Profilbild von Libby196

Libby196

Lesejury Profi
online

Libby196 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Libby196 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.07.2025

Spannendes Thema mit einigen Längen

Ein Regenbogen für den Schah
0

„Ein Regenbogen für den Schah“ entführt die Lesenden in die turbulente Zeit der 1968er-Studentenbewegungen und verwebt politische Unruhen geschickt mit der persönlichen Geschichte zweier junger Männer, ...

„Ein Regenbogen für den Schah“ entführt die Lesenden in die turbulente Zeit der 1968er-Studentenbewegungen und verwebt politische Unruhen geschickt mit der persönlichen Geschichte zweier junger Männer, Lukas und Max. Das Cover stellt sich beim Lesen als passender Begleiter zur erzählten Geschichte heraus. Der Roman fängt die Atmosphäre jener Jahre gut ein und zeigt, wie sich Jugendliche und junge Erwachsene gegen die Gesellschaft auflehnten, während gleichzeitig eine zarte Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten entsteht.

Der Autor schildert die historischen Hintergründe eindrücklich und verleiht den Unruhen der Zeit durch detaillierte Beschreibungen ein hohes Maß an Authentizität. Die aufkommenden politischen Spannungen und die Diskussionen um das Notstandsgesetz bieten einen spannenden Rahmen, in dem sich die Beziehung zwischen Lukas und Max entwickelt. Diese wird einfühlsam und sensibel beschrieben, was besonders die emotionalen Aspekte ihrer aufkeimenden Liebe in einer Zeit unterstreicht, in der gleichgeschlechtliche Beziehungen mit gesellschaftlichen und rechtlichen Sanktionen verbunden waren.

Die Erzählweise, die zwischen den Perspektiven der beiden Protagonisten wechselt, ermöglicht einen tiefen Einblick in deren Gefühlswelt. Dies sorgt für eine gute Bindung an die Charaktere, auch wenn es manchmal schwerfällt, den Zugang zu ihnen vollständig zu finden. Leider verliert die Geschichte durch langwierige philosophische Diskussionen und gelegentlich übertriebene Monologe an Dynamik, was den Lesefluss beeinträchtigt. Diese intellektuellen Gespräche, die oft als überzogen empfunden werden, könnten weniger dominant eingesetzt werden, um das Interesse durchgehend zu halten.

Ein weiteres Manko sind die abrupten Zeitsprünge, die wichtige Schlüsselszenen unvollständig erscheinen lassen und zu einem Bruch in der Erzählung führen. Die Geschichte hätte von einer stärkeren Fokussierung auf bestimmte Themen profitieren können, da die Vielzahl an angesprochenen Aspekten – von politischer Gewalt über persönliche Traumata bis hin zur sexuellen Selbstfindung – manchmal fragmentarisch und sprunghaft wirkt.

Dennoch bietet der Roman eine spannende und informative Darstellung der 1960er und 1970er Jahre, die durch die realitätsnahe Schilderung historischer Ereignisse überzeugt. Die Liebesgeschichte zwischen Lukas und Max ist berührend und zeigt eindrucksvoll, wie schwer es homosexuelle Paare vor fünfzig Jahren hatten. Trotz einiger inhaltlicher Schwächen und stilistischer Ungereimtheiten bleibt der Roman lesenswert, besonders für diejenigen, die sich für die politische und gesellschaftliche Geschichte dieser Zeit interessieren. Allerdings bleibt abzuwarten, ob die Fortsetzung die offenen Fragen und Schwächen des ersten Teils aufgreifen und weiterentwickeln kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2025

Spannender Jugendthriller mit innovativem Thema

Scandor
1

Das Cover des Buchs gefällt mir sehr gut, es passt perfekt zum Inhalt und ist einfach mal etwas anderes, das sofort ins Auge fällt und auch haptisch eine coole Idee ist.

Ich bin sofort gut in die Geschichte ...

Das Cover des Buchs gefällt mir sehr gut, es passt perfekt zum Inhalt und ist einfach mal etwas anderes, das sofort ins Auge fällt und auch haptisch eine coole Idee ist.

Ich bin sofort gut in die Geschichte gekommen, durch Ursula Poznanskis tollen Schreibstil fliegt man nur so durch die Seiten.

Tessa und Philipp nehmen als Kanditat:innen mit insgesamt 100 Teilnehmer:innen an einem Spiel teil, bei welchem man nicht lügen darf. Der oder diejenige, der/die am längsten durchhält, gewinnt am Ende 5 Millionen Euro. Wer bei einer Lüge ertappt wird, muss sich jedoch seiner größten Angst im Leben stellen.

Diese Ausgangssituation fand ich super spannend und innovativ. Mit Tessa und Philipp haben wir auch zwei Kandidat:innen, die recht unterschiedlich an die Challenge herangehen, das fand ich super umgesetzt und nachvollziehbar erzählt. So konnte man auch immer überlegen, wie man selbst in gewissen Situationen reagieren bzw. sich verhalten würde.

