß sie nicht recht, was sie davon halten soll, dass sich der attraktive Niklas so darum bemüht, ihr zu helfen.
Anfangs wirkt Leonie sehr kühl, und man tut sich schwer, sie zu mögen. Was dahinter steckt, wieso sie sich derart auf ihren Beruf konzentriert und zwischenmenschliche Kontakte scheut, wieso Niklas ihr hilft, das alles erfährt man so nach und nach in der Geschichte. Mit der Zeit gewinnt man an Verständnis für Leonie, und damit kann man dann auch gut nachvollziehen, was ihre Tante mit der Erbschaft bezweckte. Auch die Senioren lernt man im Verlauf der Handlung besser kennen und verstehen. Für sie steht ihr gemeinsames, gemütliches Heim auf dem Spiel, sollte Leonie die Finca verkaufen. Da ist es verständlich, dass sie manchmal ganz schön auf Krawall gebürstet sind. Aber sie sind clever und wissen, wann es von Vorteil ist, nachzugeben. Alt werden heißt ja schließlich nicht, irgendwann den Verstand abzugeben.
Kürzlich las ich, wie es der Zufall so will, einen Bericht, dass das Modell „Seniorenheim“ ausgedient hat, weil die „Alten von morgen“ sich nicht auf so etwas einlassen wollen, sondern ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen möchten. Wohnmodelle wie die hier beschriebene Senoiren-WG sind im Kommen. Es war für mich dann auch besonders interessant, dass dieser Aspekt im Roman behandelt wird. Ich finde es schön, wie die „Alten“ dieser Geschichte beschrieben sind, dass ihre Konflikte zur Sprache kommen und dass die Autorin in ihrer Phantasie so ein ansprechendes Wohnmodell für sie geschaffen hat. Wie die WG sich letztendlich mit Leonie arrangiert und wie deren Problem zur Sprache kommt, hat mir gut gefallen. Auch eine zarte Romanze entwickelt sich, steht aber nicht im Vordergrund.
Elke Beckers Schreibstil ist wunderbar locker, leicht und kurzweilig, und doch hat die Handlung viel zu bieten. Da werden auch alle möglichen Probleme gewälzt und dabei wird nicht nur an der Oberfläche gekratzt. Mit viel Lokalkolorit, eingebettet in die zauberhafte Atmosphäre Mallorcas, wirkt die Handlung mit all ihren Akteuren sehr authentisch. Es gibt ernste, traurige Momente, aber der Roman hat auch amüsante Passagen zu bieten. Wenn ich da an einen verliebten Pfau denke, muss ich immer wieder schmunzeln. Die Krönung der Geschichte stellt dann die einsetzende Mandelblüte dar, die in all ihrer Pracht beschrieben ist.
Ich hätte immer so weiter lesen können und war direkt traurig, als die Geschichte so schnell zu Ende war und ich Mallorca wieder „verlassen“ musste. Man merkt in jedem Satz die besondere Beziehung der Autorin zu diesem schönen Fleckchen Erde. Mit ihrem neuen Roman hat sie eine tolle Sommerlektüre geschaffen, die bestens für die Ferien geeignet ist, weil man sie am liebsten an einem Stück lesen würde, zumindest ging das mir so.

Veröffentlicht am 25.07.2017

Der grüne Palast

Der grüne Palast
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Das Konzept dieses Romans ist außergewöhnlich, denn er besteht komplett aus Briefen. Anfangs war ich skeptisch, da ich mir überhaupt nicht recht vorstellen konnte, dass man in so einen reinen Briefroman ...

