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Veröffentlicht am 26.10.2025

Großartige Weiterentwicklung der Reihe

Bodenfrost
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Als bekennender Fan der Reihe um Kreuthner und Wallner bin ich auch von „Bodenfrost“ wieder begeistert. Chapeau für den Autor Andres Föhr, dass er das Niveau der Reihe auf Dauer so hochhält. Ich spüre ...

Als bekennender Fan der Reihe um Kreuthner und Wallner bin ich auch von „Bodenfrost“ wieder begeistert. Chapeau für den Autor Andres Föhr, dass er das Niveau der Reihe auf Dauer so hochhält. Ich spüre keine Abnutzungserscheinungen, weder bei den Figuren noch bei meiner Lesebegeisterung. Im Gegenteil, die Figuren werden immer noch ein Stückchen weiterentwickelt, ohne dass es zu viel Raum einnimmt.

Was Raum einnimmt, sind die Eigenarten der Personen. Das Schlitzohrige am Kreuthner, wie er sich selbst mit voller Geschwindigkeit in die Bredouille bringt und wieder raus schlawinert. Das Korrekte am Wallner, der irgendwie versucht, seine Truppen zu leiten und zunehmend zu schätzen weiß, was Kreuthner da so ermittelt. Und der auf einmal selbst Gesetzesgrenzen übertritt. Das Liebenswerte an Manfred, der es faustdick hinter den Ohren hat und der mich immer wieder rührt ob seiner Menschlichkeit.

Der Fall? Der erzählt sich wie immer so dahin. Es wird abgelenkt, vertuscht und gelogen. Man ahnt ein bisschen, wohin die Reise geht, aber kriegt es doch noch nicht ganz zusammen. Was für mich wichtig ist, die Auflösung ist dann stimmig.

Im Grunde freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Fall, wenn es wieder hin und her geht zwischen Gaunerei in der Mangfallmühle und Polizeiarbeit auf dem Revier.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Tiefe Einblicke in ein (Kletter)leben

Frei am Fels
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Mich hat dieses Buch von Alex Megos und Andreas Thamm nachhaltig beeindruckt. Es ist ehrlich und begeisternd zugleich.

Alex Megos, inzwischen Anfang 30, nimmt uns mit auf seine Reise als Kletterer. Vom ...

Mich hat dieses Buch von Alex Megos und Andreas Thamm nachhaltig beeindruckt. Es ist ehrlich und begeisternd zugleich.

Alex Megos, inzwischen Anfang 30, nimmt uns mit auf seine Reise als Kletterer. Vom jugendlichen Anfänger bis hin zum erfahrenen Olympioniken – in diesem Buch wird nichts ausgelassen. Erfolge werden ebenso erzählt wie Niederlagen.

Alex ist ein Teenager, als er die faszinierende Welt des Kletterns in hohen Schwierigkeitsgraden für sich entdeckt. Er erzählt von Reisen, da mag man sich gar nicht ausdenken, wie es den Eltern daheim ging. Er erzählt von bezwungenen Routen und er erzählt von seiner Besessenheit und Unruhe. Ein Tag ohne Klettern ist für ihn ein verlorener Tag. Er legt sich zwanghafte Regeln auf und gleitet in eine Magersucht. Die dazu gehörenden Gedanken werden im Buch nachvollziehbar dargelegt und auch der weite Weg, der notwendig ist, Gedankenspiralen zu verändern. Ich bin total beeindruckt, wie offen Alex diese Geschichte erzählt, wie er uns Leser teilhaben lässt an Gefühlen und Gedanken.

Für diejenigen, denen die Kletterwelt fremd ist, werden Kletterbegriffe nicht nur im Glossar aufgeführt, sondern auch im Text auf eine gut verständliche Weise erklärt. Auch das muss man erstmal schaffen, hat diese Welt doch ein eigenes Vokabular. Insgesamt finde ich das Buch sprachlich und strukturell richtig gut.
Mir gefällt sehr, dass Weggefährten, Unterstützer und Förderer im Buch ebenso ihren Platz bekommen, wie Konkurrenten oder Legenden. Nicht viele Kletterer schaffen es, auch den Sichernden zu erwähnen, ohne den es keinen Erfolg gäbe.

Hut ab vor dieser Karriere, Hut ab davor, wie Alex sich im Leben entwickelt hat und danke für diesen schonungslosen Einblick in ein Kletterleben.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Spannend, zum miträtseln und mit plausibler Auflösung

Bittere Nacht
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„Bittere Nacht“ ist der zweite Krimi des Autorenduos Kuhl + Sandrock um das Ermittlerduo Juha und Lux. Man kann das Buch sehr gut lesen, ohne den ersten Teil zu kennen.

Es ist ein spannender Fall, den ...

„Bittere Nacht“ ist der zweite Krimi des Autorenduos Kuhl + Sandrock um das Ermittlerduo Juha und Lux. Man kann das Buch sehr gut lesen, ohne den ersten Teil zu kennen.

Es ist ein spannender Fall, den sich die beiden da ausgedacht haben. Zwei Leichen an zwei Tatorten, der Zusammenhang liegt schnell auf der Hand. Was aber wirklich hinter den Morden steckt, wird ganz langsam und in mühsamer Kleinarbeit aufgedeckt. Mir gefällt es ganz ausgezeichnet, dass hier die Kleinteiligkeit der Polizeiarbeit, die vielen Beteiligten, die Sackgassen, der Stillstand und dann die kleinen und großen Durchbrüche gezeigt werden. Und so ermittele ich mit, verfange mich in falsch gelegten Fährten und habe doch im Hintergrund immer so ein Gefühl, wer hier falsch spielt.

