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Das Cover ist passend zum Titel in strahlenden gelben, orangen und roten Tönen gestaltet. Man bekommt schon beim Anblick gute Laune, auch weil die Titelheldin lächelt und die ...
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Das Cover ist passend zum Titel in strahlenden gelben, orangen und roten Tönen gestaltet. Man bekommt schon beim Anblick gute Laune, auch weil die Titelheldin lächelt und die Katze sowie der Brokkoli auf der Tasche lustig aussehen. Man greift im Buchladen automatisch danach, um sich das Buch anzuschauen.
Auch im Innenteil befinden sich viele bunte Grafiken, die die Handlung veranschaulichen. Optisch ist das Hardcoverbuch sehr ansprechend und wertig!
Inhalt:
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"Eine Wahrheit rauszubekommen ist manchmal schwieriger, als einen Schlüssel zu finden oder eine verlorene Kette. Um eine Wahrheit rauszubekommen, muss man ganz genau hinhören und die richtigen Fragen stellen." (Sunny, S. 104)
Sunny ist etwas Besonderes: Sie ist selbstbewusst, humorvoll, mutig, clever - und blind. Aber Letzteres hält sie nicht davon ab, als selbst ernannte Sachensucherin tolle Dinge zu suchen und zu finden. Dabei trifft sie auf den Jungen Ben, der etwas verloren hat. Er will Sunny aber zunächst nicht sagen, um was es sich handelt. Bei dem Versuch, Ben zu helfen, geraten die beiden in ein aufregendes Abenteuer.
Mein Eindruck:
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"Und dann - dann geht auf einmal alles ganz schnell. Wie wenn man im Winter einen Schneemann bauen will und der Anfang der Kugel nur schwer und langsam geht. Aber wenn sie erst mal ins Rollen gerät, dann wächst der Rest ganz schnell hinterher. So ist das mit ganz vielen Sachen, wenn man einmal angefangen hat.
Einen Schneemann hat Sunny nicht gebaut. Aber einen riesigen Ideen-Ball."(S. 107)
Dieses Kinderbuch ist wirklich etwas Besonderes. Sunny ist ein sehr sympathisches Mädchen, das sich von ihrem Handicap nicht aufhalten lässt. Toll ist, dass sie stets einen flotten Spruch parat hat und versucht,die Dinge von der positiven Seite aus zu betrachten. Außerdem lässt sie sich nicht so leicht abschütteln. Ben hat zunächst keine Lust auf ihre Hilfe, aber auch das hält sie nicht davon ab, weiter nach seiner geheimen Sache zu suchen.
Die Geschichte ist aus ihrer Perspektive als blinde Person erzählt. Sie ist sehr humorvoll und durch das Geheimnis von Ben wird bis zum Schluss Spannung erzeugt. Die Autorin hat hier eine besondere neuartige Heldin geschaffen, die am Ende selbst noch ein kleines Geheimnis offenbart. Letztendlich ist es eine gelungene Mischung aus Detektivgeschichte mit Abenteuerfaktor und viel Humor sowie einigen überraschenden Wendungen, bei der man beim Lesen auch viel über das Leben von blinden Menschen und deren Wahrnehmung erfährt. Und es ist auch eine Geschichte über Mut und Freundschaft.
Obwohl die Handlung abgeschlossen ist, wünscht man sich, bald noch mehr über Sunny zu lesen!
Fazit:
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Ein tolles Buch über Freundschaft und Leben mit Handicap, voller Abenteuer und Humor
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Das Titelbild zeigt das Dorf, in dem die Handlung spielt, und verbreitet bereits eine idyllische Atmosphäre. Das Buch ist als Hardcover sehr wertig, vor allem das rote Lesebändchen ...
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Das Titelbild zeigt das Dorf, in dem die Handlung spielt, und verbreitet bereits eine idyllische Atmosphäre. Das Buch ist als Hardcover sehr wertig, vor allem das rote Lesebändchen gefiel mir gut.
