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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2023

Literarischer Tag im Freibad

Seemann vom Siebener
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Der Romanhandlung spielt überwiegend im Freibad. Kiontke ist der Bademeister und steht kurz vor der Rente, nachdem er Jahrzehnte das Freibad geleitet hat. Josefine verbringt lieber einen Tag im Freibad, ...

Der Romanhandlung spielt überwiegend im Freibad. Kiontke ist der Bademeister und steht kurz vor der Rente, nachdem er Jahrzehnte das Freibad geleitet hat. Josefine verbringt lieber einen Tag im Freibad, als mit ihren Schwiegereltern, um ihren verstorbenen Ehemann zu trauern, am Tag der Beerdigung. Lennart hält seit seiner Kindheit alles fotografisch fest. Doch in letzter Zeit, hat sich das geändert. Er ist wegen der Beerdigung von Max hier und sieht sich mit allerlei Erinnerungen konfrontiert. Lennart, der seit je her wie eine Schwebefliege um Josefine kreist, obwohl sie doch mit dem Max verheiratet war. Sergej, der Kioskbesitzer im Freibad, der gute Laune versprüht. Die Ich-Erzählerin, die plant, einen Seemann vom Siebener zu springen, obwohl der Siebener seit dem Unfall vor Jahren gesperrt ist. Insgesamt sind es sechs Charaktere, Besucher und Angestellte, von denen erzählt wird. Arno Frank überrascht mit ein paar schönen Details, authentischen Charakteren und weckt alte Erinnerungen an früher; alles erzählt so präzise und klar, dass es eine Freude ist.

Im Verlauf der Handlung wird der Roman besser und besser. Man lernt die Charaktere kennen, ihre Begegnungen, ihre Verbindungen. Eine der Figuren erzählt in der Ich-Perspektive und bildet damit die Ausnahme, für die sonst gewählte dritte Person, die es ermöglicht, aus vielen verschiedenen Winkeln, auf das Geschehen zu blicken. Der Papagei Heinrich hat mich sehr zum Lachen gebracht und Sergejs Witze haben für einige Schmunzler gesorgt. Es gibt aber noch so viel mehr Textstellen, die mir im Gedächtnis bleiben werden und Charaktere, die ich in mein Herz geschlossen habe.

Am Ende war ich sehr begeistert, von dem Buch. Es war eine schöner, lustiger, aufregender und bleibender literarischer Besuch im Freibad, an einem heißen Sommertag, mit Pommes, Eis und den wichtigen Dingen des Lebens. Dazu noch großartig geschrieben. Ein echtes Lesevergnügen also. Sehr empfehlenswert.

Veröffentlicht am 14.08.2023

Liebesgeschichte(n) im August in Paris

Sommertage im Quartier Latin
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Sommertage im Quartier Latin hat mich verzaubert, genau, wie ich es gehofft hatte. Das städtische Treiben, die kulinarischen Köstlichkeiten und der französische Flair entführen authentisch, und mit allen ...

Sommertage im Quartier Latin hat mich verzaubert, genau, wie ich es gehofft hatte. Das städtische Treiben, die kulinarischen Köstlichkeiten und der französische Flair entführen authentisch, und mit allen Sinnen, ins sommerliche Paris. Im Zentrum der Handlung steht Lola Mercier, die zurück in ihre Heimatstadt, zu ihrem Vater und ihrer Stiefmutter, reist, um mehr über das Verschwinden ihrer Großmutter Rose herauszufinden. Dabei trifft sie auch einen alten Bekannten aus Schultagen: Fabien Roudeaut besitzt ein Café und hat noch immer Gefühle für die schöne Lola. Doch Lola ist nicht offen für eine Beziehung, wünscht sich aber eine Veränderung in ihrem Leben. Es bleibt der bittere Beigeschmack, nicht immer die richtigen Lebensentscheidungen getroffen zu haben, gefesselt an ihren Schmerz und die Vergangenheit. Und so genießt sie erst Mal die Auszeit in Paris. Mit detektivischem Spürsinn kommt sie dem Geheimnis, um ihre Großmutter näher, wobei ihr freundlichen Wesen und ihr Backtalent, ihr viele Türen öffnet.

Lily Martin lässt all ihre Charaktere wie zufällig aufeinandertreffen, verwebt deren Schicksal und verbindet sie mit Lola. Der Roman ließt sich wunderbar flüßig, leicht, alles hat seinen Platz und man kann abschalten, ohne gelangweilt zu werden. Das liegt vor allem an den liebenswerten Charakteren, der stimmigen Atmosphäre und den wenigen Themen. Auch, wenn die Handlung einfach und vorhersehbar ist, gibt es immer wieder ein paar kleine Überraschungen, die zu Herzen gehen. Das war genau, was ich brauchte, um mich nach Paris zu träumen und etwas abzuschalten. Besonders Pierre Leco und seine schicksalhaften Zeilen aus Zuckerschrift auf den Lebkuchenherzen, die er verkauft, werden mir in Erinnerung bleiben.