Die einzelnen Mordfälle sind ausgeklügelt und sehr unterschiedlich angelegt. Dabei werden die Szenen ebenso wie die Hamburger Gegend äußerst plastisch beschrieben. Ich fühle mich mittendrin in der Handlung und kann mir das Geschehen bildlich vorstellen. Dieses Szenische liegt den Autoren vermutlich durch ihre Arbeit als Drehbuchschreiber im Blut.

Nicht ganz warm werde ich mit dem Ermittlerduo. Irgendwie finde ich ihr Verhältnis sehr eigen. Auch die Art der Dialoge stören mich, ich kann die (für mich) harsche Sprache teilweise nicht nachvollziehen. Man spürt, dass die Geschichte Teil einer Serie ist, denn das Privatleben der Ermittler und somit die Weiterentwicklung der Figuren spielt schon eine zentrale Rolle. Das war mir manchmal ein bisschen zu viel Begleitwerk.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Über das Aufdecken von Mechanismen

Aufsteiger
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Was für eine gewaltige Geschichte Peter Huth da erzählt. Es geht um Karriere und wie weit man sich für diese verbiegt. Es geht um (zu) viele aktuelle Themen, die täglich durch die Presse geistern: Klimakleber ...

Was für eine gewaltige Geschichte Peter Huth da erzählt. Es geht um Karriere und wie weit man sich für diese verbiegt. Es geht um (zu) viele aktuelle Themen, die täglich durch die Presse geistern: Klimakleber und deren Gegner, Feministen, Populisten, LGBTQIA+,.... Das könnte ein spannender Diskurs sein, verliert sich aber bisweilen in Wiederholungen und Klischees.

Das Buch spielt in der Verlagsbranche. Das "Magazin" soll verjüngt und erneuert werden. Der alte Chefredakteur tritt ab und Felix Licht erhofft, ja erwartet geradezu nächster Chefredakteur zu werden. Stattdessen wird ihm eine Frau vor die Nase gesetzt: ausgerechnet Zoe, die vor vielen Jahren seine Praktikantin, Vertraute und irgendwie auch Geliebte war. Spät im Buch erfährt man, warum sie damals nicht zusammenkamen und was sie dennoch ewig miteinander verbindet. Felix ist verletzt ob der Nichtberücksichtigung als Chef, streitet mit seiner Frau und verlässt die Familie. Wir erleben einen ziel- und haltlosen Mann, der in die Fänge eines Anwalts und Stimmungsmachers gerät und der ihn für seine Zwecke missbraucht. Diesen Teil des Buches finde ich extrem gut geschrieben, denn man spürt wie schnell es gehen kann, vor den falschen Karren gespannt zu werden. Gleichzeitig erlebt Zoe, dass auch sie ausgewählt wurde, weil sie ein Klischee bedienen soll. Wenn ihr Idealismus auf die Realität prallt, ist das ebenfalls sehr lesenswert.

Zu Beginn musste ich mich sehr an den Schreibstil gewöhnen. Viele Schachtelsätze, kein Satz ohne Komma oder Einschübe. Gegen Ende des Buches wurden die Sätze kürzer. Das las sich gefälliger, aber nicht mehr so ausgefeilt wie zu Beginn. Auch die vielen Wendungen zum Ende hin hätte ich nicht gebraucht. Dafür etwas mehr Tiefe in vielleicht etwas weniger Themen. Denn immer wenn in ein Thema stärker eingetaucht wurde, hat es mich gefesselt.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Faszinierend und abschreckend zugleich

Gym
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Verena Keßler taucht tief ein in die menschliche Seele. Dabei fängt alles ganz harmlos an. Die namenlose Protagonistin fängt im Service eines Fitnessstudios an, in dem die Welt in Ordnung ist: netter Chef, ...

Verena Keßler taucht tief ein in die menschliche Seele. Dabei fängt alles ganz harmlos an. Die namenlose Protagonistin fängt im Service eines Fitnessstudios an, in dem die Welt in Ordnung ist: netter Chef, gute Arbeitsbedingungen, freundliche Kolleginnen. Und lauter durchtrainierte Menschen, nur sie hat sich etwas gehen lassen in der letzten Zeit. Und so greift sie zur Notlüge, gerade entbunden zu haben. Sie sonnt sich in der Bewunderung der Menschen, die sich fragen, wie sie das alles wuppt: Kind, Vollzeit, Haushalt, Training. Und anstatt diese Lüge aufzulösen, verheddert sie sich immer mehr in ihrer Scheinwelt, definiert Muskelwachstum als einzig zählendes Ziel, koste es, was es wolle. Und es kostet!
Das Buch entwickelt einen unglaublichen Sog. Am Anfang las ich interessiert und fragte mich, wohin das Ganze wohl führt. Dann verfolgte ich den Weg der Unbekannten mit Faszination, las, wie sich ihre Obsession entwickelt. Je tiefer ich in die Figur eintauchte, desto fremder wurde sie mir. Zwischendurch haben die Beschreibungen bei mir direkt ein Ekelgefühl hervorgerufen. Und doch wollte ich verstehen, was diese Frau antreibt.
Geschickt lässt Verena Keßler immer tiefere Einblicke in die Vergangenheit der Protagonistin zu. Dadurch rundet sich das Bild einer vom Erfolg besessenen Frau ab, der die externe Sicht auf sich selbst unfassbar wichtig ist. Die sich immer wieder jemanden sucht, an dem sie sich reiben, spiegeln, messen kann.
Der Schreibstil ist sehr direkt. Am Ende der einzelnen Kapitel blitzt immer mal wieder ein ganz feiner Humor durch. Einzelne Sätze durchbrechen so die zum Teil abstoßende Geschichte.
Ich mochte das Buch, wenngleich ich mir das Ende ein ganz klein wenig weniger offen gewünscht hätte.

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