Inhalt:
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»Dann sage ich eben noch etwas - und zwar etwas ganz Wesentliches: Hier im Dorf wird die Zeit als Freund und nicht als Gegner empfunden. Bei uns geht es nicht darum, möglichst viele Dinge in immer kürzerer Zeit zu erledigen, sondern sich den Dingen mit vollständiger Hingabe und Aufmerksamkeit zuzuwenden. Weniger ist mehr, mehr ist weniger.« (S. 39, Mathilde)
Die junge Frau Marie befindet sich gerade auf einer Reise: Weg von Paris, wohin weiß sie noch nicht. Sie hat einige Schicksalsschläge hinter sich und sucht einen neuen Sinn in ihrem Leben. Da begegnet sie im Zug der alten Jónína, die sie mit in ihr Dorf in den Bergen nimmt. Der Name dieses Ortes lautet "Redu" und leitet sich vom Begriff "réduire" (Anmerkung: reduzieren) ab. Hier beschränken sich die Bewohner auf das Wesentliche: nur eine Stunde Internet am Tag, viel Zeit, viele Buchläden und Bücher.
Marie findet hier neue Freunde und kommt dem Geheimnis der alten Mathilde auf die Spur.
Mein Eindruck:
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Als Büchernärrin hat mich der Klappentext direkt angesprochen. Die Erzählung ist sehr beschaulich und in einem ruhigen Stil geschrieben. Man wird bereits durch das Lesen entschleunigt. Entsprechend dauert es auch länger, bis etwas passiert. Ich muss zugeben, dass ich etwas ungeduldig wurde, denn im ersten Drittel geht es vorwiegend um Marie und Jónína und ich wartete nur darauf, dass endlich Mathilde ihren großen Auftritt hat. Doch der folgte unerwartet recht spät und nimmt auch erst zum Ende einen bedeutenden Part ein.
Das Ziel dieses Romans ist offenkundig eine Sensibilisierung für Bücher, die Schönheit der Literatur und für mehr Achtsamkeit und Entschleunigung in unserer aktuellen, schnelllebigen und unruhigen Zeit. Das ist dem Autor gelungen, allerdings setzt er einen so starken Fokus auf die genannten Ziele, dass die Handlung sehr konstruiert wirkt. Man hat beim Lesen zudem häufig das Gefühl eines erhobenen, belehrenden Zeigefingers. Die Figuren werfen nahezu mit Sprüchen und Phrasen um sich, wie sie in einem Kalender mit Lebensweisheiten stehen könnten. Das lässt die Dialoge wenig authentisch und hölzern wirken.
Die Idee der Geschichte gefiel mir daher sehr gut, die Umsetzung leider weniger. Es ist eine nette Hommage an die Literatur und regt an manchen Stellen zum Nachdenken an.
Insgesamt hat das Buch leider bei mir nur einen mäßigen Eindruck hinterlassen, weswegen ich 2,5 Sterne vergebe, die ich auf 3 aufrunde.
Fazit:
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Ein Plädoyer für Entschleunigung und eine Hommage an die Literatur – die Umsetzung wirkt zu konstruiert und konnte nicht ganz überzeugen
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Das Cover sieht sehr wild und abenteuerlich aus und passt gut zu einer Fantasy-Geschichte. Die Kontraste zwischen dem dunklen und dem vom Feuer hell erleuchteten Himmel machen ...
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Das Cover sieht sehr wild und abenteuerlich aus und passt gut zu einer Fantasy-Geschichte. Die Kontraste zwischen dem dunklen und dem vom Feuer hell erleuchteten Himmel machen definitiv neugierig auf die Handlung. Schade nur, dass im Innenteil weder Illustrationen noch Ornamente zu Beginn der Kapitel oder gar eine Karte zu finden ist. So etwas hätte ich für ein Buch aus diesem Genre für Kinder der empfohlenen Altersgruppe erwartet.