Im Prolog wird deutlich, dass die Geschichte von einer unbekannten Erzählerin, die ebenfalls im Quartier Latin an der Place de la Contrescarpe lebt, erzählt wird, die einen kleinen Überblick gibt und auf die Geschichte einstimmt. Ein schöner Roman über Selbstfindung, Loslassen und die Liebe. Vor allem die Liebe.

Veröffentlicht am 14.08.2023

Sehr emotional und klug

Rattensommer
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Die Sommerferien haben begonnen und eine flirrende Hitze erfüllt seit Wochen die Luft. Lou freut sich auf die gemeinsame Zeit mit ihrer allerbesten Freundin, an ihrem Lieblingsort, einem stillgelegtem ...

Die Sommerferien haben begonnen und eine flirrende Hitze erfüllt seit Wochen die Luft. Lou freut sich auf die gemeinsame Zeit mit ihrer allerbesten Freundin, an ihrem Lieblingsort, einem stillgelegtem Freibad. Sie beginnt romantische Gefühle für ihre Freundin Sonny zu entwickeln, doch der anfängliche Sommertraum verflüchtigt sich, als der Mann, der für den Tod von Sonnys Mutter verantwortlich ist, frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird. Als Sonny durch eine Begegnung mit ihm davon erfährt, lässt es sie nicht mehr los. Besessen von Vergeltung, überschattet Sonnys seelisches Leid bald die Freundschaft und überstreifte Grenzen.

Juliane Pickel gestaltet dieses »Alles fühlt sich auf einmal anders an«-Gefühl ihrer Ich-Erzählerin berauschend emotional. Beim Lesen fühlt man sich mitgerissen, es gibt keine unnötigen Nebensächlichkeiten, der Fokus liegt ganz auf Lou, ihren Erlebnissen und Gefühlen. Alle Figuren sind authentisch und haben ganz unterschiedliche Päckchen zu tragen, die sich bei der Hitze zu entladen drohen. Diese bedrohliche Stimmung, voller Ignoranz, selbstschädigendem Verhalten, Resignation und Intoleranz besitzt große Aussagekraft. Juliane Pickel setzt hier ganz gezielt Akzente. Und mittendrin ist die sechszehnjährige Lou, voller Selbstzweifel, deren einzige positive Konstante im Leben, ihre Freundin Sonny, wegzubrechen droht. Dabei beweist Juliane Pickel ein ganz besonderes Blick für ihre Charaktere, aber auch für alles, was zwischen den Zeilen steht, das Unausgesprochene, das keiner Erklärung bedarf. Das Sichtbare wird damit zum Platzhalter für das Unsichtbare und das entstehende Mitgefühl, macht dieses Jugendbuch so ungemein bereichernd. Zwischen all den schwierigen Themen wie Essstörung, Tod und Hass finden sich hoffnungsvolle Momente und kluge Sätze, während die kurzen Kapitel dazu einladen, immer und immer weiterzulesen. Dabei steht die Freundschaft im Vordergrund, die erste Liebe und die Veränderung, die Lou durchschreitet. Ein anregendes, erstaunlich berührendes und klug beobachtetes Jugendbuch. Keine leichte Lektüre, aber sehr lesenswert. Unbedingte Empfehlung!

Veröffentlicht am 14.08.2023

Hauptfigur und ihr sozialen Beziehungen im Fokus

Mein schrecklich schönes Leben
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»Zeit ist zerbrechlich. Jeder Besenstrich kann Konsequenzen nach sich ziehen.«

Die 31-jährige Cassandra scheint vom Pech verfolgt. Ihr Job und ihr Freund Will gehören der Vergangenheit an und alles an ...

