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Veröffentlicht am 28.04.2025

Der schöne Schein

Ein ungezähmtes Tier
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Genf im Jahr 2022 - Zwei Familien, zwei Familienleben und eine Party, die all das verändert.
Sophie und Arpath führen ein schillerndes Leben, scheinen dabei aber auf dem Boden der Tatsachen geblieben zu ...

Genf im Jahr 2022 - Zwei Familien, zwei Familienleben und eine Party, die all das verändert.
Sophie und Arpath führen ein schillerndes Leben, scheinen dabei aber auf dem Boden der Tatsachen geblieben zu sein. Doch Sophie hat eine einnehmende Art und so fühlt sich auch Greg zu ihr hingezogen. Ab dem Moment, ab dem er das merkt, endet sein bisheriges Leben. 
Es beginnt ein Sumpf voller Geheimnisse, Lügen, Intrigen und Oberflächlichkeit.

„Ein ungezähmtes Tier“ von Joël Dicker, gesprochen von Torben Kessler ist ein Krimi, der fesselt und zum Dranbleiben zwingt. 
Der Autor beschreibt die Protagonisten in so vielen Facetten, dass man irgendwann gar nicht mehr weiß, mit wem man es zu tun hat. Das führt zu einer enormen Spannung und auch einem anhalten Rätseln, wie sich das Ganze entwickeln wird und was eigentlich in der Vergangenheit passiert ist.
Was für mich im Verlaufe des Buches unwahrscheinlich schwierig war, waren die wechselnden Zeitperspektiven, aus denen der Autor die Geschichte erzählt. Diese werden zwar alle gebraucht, aber gerade zum Ende hin, war es mir echt ein bisschen zu viel und ich hatte das Gefühl zwischendrin auch ab und an mal den Faden verloren zu haben.
Joël Dicker hat hier aber nicht nur einen spannenden Krimi geschrieben, sondern schreibt auch über allgemeine, bekannte menschliche Probleme. Es geht um die Suche nach Anerkennung, nach Liebe und Erfolg. Es geht um die Sehnsucht nach Freundschaft, um unerfüllte Liebe und verschiedene Lebensansichten. 
Vor allem geht es hier aber um Lügenkonstrukte, die nach und nach zusammenfallen, aber irgendwie dennoch bestehen bleiben.
Die Ereignisse sind spannend dargestellt und in keiner Weise vorhersehbar.
Interessant fand ich die Erklärung zum Titel.
Der Sprecher hat die Geschichte sehr angenehm rübergebracht und auch die Stimmfarbe den entsprechenden Charakteren angepasst.

Zusammenfassend handelt es sich hier um einen fesselnden Krimi voller Lügenkonstrukte, Intrigen und überraschenden Wenden. Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Zeitperspektiven erzählt, die aber im Laufe des Buches etwas überhand nehmen.
Zu empfehlen ist das Buch all jenen, die spannende Geschichten mögen und gerne mal über den schönen Schein lesen.

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Befreiung

Berchtesgaden
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Das Ende des 2. Weltkrieges ist besiegelt und Berchtesgaden wird von den Alliierten befreit.
Für die Bevölkerung Berchtesgadens, allen voran Sofie und Magda, stehen einige Änderungen bevor. So müssen ...

Das Ende des 2. Weltkrieges ist besiegelt und Berchtesgaden wird von den Alliierten befreit.
Für die Bevölkerung Berchtesgadens, allen voran Sofie und Magda, stehen einige Änderungen bevor. So müssen Familien ihre Häuser räumen und werden mit den Siegeszügen der Truppen konfrontiert. 
Für all jene, mit einer Vergangenheit im Regime beginnt eine Zeit der Verurteilungen. 
Aber auch für die US-Soldaten ist das, was sie erfahren nicht leicht zu verdauen.

„Berchtesgaden“ von Carolin Otto beschreibt in fiktiver Weise mit einigen realistischen Verknüpfungen das Leben nach der Befreiung des Markts Berchtesgaden. 
Es sind die Gefühle, das Leben nach der Politprominenz auf dem Obersalzberg, das Leben nachdem die kleine bayerische Stadt als zweiter Regierungssitz fungierte, die die Autorin hier beschreibt. Es sind aber nicht nur die Gefühle, sondern es ist auch die Vergangenheit mit der viele Familien nun konfrontiert werden. Es geht um Verantwortung, um Schuld und in gewisser Hinsicht auch um Verzeihen.
Ich kenne Berchtesgaden, den Obersalzberg und vieles über seine Vergangenheit sehr gut. Somit konnte ich den Handlungsorten der Geschichte wunderbar folgen und wusste immer, wo sich die Protagonisten gerade befinden.
Die Beziehung der beiden jungen Frauen, Magda und Sofie, die hier zwei der Protagonistinnen darstellen, sorgte bei mir manchmal für Verwirrung. Einerseits war diese sehr intensiv, andererseits konnten sie unterschiedlicher nicht sein und Magda war, für mein Empfinden, oftmals sehr unverschämt zu Sofie.
Sofies innerer Konflikt sorgte für Spannung im Buch. Das gepaart mit der Geschichte von Captain Rosenzweig regte sehr zum Nachdenken an. Gerade letzteren fand ich sehr bewundernd, da er Dinge von allen Seiten beleuchtete, sich aber nicht von Emotionen lenken ließ.
Insgesamt fand ich, dass es vielleicht ein oder zwei Charaktere weniger hätten sein können, denn gerade am Anfang erschlug mich die Anzahl der Hauptcharaktere.

