Zu zahm für Dark Romance, zu wild für Tiefe
RabidIch habe Rabid sowohl gelesen als auch als Hörbuch gehört. Die Sprecherin war dabei weder besonders herausragend noch störend – solide, aber kein Faktor, der das Buch auf- oder abwertet. Meine Erwartungen ...
Ich habe Rabid sowohl gelesen als auch als Hörbuch gehört. Die Sprecherin war dabei weder besonders herausragend noch störend – solide, aber kein Faktor, der das Buch auf- oder abwertet. Meine Erwartungen waren trotzdem recht hoch, denn die Darkest-Gold-Reihe von Raven Kennedy ist meine absolute Lieblingsreihe. Gleichzeitig war mir bewusst, dass Rabid vermutlich nicht auf demselben Niveau spielen würde: frühes Werk, nur zur Hälfte von Kennedy geschrieben und ursprünglich Teil einer Multiautoren-Anthologie in diesem Werwolfs-Universum. Trotzdem hat es das Buch leider geschafft, mich zu enttäuschen.
Der größte Knackpunkt für mich ist das massive Ungleichgewicht zwischen Sex und Plot. Es gibt sehr, sehr viel Sex – deutlich mehr, als mir lieb ist – während die Handlung erst auf den letzten rund fünfzig Seiten wirklich an Fahrt aufnimmt. Zusätzlich wird zwar früh betont, dass die Protagonistin „nicht an Zickenrunden glaubt“, im weiteren Verlauf aber extrem stark auf Feindseligkeiten unter Frauen gesetzt, was einfach nicht zusammenpasst. Dazu kommen einige Logiklücken und zwei Hauptfiguren, die derart impulsiv und primitiv agieren, dass es stellenweise anstrengend wird – selbst mit dem Argument „Werwölfe sind halt so“.
Besonders schade fand ich, dass im Buch mehrfach Konsequenzen angedroht werden – teils spannend, teils spannend-spicy – sich aber letztlich nie getraut wird, diese wirklich durchzuziehen. Am Ende sitzt man einfach nur mit geschmackloser Luft.
Ein echtes Highlight bleibt am Ende tatsächlich das Cover. Es ist ein absoluter Traum. Die Farbkomposition trifft exakt meinen Geschmack, alles wirkt stimmig, und die Blutspritzer mit Spotlack sind nicht nur ein schönes Detail, sondern setzen optisch das i-Tüpfelchen.