»Zeit ist zerbrechlich. Jeder Besenstrich kann Konsequenzen nach sich ziehen.«

Die 31-jährige Cassandra scheint vom Pech verfolgt. Ihr Job und ihr Freund Will gehören der Vergangenheit an und alles an einem Tag. Keiner in ihrem Umfeld scheint sie zu mögen, ihre Beziehungen halten nicht lange und Cassandra fragt sich, was sie so unsympathisch macht, dass sie unfreiwillig in einer WG leben muss und ihr Notfallkontakt ihre Friseurin ist. Dann schlägt das Schicksal zu und Cassandra erlebt nicht nur den selben Tag, sie beherrscht sogar die Fähigkeit, beliebig in der Zeit zu reisen. Das verleitet natürlich direkt zu korrigieren - was nicht gutgehen kann. Sie versucht herauszufinden, was schief gelaufen ist, um ihren Ex-Freund Will zurückzugewinnen. Aus der Ich-Perspektive geschrieben, ist dieses Leseerlebnis sehr emotional und interessant. Denn Cassandra hat ihre Schwierigkeiten mit sozialen Interaktionen. Small Talk fällt ihr schwer und schon immer sagen die Leute über sie, sie sei schräg und speziell. Dabei weiß sie nur nicht, wie sie auf andere reagieren soll. Was ihr dabei für Gedanken und Gefühle kommen, war authentisch und gut nachvollziehbar. Ihr enormes Gedächtnis ist faszinierend und ihre Zwangshandlungen, sensibilisieren für Menschen, die anders denken und handeln, als man es gewohnt ist. Mehr möchte ich gar nicht verraten, weil sich vieles erst später offenbart. Man lernt Cassandras Persönlichkeit immer besser verstehen. Nach und nach zeigt sich, wer sie wirklich ist, wie sie auf andere wirkt und welches große Geheimnis sie hat. Diese Entwicklung mitzuerleben, hatte einen emotionalen Unterhaltungsfaktor, genauso wie ihre vielen Vergleiche mit dem antiken Griechenland. Mit vierhundert Seiten ist die Story sehr ausführlich beschrieben. Da der Fokus des Buches sehr konzentriert auf Cassandra ist, hat sich der Roman für mich ein bisschen zu lang angefühlt, dafür war ihre persönliche Entwicklung aber realistisch dargestellt, es gab einige Überraschungen und eine schöne Botschaft.

Im Kern geht es es Selbstfindung, Persönlichkeitsentwicklung und den Mut, sich zu zeigen, wie man ist, gerade wenn man anders wahrgenommen wird. Holly Smale packt diese Themen in etwas Übernatürliches und driftet immer wieder in einen selbstironisch, komödiantischen Erzählton ab, sodass ich häufig schmunzeln musste. Ein leichtfüssig erzählter Roman, mit angenehmer Tiefgründigkeit und authentischer Hauptfigur. Sehr lesenswert, lernenswert und empfehlenswert.

Veröffentlicht am 14.08.2023

Ratgeber für Frauen

Sei du selbst, alle anderen gibt es schon
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„Kein Tor, kein Schloss, kein Riegel hält die Freiheit meines Geistes auf.“ V. Wolf

Ulrike Juchmann präsentiert aus psychologischer Sicht sechs Türen, durch die man sich lesen kann. Man kann alle Türen ...

„Kein Tor, kein Schloss, kein Riegel hält die Freiheit meines Geistes auf.“ V. Wolf

Ulrike Juchmann präsentiert aus psychologischer Sicht sechs Türen, durch die man sich lesen kann. Man kann alle Türen der Reihe nach lesen oder mit der Tür anfangen, der einen am meisten anspricht. Sei es Achtsamkeit, Körperzufriedenheit, Selbstführsorge, Partnerschaft, Selbstakzeptanz, Entspannung - für viele Lebensbereiche gibt es Inspiration. Mir hat die Mischung aus Theorie und unkomplizierter Praxis, zum sofort Ausprobieren, besonders gefallen. Ulrike Juchmann lädt ein, selbst aktiv zu werden, aufzuschreiben, zu meditieren und den eigenen Körper in Ruhe und Bewegung wahrzunehmen. Besonders Achtsamkeit und Meditation liegt ihr am Herzen, ebenso wie Methoden der Selbstführsorge, die sich in den Alltag integrieren lassen. Der Titel lässt vermuten, es handle sich um einen Ratgeber für Frauen, der vor allem Selbstvertrauen vermitteln soll. Tatsächlich ist es aber ein reichliches Angebot für Frauen, um befreiter zu leben. Mit den passenden Methoden kann man Veränderung anstoßen. Bereits spannend fand ich die erste Tür, in der es um Prägungen geht, Stereotype, das eingeengte konservative Frauenbild und einseitige Urteile. Ulrike Juchmann plädiert für mehr Vielfalt und einen gesellschaftlichen Wandel: mehr Heldinnen, mehr positiv besetzte Frauenrollen, weniger Vorannahmen, weniger Ungerechtigkeiten und Diskriminierung, in einer Kultur, die Männern bevorzugt. Denn was Mädchen und Frauen im Internet, in Filmen und Büchern sehen, stärkt ihre Vorstellungswelt.
Wie können wir unsere Fähigkeiten und Kompetenzen besser sichtbar machen? Hier finden sich viele interessante Ansätze, Fragen und Versuche, passendende Antworten zu finden, mit Themen, die Frauen beschäftigen und hindert, sie selbst zu sein.

Ulrike Juchmann war mir sympathisch. Sie möchte ihr Wissen weitergeben und zum Nachdenken anregen und genau diese Leidenschaft war spürbar beim Lesen. Wissenschaftliche Studienergebnisse wurden herangezogen und alles war nachvollziehbar belegt. Empfehlenswert!