Das Konzept dieses Romans ist außergewöhnlich, denn er besteht komplett aus Briefen. Anfangs war ich skeptisch, da ich mir überhaupt nicht recht vorstellen konnte, dass man in so einen reinen Briefroman Spannung und Leben bringen kann. Ich wurde hier eines Besseren belehrt, denn es ist der Autorin perfekt gelungen, die gesamte Handlung im Briefverkehr diverser beteiligter Personen unterzubringen, ohne dass es künstlich oder gar langatmig wirken würde. Ein Großteil der Briefe ist von Erzherzogin Leopoldine von Österreich an ihre geliebte Schwester Marie-Louise, Herzogin von Parma, Napoleons zweite Ehefrau, gerichtet.
Auch die anderen Korrespondenzen drehen sich in der Hauptsache um Leopoldine und ihre bevorstehende Heirat mit dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro. Die portugiesische Königsfamilie weilt jedoch in Brasilien, und daher wird auch Leopoldine dort hin reisen. Bei ihrem Aufbruch in das ferne Land möchte die junge Frau ihre engste Vertraute, Gräfin Lazansky, nicht missen. Diese wiederum unterhält einen regen Briefwechsel mit ihrer Schwester, der sie alles, was sie bewegt, anvertraut und mit Fürst von Metternich, der die Gräfin verehrt und umwirbt. Eine weitere wichtige Person des Romans und ebenfalls in den regen Briefwechsel eingeschlossen, ist Marquis de Marialva, Diplomat am königlichen Hof von Lissabon.
Ich hatte mich schnell an den Aufbau des Buches gewöhnt, das aus 185 Briefen und so auch aus 185 kurzen Kapiteln besteht. Anfangs habe ich die wörtliche Rede vermisst und befürchtete schon, dass das Fehlen von Dialogen den Roman womöglich unpersönlich erscheinen lassen könnte, aber dem war ganz und gar nicht so. Die Briefe, vor allem Leopoldines, sind sehr intensiv. Sie schüttet ihrer geliebten Schwester ihr Herz aus und vertraut ihr ihre Sorgen und so manche Heimlichkeit an. Ihre Ehe steht unter keinem glücklichen Stern, und dazu kommt, dass Leopoldine im lauf der Zeit entdeckt, dass in Brasilien, diesem wunderschönen und üppig grünen Land, so einiges im Argen liegt. Zu ihrem Entsetzen muss sie feststellen, dass hier die Sklaverei noch nicht abgeschafft wurde. Mit ganzem Herzen setzt sie sich für die Menschen ein, die im Elend leben. Bei ihrem Mann stößt sie mit ihren Anklagen und Forderungen auf taube Ohren.
Der Roman hat mein Interesse an den betreffenden Personen geweckt, und ich habe mich auch darüber hinaus mit dem Leben Leopoldines befasst. Die Autorin hat sich in weiten Teilen an die historischen Tatsachen gehalten und nur einige Änderungen vorgenommen, aus dramaturgischen Gründen, wie sie im Nachwort schreibt. Die meisten Charaktere der Geschichte hat es wirklich gegeben, so sind beispielsweise auch die Gräfin Lazansky und der Marquis de Marialva reale Personen, denen die Autorin jedoch ein fiktives Privatleben zugedichtet hat. Auch hatte Leopoldine in Wirklichkeit mehr Kinder als im Roman angegeben. Im großen und ganzen kann man sich sehr gut in die Handlung hinein versetzen, und an Leopoldines Schicksal habe ich großen Anteil genommen. Sie macht im Lauf der Jahre in Brasilien eine enorme Wandlung durch. Aus dem unbeschwerten und ein wenig naiven jungen Mädchen wird eine selbstbewusste, starke Frau, die weiß, was sie will, sich auch schon mal in die Politik einmischt und die sich für die Schwachen einsetzt, wo immer sie kann.
Mit der Gräfin Lazansky hat der Roman eine zweite, starke Frauenfigur. Lange Zeit ist sie die engste Vertraute an Leopoldines Seite, bis die beiden Frauen getrennt werden, aus Gründen, die ich hier nicht weiter ausführen möchte, um nicht zu viel vorab zu verraten.
Die Handlung und somit auch die verschiedenen Briefwechsel ziehen sich über mehrere Jahre hin. Hier habe ich es bedauert, dass die einzelnen Briefe nicht datiert sind, so dass man nie so recht wusste, in welchem Jahr sich das Erzählte abspielt. Aber das ist auch schon mein einziger Kritikpunkt. Insgesamt ist „Der grüne Palast“ ein großartiger historischer Roman, der mir vor allem die politischen Zusammenhänge und die Beziehungen zwischen Österreich, Portugal und Brasilien zur damaligen Zeit sehr lebendig nahe gebracht hat.
Schon das Cover ist übrigens eine Augenweide. Der Kontrast zwischen mattem Hintergrund und spiegelglatt glänzenden Elementen ist sehr wirkungsvoll,und so gehört das Buch optisch zu den schönsten in meinem Regal.

