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Veröffentlicht am 13.07.2025

Ein magischer Zauberladen, ein Drache und ein großes Abenteuer

Gwin und das Herz des Drachen (Band 1)
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«Gwin und das Herz des Drachen» ist ein fantasievoller Reihenauftakt für Kinder ab 9 Jahren, der von Magie, Freundschaft und Abenteuern erzählt, während man wie in die «Unendliche Geschichte» auf einem ...

«Gwin und das Herz des Drachen» ist ein fantasievoller Reihenauftakt für Kinder ab 9 Jahren, der von Magie, Freundschaft und Abenteuern erzählt, während man wie in die «Unendliche Geschichte» auf einem flauschig aussehenden Drachen fliegt oder wie in den Studio Ghibli-Animes in neue magische Welten eintaucht, die in der realen Welt existieren.

Gwin büxt von zu Hause aus und begegnet dem sprechenden Kater Nerowitz, der sich als Zauberlehrling einer Hexe entpuppt. Gwins Herzenswunsch führt dazu, dass Nerowitz sie in Madame Manous Zauberladen einlädt, indem sich auch ein Café befindet. Schließlich wird sie Aushilfe, bedient die Zauberwesen-Gäste und fühlt sich dort wohl.
Es ist ein Anfang voller Wärme und Glück. Gwin findet Zuflucht an diesem besonderen Ort, voller kreativer und magischer Wunder, an den jedes Kind gern reisen würde - ganz besonders, wenn es kein liebesvolles Zuhause hat. Gwin reagiert authentisch und altersgerecht auf diese Veränderung, denn sie is voller Dankbarkeit und Freude. Überall gibt es für sie etwas Neues zu entdecken und zu lernen. Schließlich eröffnen sich für Gwin ganz neue Möglichkeiten - sie lernt die kleine Flamme Ignatius und den gefräßigen Drachen Jun kennen und kann mithilfe einer Karte an Orte reisen, die sie sich selbst ausmalt. Ab diesem Punkt verändert sich die Stimmung der Geschichte und es wird etwas düsterer. Die Freunde brechen zu einem gefährlichen Abenteuer auf, um Jun zu helfen.
Die Schwarz-Weiß-Illustrationen von Indiana Acosta weisen eine Kombination aus realistischen Elementen und übertriebenen Formen auf. Sie sind sehr atmosphärisch, beeindruckend und dicht dargestellt, wie das Cover beweist, das eine berührende Szene aus dem Buch zeigt.

Verena Maier setzt auf humorvolle Neckereien, ein dialogreiches, feixendes Miteinander und träumerische Beschreibungen: „Der Mond ließ sein schneeweißes Auge über Gwins Welt wandern. Millionen Sterne funkelten wie silberne Nadelköpfe im Kleid der Nacht.“ Ihre kreativen Einfälle sind fantastisch und laden zum Träumen ein, bevor man sich in der altbekannten Heldengeschichte wiederfindet. Es liest sich leicht und kommt ohne komplizierte Wortkreationen aus. Die anfängliche Atmosphäre hat mir besonders gefallen, während die zweite Hälfte des Buches deutlich spannender und wendungsreicher war. Altersgerecht ist zudem die Begrenzung der fantastischen Wesen und handelnden Figuren und das herzerwärmende Ende, welches auf eine Fortsetzung hoffen lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.07.2025

Das Lied in uns Unbezwingbaren

Durch das Raue zu den Sternen
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Ich-Erzählerin Arkadia Fink, genannt Moll, ist 1992 erst Dreizehn Jahre alt und lebt mit ihrem Vater in einem bayrischen Dorf in der Nähe von München. Ihr Alltag ist klanglos geworden, seit die Mutter ...

