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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2021

Ein Pageturner!

Finstere Havel
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Der Prolog zeichnet ein düsteres, beklemmendes Bild, und man ist sofort mittendrin im Geschehen. Was steckt hinter dem Tod einer jungen Frau, die nachts mit ihrem Auto in die Havel gerollt ist? War es ...

Der Prolog zeichnet ein düsteres, beklemmendes Bild, und man ist sofort mittendrin im Geschehen. Was steckt hinter dem Tod einer jungen Frau, die nachts mit ihrem Auto in die Havel gerollt ist? War es ein Unfall? Wieso tat Melanie Berndt nichts zu ihrer eigenen Rettung? War sie vielleicht zum Zeitpunkt, als sie mit ihrem Auto unterging, bereits tot oder beging sie Selbstmord? Fragen über Fragen stürzen auf Toni Sanftleben ein, als er morgens zum Fähranleger an die Havel gerufen wird, wo Einsatzkräfte bereits das Fahrzeug und die Tote geborgen haben. Mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit und mit Scharfsinn macht er sich an die Ermittlungen. Aber er kann nicht immer die Ruhe bewahren, denn es hat den Anschein, als würde ihn die Vergangenheit einholen, und es geschehen Dinge, die ihm persönlich nahe gehen und durch die er sich fast zu unbedachten Reaktionen hinreißen lässt.
Dies ist bereits der fünfte Fall für Toni Sanftleben und seine Kollegen. Auch diesmal hat mich wieder die tolle Zusammenarbeit und Professionalität fasziniert, mit der das gut eingespielte Team zu Werke geht. Allerdings ist der Teamgeist nicht durchwegs ungebrochen, denn persönliche Befindlichkeiten der Kollegen und Zwischenmenschliches aus Tonis direktem Umfeld bringen zwar einige Turbulenzen, dabei aber weitere, interessante Aspekte in die Handlung.
Realistisch dargestellte Charaktere, plastisch beschriebene Schauplätze und gut durchdachte Ermittlungen haben mir wieder ein tolles Lesevergnügen bereitet. Schnelle Einsätze und überraschende Wendungen sowie ein hoher Spannungsbogen machen diese Story zum Pageturner.
Wer die Krimis von Tim Pieper, die alle im malerischen Havelland spielen, noch nicht kennt, der könnte jederzeit auch bei diesem fünften Band einsteigen, denn die wichtigsten Punkte der Vorgeschichte werden zwischendurch erwähnt. Ich empfehle jedoch, alle fünf Bücher in der chronologischen Reihenfolge zu lesen, denn das erhöht die Spannung und den Lesespaß ungemein. Von mir gibt es für diesen brillanten Krimi eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 28.03.2021

Balkongärtnern schön und praxisnah beschrieben

Grüner geht's nicht
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Nicht jedem ist ein eigener Garten vergönnt, aber die Sehnsucht, sich mit Pflanzen zu umgeben wird immer stärker, gerade bei Stadtbewohnern. Einen Balkon haben viele, eine Fensterbank hat jeder, und wie ...

Nicht jedem ist ein eigener Garten vergönnt, aber die Sehnsucht, sich mit Pflanzen zu umgeben wird immer stärker, gerade bei Stadtbewohnern. Einen Balkon haben viele, eine Fensterbank hat jeder, und wie dieses Buch zeigt, gibt es viele Möglichkeiten, auf kleinem Raum zu gärtnern, schöne Pflanzen zu ziehen und vielleicht sogar eigenes Obst oder Gemüse zu ernten.

Das vorliegende Buch widmet sich eben diesen kleinen Möglichkeiten. Urban Gardening wird immer beliebter, und hier erhält man die nötigen Informationen. In diesem Kosmos-Ratgeber findet man zahlreiche Steckbriefe für Kräuter, Blumen und Gemüsepflanzen. Man erkennt auf einen Blick, welche Wachstumsbedingungen die jeweilige Pflanze benötigt sowie alles von der Aussaat bzw. dem Pflanztermin über die Pflege bis zur Ernte. Auch zur Möglichkeit, Beerensträucher oder gar einen kleinen Obstbaum auf dem Balkon zu kultivieren, findet man hier wertvolle Informationen.

