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Veröffentlicht am 24.01.2017

Gänsehautfeeling

Alleine bist du nie
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Bei den Kontaktanzeigen in einer Tageszeitung macht Zoe eine seltsame Entdeckung. Ihr Gesicht lacht ihr entgegen. Dabei hat sie nie eine Kontaktanzeige aufgegeben und sie weiß, dass das Foto ein Bildausschnitt ...

Bei den Kontaktanzeigen in einer Tageszeitung macht Zoe eine seltsame Entdeckung. Ihr Gesicht lacht ihr entgegen. Dabei hat sie nie eine Kontaktanzeige aufgegeben und sie weiß, dass das Foto ein Bildausschnitt aus einem Gruppenfoto ist. Ihre Familie sieht keine Ähnlichkeit, aber sie lässt sich nicht davon abbringen und forscht nach. Die Telefonnummer unter der Anzeige läuft ins Leere, um den Link anklicken zu können, benötigt man ein Passwort. Bei ihren Nachforschungen findet sie heraus, dass bei einer anderen Frau, die ebenfalls in einer solchen Kontaktanzeige auftauchte, eingebrochen wurde. Sie meldet ihre Erkenntnisse der Polizei, wird aber zunächst nicht ernst genommen. Doch die Bedrohung ist real und wird immer greifbarer.

Das Buch hat mich schon ziemlich schnell in seinen Bann gezogen. Interessanterweise mal nicht durch blutige Details, sondern einfach durch die beschriebene Stimmung. Zoes anfängliche Besorgnis wegen der Anzeige wird schnell stärker und entwickelt sich immer mehr zu Panik. Sie fühlt sich verfolgt und vertraut bald fast niemandem mehr. Ich als Leser habe mich hier ganz schön angepasst und jeder neue männliche Charakter war für mich schon mal per se verdächtig. Auch die Kapitel, die aus der Sicht des Internetseitenbetreibers geschrieben waren, waren immer gut platziert. Dachte man zuerst, es ist „nur“ ein Stalker, der eine bestimmte Frau verfolgt, kristallisierte sich immer mehr heraus, dass er ganz andere Beweggründe hatte. Alles in allem hat die Story eher langsam Fahrt aufgenommen. So war das erste Drittel eher dadurch geprägt, die Charaktere kennenzulernen und Zoe durch ihren Alltag zu begleiten.

Die Charaktere konnten mich auch durchweg überzeugen. Zoe ist geschieden mit zwei fast erwachsenen Kindern und einem Lebensgefährten, der seit einiger Zeit mit ihr zusammen lebt. Ihre Tochter möchte Schauspielerin werden und verfolgt dieses Ziel mit Hingabe. Der Sohn hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten auch wieder gefangen und geht inzwischen einem Job nach, der ihm Spaß macht. Ihr Lebensgefährte ist Journalist und hat sich im Familienleben recht gut integriert. Mit ihrem Ex-Mann hat sie nach wie vor ein gutes Verhältnis und in ihrer Nachbarin eine gute Freundin. Neben Zoe spielt auch die Ermittlerin Kelly eine große Rolle. Diese macht sich seit Jahren Vorwürfe, weil sie ihre Schwester nicht vor einer Vergewaltigung schützen konnte und ist die einzige, die Zoes Ängste ernst nimmt und einen Zusammenhang zwischen einem Mordfall und den Kontaktanzeigen sieht.

Ich finde ja das Szenario an sich schon ziemlich beklemmend. Jeder hat seine gewisse Routine im Alltag ... gleiche Arbeitswege, zumeist auch noch täglich um die gleiche Uhrzeit. Dass man so leicht ausspioniert werden kann, nimmt man eigentlich gar nicht wirklich wahr. Soziale Netzwerke machen es dann noch zusätzlich leicht, Informationen über eine bestimmte Person zusammenzutragen. Dies hat die Autorin klasse umgesetzt. Gut gefallen haben mir auch die Einblicke in die Polizeitätigkeit, die bei Clare Mackintosh der Realität entsprechen, da sie selber früher Polizistin war. Zum Ende hin baut sie einige Wendungen ein – bei denen ich den ein oder anderen Hauptverdächtigen wieder „laufenlassen“ musste. Auf den Täter an sich wäre ich allerdings tatsächlich nicht gekommen. Einzig der Beweggrund des Täters war mir ein bisschen zu lasch.

Fazit:

Für mich auch trotz der anfangs langsameren Gangart ein absolut spannender Pageturner, den ich am liebsten am Stück durchgelesen hätte.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Spannung - aber nicht nur

Skin
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Christian hat es geschafft. Das Studium ist beendet und er hat einen tollen Job bei ECC ergattert. Dass er Überstunden machen, in der Weltgeschichte herumreisen und immer verfügbar sein muss, stört ihn ...

