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Veröffentlicht am 28.05.2025

Ein schönes queeres Jugendbuch mit leicht fantastischen Elementen, ...

More Happy Than Not
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... die noch mehr hätten ausgearbeitet werden können.

Das Buch hat mir als Coming-of-Age-Geschichte eines queeren Jungen, der mit seiner Identität, seinen Lebens- und Familienverhältbissen struggelt und ...

... die noch mehr hätten ausgearbeitet werden können.

Das Buch hat mir als Coming-of-Age-Geschichte eines queeren Jungen, der mit seiner Identität, seinen Lebens- und Familienverhältbissen struggelt und in den ersten Liebesbeziehungen nach Glück sucht, gut gefallen. Die eingewebte fantastische Storyline (Gedächtnisanpassungen, um schlimme/belastende Erinnerungen zu vergessen) war mir aber irgendwie zu wenig ausgearbeitet und für die Handlung auch nicht so wirklich nötig. Ich persönlich hätte eine rein "realistische" Geschichte besser gefunden.

Ich habe die Ausgabe mit dem "neuen" letzten Kapitel gelesen, das hat mir als Abschluss nochmal gut gefallen.

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Veröffentlicht am 26.05.2025

Reise in die Vergangenheit

Klapper
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Als Millenial habe ich diesen Roman auf einer anderen Ebene gefühlt. Die Beschreibung der Kleinstadt in NRW, die Straßen, die Schule, der Ausflug zum Müller oder Mecces, Krümeleistee, das erste Mal kiffen ...

Als Millenial habe ich diesen Roman auf einer anderen Ebene gefühlt. Die Beschreibung der Kleinstadt in NRW, die Straßen, die Schule, der Ausflug zum Müller oder Mecces, Krümeleistee, das erste Mal kiffen - irgendwie haben wir doch alle dieselbe Teenagerzeit gelebt.

Einen Typen wie Klapper hatte auch fast jede:r in der Klasse (oder war es selbst), seine Wahrnehmung des Kleinstadtlebens 2011 fand ich toll beschrieben, sowohl rein sprachlich als auch die kleine Beobachtungen des Alltags, die natürlich von seinem teenagertypischen "alle missverstehen mich"-Gehabe dominiert werden.

Klapper (eigentlich Thomas, von seinen Mitschüler:innen so genannt, weil seine Gelenke immer laut knacken), knapp 16, Computernerd und Außenseiter, hat die Sommerferien alleine vor dem PC verbracht. Am ersten Schultag kommt ein neues Mädchen in die Klasse, das "Bär" genannt werden möchte. Sie setzt sich überraschenderweise neben ihn, und nach und nach entsteht eine Art Freundschaft, die vom gemeinsamen Basteln an einer Counter Strike-Map (und von Bär, die den Ton angibt) dominiert wird. Gleichzeitig kommt Bär aber auch bei den "coolen" Jungs gut an, steht mit ihnen in der Raucherecke und ist quasi der Inbegriff von Coolness.

Für meinen Geschmack hätte der Roman noch mehr in die Tiefe gehen können. Beide leben zwar in einem nach außen schicken Neubaugebiet (Bär im "Bonzenviertel"), hinter den Fassaden liegen aber größere Probleme verborgen. Klappers Mutter nimmt täglich Tabletten und ist regelmäßig in Kliniken, Bärs Mutter scheint ein ernsthaftes Alkoholproblem zu haben, sodass sie sich oft alleine um ihre 5 jüngeren Geschwister kümmern muss. Was genau ihr Vater macht - außer den ganzen Tag in Birkenstocks zu telefonieren - war mir irgendwie unklar, auch Klappers Vater zeichnet außer Neid auf die Nachbarn und hässliche karierte Hemden nichts aus. Er ist einer der typisch gleichen Reihenhausväter.

Die Gespräche zwischen den beiden Teenagern sind aber sehr einsilbig. Sie scheinen wohl zu merken, dass beim jeweils anderen etwas los ist, sprechen es aber nie aus. Das fängt zwar die Charaktere der etwas eigenwilligen Teenager ein, ist für die Story aber etwas schwierig und macht beide nur schwer greifbar.

Abwechseld wird dann aus der "Jetzt"-Zeit 2025 erzählt - Klapper, beruflich unbedeutender "Computer-Mann", stößt zufällig auf Bärs alten Counter Strike-Account - sie war seit 13 Jahren nicht mehr eingeloggt. Der größte Teil des Textes spielt 2011 und man erfährt, was damals passiert ist.

Am Ende ging es mir ein bisschen schnell, der Twist (den ich nicht habe kommen sehen), und die Folgen wurde recht knapp erzählt, komplett habe ich nicht rauslesen können, was genau nun passiert war, da kamen leider auch nicht wirklich viele Gefühle rüber.