Veröffentlicht am 24.07.2017

Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg

Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg
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Dies ist bereits der zweite Band um Polly Waterford und die kleine Bäckerei am Strandweg. Daher ein kleiner Hinweis für diejenigen, die den ersten Band noch nicht gelesen haben: Es ist fast unmöglich, ...

Dies ist bereits der zweite Band um Polly Waterford und die kleine Bäckerei am Strandweg. Daher ein kleiner Hinweis für diejenigen, die den ersten Band noch nicht gelesen haben: Es ist fast unmöglich, bei der Rezension zur Fortsetzung ohne Spoiler auszukommen. Daher empfehle ich, diese Rezension nur näher in Augenschein zu nehmen, wenn man den ersten Band bereits kennt oder nicht vor hat, ihn zu lesen.
„Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg“ lässt sich jederzeit auch ganz für sich lesen, denn Rückblicke auf früheren Ereignisse, die für das Verständnis wichtig sind, wurden von der Autorin geschickt mit in die Handlung eingewoben.

Polly lebt mittlerweile, mit Huckle, ihrer großen Liebe, im Leuchtturm des Hafenstädtchens Mount Polbearne. Sie ist glücklich, denn die kleine Bäckerei läuft sehr gut. Alles ist prima, bis Polly eines Tages die Nachricht erhält, dass Mrs. Manse, die alte Besitzerin der Bäckerei, gestorben ist. Es beginnt ein zermürbender Kampf mit den Erben, die eine völlig andere Vorstellung davon haben, wie eine Bäckerei erfolgreich geführt werden sollte. Mit den Finanzen wird es knapp, so dass Huckle beschließt, nach Amerika und in seinen alten Beruf zurückzukehren, um Geld zu verdienen, bis die Sache mit der Bäckerei geklärt ist. Polly hat Angst, nicht nur ihre Existenz, sondern auch die Liebe ihres Lebens zu verlieren.

Der erste Band hat mir sehr gut gefallen, und so habe ich mich mit großen Erwartungen auf die Fortsetzung gestürzt. Leider wurden meine Hoffnungen nicht ganz so erfüllt wie ich gedacht hatte. Das Handlungsumfeld ist wieder wunderschön beschrieben. Ich kann es mir sehr reizvoll vorstellen, in einem alten Leuchtturm zu wohnen, auch wenn das mit diversen Problemen verbunden ist. Als Polly nun alles in Gefahr sieht, was sie sich aufgebaut hat, kann ich es gut verstehen, dass sie erst einmal panisch reagiert.
Im ersten Band hat man die junge Frau als tatkräftig und eigenwillig kennengelernt. Polly wusste, was sie will und war auch nicht auf den Mund gefallen. Sie hat sich durchgesetzt und ihren Platz auf der Insel behauptet. Das war diesmal anders, und ich habe die „alte Polly“ vermisst, denn der Neffe der verstorbenen Inhaberin der Bäckerei macht ihr das Leben schwer, und sie nimmt vieles hin, was ich so gar nicht nachvollziehen konnte. Zeitweise lässt sie sich richtiggehend hängen. Klar, die Trennung von ihrem geliebten Huckle fiel schwer, dazu kommt auch, dass sie sich Sorgen um Neil, den kleinen Papageientaucher machen muss, den sie kurz nach ihrer Ankunft auf der Insel aufgepäppelt hat. Was dem Vogel widerfährt, wie es dazu kommt und Pollys Reaktion darauf, das empfand ich alles ein wenig an den Haaren herbei gezogen. Ihre gesamte Einstellung konnte ich diesmal nicht nachvollziehen, denn schließlich ist es wenig hilfreich, bei Problemen einfach in Lethargie zu verfallen.
Es gab noch so einige Punkte, über die ich diesmal gestolpert bin. Das betrifft zum Beispiel eine große Rettungsaktion während eines starken Sturms. Der ganze Ablauf und Pollys Handlungen waren für mich nur schwer nachvollziehbar, sogar unverantwortlich. Ich kann nur sagen, Polly hat das Glück stark strapaziert, aber damit steht sie nicht allein, denn auch Huckles bester Freund Reuben benimmt sich ziemlich daneben, und die Art, wie er mit seiner Existenzgrundlage umgeht, konnte mich auch nicht wirklich überzeugen. Irgendwie war der Schwung nicht da, der mich am ersten Band so begeistert hat.
Auch dieser Roman ist flüssig geschrieben und liest sich flott weg, aber es hat sich doch allzu oft ein wenig Langeweile und Unverständnis bei mir eingeschlichen.
Im Spätherbst wird ein dritter Teil erscheinen, dem Titel nach zu urteilen wird es darin um Weihnachten in der kleinen Bäckerei am Strandweg gehen. Ich werde auch diesen Roman lesen, denn ich möchte ja wissen, wie es auf der kleinen Insel weiter geht, und ich hoffe, dass dieser nächste Teil wieder etwas vom alten Charme des ersten Bands haben wird.