Aber zuerst benötigt man geeignete Gefäße und die richtige Erde. Über eine nachhaltige Ausrüstung, mit vielen DIY-Ideen, beispielsweise wie man sich Pflanzkästen, Pflanzenregale oder Bewässerungssysteme selbst basteln kann, hat die Autorin ein eigenes Kapitel zusammengestellt. Ob es um den Schutz vor Schädlingen oder um die richtige Düngung geht, auch hierzu gibt das Buch sinnvolle und praktische Ratschläge. Die richtige Sortenwahl bei den Pflanzen ist schon der halbe Erfolg, denn nicht jedes Gemüse wächst im Topf oder Blumenkasten gleich gut, aber es gibt viele Pflanzen, die nicht viel Platz benötigen, und man findet immer mehr kleinwüchsige Züchtungen.

Auch an die kleinen Tiere wurde gedacht, und so sind im Buch auch Anregungen zum Anlegen eines Mini-Teichs, zum Basteln eines Insektenhotels, einer Vogel- bzw. Insektentränke und zum Selbermachen von Futterglocken, um die gefiederten Freunde zu unterstützen.

Auf ihrem Blog „Kistengrün“ veröffentlicht die Autorin immer wieder weitere interessante Ideen und Tipps. Es lohnt sich, dort einmal vorbei zu schauen. Eine Doppelseite mit Bezugsquellen und weiterführenden Links rundet dieses schöne und informative Buch ab. Schon beim Durchblättern hat es mir in den Fingern gejuckt, und die neue Balkonsaison steht quasi in den Startlöchern. Ich habe schon einige Bücher über Balkon- und Kübelpflanzen gelesen, aber keines war bisher so vielfältig und praxisnah wie dieses.

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Veröffentlicht am 23.03.2021

Den Wald mit allen Sinnen erfahren

Projektreihe Kindergarten - Im Wald
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In Wäldern herrscht eine ganz eigene Atmosphäre. Schon den Geruch nach Holz, Nadeln, Moos und Erde gibt es nirgendwo sonst in dieser Art. Die Geräusche sind gedämpfter, und das Gehen auf Waldboden ist ...

In Wäldern herrscht eine ganz eigene Atmosphäre. Schon den Geruch nach Holz, Nadeln, Moos und Erde gibt es nirgendwo sonst in dieser Art. Die Geräusche sind gedämpfter, und das Gehen auf Waldboden ist ein völlig anderes Gefühl als auf anderen Untergründen. Kinder lieben die im Wald herrschende Stimmung sehr. Nicht umsonst gibt es inzwischen überall Waldkindergärten, aber auch andere Kindertagesstätten veranstalten Waldwochen oder Tagesausflüge in die Wälder der Umgebung. Das Buch aus der Projektreihe Kindergarten bietet zahlreiche Ideen, was man mit Kindern im Wald alles machen kann. Es ist sehr übersichtlich gestaltet und enthält Kapitel und Anregungen zu den Themen Musik, Sprache, Bewegung, Kreativität und mehr. Alle gezeigten Ideen sind mit stimmungsvollen Illustrationen und wunderschönen Naturfotos ergänzt. Die Möglichkeiten, die sich bieten, sind schier unerschöpflich, und die im Buch gezeigten Ideen sprechen alle Sinne an. Da wird gelauscht, geschnuppert und gefühlt, die Kinder können basteln, malen und zuordnen. Ganz nebenbei wird spielerisch Wissen vermittelt, beispielsweise wie man eine Tanne von einer Kiefer unterscheiden kann oder wie wichtig die „unnütze“ Brennnessel beispielsweise für Schmetterlinge ist. Das Buch regt an, sich mit der Natur zu beschäftigen. Kleine Basteleien, Klang- und andere Geschichten sind im Anschluss sinnvoll, um sich an das Erlebte im Wald zu erinnern und neues Wissen zu vertiefen. Die verschiedenen Ideen regen zu Gesprächen an, und ein schöner Abschluss des Projekts „Wald“ wäre ein Waldfest mit den Eltern, bei dem eine spannende Waldrallye veranstaltet werden kann. Auch hierzu gibt es Empfehlungen. Am Ende des Buches findet man einige nützliche Kopiervorlagen. Alles in allem ist dies ein sinnvolles und gut durchdachtes Buch, das keine Wünsche offen lässt.

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Veröffentlicht am 15.03.2021

Hinter der freundlichen Fassade ist es dunkel

Unter Wasser Nacht
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Zwei befreundete Familien leben zusammen auf einem Hof im malerischen Wendland. Den Grund, die Scheune, den Garten nutzen und bewirtschaften sie gemeinsam. Früher haben sie viel zusammen gemacht, bis ein ...