Teilweise wirkten mir die "Nerd-Begriffe" etwas zu gewollt, die Figuren zu klischeehaft und das Ende unnötig schwer - ich hatte einen anderen Ausgang erhofft, aber es war realistisch.

Alles in allem aber ein gut erzählter Coming-of-Age-in-den-2010ern-Roman mit unerwarteter Dramatik.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Queere Liebesgeschichte mit unerwartetem Verlauf

Gestern waren wir unendlich
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Erstmal zum Oberflächlichen: Die Optik des Buchs gefällt mir sehr gut. Die Farbgestaltung und das Bild auf dem Cover haben mich direkt angesprochen, man kann hier auch schon etwas den Inhalt erahnen.
Auch ...

Erstmal zum Oberflächlichen: Die Optik des Buchs gefällt mir sehr gut. Die Farbgestaltung und das Bild auf dem Cover haben mich direkt angesprochen, man kann hier auch schon etwas den Inhalt erahnen.
Auch der Schreibstil hat mir gut gefallen. Der Zielgruppe (ich würde sagen, hauptsächlich Teenager bis Mitte 20-Jährige) angemessen, leicht verständlich und mit Elementen wie WhatsApp-Nachrichten ergänzt.

Die Geschichte um Henry und Louis wird abwechselnd aus beiden Perspektiven erzählt, sowohl in der "Jetzt"-Zeit am Tag der Familienfeier von Henrys Familie, als auch zu verschiedenen Zeitpunkten im Verlauf ihrer fast 3-Jährigen Beziehung - vom ersten Kennenlernen, über einen Umzug, Ausflüge etc.

Auf dem Rückweg von der Feier haben die beiden einen Autounfall und Henry stirbt - statt im Krankenhaus wacht Louis jedoch am nächsten morgen in seinem Zimmer auf: Und der Tag beginnt erneut. Henry scheint aber nicht zu wissen, dass sie den Tag schon einmal erlebt haben. Steckt Louis in einer Zeitschleife? Und wenn ja, warum? Soll er Henry retten oder muss er irgendwas wiedergutmachen?

Die Prämisse der Geschichte, die queere Lovestory und auch die verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven haben mir gut gefallen. Es ist keine typische Kennenlern-Geschichte, sondern die beiden haben bereits eine Beziehung, über die man nach und nach mehr erfährt. Diese wurde mir aber manchmal schon fast zu kitschig, harmonisch und perfekt dargestellt, ich konnte die Gefühle der beiden irgendwie nicht so richtig spüren und beide Protagonisten bis zum Ende nicht richtig greifen. Vor dem Hintergrund wirkt dann der Auslöser des Konflikts am Abend vor der Familienfeier etwas überzogen.

Auch haben mir teilweise etwas die "Ecken und Kanten" der Protagonist:innen gefehlt. Die einzige problematische Person ist Louis' Vater, seinen familiären Hintergrund fand ich realistisch. Henrys Verwandte hingegen erscheinen alle fast als zu nett, verständnisvoll, harmonisch (wäre ja toll, wenn es so wäre, in dem Ausßmaß ist mir persönlich eine so perfekte Familie aber noch nie untergekommen). Die Zeitschleifen wurden auch irgendwann sehr wiederholend, hier hätte ich mir mehr Abwechslung gewünscht.

Das Ende war für meinen Geschmack zu kitschig und die "Moral" auch nicht gerade bahnbrechend. Mein Fall war die Auflösung der Zeitschleife nicht wirklich, am Ende wirkte alles zu überzogen. Aber eine schöne Erinnerung daran, Glücksmomente mehr zu schätzen und zu genießen, weil man nie weiß, wie viele man noch hat!

Zwei weitere Kritikpunkte (die auch im Rahmen der Leserunde angsrprochen wurden, in der ich das Buch lesen durfte), sollen nicht unerwähnt bleiben:
- Warum muss Henrys Hund ein gezüchteter Labradoodle sein? Diese Rasse wird zu Recht kritisiert und generell sollt die Züchtung kritisch gesehen werden.
- In der Sexszene wurde kein Gedanke an Safer Sex verschwendet (kein Kondom oder Testung erwähnt), was mMn definitiv wichtig ist!

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Langweiliger Roadtrip, kein Thriller

Killer Potential
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Der Klappentext klang vielversprecheund und auch der Beginn des Buches war spannend - leider konnte diese Spannung im weiteren Verlauf nicht aufrechterhalten werden.

Evie trifft bei ihrer Nachhilfeschülerin ...

Der Klappentext klang vielversprecheund und auch der Beginn des Buches war spannend - leider konnte diese Spannung im weiteren Verlauf nicht aufrechterhalten werden.

Evie trifft bei ihrer Nachhilfeschülerin Serena ein und findet deren Eltern ermordet im Garten ihrer Villa. In einer versteckten Kammer unter der Treppe entdeckt sie außerdem eine gefesselte Frau. Nachdem sie diese losgebunden hat, taucht plötzlich Serena auf und hält die beiden Frauen für die Mörderinnen ihrer Eltern. Evie schlägt Serena im Affekt nieder und die beiden Frauen flüchten, werden davor aber noch von Serenas Freund gesehen.