Veröffentlicht am 23.07.2017

Die kleine Bäckerei am Strandweg

Die kleine Bäckerei am Strandweg
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Nicht nur Pollys Beziehung zu Chris ist gescheitert, auch die gemeinsame Firma ist am Ende. Wegen der bestehenden Schulden mussten sie ihre Wohnung verkaufen, und Polly betreibt Schadensbegrenzung, indem ...

Nicht nur Pollys Beziehung zu Chris ist gescheitert, auch die gemeinsame Firma ist am Ende. Wegen der bestehenden Schulden mussten sie ihre Wohnung verkaufen, und Polly betreibt Schadensbegrenzung, indem sie ein möglichst günstiges Mietobjekt sucht. Dieses findet sie auf einer kleinen Insel vor der Küste Cornwalls. Was auf Mount Polbearne fehlt, ist eine gute Bäckerei, denn in dem kleinen Inselort gibt es nur fabrikmäßig abgepacktes und recht geschmackloses Brot zu kaufen. Kurz entschlossen macht Polly ihr großes Hobby zum Beruf und versorgt die Insulaner mit frischem, selbst gebackenem Brot. Allerdings ergibt sich ein Hindernis, denn ausgerechnet ihre Vermieterin ist auch die Inhaberin der bisherigen Bäckerei mit dem faden, gummiartigen Gebäck. Ihrem Einfluss können sich auch die anderen Inselbewohner nicht entziehen. Wieso die alte Dame derart biestig ist und Polly am liebsten von der Insel verbannen würde, erfährt diese erst nach und nach, während sie sich langsam aber stetig in Mount Polbearne einlebt. Dass sie sich mit der Zeit richtig heimisch fühlt, dafür sorgt auch der kleine Papageientaucher Neil, den sie kurz nach ihrer Ankunft verletzt gefunden und wieder gesund gepflegt hat.
Auf der Insel wohnen mehr Männer als Frauen, und für Polly ergeben sich einige Probleme, denn plötzlich gibt es nicht nur einen Mann in ihrem Leben, und die junge Frau muss schwierige Entscheidungen treffen.