Inhalt:
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Nargis hat eine besondere Gabe: sie ist eine Geistersängerin und kann damit Elemente durch ihren Gesang kontrollieren. Auch ihre Eltern hatten diese Gabe, aber sie auf unbekannte Weise ums Leben gekommen, als Nargis noch klein war. Sie ist bei ihrem Großvater aufgewachsen, der ebenfalls Geistersänger ist.
Sie leben in einer Welt, in der es keinen Regen mehr gibt, die meisten Menschen sind arm. Die Wasserressourcen sind knapp und werden von wenigen reichen und einflussreichen Menschen verwaltet. Die sogenannten "Erdgebundenen" werden von Garudas regiert: Sie sind Mischwesen aus Vögeln und Menschen und leben in einer schwebenden Stadt, die von einer unbekannten Macht am Fliegen gehalten wird. Eines Tages findet Nargis den Sohn des Herrschers, den Adler-Garuda Mistral schwer verletzt.
Er konnte entkommen, während seine Eltern entführt und gefangen gehalten werden, weil jemand anderer die Macht übernehmen möchte. Widerwillig hilft Nargis zusammen mit ihrem Freund Arjuna Mistral, um dessen Eltern zu befreien. Dabei muss sie nicht nur aus ihrer persönlichen Komfortzone heraustreten, sondern wächst auch über sich selbst hinaus und lernt, was Mut, Vertrauen und Freundschaft bedeuten können.
Mein Eindruck:
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"Ich weiß nicht, wie ich zur Geistersängerin geworden bin. Woran ich mich noch erinnere, ist, dass Dad mir beigebracht hat, alles um mich herum nicht nur mit den Augen, sondern mit dem Herzen und mit der Seele zu betrachten. Die Umwelt nicht nur mit den fünf gewöhnlichen Sinnen wahrzunehmen, sondern meinen Geist zu öffnen und so mehr über die Welt zu erfahren, in der wir leben. Während also die meisten Leute bloß flackernde Flammen sahen, sah ich tanzende Feuergeister. Ihre Finger verwoben sich zu züngelnden Buchstaben, bildeten Wörter – vor allem Schimpfwörter –, wo andere nur bedeutungslose Schemen auszumachen vermochten." (S. 84f)
Ich muss gestehen, dass mich das Cover zunächst gar nicht angesprochen hat und auch aus dem Zielgruppenalter von 10 Jahren bin ich längst hinaus. Dennoch hat mich die Handlung neugierig gemacht und der Autor hat es tatsächlich direkt von Beginn an geschafft, mich mitzunehmen und zu fesseln.
Das Setting ist in Indien angelegt, wobei geschickt real existierende Orte mit Fantasieelementen vermischt werden. Wie Herr Chadda im Nachwort schreibt, sind viele indische Sagen und Legenden eingeflossen. Da mir diese jedoch nicht bekannt waren, konnte ich mich erst mal ganz unvoreingenommen in die Welt stürzen und habe nach dem Beenden der Lektüre einige spannende Elemente recherchiert, wie z. B. die Garudas, die mir zuvor kein Begriff waren.
Die Geschichte ist spannend und flüssig erzählt. Ich mochte vor allem Nargis sarkastischen Humor und Arjunas stets gut gelaunten Charakter. Aber auch Mistral gefiel mir, vor allem weil er im Laufe der Handlung eine positive Entwicklung durchläuft.
Im Kern gibt es zudem einige Botschaften, die diese Erzählung vermitteln will: In Nargis findet der Leser eine inklusive Heldin, die durch einen Unfall als Kleinkind hinkt und sich nur mit Hilfe einer Krücke fortbewegen kann. Die Welt ist von Dürre gezeichnet und könnte eine Anspielung auf den Klimawandel sein. Am Ende zählt Vertrauen, Freundschaft und der Zusammenhalt auch über verschiedene Bevölkerungsgruppen hinweg.