Es passieren auch gleich einige merkwürdige Dinge. Die ganze Firma, die den Wettbewerb ausrichtet, ist ziemlich mysteriös. Niemand stellt sich mit richtigem Namen vor, man muss einen notariell beglaubigten Vertrag unterschreiben und seine gesamten Persönlichkeitsrechte abgeben und wird quasi permanent überwacht, damit jederzeit eine mögliche Lüge registriert werden kann.

Auch der Weg, überhaupt an der Challenge teilnehmen zu können, ist irgendwie dubios (aber hier keine Spoiler)

Ich fand es sehr spannend, teilweise zu erfahren, warum die anderen Kanditat:innen ausgeschieden sind. Das hätte gerne noch häufiger vorkommen können. Daran sieht man deutlich, dass einem im Alltag permanent Kleinigkeiten, die man wahrscheinlich nicht mal als "Lüge" bezeichnen würde, rausrutschen ... super spannend, darüber mal näher nachzudenken!

Durch verschiedene Challenges wird das ganze Spiel noch spannender und es ist den Kandisat:innen auch erlaubt, unfair zu spielen bzw. zu versuchen, Gegner:innen gezielt zum Lügen zu bringen.

Tessa und Phillip freunden sich langsam an, obwohl sie ja eigentlich gegeneinander spielen – ob das gutgehen kann? Und es häufen sich verdächtige Vorkommnisse … was steckt wirklich hinter dem Spiel?

Der Schluss des Geschichte hatte es nochmal wirklich in sich und es hat mir gut gefallen, dass die Ereignisse schlüssig erklärt wurden. Auch wie das Spiel schließlich entschieden wurde, fand ich gut gelöst.

Insgesamt fand ich das Buch richtig gut und es hat mich sehr zum Nachdenken angeregt: Wie oft und warum lügen wir im Alltag? Ist es Bequemlichkeit, Höflichkeit, Vermeidung von unangenehmen Situationen? Auf gewisses Verhalten in bestimmten Interaktionen ist man ja irgendwie konditioniert bzw. sozialisiert … Sowas wie „Mache ich gerne“, „Kein Problem“, „sorry, keine Zeit“ – obwohl man nur keine Lust hat etc. etc.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2025

Sehr gut konzipierter Triller

Die Frau vom Strand
0

Dies war das zweite Buch, das ich von Petra Johann gelesen habe und es hat mir wieder extrem gut gefallen! (Könnte eine neue Lieblingsautorin werden.) Für mich eine 5/5 - es ist aber eher ein psychologischer ...

Dies war das zweite Buch, das ich von Petra Johann gelesen habe und es hat mir wieder extrem gut gefallen! (Könnte eine neue Lieblingsautorin werden.) Für mich eine 5/5 - es ist aber eher ein psychologischer Thriller, der sich langsam und rätselhaft entfaltet.

Zunächst wird aus der Ich-Perspektive erzählt und es beginnt ganz Idyllisch: Rebecca und Lucy leben mit ihrer fünf Monate alten Tochter Greta in dem kleinen Küstendorf Rerik. Rebecca kümmert sich hauptsächlich um Greta, während Lucy unter der Woche meistens in Hamburg bei der Arbeit ist.

Bei einem ihrer täglichen Strandspaziergänge lernt Rebecca Julia kennen und freundet sich sofort mit ihr an. Daraufhin treffen die Frauen sich eine Woche lang täglich - bis Julia zu einer Essenseinladung am Samstag nicht erscheint.

Rebecca stellt Nachforschungen an, aber Julia scheint wie vom Erdboden verschluckt. Niemand hat sie gesehen, sie hat in keinem der Hotels oder Apartments übernachtet. Wer war die Frau? Und wo ist sie hin? Rebeccas Sorge steigt - doch dann findet sie auf Lucys Tablet ein Foto von Julia. Woher kannten die beiden sich? Wer spielt hier ein falsches Spiel?

Danach wechselt die Perspektive und wir begleiten die Kommissarin Edda - denn in Rerik wurde eine Frauenleiche gefunden.

Mehr will ich gar nicht verraten. Der Thriller ist sehr spannend konzipiert. Durch die Befragung der unterschiedlichen Menschen, die alle irgendwie ein kleines Stück wissen, das zur Wahrheit beitragen kann, rätselt man zusammen mit Edda, was sich zugetragen haben könnte. Dabei kommen so einige menschliche Abgründe zum Vorschein ...

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2025

Habe mehr erwartet

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Bürgermeister
0

Dies war mein erstes Buch aus der Reihe um den "Mordclub". Da ich die Hauptprotagonistinnen somit noch nicht kannte, fiel es mir manchmal schwer, mir zu merken, welche der Damen nun welche war. Dazu gab ...

Dies war mein erstes Buch aus der Reihe um den "Mordclub". Da ich die Hauptprotagonistinnen somit noch nicht kannte, fiel es mir manchmal schwer, mir zu merken, welche der Damen nun welche war. Dazu gab es noch zahlreiche Verdächtige und weitere Leute aus dem Dorf, sodass man sich wirklich viele Namen merken musste und was die jeweilige Person nun wie - wo - wann - mit wem - gemacht hat.

