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Veröffentlicht am 29.03.2021

Das perfekte Gute-Laune-Buch für den Frühling

Liebe treibt die schönsten Blüten
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„Liebe treibt die schönsten Blüten“ ist ein wirkliches Gute-Laune-Buch, das beim Lesen rundum Spaß macht und einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das beginnt bereits bei einem Blick auf das Cover voller ...

„Liebe treibt die schönsten Blüten“ ist ein wirkliches Gute-Laune-Buch, das beim Lesen rundum Spaß macht und einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das beginnt bereits bei einem Blick auf das Cover voller Blumen und geht weiter mit einer rundum schönen Geschichte mit liebenswerten Charakteren. Ich habe mich beim Lesen wirklich wohl gefühlt und hatte tolle Lesestunden – und habe noch ein bisschen was über das Gärtnern gelerntJ.

Svea schreibt schon seit Jahren an ihrer Doktorarbeit über Insekten und arbeitet nebenher an der Uni. Es ist eher eine bequeme Zweckehe als eine Leidenschaft – zumindest was den Job an der Uni angeht. Als ihr Vater beruflich kürzer treten muss steigt sie daher in den Familienbetrieb, ein Gartenbauunternehmen, ein, und findet sich plötzlich statt zwischen Büchern und Studenten zwischen Angeboten, Pflanzen und Natursteinen wieder. So viel Spaß ihr diese neue Herausforderung auch bereitet – sie merkt, dass ihr doch vieles beginnt über den Kopf zu wachsen. Es wäre schon gut, wenn da nicht nur ihre beste Freundin Elisabeth und der dicke WG-Kater wären, sondern auch eine männliche Schulter zum Anlehnen. Aber die Dating-App spuckt leider nur komische Kandidaten aus und der Auserwählte aus dem wahren Leben – ja der scheint das Ganze nicht wirklich mitzukriegen. Ob sich das noch ändern wird?

Wie gesagt, ich hatte richtig Spaß an dem Buch. Der Schreibstil ist locker und leicht aber nicht kitschig oder überdreht. Jedes Kapitel wird mit einem (längeren oder kürzeren) Abschnitt aus einem Werk zur Insektenforschung eingeleitet das sprachlich zwar antiquiert anmutet, aber ein paar interessante Informationen – und natürlich die ein oder andere Parallele zu den Geschehnissen in dem Kapitel, bietet. Diese Einführungen stehen klar in Kontrast zu dem weiteren Schreibstil- mir haben sie aber gut gefallen und ich habe sie gerne gelesen.

Auch die Charaktere haben mich wirklich überzeugt, einfach, weil sie so normal sind. Es sind Menschen wie du und ich, die auch ganz normale Probleme haben. Seien es Rückenschmerzen oder fehlende Kinderschnuller. Man fühlt sich, als würde man direkt dazu gehören, als würde man die Personen aus der Nachbarschaft kennen und nicht, als wäre man nur Zuschauer in der Geschichte. Mir gefällt die fröhliche unbekümmerte Art von Elisabeth, der besten Freundin der Protagonistin, und auch Sveas Art finde ich sehr sympathisch. Die Charaktere sind einfach wirklich lebensnah und das hat mir von der ersten bis zur letzten Seite super gefallen.

Oben habe ich geschrieben, die Geschichte ist ein Gute-Laune-Buch und das ist sie absolut. Man fühlt sich wohl und fiebert in allen Lebenslagen mit Svea mit. Manchmal möchte man ihr auch wirklich ins Gewissen reden bzw. schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, aber niemals hat man das Gefühl, dass die Geschichte irgendwo unrealistisch wird und sie einen verliert. Genau so könnte es jedem von uns gehen – aus meiner Sicht, ein Riesenpluspunkt des Buches! Auch, dass das Buch nicht einfach nur eine Liebesgeschichte ist sondern auch Sveas berufliche Herausforderungen ziemlich auf gleicher Augenhöhe betrachtet werden fand ich klasse und gibt der Geschichte auf jeden Fall nochmal einen zusätzlichen Kick. Manchmal habe ich ganz vergessen, dass, zumindest nach dem Titel, die Liebe ja im Vordergrund steht =D.

Besonders toll fand ich auch die kleinen Besonderheiten, die die Autorin in das Buch gepackt hat. Hier mal eine Anekdote, dort eine Anspielung oder ein besonderes Zitat – das hat einfach Spaß gemacht. So die kleinen Dinge, neben der eigentlichen Geschichte.

Ein kleinen Makel hat die Geschichte für mich aber dennoch: Für mich ging es gerade zum Ende hin etwas zu schnell. Hier hatte ich ab und zu das Gefühl, ein Thema sollte möglichst schnell aufgelöst werden und man geht den einfachen Weg, bzw. die Seitenzahl war zu Ende und man musste noch möglichst schnell eine Lösung finden. Nicht falsch verstehen – die Geschichte ist super so wie sie ist und für mich auch rund – aber mir ging zum Ende hin manches einfach zu schnell bzw. zu glatt.