Es hat viel Spaß gemacht, Polly bei ihrer Ankunft auf Mount Polbearne zu begleiten und mit ihr zusammen die Insel zu entdecken. Dass sie dabei nicht nur gute Erfahrungen macht, ist ganz normal und realistisch. Auch wenn Mount Polbearne anfangs sehr ungastlich wirkt und die Bewohner nicht allesamt freundlich zu Polly sind, so gewinnt man den Ort und seine Menschen doch sehr schnell lieb. Viele der Einwohner sind Fischer und fahren täglich zur See, was eine mühevolle Arbeit ist, die auch viele Gefahren mit sich bringt. Polly wird es erst hier bewusst, wie einfach vieles in der Stadt war, und doch liebt sie das Leben auf der Insel, denn zum ersten Mal verdient sie ihr Geld mit etwas, das sie mit ihren eigenen Händen selbst herstellt und das ihre Kunden zu schätzen wissen, weil ihr Brot von guter Qualität ist und viel besser schmeckt als das vorher gewohnte Industriebrot. Aus dem heruntergekommenen Laden macht Polly mit der Zeit eine schnuckelige kleine Bäckerei, und auch die Wohnung darüber hat, trotz aller Baufälligkeit, ihre Reize.Als sie den Imker Huckle kennenlernt, nimmt sie seinen feinen Honig mit ins Sortiment der Bäckerei auf, denn Huckles Honig bringt nicht nur Süße aufs Brot, sondern auch in ihr Leben.
Mir hat der Roman sehr gefallen, denn er hat einerseits Wohlfühlcharakter und vermittelt eine leichte, lockere Stimmung, ist dabei aber alles andere als oberflächlich. Das Leben auf der kleinen Insel, die Polly mittlerweile so lieb gewonnen hat, ist einerseits beschaulich und entbehrt auch nicht einer gewissen Romantik, aber es ist zugleich auch ein ständiger Existenzkampf, denn das Meer ist nicht nur wunderschön, sondern es hat auch die Kraft, alles zu zerstören, was sich die Menschen aufgebaut haben.
Ja, es ist ein Roman zum Wohlfühlen, mit vielen sympathischen Charakteren, aber die Autorin hat sich hier nicht auf Oberflächlichkeiten beschränkt, sondern tiefer geschaut und dabei auch die Probleme erkannt, die so ein Insel-Leben mit sich bringt.
Polly ist eine liebenswerte Protagonistin, die sich mutig und voller Tatkraft ihren Problemen stellt und sich quasi in die Herzen ihrer Mitmenschen bäckt. Daneben hat die Geschichte auch noch einen kleinen gefiederten Helden, denn Papageientaucher Nils ist immer mit von der Partie, und er ist einfach allerliebst.
Dass dieses Buch gerne dem Genre Chic Lit zugeordnet wird, hat es hauptsächlich Jennys bester Freundin Kerensa und dem Millionär Reuben zu verdanken. Diese beiden Charaktere fallen aus dem Rahmen und wollen auf den ersten Blick so gar nicht zu Polly und den Inselbewohnern passen. Auf jeden Fall bringen sie viel frischen Wind in die Geschichte und haben jede Menge außergewöhnlicher Einfälle. Andererseits könnte man das Buch auch gut den Liebesromanen zuordnen, wenn es auch kein typischer Vertreter dieses Genres ist, denn Pollys Erlebnisse und Erfahrungen sind nicht auf die Liebesgeschichte reduziert, und diese entwickelt sich eher so ganz nebenbei. Jenny Colgans Schreibstil ist erfrischend und schön, und ich habe den Roman richtig genossen. Er ist eine richtig schöne Sommerlektüre – nicht zu leicht aber auch nicht zu schwer, sondern schön luftig und locker und doch gehaltvoll, wie Pollys Brotteig, einfach wunderbar.
Zur Abrundung liefert Jenny Colgan im Anhang gleich noch ein paar Rezepte aus ihrer Backstube mit, so dass man sich so manche Leckerei, über die man im Buch gelesen hat, schnell selbst nachmachen kann.

Veröffentlicht am 23.07.2017

Die Galerie der Düfte

Die Galerie der Düfte
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Bei diesem Buch haben mich sogleich das Cover und der Titel sehr angesprochen, und als ich aus der Kurzbeschreibung entnommen habe, dass der Roman zum großen Teil in Florenz spielt, war es quasi schon ...