Ich-Erzählerin Arkadia Fink, genannt Moll, ist 1992 erst Dreizehn Jahre alt und lebt mit ihrem Vater in einem bayrischen Dorf in der Nähe von München. Ihr Alltag ist klanglos geworden, seit die Mutter weggegangen ist und ihr Vater sich zurückgezogen hat. Doch sie ist nicht allein, denn Arkadias beste Freundin ist Vierundachtzig Jahre alt und besteht auf wöchentliche Anrufe und Arkadias treuster Gefährte, ist der verstimmte Neo-Bechstein ihrer Mutter. Die Päckchen, die sie eines Tages von ihrer Mutter bekommt, geben ihr neuen Aufschwung und sie ist fest entschlossen, im Knabenchor aufgenommen zu werden, weil ihre Mutter immer daran geglaubt hat, dass ihre Tochter Außergewöhnliches schafft. „Ich wusste ja, was demnächst der ganze Chor wissen wird: niemand hält mich auf.“ Doch nicht nur der Glaube an ihr Talent, auch die Hoffnung, auf diese Weise ihre Mutter wiederzusehen, treibt sie an.

Arkadia sieht zu ihrer Mutter auf, die ihr alles über Musik beigebracht und sie stets ermutigt hat. „Meine Mutter ist ein Apfelbaum, der wenig von den Gesetzen der Jahreszeiten hält.“ Eine bemerkenswerte Frau, die ihre Tochter zu einem selbstbewussten Mädchen erzogen hat, weshalb sie entschlossen ihren Weg geht und auch den Erwachsenen widerspricht, wenn sie anderer Meinung ist. Dieses Lied der Unbezwingbaren scheint man seit Generationen von Frauen in der Familie hören zu können. Musik ist ihr beider Trost, die Sprache zwischen Mutter und Tochter: „Musik ist ein zweiter fester Raum für mich, indem ich mich geborgen fühle.“ Doch ihre Mutter hat auch mit sich zu kämpfen. Arkadia beobachtet klug und hört aufmerksam zu, ohne zu wissen, was genau in den Erwachsenen vorgeht. Die Schreibweise hatte einen melancholischen Ton, ein bisschen traurig, sehr hoffnungsvoll, mit ungezwungenem Humor. Ich habe öfter geschmunzelt, wenn Arkadia Anekdoten aus ihrem jungen Leben erzählt, wie die von Immanuel und der grandiosen Idee ihrer Mutter. Gleichzeitig gab es Momente, wo ich den Atem anhielt und von Wendungen überrascht war oder sehr mit Arkadia mitgefiebert habe. Es ist eine Mischung aus Gegenwart und Rückblicken im stetigen Wechsel. In meinem Exemplar befinden sich zahlreiche markierte Textstellen, denn manchmal reiht sich eine poetische Melodie an die andere und Arkadia fügt dem, was sie bisher gelernt hat, ihre eigenen Gedanken hinzu.

Ich habe dieses Buch so gern gelesen. Arkadia Fink ist einfach großartig und meine Heldin. Sie hat mich sehr beeindruckt, weil sie sich nicht den Regeln beugt, weil sie mutig und entschlossen ist, und weil es für sie keine falschen Töne gibt. Sie lässt keinen Zweifel daran, welche große Bedeutung ihre Mutter für sie hat und das ihr Verlust schwer wiegt, seit sie weggegangen ist.
Ein ganz wunderbarer Roman voller Liebe, Musik und Hoffnung. Es geht um vielfältige Themen, die sich wie ein Meer aus Noten zu einer stimmigen Komposition formen, die mir nicht mehr aus dem Kopf ging. Christoper Kloeble schreibt melodisch und deutet einiges nur an, was ich konsequent und glaubhaft fand. Selten lese ich Textstellen mehrmals; selten fühle ich mich von einem Roman so inspiriert und sanft getragen. Noch nie habe ich Dirigenten aus diesem Blick heraus betrachtet und Charaktere so gemocht, über die ich so wenig wusste. Ein Meisterstück; ein großes Lesevergnügen und nun eins meiner Lieblingsstücke im Bücherregal.