Christian hat es geschafft. Das Studium ist beendet und er hat einen tollen Job bei ECC ergattert. Dass er Überstunden machen, in der Weltgeschichte herumreisen und immer verfügbar sein muss, stört ihn dabei nicht so arg. Obwohl seine Beziehung zu Freundin Nicole darunter leidet. Doch eines Tages erhält er eine E-Mail mit einem Link zu einer verstörenden Seite. Obwohl er geschockt ist, ignoriert er die Mail … doch es sollen weitere Folgen. Er kann und will sich niemandem anvertrauen und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Als er endlich seinen Vater, einen erfolgreichen Anwalt, um Hilfe bittet, scheint es schon zu spät zu sein und er steht im Fadenkreuz der Ermittler der Berliner Polizei.

Was der Klappentext an Spannung versprach, hat der Prolog zu Beginn schon einmal gehalten. Wie man es von Veit Etzold bereits kennt, hat er hier die beängstigende Stimmung gut eingefangen und beschrieben: Die verschmutzte, chaotische Wohnung, die Fliegenschwärme, der Gestank. Auch die Beklemmung der Person in der Wohnung, die im Bad einen Toten findet, konnte man förmlich spüren.

Danach ging es erst einmal gemächlicher weiter. Ich lernte Christian – den Protagonisten kennen – und man konnte einige Details zu ECC und über seinen Job erfahren. Auch die engsten Kollegen Christians waren sehr präsent, in einem anderen Handlungsstrang traten Frank Deckhard und seine Kollegin Sophie auf den Plan. Doch auch nach den ersten ca. 100 Seiten passierte nicht mehr viel, die Handlung plätscherte eher so dahin, drehte sich weiterhin hauptsächlich um ECC … und dann kam die erste Mail an Christian und ein erster Toter wurde aufgefunden. Trotzdem wurde das Buch nicht rasanter. Worüber ich eigentlich hätte hinwegsehen können. Wären da nicht die Hauptpersonen der Story gewesen:

Christian hat sich in meinen Augen ziemlich schnell zu einem extrem nervigen Charakter entwickelt. Naiv, planlos, stellenweise richtig dämlich. Sicherlich ist man geschockt, wenn man per Mail ein Filmchen erhält, in dem ein Toter auftaucht – noch dazu, wenn dieses Filmchen echt zu sein scheint. Passiert so etwas ein weiteres Mal, würde ich mir überlegen, dies der Polizei zu melden. Ein anderes Mal nimmt er von einem (bisher ihm nicht bekannten) Kollegen Pillen an, die ihm helfen sollen, wach und fit zu bleiben für eine Präsentation … Kann man annehmen, muss man dann aber nicht zwingend auch noch schlucken. Und von einem wildfremden Hacker, der mir von einer Kollegin empfohlen wurde, würde ich auch keine Pillchen annehmen und diese dann nehmen. Und hinterher sollte man sich schon gar nicht wundern, wenn man Halluzinationen oder sonstige Nachwirkungen hat. Aber gut. Christians Vater ist ebenfalls ein eher gewöhnungsbedürftiger Charakter. Knallhart in seinem Beruf scheint er auch außergewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen, um seine Klienten gut zu bedienen. Von Dritten bekommt Christian Infos über dessen Methoden zugeflüstert, die ihm gänzlich unbekannt waren – mit dem Ergebnis, dass er seinem Vater auch nicht mehr wirklich vertraut, aber trotzdem seine Hilfe benötigt. Ein anderer Charakter, der (leider) nur zu Beginn sympathisch war, war Frank Deckhard. Ein Ermittler, der nicht drogen- oder alkoholabhängig ist oder sonstige Problemchen mit sich herumschleppt – das war schon mal positiv. Leider stellte er sich im Laufe der Geschichte als ziemlich verbissen und stur heraus; eigentlich auch keine so schlechten Eigenschaften für einen Ermittler, aber es war schon schwer zu lesen, dass er sich gleich einen Hauptverdächtigen rausgeschaut hat und von dieser Meinung nicht abgehen wollte.

Aber nun mal ein paar positive Punkte: Die Story an sich war wirklich gut. Die verschiedenen Erzählstränge haben meiner Meinung nach dazu beigetragen, eine Spannung herbeizuführen. Auch die eindeutig beschriebenen Morde oder Tatorte waren einfallsreich. Auch muss ich sagen, dass ich bei allen Spekulationen nicht auf die Lösung gekommen wäre und der Prolog (wie weiter oben schon erwähnt) war wirklich gut. Leider haben dann ein paar Ungereimtheiten (manche Erklärungen kamen mir sehr konstruiert und weit hergeholt vor) diese positiven Aspekte wieder relativiert.

Mein Fazit: Pluspunkte für die Story, Minuspunkte für die Umsetzung. Vielleicht für die nächste Auflage noch mal überarbeiten … Dann wird „Skin“ sicherlich genauso begeistern wie die Clara Vidalis-Reihe.