Mir hat das Buch als Auftakt einer neuen Reihe sehr gut gefallen, ich halte die Altersgruppe jedoch für zu niedrig gewählt. Es kommen einige Szenen vor, die für solche Kinder zu grausam sein dürften. Ich hätte dieses Buch eher ab 14 Jahren empfohlen. Für meine Tochter (12 Jahre) wäre es definitiv noch nichts gewesen.
Ich freue mich auf jeden Fall auf die Fortsetzung!
Fazit:
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Spannendes Fantasyabenteuer basierend auf indischen Sagen und Legenden mit wichtigen Botschaften. Eher für ältere Zielgruppe als angegeben.
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Die neu aufgelegte Reihe von Cornelia Funke erscheint als Hardcover mit Schwarz-Weiß-Illustrationen, nur am Ende sind als Sonderdruck 8 bunt illustrierte Farbseiten eingefügt. ...
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Die neu aufgelegte Reihe von Cornelia Funke erscheint als Hardcover mit Schwarz-Weiß-Illustrationen, nur am Ende sind als Sonderdruck 8 bunt illustrierte Farbseiten eingefügt.
Ich habe mir als Vergleich die ältere Ausgabe ausgeliehen und muss sagen, das ursprüngliche Layout gefiel mir besser. Die Zeichnungen waren ALLE in bunt und etwas humorvoller und weniger gruselig. Die neuen Bilder sind okay, erinnerten mich aber teilweise an die alte Ghostbuster-Zeichentrickserie und sind etwas gruseliger gestaltet. Aber das ist eben Geschmackssache. Für mich bietet die Neuauflage keinen wirklichen Mehrwert.
Inhalt:
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Tom ist etwas unbeholfen, hat seine "Stolper-Stoß-nichts-klappt-Tage" und wird von seiner größeren Schwester daher oft "Tompatsch" genannt. Außerdem hat er Angst im Dunkeln, vor allem im Keller! Als seine Mutter ihn dorthin schickt, um etwas zu holen, begegnet ihm auf einmal ein Gespenst!
Doch niemand glaubt ihm außer seiner Oma und die kennt auch schon jemand, der ihm helfen kann: Ihre Freundin und Gespensterjägerin Hedwig Kümmelsaft! Beim Versuch, den unliebsamen Kellerbewohner zu vertreiben, stellt sich jedoch heraus, dass er selbst vertrieben wurde und sie ein noch viel größeres Gespenst besiegen müssen, bevor wieder Friede in Toms Keller einziehen kann.
Mein Eindruck:
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Ich kannte die Autorin bisher nur von der Tintenwelt-Reihe. "Die Gespensterjäger"-Reihe ist für Kinder ab 8 Jahren konzipiert. Sie eignet sich aufgrund der Länge der Sätze und Kapitel sowie durch die Begleitung mit Illustrationen auch gut für diese Zielgruppe.
Tom ist sehr sympathisch und bietet durch seine Missgeschicke und mit seiner Angst vor der Dunkelheit jede Menge Identifikationsmöglichkeiten für die junge Leserschaft. Die Geschichte ist stellenweise schon recht gruselig, doch bevor es zu schlimm wird, fällt ein witziger Satz oder es passiert etwas Lustiges. Durch diese Mischung aus Grusel und Humor wird die Erzählung spannend, aber driftet nie in eine schlechte Stimmung ab. Hier hat Frau Funke das perfekte Maß gefunden.
Am Ende zählt natürlich auch, dass Tom seine Ängste überwindet und die nervige Schwester auch einen kleinen Denkzettel verpasst bekommt. Das Buch ist ein großer (Vor-)Lesespaß für Kinder, aber auch für Erwachsene, der am Schluss durch das "Verzeichnis der Gespensterjäger-Abkürzungen" perfekt abgerundet wird. Ich bin auf die weiteren drei Bände gespannt!
Fazit:
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Gelungener Auftakt einer Gruselreihe für Kinder ab 8 Jahren mit Humor, deren neue Illustrationen für mich jedoch keinen Mehrwert bieten.