Fazit: Ein mitreißender Roman, der das Leben nach der schwärzesten Zeit der deutschen Geschichte beschreibt. Eine interessante Aufarbeitung mittels fiktiver Anlässe, die sich aber relativ nah an der Realität bewegt. 
Für all jene, die historische Romane mögen, aber auch für all jene, die sich für die Geschichte des Obersalzbergs interessieren, ist dieses Buch eine Empfehlung!

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Berühren verboten

Sommerglück am Chiemsee
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Josefine entschließt sich, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Doch unvorbereitet möchte sie dies nicht tun und nimmt dafür eine Stelle zur Betreuung von Altschreiner Peter an, der nicht weit von ihrem ...

Josefine entschließt sich, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Doch unvorbereitet möchte sie dies nicht tun und nimmt dafür eine Stelle zur Betreuung von Altschreiner Peter an, der nicht weit von ihrem Elternhaus entfernt wohnt. Dabei lernt sie dessen Sohn Adrian kennen. Als Physiotherapeut ist dieser bemüht, Josefine nach einem Hexenschuss Hilfe anzubieten. Doch diese Hilfe zwingt Josefine dazu, sich ihren Ängsten zu stellen und konfrontiert sie zeitgleich mit ihrer Vergangenheit.

„Sommerglück am Chiemsee“ von Leonie Werdenfels ist ein Liebesroman, der am gleichnamigen See spielt.
Zum Titel passt auch das malerische Cover. Leider war das aber auch schon das Detail, dass ich am besten fand.
Ich hatte mir eine heitere, romantische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Sees vorgestellt, was der Titel für mich auch verspricht. Ich fand, der See hat kaum eine Rolle gespielt und die Geschichte war sehr melancholisch.
Ich hatte bis auf das Ende meine Probleme, Josefine nah zu kommen. Das wiederum passte eigentlich zu deren Geschichte, ist für mich als Leserin jedoch unpraktisch gewesen, da ich mich immer zwingen musste, weiterzulesen. Ich fand die Idee der Geschichte wirklich gut. Doch ich hätte mir eine Art Hinführung zum Problem gewünscht, in dem eher Andeutungen über die Ursache von Josefines Problemen, bspw. durch Rückblendungen erfolgt waren. Somit fehlte mir lange Zeit das Verständnis für ihr Verhalten, dass ich in ihrer Ablehnung manchmal übertrieben albern fand. Mit dem erklärenden Ende wurde mir jedoch Vieles klar.
Auch konnte ich die überaus dominierende Figur Klitschkos nicht ganz einordnen. Ich habe rückblickend das Gefühl, er steht für eine Art Symbolik zu Josefines Charakter.
Die erdenden Charaktere waren für mich Peter und Adrian. Gerade Peters Part und sein Charakter sind überaus beispielgebend und regen zum Nachdenken an.
Auch Adrian ist ein unwahrscheinlich einfühlsamer Mensch, an dem man sich durchaus ein Beispiel nehmen kann. Ähnliches gilt für Josefines beste Freundin.

Fazit: Wer eine romantische Geschichte mit vielen Glücksmomenten erwartet, der ist hier falsch.
Wer jedoch Romane über die Herausforderungen des Lebens mag, über das Heranwachsen von Selbstbewusstsein und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, der ist hier richtig.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Sylter Lebensweise

Der Kaffeegarten. Salz im Wind
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Matei und Elin wachsen beim Freund ihres Vaters auf, nachdem ihre Eltern ums Leben gekommen sind. Als dieser stirbt, kämpfen seine Frau und die Mädchen ums Überleben. Dabei entwickeln sie die Idee eines ...

Matei und Elin wachsen beim Freund ihres Vaters auf, nachdem ihre Eltern ums Leben gekommen sind. Als dieser stirbt, kämpfen seine Frau und die Mädchen ums Überleben. Dabei entwickeln sie die Idee eines Kaffeegartens, der auch gut ankommt. Als der erste Weltkrieg ausbricht, wird aus dem Herrenhaus ein Lazarett, dass dennoch öfter seine Pforten für den Kaffeegarten öffnet.