Dennoch: Allen, die sich jetzt gerade überlegen, welches Buch das Richtige ist, um sich damit in den Gartenstuhl zu setzen kann ich nur sagen: „Liebe treibt die schönsten Blüten“ ist perfekt dafür und macht euch richtig gute Laune!

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Humor
  • Cover
Veröffentlicht am 28.02.2021

Wichtiges Thema, humorvoll und sexy aufbereitet!

Bucket List – Nur wer fällt, kann fliegen lernen
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Viele von uns haben sicher damals über die Brustamputation von Angelia Jolie gelesen – etwas schockiert oder berührt, vielleicht hat auch der ein oder andere das Thema gegoogelt. Aber bei vielen, mich ...

Viele von uns haben sicher damals über die Brustamputation von Angelia Jolie gelesen – etwas schockiert oder berührt, vielleicht hat auch der ein oder andere das Thema gegoogelt. Aber bei vielen, mich eingeschlossen, ist es sicher auch wieder in den Hintergrund gerückt. – „Bucket List – Nur wer hinfällt kann fliegen lernen“ nimmt sich genau diesem wichtigen Thema an und setzt es in einen Kontext wo es auf den ersten Blick überhaupt nicht hingehört – auf den zweiten Blick aber nicht passender sein könnte: Die eigene Erfahrung mit dem Körper und die eigene Sexualität.

Lacey, 25 und ein typisches New Yorker Fashion-Girl, erhält direkt zu Beginn des Buches die Diagnose, dass sie die BRCA1-Mutation in sich trägt – eine Genmutation, welche zu einem sehr hohen Brustkrebsrisiko führt. Ihre Mutter hatte Sie bereits als kleines Mädchen an den Brustkrebs verloren. Wie erwartet, stellt diese Diagnose ihr Leben auf den Kopf, allem voran die Fragen nach dem „wie geht es weiter?“. Der Plan einer vorsorglichen Masektomie, d.h. einer Brustamputation, ist die einzige Methode, das Krebsrisiko auf nahe Null zu reduzieren – aber will und kann man mit 25 wirklich schon so eine Entscheidung treffen? Gemeinsam mit ihren Freunden erarbeitet sie eine Bucket List mit 10 Dingen, die sie tun möchte, bevor sie die Masektomie durchführen lässt: Aktfotos, Sex mit einer Frau oder Oben ohne Sonnen – all das sind Teile davon. Sie gibt sich sechs Monate um die Bucket List abzuarbeiten und eine Entscheidung zu treffen. Dass diese sechs Monate ihr Leben verändern – unbestritten, doch nicht nur wegen der Krankheit sondern vor allem, weil sie erkennt, dass sie die Hauptperson in ihrem Leben ist und kein Anderer.

Ich muss sagen, die Idee so ein doch sehr schweres Thema auf diese Weise anzugehen hat mir sehr gut gefallen. Einfach weil man viel im Fernsehen sehen, oder im Internet lesen kann – wenn man nicht betroffen ist, liest man darüber hinweg. Ebenso das Thema Krebsvorsorge – gerade bei Jüngeren ja häufig ein „noch nicht nötig“-Thema. Hier wird der Spieß umgedreht: Ein junges Mädchen erhält die Diagnose, man durchlebt mit ihr die Zeit vom ersten Anruf, die Information und auch die Zeit des Verdrängens. Wenn man dieses Buch gelesen hat, sieht man das Thema nochmal mit anderen Augen. Davon abgesehen, dass man auch unser Gesundheitssystem mit anderen Augen sieht. Die Fragen vor denen Lacey steht – was bezahlt meine Krankenkasse, kann ich mir diese (medizinisch notwendige) Operation überhaupt leisten? Solche Fragen müssen wir uns in Deutschland zum Glück nicht stellen.

Ich fand die Darstellung des Themas absolut gelungen – man leidet mit Lacey und man verfällt mir ihr in den Rausch. Beim Lesen habe ich mir ab und zu gedacht, dass mir das Thema „Sex“ zu deutlich in den Vordergrund gerutscht ist und mir etwas too much war – andererseits: Es gehört hier hin. Wenn eine Frau ihre Brüste verliert, stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Sexualität – daher war es für mich dann doch schlüssig. Lacey als Protagonistin fand ich allerdings an manchen Stellen durchaus etwas anstrengend. Diese Hin- und Hergerissenheit, diese Lügen, das ging mir teilweise gehörig gegen den Strich. Gefallen hat mir aber ihre Entwicklung –von dem oberflächlichen „Girlie“ zu einer Frau die über sich hinauswächst, die weiß was sie will und was ihr wichtig ist. Insbesondere im dritten Teil des Buches steht ihr erster Instagram-Post für mich für alles, was die Geschichte in ihr bewirkt hat. Insgesamt, das Ende finde ich wirklich stark, der Weg dahin, war teilweise nicht ganz so meins.