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Bereits am Titelbild erkennt man, dass der Roman nicht eindeutig eingeordnet werden kann: Auf der einen Seite sieht es romantisch und sehnsuchtsvoll aus mit dem Leuchtturm im ...
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Bereits am Titelbild erkennt man, dass der Roman nicht eindeutig eingeordnet werden kann: Auf der einen Seite sieht es romantisch und sehnsuchtsvoll aus mit dem Leuchtturm im rosaroten Sonnenuntergang, auf der anderen Seite ist es auch etwas lustig-verrückt und fantasiereich, wenn man den Papageientaucher mit der Filmrolle im Schnabel sieht. Definitiv macht dieses Cover neugierig. Mit dem Schutzumschlag ist das Hardcover sehr hochwertig gestaltet, wobei ein Lesebändchen das positive Gesamtbild abgerundet hätte.
Inhalt:
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Buenos Aires 1910: Fabiola kommt als Säugling in ein Kloster, nachdem ihre Mutter bei der Geburt verstorben ist und ihr Vater sich mit der Verantwortung für ein Neugeborenes überfordert fühlt. Sie ist wunderschön und entwickelt ein Faible fürs Tango-Tanzen und für Schuhe. Mit 17 Jahren wird sie auf der Tanzfläche geschwängert und so kommt ihre Tochter Carmelita auf die Welt. "Lita", wie sie von allen genannt wird, sehnt sich nach einer fürsorglichen Mutter. Doch das kann Fabiola ihr nicht bieten, denn sie ist freiheitsliebend und chaotisch und zieht die Männer an wie Motten das Licht. Diese Eigenschaften führen dazu, dass Lita mit ihrer Mutter Buenos Aires verlassen muss und schließlich auf einer Insel zwischen Nova Scotia und Neufundland namens "Upper Puffin Island" (Puffin= Papageientaucher) stranden. Hier findet Lita in der gehörlosen Oona eine gleichaltrige Freundin, wird erwachsen und erfährt die erste Liebe. Und sie begegnet Mr. Saito und seinem Wanderkino, wodurch ihr Leben in neuen, ungeahnten Bahnen verläuft.
Mein Eindruck:
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"Fabiola zog ihre Himbeerschuhe aus und stellte sie behutsam beiseite. Dann flogen ihre Strümpfe ab, und wir legten uns unter den höchsten Himmel der Welt und ließen die Sonne auf unseren nackten Beinen spielen. Meine Mutter zündete sich eine Zigarette an, als wir dem neuen Rauschen der Wellen lauschten. Sechs mittlere und dann die siebte Welle mit ihrem gewaltigen Tosen. Immer sieben, wie im Märchen. Währenddessen summte sie Valencia, Valencia ... Es wird schon alles gut gehen." (S. 83f.)
Entlang der genannten sieben Wellen ist auch der Roman eingeteilt, wobei die ersten fünf nach Zeitabschnitten unterteilt sind, angefangen von 1910 bis hin zum Jahre 1949. Die letzten "Wellen" beschäftigen sich dagegen mit Carmelitas Gegenwart bzw. ihrem weiteren Lebensverlauf.
Die Geschichte ist aus Litas Sicht geschrieben und ihre kindliche, aber auch poetische Sicht auf die Welt verleiht der Erzählung ihren besonderen Charme. Der erste Satz "Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt ..." weckt bereits die Neugier und besonders das Tänzerische von Fabiola wird Litas Kindheit einen besonderen Stempel aufdrücken. Ich mochte Lita sehr, manchmal hat mich ihre scharfe Beobachtungsgabe gepaart mit einer naiven Ausdrucksweise schmunzeln lassen. Einige ihrer Bilder fand ich jedoch auch sehr treffend formuliert, wie z. B. das der Schnittmenge:
"Zwei Kreise waren da eingezeichnet, die sich großflächig überlappten. Was ist die gemeinsame Schnittmenge?