Leider ging es dann wider Erwarten nicht rasant weiter, sondern der Großteil der Story handelt davon, wie Evie genervt ist, Jae (die andere Frau) anfangs kein Wort sagt, und sie sich abwechselnd mit tanken, Essen klauen und Autos knacken beschäftigen und so immer weiter durchs Land fahren. Auch die Zusammentreffen mit einigen Menschen, deren Häuser sie besetzen oder Boote klauen, können keine wirklichen Spannungsmomente erzeugen.

"Unheimlich" oder "messerschaft" fand ich die Geschichte nicht, bis auf einen Twist (der vorhersehbar war) gab es nicht "jede Menge". Ich hatte eher einen gesellschaftskritischen Thriller erwartet, in dem die Meinungen der Öffentlichkeit - die Evie zum Großteil für eine kaltblütige Mörderin und zu einem kleineren Teil für eine Art "Rächerin der Armen" halten - irgendwie mehr Raum bekommen. Oder dass Evie irgendwie versucht, zu beweisen, dass sie die Morde nicht begangen hat.

Stattdessen fangen die beiden Frauen eine Art (vor allem sexuelle) Beziehung an - das war tatsächlich mal eine positive Abwechslung. (Auch wenn ich den Weg dahin nicht wirklich nachvollziehen konnte. Am Anfang ekelt Evie sich regelrecht vor Jae. Nachdem diese gewaschen ist und eine neue Frisur hat, erkennt sie schon, dass sie gut aussieht - aber sexuelle Spannung habe ich irgendwie nicht bemerkt).
Leider konnte weder dies dies noch die Rückblenden auf die (beide irgendwie kuriosen) Biografien der Frauen die sich ständig wiederholende und dahinziehende Handlung auch nicht mehr retten.

Das Ende fand ich richtig schlecht. Evies Leben in einem Zeitraum von 5 Jahren später wird auf 20 Seiten nacherzählt, es kommen überhaupt keine Emotionen rüber und es fühlt sich überhaupt nicht nach einem Abschluss an.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Solider historischer Roman

Die Wächterin von Köln
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Ich fand das Buch im Großen und Ganzen sehr interessant, weil ich vieles über das späte Mittelalter, die Berufe und Gepflogenheiten etc. erfahren habe, was ich vorher nicht wusste (oder nur sehr oberflächlich).

Die ...

Ich fand das Buch im Großen und Ganzen sehr interessant, weil ich vieles über das späte Mittelalter, die Berufe und Gepflogenheiten etc. erfahren habe, was ich vorher nicht wusste (oder nur sehr oberflächlich).

Die Geschichte selbst war mir aber zu weit verstrickt. Es kamen zu viele Figuren vor, die ich mir irgendwann nicht mehr alle merken konnte. Vor allem, wenn sie mehrere Kapitel lang nicht erwähnt wurden und dann plötzlich wieder auftauchten.

Elsbeth ist eine starke Hauptfigur, das hat mir gut gefallen. Sie ist Wirtin eines Dirnenhauses und man erfährt durch Rückblicke in die Vergangenheit, wie sie sich ein großes Netzwerk an Kontakten aufgebaut hat, wodurch sie zu einer einflussreichen Frau werden konnte.

Die Aufklärung des Mordes, wovon ich aufgrund des Klappentextes annahm, dass es die Haupthandlung sein würde, kam aber nur sehr am Rande vor und wurde dann (für meine Begriffe) irgendwann zwischendurch nicht besonders spannend geklärt (und auch die Begründung fand ich etwas schwach).

Daneben verliert sich die Handlung in vielen Nebenschauplätzen und Beziehungen der ganzen Figuren untereinander. Die "spicy" Szenen im Dirnenhaus hätte ich persönlich nicht gebraucht, weiß aber, dass viele Leser:innen das mögen. Zumindest hat man so einen (teils krassen) Eindruck davon bekommen, was dieser Beruf für die Frauen bedeutete.

Mit einer fokussierteren Handlung und ein bisschen weniger Drumherum hätte ich das Buch spannender gefunden, denn die Idee war sehr gut und man merkt, wie viel Mühe und Recherche hineingeflossen ist!

Im Nachwort der Autorin wird auch nochmal deutlich, dass wir bspw. in Filmen oder sogar selbst der Schule nur ein sehr einseitiges Bild der damaligen Zeit erhalten. Henker werden bspw. oft als brutal dargestellt und als ob sie Spaß daran hätten, tagtäglich Leute umzubringen oder Gließmaßen zu entfernen. Dass der Beruf (wie viele andere) sehr viel komplexer war und Henker sogar mit am meisten über den Körper und die Versorgung von Wunden wussten, war neu für mich.

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