Wie ein historical K-Drama
Der Rote PalastIch finde „Der Rote Palast“ liest sich wie ein historisches K-Drama mit einer gehörigen Portion Krimi.
Zunächst einmal wurde hier richtig gut recherchiert. Das habe ich beim Lesen immer wieder an vielen ...
Ich finde „Der Rote Palast“ liest sich wie ein historisches K-Drama mit einer gehörigen Portion Krimi.
Zunächst einmal wurde hier richtig gut recherchiert. Das habe ich beim Lesen immer wieder an vielen einzelnen Details gemerkt – von Kleidung bis über die damalige Geschichte. Am Schluss gibt es auch noch ein Nachwort der Autorin, in der sie das Ausmaß und die Details ihrer vorherigen Recherche aufschlüsselt. Eine spannende, informative Lektüre mit sehr vielen, schönen, koreanischen Elementen. Ich konnte mich damit gut in das damalige Leben im Palast hineinversetzen.
Der Plot selbst fokussiert sich sehr auf die Ermittlungen und liest sich wie eine Schauergeschichte. Teilweise war es etwas brutal und jede Szene wird wirklich anschaulich beschrieben. Schmatzendes Blut, wenn Stoff von einer Wunde entfernt wird, mehrere, durchgeschlitzte Kehlen – solche Beschreibungen muss man abkönnen für diesen Read. Stellenweise hatte es für mich sogar leichte Thriller-Vibes. Dennoch hat für mich zwischendurch die Spannung ein wenig nachgelassen, aber insbesondere das Ende konnte mich wieder vollends abholen.
Insgesamt ist der Schreibstil sehr blumig und voller ungewöhnlicher, anschaulicher Metaphern & Vergleiche. Mir hat er größtenteils sehr gut gefallen und ich musste mir einige Textstellen als Zitat herausschreiben. Nur an manchen Stellen war es mir mal etwas zu viel, z. B. wenn selbst Puls messen in den Beschreibungen super ausgeschmückt wurde.
Außerdem kommen im Text einige koreanische Wörter vor. Am Schluss gibt es hierzu ein Wörterverzeichnis, was ich im E-Book Format immer ein wenig unpraktisch finde. Allerdings war das für mich mit Vorwissen durch koreanische Dramen nicht so problematisch. Für Alle, bei denen das nicht der Fall ist, würde sich das Taschenbuch-Format vielleicht eher anbieten, damit man mal leichter nach hinten blättern kann.
Die Hauptfigur war mir sympathisch. Sie ist stur und ehrgeizig, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, ihr Herz ist am rechten Fleck und ich fand sie wirklich intelligent. Einzig ihre Art, oft sehr negativ über sich selbst zu denken und sich selbst klein zu reden, fand ich manchmal etwas zu viel.
Für mich war sie, als Palastschwester der historischen, koreanischen Dynastie zusammen mit dem sehr jungen Inspektor ein spannendes und originelles Duo. Die Charaktere hätten von mir aus aber gerne noch etwas mehr Tiefe erhalten können.
Wie eine ganz leichte Hintergrundmelodie wird die Lovestory ins Geschehen eingewoben. Sie steht nicht im Fokus, kommt ohne Spice aus und überzeugt mit dezenten, unschuldigen Gesten – wie ich es bereits von K-Dramen gewohnt war. Und was ich auch sehr schätze.
Fazit:
Ein klassischer Fall von „beurteile ein Buch nicht anhand seines Covers“. Das Buch hat es in sich, wird schaurig, spannend und brutal. Es ist an historischen Gegebenheiten angelehnt und daher super informativ sowie sehr atmosphärisch.
Mir gefielen insbesondere die koreanischen Elemente und das gut ausgearbeitete Setting im Palast. Zwischendurch hat das Buch für mich mal an Spannung nachgelassen, aber es bekam keine Längen und konnte mich mit dem Ende wieder vollends abholen. Verpackt wird die Geschichte in einen ungewöhnlichen Schreibstil, der zum Zitate herausschreiben einlädt, aber an manchen Stellen sicherlich gewöhnungsbedürftig ist.