Ich war zwar nicht in der Lage, den Prozentsatz auszurechnen, freute mich aber so sehr über die gemeinsame Schnittmenge, dass ich gar nicht genug davon bekommen konnte. Je größer das Stück war, das die beiden Kreise miteinander teilten, desto schöner fühlte es sich an.
Leider wusste ich auch, dass das bei Weitem nicht auf alle Menschen zutraf. Bei vielen Menschen glich das Bedürfnis nach Gemeinsamkeit nur einer dünnen Mondsichel. An der Stelle kommen Menschen wie ich ins Spiel. Wir dürsten nach einer gemeinsamen Schnittmenge, die weit über das zulässige Maß hinausgeht. Mierda! Am Ende wird es fast unmöglich, die Kreise voneinander zu trennen, wenn die eigene Mutter ohne Vorwarnung verschwindet, der eigene Vater auf Weltreise geht und die einzige Freundin stundenlang auf dem Schoß ihrer Mutter sitzen darf und außerdem einen Familienstammbaum mit den wildesten Ästen hat. Da fühlt man sich schnell in den eigenen geschlossenen Kreislauf verbannt.
[...] Wir Menschen können einen kurzen Moment die Kreise anderer besuchen, aber niemals dort einziehen. Alle hatten ihre eigene Insel, um die sie sich kümmern mussten. Es war fast nicht auszuhalten." (S. 143f)
Ich finde es schwer, dieses Buch in Worte zu fassen. Auf der einen Seite gibt es besonders auf den ersten zweihundert Seiten viele Längen. Die Landschaften werden beschrieben, Litas Gedankengänge, der Alltag der Menschen auf Upper Puffin Island usw. Und es passiert anfangs wenig. Erst viel später als erwartet, trifft Mr. Saito auf der Insel ein und verändert mit seinen Besuchen Litas Welt und auch das ihrer Freundin Oona. Bis dahin habe ich sehr lange gebraucht und wollte das Buch schon fast abbrechen. Zum Glück habe ich es nicht getan, denn danach hatte mich die Handlung gefangen und besonders die letzten Wellen vergingen dann wie im Flug. Ich habe mit Lita gefreut, geweint und gehofft. Auch die Ausmaße des Zweiten Weltkriegs werden spürbar und das harte Leben der Fischer. Dennoch durchzieht immer ein Faden von Hoffnung und Humor das Erzählte, sodass es nie länger zu traurig wird.
Es klingt immer wieder durch, wie sehr Lita gerne eine "normale" Mutter und auch einen Vater hätte. Um eine Form von Normalität zu wahren, hat sie ein Sammelalbum angelegt mit Fotos ihrer Mutter und von Männern, die sie sich als Vater vorstellen könnte. Bei Problemen wendet sie sich zeitweise an ihren imaginären Freund "Ei", was beim Lesen etwas skurril anmutet.
Spannend fand ich die Darstellungen der neu aufkommenden Technik: Da ist zum einen Mr. Saitos Wanderkino, d. h. die ersten Stummfilmdarbietungen, die zu den Leuten getragen werden und später vom Tonfilm abgelöst werden. Und da ist der Tierarzt, der der Allgemeinmediziner im Ort ist und Dinge wie ein künstliches Trommelfell aus Schweinsblasen oder ein Gestell zur besseren Fortbewegung erfindet. Und noch viele Dinge mehr. Es passiert einerseits so viel und man wird als Leser Teil von vielen spannenden und skurrilen Gedanken von Lita, aber auf der anderen Seite hat man manchmal auch das Gefühl, dass es zu viel ist und besonders am Anfang sich vieles in die Länge zieht.
Dennoch war es eine besondere Art von Leseerfahrung, die ich letztendlich sehr genossen habe und ich habe mir auch einige schöne Zitate notiert. Nachdem die letzten Wellen doch schnell dahinglitten, gebe ich dem Roman 3.5 Punkte, die ich auf 4 aufrunde.
Fazit:
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Anfangs mit Längen, dann aber eine warmherzige und mitreißende Handlung mit allen Emotionen ("Wellen") des Lebens und wundervollem Ende!