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Veröffentlicht am 10.12.2024

Traditionen über Traditionen

Immer wenn wir ...
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Jede Familie hat ihre Eigenheiten und ist individuell. In jeder gibt es Traditionen, die sich ganz speziell in ihr entwickelt haben. Davon erzählt dieses Buch. Die beiden Herausgeber*innen haben aufgeschrieben, ...

Jede Familie hat ihre Eigenheiten und ist individuell. In jeder gibt es Traditionen, die sich ganz speziell in ihr entwickelt haben. Davon erzählt dieses Buch. Die beiden Herausgeber*innen haben aufgeschrieben, was ihnen Kinder über ihre Familien erzählt haben.

Mit bunten, farbenfrohen in naiver Malerei gehaltenen Bildern begleitet die Illustratorin die Erzählungen der Kinder. Diese sind den vier Jahreszeiten zugeordnet, auch wenn sie teilweise nicht nur zu einer davon passen. Jede Jahreszeit beginnt mit einer Doppelseite auf der rechts z. B. „Frühling“ steht. Der Hintergrund ist hier in Grün gehalten, auf dem mehrere kleine Bilder Kinder und Erwachsene bei verschiedenen Tätigkeiten zeigen. Der Sommer hat den Hintergrund in Gelb und zeigt darauf andere Aktionen, der Herbst in Orange und der Winter in Blau.

Danach folgt dann schon der erste Bericht dieser Jahreszeit mit einer Doppelseite. Links ist jeweils eine etwas größere Überschrift (z. B. „Samstagsputz“ oder „Marktbesuch“), darunter folgt in relativ kleiner Schrift, im ersten Absatz dickgedruckt die Vorstellung des Kindes („Hallo, ich bin …“), dann die Beschreibung der besonderen Tradition. Am Ende des Textes ist das jeweilige Kind noch einmal mit einer Sprechblase aufgezeichnet. Dort „sagt“ das Kind, was ihm an dieser Aktion besonders gut gefällt.

Der rechte Teil der Doppelseite ist jedes Mal als großflächiges Bild angelegt. Dort sieht man dann das jeweilige Kind mit seinen Eltern und Geschwistern (oder auch Großeltern) bei der gelebten Tradition in Aktion.

Durch die ziemlich kleine Schrift eignet sich das Buch eher zum Vorlesen oder für schon geübte Leser. Günstig ist, dass man bei diesem Buch gut jede Doppelseite für sich lesen/nehmen kann, um darüber zu sprechen oder sie auf sich wirken zu lassen.

Das Buch schließt mit einer weiß unterlegten Seite mit mehreren kleinen Kinderbildern, die Kinder in Aktion zeigen, in der Mitte die Frage: „Und was macht ihr gern zusammen?“, denn es lohnt sich bestimmt für jede Familie über ihre Traditionen und die Freude, die sie bringen, einmal nachzudenken oder sich – durch dieses Buch inspiriert – neue auszudenken und anzueignen.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Wieder Hoffnung haben

Gute Gründe
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Yael hatte unfassbar viele Gründe, um einen Selbstmordversuch zu unternehmen: den Tod ihrer Eltern, ihre Depressionen, eine toxische Beziehung, u. v. m.

Doch nun soll sie mit Hilfe ihrer Schwester, deren ...

Yael hatte unfassbar viele Gründe, um einen Selbstmordversuch zu unternehmen: den Tod ihrer Eltern, ihre Depressionen, eine toxische Beziehung, u. v. m.

Doch nun soll sie mit Hilfe ihrer Schwester, deren Familie und ihrer Therapeutin genauso viele, besser noch: mehr Gründe finden, um zu leben.

Das gelingt ihr in diesem Jahr, durch das wir sie in diesem Roman begleiten, mal besser, mal schlechter, aber doch geht es stetig aufwärts.

Die Autorin schildert diese schwere Zeit ihrer Protagonistin, ihrer Angehörigen und Freunde mit viel Herzblut, Anteilnahme und feinem Humor, so dass den Lesenden trotz aller Schwere immer noch ein kleines Aufatmen und Hoffnungschöpfen bleibt.

In der Danksagung der Autorin am Ende des Buches erfährt man zwischen den Zeilen, dass sie selber etwas Ähnliches durchgemacht haben muss. Das ist der Geschichte beim Lesen die gesamte Zeit zu anzumerken, denn sie schildert alles sehr authentisch und – auch für Nicht-Betroffene – nachvollziehbar.

So geht man als Lesende mit Yael durch alle Höhen und Tiefen und leidet mit, auch mit ihrer Schwester, die sich einfach unfassbar viel Mühe mit ihr gibt.

Besonders beeindruckend ist auch das Frauenschwimmbad am/im Meer, dass es, wie die Autorin am Ende ihrer Danksagung schreibt, wirklich in Australien gibt.