Die Nebencharaktere fand ich teilweise „zu weit weg“. Gerade Steph, Laceys beste Freundin, ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten Bezugspersonen für Lacey und ich finde sie wirklich toll, aber gerade ihr Verhalten auf der Hochzeit oder zu Beginn der Party als sie Luna kennenlernt ist für mich ebenfalls wieder zu viel, zu übertrieben. Klasse dargestellt fand ich dagegen Bee, Laceys Freundin aus dem Brustkrebs-Forum, eine resolute Frau die zeigt wie verletzlich einen diese Krankheit macht, und Mara, Laceys Schwester, bei der man erst ganz zum Schluss hinter ihr eigentliches Ich blicken kann.

Insgesamt ist das Buch deutlich lockerer, als an man der Thematik erwarten würde, es ist keine Biographie und es geht auch nicht um Lehrbuch-Wissen. Lacey ist eine wie du und ich, das Buch zeigt, dass es jede treffen kann, und so ist es auch geschrieben. Locker leicht, ohne erhobenen Zeigefinger, aber wer es gelesen hat, wird auf jeden Fall etwas nachdenklicher, was das Thema angeht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.02.2021

Auf der Suche nach einem Neuanfang

Unsere allerbeste Zeit
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„Das größte Vergnügen im Leben besteht darin, das zu tun, von dem die Leute sagen, du könntest es nicht“ – dieses Zitat von Walter Bagehot ist den Buch „Unsere allerbeste Zeit“ vorangestellt und aus meiner ...

„Das größte Vergnügen im Leben besteht darin, das zu tun, von dem die Leute sagen, du könntest es nicht“ – dieses Zitat von Walter Bagehot ist den Buch „Unsere allerbeste Zeit“ vorangestellt und aus meiner Sicht nicht nur ein großartiges Zitat an sich, sondern es bildet auch genau den richtigen Rahmen für diesen Ro-man. Ehrlicherweise kann ich mit den wenigsten Zitaten, die auf den ersten Seiten der Bücher stehen etwas anfangen – hier passt es aus meiner Sicht perfekt.

Denn genau so geht es der vierundvierzigjährigen Katja: Die steht mitten im Leben, eine tolle Wohnung in Hamburg, einen guten Job in einer Agentur und gute Freunde. Dieses Leben lässt sie allerdings ohne große Überlegungen hinter sich, als sie von ihrer besten Freundin erfährt, dass ihre Mutter zunehmend dement wird. Also zieht Katja zurück in ihre Heimatstadt Stuttgart und lässt ihr altes Leben hinter sich. Doch die neue Situation ist absolut ungewohnt für sie – an einigen Tagen ist ihre Mutter wie immer, dann wieder erkennt sie ihre Tochter nicht mehr. Der große Bruder: Ohne Interesse an der Situation der Mutter, der neue Job in der Niederlassung der alten Agentur: An sich gut, wäre da nicht das unmotivierte Team. Und die neue Wohnung: Voller komischer Mitbewohner und nicht mit Hamburg zu vergleichen. Zum Glück sind ihre beste Freundin und ihr Freund aus Schulzeiten immer für sie da und unterstützen Sie – bei sämtlichen Neu-anfängen die da kommen.

Ich finde die Thematik des Buches absolut wichtig: Jeder von uns muss sich mit dem Älterwerden der eige-nen Eltern beschäftigen – einem Thema, das die meisten erstmals ausblenden möchten. Eltern werden nicht alt. Genau dieses Thema bildet hier den Rahmen für Katjas Geschichte – und das finde ich eine sehr gute Idee. Auch der Umgang mit der Krankheit und den Fragen mit denen Katja zu kämpfen hat, haben mir gefallen. Ich bekomme in der eigenen Familie diese Fragen gerade auch mit und fand sie realitätsnah darge-stellt.

Das Buch ist aus meiner Sicht kein klassisches „Gute-Laune-Buch“ – auch kein typischer „Wohlfühlroman“ würde ich sagen. Es geht um die Fragen des Älterwerdens um Familie und Freunde und um die Frage: „Was will ich eigentlich“. Hier steht Katja vor den verschiedenen Fragen – sowohl beruflich als auch in Bezug auf Beziehungen oder ihre Familie und merkt, dass alles irgendwie zusammenhängt. In dieser Suche erkennt sie, dass – Lebenserfahrung hin oder her – der erste Eindruck den von einem Menschen oder einer Situation hat, nicht immer der Richtige sein muss und dass der Blick hinter die Fassade hier das Einzige ist was hilft.