Zwei befreundete Familien leben zusammen auf einem Hof im malerischen Wendland. Den Grund, die Scheune, den Garten nutzen und bewirtschaften sie gemeinsam. Früher haben sie viel zusammen gemacht, bis ein tragisches Ereignis die Harmonie trübte, denn Sophie und Thies haben ihren Sohn verloren. Er ist auf mysteriöse Weise in der Elbe ertrunken. Seitdem ist nichts mehr wie vorher, denn die trauernden Eltern haben ständig die intakte Familie von Bodo und Inga mit ihren beiden Kindern vor Augen. Zudem haben sie mit Schuldgefühlen zu kämpfen, denn in die vorherrschende Trauer mischt sich auch ein wenig Erleichterung. Aaron war ein sehr schwieriges Kind, und Sophie muss sich eingestehen, dass sie sich oft ausgemalt hatte, wie es wäre, wenn es ihren Sohn nicht gäbe. Dieser Gedanke wurde auf schreckliche Weise zur Wirklichkeit. Seit Aarons Tod haben sich Sophie und Thies nicht nur vor ihren Nachbarn verschlossen, sondern sie sind sich auch gegenseitig fremd geworden. Als eines Tages die attraktive und ein wenig geheimnisvolle Mara auftaucht, wird sie schnell zum Mittelpunkt. In gewisser Weise gelingt es ihr, die befreundeten Familien wieder näher zueinander zu führen.Aber sie verfolgt ihr ureigenstes Ziel. Was sie antreibt, enthüllt sich dem Leser nach und nach. Auch von den anderen Charakteren kommen immer neue Details ans Licht, die das Bild, wie bei einem Puzzle, vervollständigen und immer mehr darauf hinweisen, was damals geschah. Die relativ kurzen Kapitel sind jeweils wechselnd aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten dargestellt.

Der Schreibstil gefällt mir sehr gut, und die Beschreibungen der Autorin sind sehr plastisch. Man kann sich gut in die Idylle der Elbauen hinein versetzen. Das Geheimnis, das der malerische Ort am Elbufer birgt, macht neugierig. Je mehr ich über die beiden Familien und ihr Umfeld erfahren habe, umso deutlicher hat sich bei mir dann auch eine Ahnung eingeschlichen. Für mich war die Geschichte daher etwas vorhersehbar, was jedoch meine Freude an den Schilderungen nicht geschmälert hat. Etwas schade fand ich, dass Mara dann einen sehr großen Raum im Roman eingenommen hat und das eigentliche Problem damit etwas abgedrängt wurde. Zwar ist ihre eigene Geschichte nicht weniger interessant, aber irgendwie wirkte das ganze Gefüge der Handlung oft etwas konstruiert. So recht schlüssig war auch die Sache mit Aaron nicht für mich. Einerseits gibt die Autorin sehr klar und realistisch die Gefühle der Protagonisten wieder, aber vieles wird wiederum einfach so hingenommen und nebenbei abgehandelt. So konnte ich mit Aarons Persönlichkeit recht wenig anfangen, denn die blieb bis zuletzt eher abstrakt und eigenartig. Was hat den Jungen angetrieben? Was ist damals alles falsch gelaufen? Was ging in ihm vor? Schon seine Persönlichkeit wirft bei mir viele Fragen auf, die jedoch unbeantwortet bleiben, denn anscheinend haben auch seine Eltern ihn nicht verstanden. Zu den anderen Charakteren hat mir ebenfalls oft der Zugang gefehlt. Oft hatte ich beim Lesen ein großes „Warum???“ vor Augen.
Bis zuletzt bleibt vieles vage im Raum stehen. Man erfährt zwar einiges aus der Vergangenheit der beiden befreundeten Paare und ihrer Eltern. Da kommt Gorleben ins Spiel, und hier kann man einen Bogen zum Freistaat Christiania schlagen, wo Mara aufgewachsen ist. Aber letztendlich wirken viele Begebenheiten eher hintereinander gesetzt, ohne direkten Zusammenhang. Die Handlung wirkte auf mich dadurch überfrachtet, und ich hatte den Eindruck, die Autorin wollte einfach zu viel in den Roman hinein packen.
Eine weitere Sache, die mich gestört hat, waren die Logikfehler, die m. E. beim Lektorat hätten auffallen müssen. Da gibt es völlig unterschiedliche Zeitangaben für eine Begebenheit. War der besagte Tag nun Anfang oder doch Mitte April, und war es denn nun der erste warme Tag, an dem man draußen essen konnte oder war es doch eher zu kalt für Mitte April? Ein anderes Beispiel: Wie kann sich eine Frau, die nur mit einem Slip bekleidet ist, plötzlich Shirt und Hose ausziehen? Man könnte großzügig darüber hinweg sehen, da der Roman ja kurzweilig und auch fesselnd geschrieben ist. Aber ich muss gestehen, dass mich derartige Ungereimtheiten doch sehr stören, und da mir die Protagonisten bis zuletzt eher fremd blieben und ich mich nicht wirklich mit ihnen wohlgefühlt habe, konnten mich die sehr schönen und stimmungsvollen Landschaftsbeschreibungen auch nur bedingt versöhnen.