Dieses Buch punktet vielleicht nicht mit dem, was allgemein so als „Spannung“ angesehen wird. Aber es punktet in seiner Schilderung einer psychischen Erkrankung mit seiner Authentizität, seinem Sich-Einfühlen, seinem Nahebringen, seinem feinen Humor und seinem Hoffnunggeben.

Und so ist es doch durch und durch spannend, weil man als Lesende mit Yael (und auch ihrer Schwester) mitgeht, mitfiebert und mithofft.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Die wunderbare Bergwelt in dunklen Zeiten

Über allen Bergen
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In ihrem Roman schreibt die Autorin über einen jüdischen Jungen, der im Januar 1943 aus Paris in die französischen Alpen in ein abgelegenes Bergdorf geschickt wird, um vor den Deutschen in Sicherheit gebracht ...

In ihrem Roman schreibt die Autorin über einen jüdischen Jungen, der im Januar 1943 aus Paris in die französischen Alpen in ein abgelegenes Bergdorf geschickt wird, um vor den Deutschen in Sicherheit gebracht zu werden, offiziell und unter falschem Namen wegen seines Asthmas.

Vadim oder Vincent, wie er jetzt heißt, erlebt seine Fahrt im Zug weg von seiner Mutter mit der ihn begleitenden Nonne und den darauffolgenden Aufstieg in die Berge wie im Traum. Alles hier ist weiß. Meterhoch stehen die Schneewände an den freigeräumten Wegen und Straßen. Und plötzlich kann er auch wieder atmen: Die kalte Luft kleidet seine Bronchen aus und lässt ihn uneingeschränkt atmen.

Von dem ersten Berg, den er bei klarem Wetter vor sich sieht, ist er überwältigt. Die ganze Landschaft bezaubert ihn. Alles erlebt er zum ersten Mal. Dieses Erleben beschreibt die Autorin so zartfühlend und eindringlich, dass sich die Lesenden ebenso in diesem eingeschneiten Bergdorf wiederfinden und es sich vor Augen malen können.

Der Winter dauert hier in den französischen Alpen nahe der Schweiz besonders lange und so kann Vincent voll in ihn und sein neues Leben ohne Eltern, aber mit Menschen, die ihn akzeptieren, mögen und versorgen, eintauchen und lernen, es zu lieben.

Der Frühling bringt neue Herausforderungen, Ansichten der Bergwelt und Bekanntschaften mit sich, ebenso der Sommer. Stets ist alles neu für Vincent und er erlebt viele erste Male und die Lesenden mit ihm. Auch seine einsetzende Pubertät und das erste Verliebtsein beschreibt die Autorin sehr feinfühlig.

Doch am Ende muss Vadim sehr schnell erwachsen werden.

Ein sehr feinfühlig geschriebenes auf Tatsachen beruhendes Buch, dass die Dunkelheit dieser Zeit nicht ausblendet, aber zeigt, wie Menschen Licht und Wärme hineingebracht haben, um ihr zu widerstehen und anderen zu helfen, und das alles aus der Sicht eines Heranwachsenden in seiner kleinen Welt. Ein Buch für schöne Lesestunden!

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Veröffentlicht am 22.11.2024

Faszinierend

Leuchten am Meeresgrund
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Der Autor legt hier ein prall mit Fakten gefülltes Buch in Berichtform vor, wie die Lesenden an seinem Anhang mit der langen Anmerkungsliste zu jedem einzelnen Kapitel und der ebenso langen Bibliografie ...