Veröffentlicht am 13.07.2025

Der Ruf des Meeres

Der Krabbenfischer
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«Der Krabbenfischer» erzählt von dem zurückgezogenem 21-jährigen Thomas Flett, der, in den Sechzigerjahren, in einem englischen Küstenort lebt. Seine Arbeit als Krabbenfischer ist hart, da er an den Traditionen ...

«Der Krabbenfischer» erzählt von dem zurückgezogenem 21-jährigen Thomas Flett, der, in den Sechzigerjahren, in einem englischen Küstenort lebt. Seine Arbeit als Krabbenfischer ist hart, da er an den Traditionen festhält, die sein Großvater ihm beibrachte - hier ist kein Platz für musikalische Traumgespinste, dennoch sehnt sich Thomas danach, Musik zu machen. Die Bekanntschaft mit dem amerikanischen Regisseur Edgar Acheson ist eine unerwartete Begegnung, die ihn inspiriert.

Mit der literarischer Unverfälschtheit seiner ambivalenten Protagonisten stellt Benjamin Wood das Leben eines einfachen Krabbenfischers dar, der von der Hand in den Mund lebt, und bietet ihm, durch die Begegnung mit einem Fremden, eine neue Richtung, die einen unwiederbringlichen Hoffnungsschimmer entfacht und wertvolle Lektionen bereithält. Die weiche Sprache ist zurückhaltend kraftvoll und von poetischer Schlichtheit, ungefiltert nah an der Natur und Thomas stillem Charakter, mit einer besänftigende Ruhe, melancholisch und beruhigend zugleich. Wir begleiten Thomas nah an seinem Alltag, sodass sich die Anstrengung und Entbehrung beeindruckend intensiv nachempfinden lässt. Selbstverständlichkeiten, die keine sind. Harte Realitäten, die man ausblenden möchte. Es ist ein sehr atmosphärischer Roman, gefühlsnah und tiefgründig, der nach dem Sinn des Lebens fragt - ein Leben zwischen Notwendigkeit
und Sehnsucht - und unaufdringlich zum Nachdenken anregt. Als wenn das nicht schon genug wäre, überrascht dieser Roman mit unerwarteten Wendungen und beschert somit ein nachhallendes Lesevergnügen. Den aufgenommenen Recorder-Song ‹Seascraper› kann man übrigens auf der Website des Autors anhören. Wer die Bücher von Benjamin Myers gern liest, wird auch «Der Krabbenfischer» - der sich auch optisch perfekt einfügt - mögen. Sehr empfehlenswert.

Veröffentlicht am 13.07.2025

Ermutigende Feel-Good-Lektüre

Der Garten der kleinen Wunder
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Die Illustratorin Victoria, genannt Toja, und der begnadete marokkanische Gewürzkoch Bär sind Freunde und leben in einem Haus mit einem berauschendem Naturgarten und einem Chamäleon auf dem Dach.
Die vierzehnjährige ...

Die Illustratorin Victoria, genannt Toja, und der begnadete marokkanische Gewürzkoch Bär sind Freunde und leben in einem Haus mit einem berauschendem Naturgarten und einem Chamäleon auf dem Dach.
Die vierzehnjährige Victoria, genannt Vica, fühlt sich von der unkonventionellen Art ihrer Nachbarn angezogen und wird warmherzig aufgenommen. Sie fühlt sich zwischen den alten Obstbäumen und Blumenbeeten sehr wohl und ihr Gefühl, nicht richtig zu sein, schwindet zusehend, während sie aufblüht. Doch ihr Vater bevorzugt einen gepflegten Rasen und sieht es nicht gern, dass Toja seine Tochter darin ermutigt, sich nicht an die Normen zu halten.