„Salz und Wind - Der Kaffeegarten“ von Anke Petersen ist der erste Band der Trilogie um den Kaffeegarten Herrenhaus der Hansens.
Für mich war das der erste Roman der Autorin. Gesprochen wird das Hörbuch von Ulrike Kapfer. Diese hat eine sehr angenehme Stimme und ich bin ihr gern gefolgt. Da dieser Roman auf Sylt spielt, hat die Autorin des Öfteren auf das Plattdeutsche zurückgegriffen. Sowas macht für mich einen norddeutschen Roman immer äußerst authentisch. Diese Stellen hat sie wirklich gut gesprochen, was mich manchmal zum Schmunzeln brachte, weil es einfach so menschlich wirkte.
Der Roman vermitteln vor allem die Werte von Familie und Freundschaften. Der Zusammenhalt, der hier aufgezeigt wurde, hat mir imponiert.
Während Elin und Matei recht zurückgezogen wirkten, bildete Wiebke einen herzhaften Gegenpart. Sie ist für mich in diesem Roman eine wahre Bank gewesen, die auch für so manchen Schmunzler sorgte.
Besonders gefallen hat mir Ulrike Kapfers Lesart von Anna. Sie hat ihre Stimme an Annas Geschichte angepasst.
Auch das Vermitteln der Lebensweise der Sylter zur Zeit des ersten Weltkrieges ist gelungen. So weiß ich jetzt, was ein Ökelname ist und Wiebke Gehtherum ist einfach hängen geblieben.

Alles in allem ein schöner Roman zum Abschalten, der mit seiner norddeutschen Art überzeugt und Fans Norddeutschlands absolut anspricht!

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Kunst und Kultur

Montmartre - Licht und Schatten
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Zwei junge Frauen, am gleichen Tag geboren, die eine aus reichem Hause, die andere aus armen Verhältnissen, aber beide mit Träumen.
Während Elise sich als Tänzerin in Montmartre immer mehr zum Erfolg tanzt, ...

Zwei junge Frauen, am gleichen Tag geboren, die eine aus reichem Hause, die andere aus armen Verhältnissen, aber beide mit Träumen.
Während Elise sich als Tänzerin in Montmartre immer mehr zum Erfolg tanzt, versucht sich Valerie in der Malerei - studiert sogar an einer angesehenen Akademie. Doch beide Frauen werden mit den Problemen ihrer jeweiligen Lebensführung im Pariser Vorort bzw. Stadtteil Montmartre konfrontiert.

„Montmartre - Licht und Schatten“ ist Band 1 der Dilogie von Erfolgsautorin Marie Lacrosse, die auch unter ihrem Klarnamen Marita Spang oder als Krimiautorin Tessa Duncan, bekannt ist.
Die Geschichte spielt zum Großteil kurz vor der großen Weltausstellung in Paris. 
Mit den zwei Protagonistinnen Elise und Valerie hat Marie Lacrosse zwei Figuren geschaffen, die vor Mut, Selbstbewusstsein und Ehrgeiz strotzen. Sie sind dabei aber nicht unsympathisch, sondern geerdet. Diese zwei Frauen spiegeln etwas wider, was viele Frauen, wofür viele Frauen nach ihnen auch noch kämpften. Es sind zwei Frauen, die gegen gesellschaftliche Konventionen kämpfen. Sie wollen ihren eigenen, eigenständigen Weg gehen, ohne von einem Mann abhängig zu sein, ohne die brave Hausfrau zu spielen usw.
Gleichzeitig spielt die Geschichte vor dem Hintergrund des Vororts und späteren Stadtteils Montmartre. Als Leser erlebt man hier eine Entwicklung vom armen Ort hin zu einem lebenshungrigen Ort. Es ist ein Ort der etwas anderen, aber bunten Kunst und Kultur, ein Ort, der viele unterschiedliche Gesellschaftsschichten tagtäglich abbildet, aber auch ein Ort, der Aufbruchstimmung vermittelt.
Ich habe vorher noch nichts von diesem Stadtteil gehört, einzig Moulin Rouge war mir bekannt. Aber ich habe nun einiges dazu gelernt und sei es nur das Wissen um Sacre Coeur.
Marie Lacrosse ist es also wieder einmal wunderbar gelungen, historische Ereignisse in spannender Form zu vermitteln. Denn immer und immer hoffte ich nur das beste für die beiden Frauen, dass sie es schaffen, ihren Weg zu gehen, keine Rückschritte erleben müssen und sich zum Vorbild entwickeln. Diese Kombination aus Personen und Handlungsort ist einfach wieder sehr stimmig und nachvollziehbar. Vor allem die Gestaltung der Kapitel durch die Nennung von Ort und Datum machte die Nachvollziehbarkeit leicht.
Was ich einzig etwas zu viel fand, war die Häufung an berühmten Persönlichkeiten. Hier hätte weniger auch mehr sein können. Dennoch fand ich es gerade sehr interessant, was ich z.B. über Vincent van Gogh erfahren habe.

Fazit: Ein interessanter historischer Roman über einen berühmten Pariser Stadtteil, der aber auch viel Wissen über Kunst und Kultur vermittelt. Damit knüpft Marie Lacrosse nahtlos an die Erfolge ihrer bisherigen Bücher an und somit kann ich dieses Buch nur allen empfehlen, die ihre Romane mögen.

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