Die drei Freundinnen fand ich auch nicht sonderlich sympathisch. Warum sie von der Polizei sofort als zivile Beraterinnen eingestellt werden, hat sich mir nicht wirrklich erschlossen (vielleicht muss man dafür die anderen Bände kennen). Sie waren bei ihren "Recherchen" die meiste Zeit recht dreist und plump. Dass Suzie nach jedem Gespräch sofort sagt "Das ist der/die Mörder:in" war nach dem dritten Mal aich langsam nervig.

Der Plot klang eigentlich ganz spannend - der Bürgermeister des Ortes wird bei einer Stadtratssitzung umgebracht und nun muss natürlich ermittelt werden, wer dies getan hat. Dabei kommen zahlreiche Geheimnisse der anderen Mitglieder ans Licht. Die Polizei des Ortes scheint ja ziemlich unfähig zu sein und nur Handlangerdienste auszuführen, während die drei Damen "ermitteln" aka Leute bedängen, ihnen ihre Geheimnisse zu erzählen. Die Polizei kann ja nun wirklich nicht so unfähig sein, derart viele Indizien zu übersehen ...

Das Ende fand ich leider absolut unglaubwürdig. Wie die Person den Mord geplant und vorbereitet haben soll, war einfach nur haarsträubend und kein bisschen realistisch. Da hätte wirklich jede:r andere Verdächtige besser gepasst (wobei alle irgendwie sowieso mehr oder weniger kriminelle Dinge getan haben). Außerdem mag ich es nicht, wenn eine Person am Schluss über zahlreiche Seiten langwierig rekonstruiert, wie der Mord sich zugetragen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.07.2025

Konnte mich nicht packen

Der Stau
0

Ich fand die Idee wirklich gut, aber die Story konnte mich nicht so richtig packen und las sich eher zäh. Temporeich und fesselnd (wie beschrieben) war da leider gar nichts. Ein Mord auf der Autobahn und ...

Ich fand die Idee wirklich gut, aber die Story konnte mich nicht so richtig packen und las sich eher zäh. Temporeich und fesselnd (wie beschrieben) war da leider gar nichts. Ein Mord auf der Autobahn und der/die Täter:in muss noch vor Ort sein, weil der Verkehr aufgrund der Detonation einer Autobombe in einem Tunnel komplett zum Erliegen gekommen ist. Sergeant Belinda, genannt Billy, - die nach einem halben Jahr in Australien gerade wieder in England gelandet ist - und zufällig im Stau neben dem Ermordeten landet, beginnt zu ermitteln.

Alle Fahrer:innen der umstehenden Autos scheinen irgendwie etwas verbergen zu wollen. Billys Vorgehen fand ich dafür, dass sie (wie mehrmals gesagt wurde) über 30 Jahre im Dienst ist, oft nicht nachvollziehbar und eher planlos. So ganz alleine ist sie auch bei weitem nicht. Ein alter Freund, der zufällig auch bei der Polizei arbeitet, und diverse andere Officer helfen ihr über Telefongespräche bzw. Nachrichten. Ein bisschen erfährt man nach und nach auch über ihre Vergangenheit, aber zu wenig, um sie als Charakter irgendwie greifbar oder sympathisch zu machen. Es ging auch über weite Strecken zu sehr um ihren Harndrang, da hätte sich wohl mit Decken o.ä. eine Möglichkeit gefunden, sie auch bei Helligkeit abzuschirmen.

Was mich auch extrem gestört hat: Auf der Innenseite des Buchdeckels wird einfach schon die Mordwaffe genannt. Die KOMPLETTE ERSTE HÄLFTE des Buchs dreht sich darum, dass Billy nicht weiß, womit der Typ getötet wurde. Wer schreibt diese Texte und warum spoilert man da so??

Dazu waren es einfach zu viele Personen + die jeweiligen Beschreibungen ihrer Autos und der Position, in der sie sich im Stau befinden - das konnte ich mir beim besten Willen nicht alles merken und musste ständig nachschauen, wer das nun wieder war. Vielleicht hätte hier eine Skizze geholfen. Immer wieder kommen auch neue Menschen und Nebenschauplätze dazu, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben.

Einige "technische" Ungereimtheiten haben mich auch gestört. Es hieß, das lokale Telefonnetz sei wegen der Autobomben bzw. Terrorgefahr gesperrt. Soweit nachvollziehbar. Aber warum trifft das auch auf Onlinedienste zu? Teilweise kann Billy dann wieder WhatsApp versenden, muss aber Leute schicken, um nach einem Zeichen zu suchen, wo genau sie sich befinden, statt einfach bei GoogleMaps zu schauen und ihren Standort zu schicken.

Völlig unklar blieb am Ende, was es mit den Autobomben auf sich hatte und mit der Frau, die aus dem "Schrottauto" geflohen ist. Der Fall löst sich zwar auf, aber doch enorm konstruiert und mit zu vielen unrealistischen Zufällen.

Eine Anmerkung noch zur Übersetzung: Der Spruch "Jedem das Seine" (S. 180) ist sehr problematisch und hätte anders übersetzt werden sollen. Sowas müsste eigentlich auffallen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere