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Veröffentlicht am 08.02.2025

Die Magie zurückholen

We hunt the Flame
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Im Lande Arawiya ist die Magie verschwunden. Zafira, die als Mann verkleidet in einem düsteren Wald jagt, um ihre Familie zu ernähren, bekommt einen Auftrag. Auf der abgelegenen Insel Sharr soll sie ein ...

Im Lande Arawiya ist die Magie verschwunden. Zafira, die als Mann verkleidet in einem düsteren Wald jagt, um ihre Familie zu ernähren, bekommt einen Auftrag. Auf der abgelegenen Insel Sharr soll sie ein Buch finden, das die Magie zurückbringen kann. Doch sie ist nicht die einzige mit diesem Auftrag.
Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: aus der von Zafira und aus der von Nazir, einem Prinzen des Reiches. Das ist gelungen und sehr interessant. Hier treffen sich zwei sehr unterschiedliche Personen, die anscheinend dasselbe Ziel verfolgen. Oder doch nicht? Die Absichten aller beteiligten Personen bleiben lange Zeit unklar oder zeigen sich überraschend ganz anders als erwartet. Das ist ein komplexes Geflecht, das manchmal verwirrt, aber auch Spannung erzeugt.
Im Arawiya finden wir viele Dinge und Ausdrücke, die aus der arabischen Welt bekannt sind. Wer sich dort auskennt, ist im Vorteil. Für die anderen gibt es ein hilfreiches Glossar.
Die fantastischen Wesen und überhaupt die ganze Magie dieser Welt sind faszinierend und durchaus überraschend.
Der Schreibstil ist spannend und gut zu lesen. Die Hauptfiguren werden von starken Emotionen getragen, ich habe das nicht immer in Einzelnen verstanden. Erwartungsgemäß läuft es auf eine Liebesgeschichte hinaus, die mit dem Ende dieses Bandes keineswegs abgeschlossen ist. Der zweite Teil ist bereits lieferbar. Die Autorin, Amerikanerin mit arabischen Wurzeln, ist bereits durch Werke wie „Tempest of Tea“ hervorgetreten.
Das Buch ist also im Orginal amerikanisches Englisch, aber gut ins Deutsche übersetzt. Warum nicht auch der Titel?

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Veröffentlicht am 24.01.2025

Folgen einer Ehe

Staffellauf
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Niemand zwingt sie und es gibt keinen Hinweis darauf, warum sie sich das antut: Die Malerin Bernadette heiratet den Jurastudenten Karl Staffelstein und gibt ihre Kunst auf. Quälende Ehejahre und Mutterschaft ...

Niemand zwingt sie und es gibt keinen Hinweis darauf, warum sie sich das antut: Die Malerin Bernadette heiratet den Jurastudenten Karl Staffelstein und gibt ihre Kunst auf. Quälende Ehejahre und Mutterschaft folgen, sie wird krank und verbringt viele Jahre in Kliniken.
Der zweite Teil behandelt die Lebensgeschichte des ältesten Sohnes, die geprägt ist von der Geschichte seiner Mutter und den Erwartungen seiner Familie. Warum er studiert und promoviert, bleibt unklar. Nicht einmal sein Fach wird genannt. Schließlich scheint er seinen Weg zu finden, er wird Schriftsteller. Anscheinend ist er durchaus produktiv und schließlich hat er auch Erfolg. Warum er das tut, und worüber er überhaupt schreibt, wird nicht gesagt. So bleibt die Hauptperson auch des zweiten Teils konturlos und fremd.
Weil beide Hauptpersonen derart unverständliche Dinge tun aus Gründen, die nicht begreiflich sind, hat mich dieser Roman weder unterhalten noch irgendwie bereichert. Zeitverschwendung.

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Das Leben nach seinem Tod

Von hier aus weiter
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Marlenes Ehemann Rolf war schwer an Krebs erkrankt, als er Suizid beging. Marlene bleibt allein zurück. Tragischer kann eine Geschichte kaum anfangen. Doch Marlene findet ins Leben zurück.
Wie erleben ...