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Veröffentlicht am 11.03.2021

Sehr schöner Abschluss der spannenden Lombarden-Reihe

Die Rache des Lombarden
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Den dritten und letzten Band der Lombarden-Saga von Petra Schier habe ich mit Spannung erwartet und wurde nicht enttäuscht.
Aleydis, die seit ca. zehn Monaten verwitwet ist und seitdem, als Alleinerbin ...

Den dritten und letzten Band der Lombarden-Saga von Petra Schier habe ich mit Spannung erwartet und wurde nicht enttäuscht.
Aleydis, die seit ca. zehn Monaten verwitwet ist und seitdem, als Alleinerbin des Lombarden Nicolai Golatti, die Geschicke der Wechselstube leitet, hat immer wieder Probleme, die mit den dunklen Geschäften ihres verstorbenen Mannes in der Schattenwelt zusammenhängen. Nach anfänglicher Überraschung über diese andere Seite Nicolais, von der sie während ihrer kurzen Ehe nichts geahnt hatte, ist sie nach wie vor fest entschlossen, diesen Teil ihres Erbes auf keinen Fall weiter zu führen, sondern nach Möglichkeit zu zerschlagen. Aber sie kommt nicht zur Ruhe. In ihrer Wechselstube kommt es zu einem Betrugsversuch, und zu allem Überfluss werden ihre beiden Mündel Marlein und Ursel entführt. Widerwillig wendet sich Aleydis wieder an den Gewaltrichter Vinzenz van Cleve, den attraktiven aber ernsten, finsteren Mann, der jedoch regelmäßig ihr Herz aus dem Takt bringt.
Mit dieser Folge ging es mir wie mit den vorherigen Bänden, ich habe das Buch regelrecht durchgesuchtet. Es war aber auch zu fesselnd! Wie Aleydis ihre Probleme löst und wie es mit ihr und Vincent weitergeht, das alles ist in diesem Buch sehr lebendig und mit einem hohen Spannungslevel dargestellt. Mir ging es so, dass ich mich in Aleydis‘ Haus quasi schon fast wie zuhause fühlte. Es gibt viele Turbulenzen im Leben der jungen Witwe, und sie gerät dabei auch in ziemlich brenzlige Situationen. Glücklicherweise hat sie aber Menschen an ihrer Seite, die treu zu ihr stehen und sie verteidigen, sowohl mit Worten als auch schon mal sehr tatkräftig. Sehr genossen habe ich auch diesmal wieder die Dialoge zwischen Aleydis und Vincenz, denn da kommt es regelmäßig zu einem interessanten und zum Teil vergnüglichen Schlagabtausch. Auch die Romantik kommt nicht zu kurz; da gibt es ein paar sehr schöne Szenen in der Geschichte. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass es einen vierbeinigen kleinen Helden gibt, den nicht nur alle in Aleydis‘ Haushalt, sondern auch ich ins Herz geschlossen habe(n). Mit diesem dritten Band hat die Lombardensaga nun ihren guten Abschluss gefunden. Aber es bleibt zuletzt ein Geheimnis. Die Erklärung der Autorin dazu finde ich schlüssig, und sie gefällt mir ausgesprochen gut. Aber wer weiß, vielleicht hat sich Petra Schier damit auch ein Türchen offen gelassen, diesen Faden irgendwann in einer anderen Geschichte weiter zu spinnen, denn es gibt von ihr ja bereits mehr historische Romane, die in Köln spielen und deren Charaktere immer mal wieder in neueren Büchern auftauchen. Ich für meinen Teil freue mich immer über ein Wiedersehen mit früheren Protagonisten.
Ein ausführliches und sehr hilfreiches Personenverzeichnis sowie eine kleine Übersichtskarte vom damaligen Köln runden das Bild ab. Es fällt mir schwer, mich nun von den lieb gewonnenen Menschen in der Kölner Glockengasse zu verabschieden, aber wie gesagt, die Hoffnung bleibt, ihnen eventuell in einem anderen Roman wieder zu begegnen.

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