Bei diesem Buch haben mich sogleich das Cover und der Titel sehr angesprochen, und als ich aus der Kurzbeschreibung entnommen habe, dass der Roman zum großen Teil in Florenz spielt, war es quasi schon um mich geschehen.
Es geht um die junge Münchnerin Johanna, die im Hinterhof der Apotheke ihrer Eltern ein Naturkosmetikgeschäft betreibt. Ihr großer Wunsch ist, die edlen Produkte aus der Officina Profumo die Santa Maria Novella in ihrem kleinen Laden anbieten zu können. Als sie auf ihre schriftliche Anfrage eine Absage erhält, beschließt sie, persönlich nach Florenz zu reisen. Sie gibt die Hoffnung nicht auf, doch noch eine Genehmigung für den Vertrieb der exquisiten Kosmetiklinie zu erhalten. Als sie die Brüder Fortini kennenlernt, hat das für ihr Herz und auch für ihr weiteres Leben ungeahnte Folgen.
Wie gesagt, zu großen Teilen spielt der Roman in Florenz, dieser wundervollen alten Stadt, die ich so liebe. Aber auch die Abschnitte, die in München handeln, haben mich sofort gefesselt und mein Interesse geweckt, denn auch hier schafft Julia Fischer eine bezaubernde Atmosphäre, in der man sich einfach wohl fühlt. Mit der Wahl ihrer Schauplätze hatte mich die Autorin schon eingefangen, denn sowohl München als auch Florenz sind Städte, denen mein Herz gehört. Dass es in der Geschichte auch noch um erlesene Düfte und Aromen, um feine Seifen, wohlriechende Hydrolate und luxuriöse Cremes geht, hat mich zusätzlich begeistert, denn Naturkosmetik und Aromatherapie sind Themen, mit denen ich mich gerne und mit Begeisterung befasse.
Die Autorin hat einen sehr angenehmen, eingängigen Schreibstil, der durch brillante, sinnliche Beschreibungen besticht, die zum Teil wundervoll poetisch anmuten. Der ganze Roman hat etwas Ätherisches, wie die Düfte, um die es darin geht. Er ist luftig-leicht,manchmal flüchtig und zugleich doch auch tiefgehend, ein wenig geheimnisvoll und facettenreich. Die beschriebenen Charaktere sind alle außergewöhnlich bzw. gelingt es der Autorin, das Besondere in jedem Menschen, den persönlichen Zauber eines jeden Wesens, hervorzuheben. Sieht man sich nur Johanna an, die nicht nur mit ihrem extravaganten Kleidungsstil aus dem Rahmen fällt, sondern durch ihre feinsinnige Wesensart gleich meine Sympathie gewonnen hat. Auch die Brüder Sandro und Luca sowie die anderen Mitglieder der Familie Fortini sind sehr intensiv und lebendig dargestellt, mit all ihren Charaktereigenschaften, wobei man auch für die weniger positiven Verständnis aufbringt, weil sie so menschlich und feinfühlig dargebracht werden.
Ich habe diesen Roman sehr genossen, habe in den üppigen Schilderungen geschwelgt und wehmütig meinem Fernweh nachgespürt, denn am liebsten hätte ich sogleich mein Köfferchen gepackt und wäre nach Florenz gereist, um die beschriebenen Schauplätze, die ich so liebe, einmal wieder zu besuchen. Zusammen mit Johanna und Luca habe ich im Geiste die Uffizien besucht, habe Botticellis Venus betrachtet und konnte mich nur allzu gut in diese reizvolle Atmosphäre hinein versetzen.
Für mich ist dieser Roman etwas ganz Besonderes, so farbenprächtig und bildhaft geschrieben und mit viele wunderschönen Metaphern ausgeschmückt, dass man fast meint, die Düfte zu riechen, von denen die Rede ist. Es ist eine Geschichte über die schönen Dinge des Lebens und über die Liebe in all ihren Schattierungen
Dieses Buch werde ich sicher noch häufig zur Hand nehmen und ausgewählte Zitate daraus lesen, immer wenn es mir nach besonders schönen Worten ist, die zum Innehalten,Träumen und Genießen anregen. Außerdem verrät die Autorin auch noch ein Rezept für ein wohltuendes, zart duftendes Pflanzenwasser zur Entspannung und Pflege müder Augen. Das werde ich ganz sicher ausprobieren.