Marlenes Ehemann Rolf war schwer an Krebs erkrankt, als er Suizid beging. Marlene bleibt allein zurück. Tragischer kann eine Geschichte kaum anfangen. Doch Marlene findet ins Leben zurück.
Wie erleben diese Entwicklung aus Sicht von Marlene selbst. Ihre Verzweiflung ist sehr glaubwürdig, und ihre Resignation ist es ebenfalls. Was sie tut und nicht tut, kann man gut nachfühlen. Sie gerät in schräge, fast witzige Situationen, neben aller Tragik. Dieses Nebeneinander funktioniert, und es macht das Besondere dieses Buches aus.
Nach ziemlich schrägen Anfangsszenen in der Toilette eines Gasthofes entsteht der Eindruck, das Ganze sei doch ein wenig vorhersehbar: Als ein ehemaliger Schüler von Marlene auftritt und kurzerhand bei ihr einzieht, bringt er neue Aspekte in ihr Leben und kommt ihr auch menschlich etwas näher. Doch er bleibt eine Nebenfigur und lässt ihr Raum, ihr und ihrem Schmerz. Eine frühere Freundin von Marlene hört nicht auf, Kontakt zu ihr zu suchen und hat schließlich eine Überraschung für sie. Damit wird eine wunderschöne Versöhnung mit der Katastrophe um den Verstorbenen möglich.
Die Autorin hat es geschafft, aus einem höchst tragischen Setting eine Wohlfühlgeschichte zu machen, die glaubhaft ist und überrascht. Bravo!

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Schwer verständlich

Unmöglicher Abschied
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Inseon und Gyeongha sind Künstlerinnen. Als Inseon sich schwer an einer Hand verletzt und im Krankenhaus bleiben muss, ruft sie ihre Freundin zu Hilfe: Gyeongha soll in ihre Wohnung fahren und sich um ...

Inseon und Gyeongha sind Künstlerinnen. Als Inseon sich schwer an einer Hand verletzt und im Krankenhaus bleiben muss, ruft sie ihre Freundin zu Hilfe: Gyeongha soll in ihre Wohnung fahren und sich um ihr Haustier kümmern, einen Vogel.
Auf Gyeonghas Reise tauchen immer wieder Erinnerungen an Massaker auf. Gebeine wurden gefunden, in Massengräbern. Der Koreakrieg ist zur dieser Zeit erst seit wenigen Jahrzehnten vorbei und gehört damit zur Familiengeschichte der beiden Frauen. Diese Erinnerungen vermischen sich mit dem, was Gyeongha erlebt, wie in einem Fiebertraum. Zum Teil muss man sogar rätseln, wer hier gerade spricht und an wessen Erinnerungen wir teilhaben. Das damals Geschehene ist grausam.
Ich konnte damit nicht viel anfangen. Ich mag es lieber, wenn ich weiß, ob etwas gerade wirklich passiert in einer Geschichte oder ob es nur erinnert ist und viel früher stattfand. Und ich schätze es, wenn ich weiß, von wem hier die Rede ist und wer hier eigentlich spricht. Das Ganze scheint mir eher eine Metapher oder eine persönliche Aufarbeitung zu sein. Selbst der Vogel, der die Handlung antreiben soll, ist nur ein poetisches Bild. So ein Tier, wie dort beschrieben wird, gibt es nicht. Dies ist keine Geschichte sondern eine künstlerische Erinnerungsbewältigung.

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Bewegendes Drama aus der Zeit des Ersten Weltkrieges

Durch das große Feuer
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Sidney Elwood und Henry Gaunt sind Schüler an einem englischen Elite-Internat. Sie lieben Lyrik und alte Sprachen. Obwohl sie formal noch zu jung sind, melden sie sich für den Einsatz im Ersten Weltkrieg. ...

Sidney Elwood und Henry Gaunt sind Schüler an einem englischen Elite-Internat. Sie lieben Lyrik und alte Sprachen. Obwohl sie formal noch zu jung sind, melden sie sich für den Einsatz im Ersten Weltkrieg. Was sie dort erleben, ist grauenhaft.
Die Autorin schildert eindrücklich, wie die Kriegserfahrungen die Menschen innerlich verändern. Die Tatsache, dass die Protagonisten schwul sind, spielt nur eine untergeordnete Rolle angesichts der Schlachtereien, an denen sie teilhaben. Die körperlichen Verletzungen, die sie zufügen und miterleben, sind bizarr und oftmals tödlich. Doch schlimmer sind die psychischen Schäden, die die Überlebenden davontragen. Die Geschichte ist sehr spannend und äußerst bewegend zu lesen. Sie ähnelt einer Abenteuergeschichte voller Grausamkeit und Irrsinn.
Am Ende gibt es Heilung. Das ist anders in vergleichbaren Büchern, die die Gräuel des Schützengrabens zum Thema haben. Die besondere Liebe zwischen den Protagonisten macht diesen ungewöhnlichen Ausgang möglich. Das ist schön!

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