Der Autor legt hier ein prall mit Fakten gefülltes Buch in Berichtform vor, wie die Lesenden an seinem Anhang mit der langen Anmerkungsliste zu jedem einzelnen Kapitel und der ebenso langen Bibliografie mit dem Nachweis von verwendetem Archivmaterial, Literatur, Zeitungsartikeln und Tondokumenten sofort sehen können.
Dies ist eine große Stärke des Buches, da die Lesenden sich auf die Aussagen des Autors zu seinem Thema verlassen können. Es ist aber andererseits auch eine Schwäche für die Lesenden, die sich in der Thematik und der historischen Zeit mit all ihren Personen vor dem Lesen des Buches nicht so gut und genau auskennen. Bei vielen Schilderungen ist man noch dazu durch ihre komprimierte Darstellung schnell abgehängt und überfordert. Einzelne Kapitel von wenigen Seiten Länge scheinen Stoff für ein eigenes Buch zu bieten, ganze Lebensgeschichten werden auf wenigen Seiten erzählt, z. B. das der Mona Williams von S. 209 bis S. 212 oder von Dr. Barry von S. 200 bis 202. Fast scheint es, als könnte der Autor sein immenses Wissen auf diesen wenigen Seiten gar nicht unterbekommen.
Bei einigen Schilderungen, z. B. über die Reisen von Beebe oder die Piratengeschichten, wären Landkarten hilfreich gewesen, um sie besser nachvollziehen zu können. Auch benutzt der Autor viele Fach- und Fremdwörter, die nicht übersetzt oder erläutert werden. (Was sind z. B. Femoralhernien?, S. 200 – „Leistenbrüche“)
Gerade aber die Schilderungen der Tauchgänge und Beebes Empfindungen dabei sind faszinierend beschrieben, ergänzt durch die Logbucheinträge und Zeichnungen. Wie besonders, dass diese von den ZeichnerInnen nur durch Hörensagen angefertigt wurden, da sie selber diese Meereslebewesen ja nicht gesehen hatten.
Erschreckend aus heutiger Sicht sind die „Untersuchungsmethoden“ der „entdeckten“ und beobachteten Tiere zu Land und zu Wasser: Um sie mitnehmen, untersuchen, zeichnen und zeigen zu können, wurden sie von den „Forschern“ einfach „abgeknallt“ (S. 118).
Die meisten Zeichnungen sind leider in zwei Blöcken „irgendwo“ im Buch angelegt und nicht dort, wo die Abbildungen erwähnt werden. Allerdings startet jedes Hauptkapitel, die jeweils in mehrere Unterkapitel eingeteilt sind, mit einer Schwarzweiß-Zeichnung oder einem Schwarzweiß-Foto. Das Bild der Bathysphäre hätte sehr gut gleich an den Anfang des Buches gepasst, da es im ersten Kapitel gleich mit der Schilderung eines Tauchganges startet. So aber tauchen die ersten Bilder erst im „Piratenkapitel“ S. 95 bis S. 97 (auch sehr komprimiert) auf, mit dem sie eigentlich nichts zu tun haben.
Alles in allem ein sehr faszinierendes Buch, das den Lesenden, die nicht so viel Vorwissen haben oder eine stringente Beschreibung der Ereignisse erwartet haben, aber einiges abverlangt.

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Veröffentlicht am 10.11.2024

Muss das so sein?

The Freedom Clause
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Muss in einer mehrjährigen Ehe der Alltag die Lust am Sex auffressen? Ist das immer so? Und wenn ja, warum? Was kann man dagegen tun?
Daphne und Dominic erleben genau diese Flaute im Bett, nachdem sie ...

Muss in einer mehrjährigen Ehe der Alltag die Lust am Sex auffressen? Ist das immer so? Und wenn ja, warum? Was kann man dagegen tun?
Daphne und Dominic erleben genau diese Flaute im Bett, nachdem sie jung geheiratet haben und nun schon ein paar Jahre zusammenleben. Vor allem Dominic leidet darunter und schlägt seiner Frau darum vor, für eine Nacht im Jahr die Ehe zu öffnen, also einen Freifahrtschein für beide einmal im Jahr.
Daphne findet diesen Vorschlag ganz furchtbar und zweifelt an seiner Liebe und ihrer Ehe. Aber als sie bemerkt, wieviel ihm daran liegt, geht sie auf den Vorschlag unter einigen Voraussetzungen ein: nur einmal im Jahr über fünf Jahre hinweg, nie mit der gleichen Person (also keine Affären), keine Verwandten oder Bekannten, Stillschweigen gegenüber dem anderen und Freunden und Bekannten.
Was sich für Dominic ganz toll anhört, ist für Daphne eine furchtbare Vorstellung, doch so langsam beginnt sie ihre Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren, was vorher nicht der Fall war. Doch hält eine Ehe das aus?
Dieses Buch ist die Geschichte einer durch Erziehung recht angepassten jungen Frau, die durch einen seltsamen Vertrag mit ihrem Mann gezwungen wird, über sich und ihr Leben neu nachzudenken. Dadurch wird sie über die Zeit hinweg selbstbewusster. Sie beginnt sich über ihre Wünsche und Vorstellungen (nicht nur beim Sex) bewusst zu werden und krempelt ihr Leben um.
Die Autorin schafft es mit ihrem Schreibstil und den Wendungen ihrer Geschichte die Lesenden den ganzen Roman über in Spannung zu halten, denn man weiß nie genau, was geschehen wird, auch wenn man denkt, es zu wissen oder zu ahnen. Auch wer sich so eine Vereinbarung für sich selber überhaupt nicht vorstellen kann (genauso wie Daphne …), kann viel über sich selbst erfahren. Daphnes und Dominics Erleben werden gleichermaßen ausführlich geschildert, wobei für mich die Sympathien meistens klar bei Daphne liegen.
Die Idee für diesen Roman schildert die Autorin in ihrem Nachwort, was ich sehr gut und aufschlussreich finde.
Ein rundherum lesenswerter Roman, gerade auch mit der Frage: Welches Bild haben wir Frauen von uns selbst?

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