„Wir sind einfach nur zwei Seelen, die aus den verschiedensten Gründen genau hier gelandet sind.“ Aufgrund der Probleme mit dem sozialen Umgang, fragt man sich, ob Vicas Vater einen Zugang zu seiner Tochter finden wird, und ob Vica ihre schulischen Herausforderungen meistern kann. Diese Sorgen wirken sehr authentisch und greifen reale Probleme auf. Der Roman ist voller positiver Ideen, die ein Gefühl von Hoffnung und Wohlbefinden vermitteln - gerade zum Ende hin. Sehr idealistisch, aber schön. Toja fühlt sich an ihre Vergangenheit erinnert, als sie Vica begegnet. Sie kennt all die Sorgen, die Vica plagen. Nun gibt sie das Verständnis weiter, das man ihr damals auch entgegen gebracht hat. Dabei legt Ich-Erzählerin Toja ihren Fokus nicht auf ihre eigene innere Welt, sondern auf achtsame Schilderungen, Sinneseindrücke und die tiefen Gespräche, wobei sie auch eine erklärende Funktion einnimmt, wenn es um Extrovertierte und Introvertierte und bestehende Missverständnisse geht. Das macht die Lektüre wortreich und leicht, denn man muss nicht zwischen den Zeilen lesen, kann alles auf sich wirken lassen. Die Botschaft, neben vielen kleinen Lebensweißheiten, ist unmissverständlich: Introversion ist keine Schwäche.

Patricia Koelle-Wolken gibt emphatische Einblicke in die leise Kraft der Introvertierten und stärkt das Verständnis und die Toleranz - gemeinsam mit einer unerwarteten Begegnung und einem verlockendem Nautrgarten, „sinnliche Genüsse und den Wunsch, die Gegenwart zu genießen“ ergibt sich eine sommerliche Feel-Good-Athmosphäre mit sympathischen Charaktere. Wer sich für den Garten und Introversion interessiert, wird einiges mitnehmen können und mit diesem Buch eine entspannte Zeit haben.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Kraftvolles Bilderbuch über ein Leuchtzebra

Niru das kleine Leuchtzebra
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In diesem Bilderbuch geht es um ein kleines Zebra mit einer seltenen Leuchtkraft, das seine Gabe verstecken muss. Es ist eine lustige, fantasievolle, informative und spannende Geschichte mit einem schönen ...

In diesem Bilderbuch geht es um ein kleines Zebra mit einer seltenen Leuchtkraft, das seine Gabe verstecken muss. Es ist eine lustige, fantasievolle, informative und spannende Geschichte mit einem schönen Ende.
Die überwiegend doppelseitigen Illustrationen haben eine einnehmende Atmosphäre und man ist mittendrin statt nur dabei. Sehr ausdrucksstark, kindgerecht und farbintensiv eröffnet sich für Kinder ab 4 Jahren eine andere Welt - das Afrika, indem das kleine Zebra Niru mit seiner Familienherde lebt, hat riesige Steppen, weites Land und dort leben auch Tiere wie Löwen oder Krokodile, die Zebras gefährlich werden können. Durch die Geschichte lernen Kinder etwas über Zebras und können sich mit Niru identifizieren, der mit den anderen Zebrakindern mithalten möchte und gerne vor sich hin träumt, bis er dann sein Talent nutzen kann, um den anderen zu helfen. Dabei ist die Botschaft für die Kleinen nachvollziehbar und das leuchtende Zebrakind übt eine große Faszination aus, die auch künstlerisch wirkt. Insgesamt ist die Gestaltung einfach gehalten und es gibt auch mal weiße Seiten, die nur Text enthalten. Das Vorlesen fällt lebendig aus und hatten allen Spaß gemacht. Mein einziger Kritikpunkt ist die Klebebindung. Kinderbücher müssen manchmal einiges aushalten und die Verarbeitung des Buches weist diesbezüglich leider Schwächen auf. Bereits beim ersten Durchblättern lösten sich unten die Seiten und hätten Kinderhänden nicht standgehalten.

Daher lautet unser Fazit: ein empfehlenswertes Vorlesebuch für die ganze Familie, das leider Mängel in der Verarbeitung, bei einem vergleichsweise hohen Kaufpreis, aufweist.

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