Katja fand ich als Protagonistin sehr gut - insbesondere sehr authentisch. Ich habe mit ihr mitgefühlt und konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen. Ich finde aber sie wirkt erst richtig im Kreis der Nebencharakte-re und da muss ich sagen: Großer Respekt für die Autorin: Die Nebenfiguren sind aus meiner Sicht toll be-schrieben und geben dem Buch ein ganz eigenes Flair. Insbesondere den Vermieter mochte ich immer lie-ber – auch so eine Nebengeschichte, die dem Buch sehr gut tut. Denn jede Figur steht da mit ihrer kleinen oder größeren Geschichte und ihrer Vergangenheit – ich konnte sie mir absolut gut vorstellen. Sei es unter dem kleinen Apfelbaum oder beim Klavierspielen. Die Hausgemeinschaft, aber auch Katjas Familie fand ich toll. Es gab nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen – auch wenn manche Dramen dann doch vielleicht etwas „too much“ für die Idylle waren, hat die Geschichte für mich absolut gepasst.

Warum gebe ich dem Buch nur vier Sterne – was hat mir also gefehlt: Ich kann es garnicht genau sagen – mich hat das Buch irgendwie nicht mitgerissen. Ich mochte die Thematik und auch die Figuren – ich habe aber nicht mit Katja mitgefiebert, so wie ich es in anderen Romanen tue. Das Buch ist aus meiner Sicht aber dennoch absolut lesenswert und regt zum Nachdenken an. Denn man ruft sich dann wieder ins Auge, dass es die kleinen Dinge sind die zählen und das Familie eben doch das Wichtigste ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.01.2021

Honigsüße Geschichte mit einigen Schwächen

Sweet like you
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„Sweet like you“ ist genau das richtige Buch, um sich in den Garten oder auf den Balkon zu setzen, vielleicht einer kleinen Biene in einer Blüte zuzusehen und einfach abzuschalten. Es ist eine wirklich ...

„Sweet like you“ ist genau das richtige Buch, um sich in den Garten oder auf den Balkon zu setzen, vielleicht einer kleinen Biene in einer Blüte zuzusehen und einfach abzuschalten. Es ist eine wirklich schöne Liebesge-schichte ohne große Dramen die einfach gute Laune macht

Cassie ist erfolgreich in der Marketingbranche und liebt ihren Job in New York. Umso überraschter ist sie, als sie durch ein Paket aus einer kalifornischen Kleinstadt zurück in ihre Teenagerzeit katapultiert wird. Der Inhalt des Pakets: Ein Glas Honig und die Information, dass sie aufgrund der Todes ihrer Tante als letzte lebende Verwandte zur Interim-Bürgermeistern der Stadt namens „Honey Springs“ ernannt wird und sich dort bitte schnellstmöglich einfinden soll. Verwirrt und absolut nicht gewillt Bürgermeisterin zu werden, fliegt Cassie dennoch nach Honey Springs und stellt fest, dass sie doch nicht nur schlechte Erinnerungen an diesen Ort hat…

Wie gesagt, es ist eine wirklich süße Geschichte. Ich mochte insbesondere die Kleinstadt Honey Springs – ich konnte mir direkt das Ortsschild mit dem Verweis auf die 4.000 fliegenden Bewohner der Stadt vorstellen und auch die Idee, dass jeder Laden in seinem Namen einen Bezug zu Bienen aufweisen soll (bzw. man als „aufmüpfig“ angesehen wird, wenn man es nicht tut) hatte Charme. Insgesamt klingt der Ort total freundlich – jeder kennt jeden, jeder hilft jedem, nach dem Motto einer für alle und alle für einen. Ich habe mich di-rekt „zuhause“ gefühlt und hatte Spaß, am Kennenlernen der Bewohner. Dass es natürlich auch eine Wort-führerin geben muss war klar – das hat man ja auch auf dem Dorf häufig. Ehrlicherweise fand ich die Figur aber zu stark überzeichnet. Natürlich hatte sie auch ihre netten und weichen Seiten und die Wandlung zum Schluss hin hat mich schon überrascht, aber dieses schwarz / weiß und diese fast feindselige Einstellung gegenüber Neuem fand ich gerade zu Beginn sehr anstrengend.

Insgesamt muss ich sagen, dass mich das Buch auch erst ab ca. der Mitte richtig mitreißen konnte. Ich kann garnicht genau sagen wieso – aber ich denke es lag daran, dass mich die Protagonistin doch etwas genervt hat. Sie ist vom Typ her sehr naiv und gutgläubig und tritt in so ziemlich jedes Fettnäpfchen, dass sich ihr bietet. Aber irgendwie nicht auf diese charmant witzige Art, sondern, ich weiß nicht wie ich es genau be-schreiben soll, so vorhersehbar. Das fand ich teilweise etwas anstrengend, vor allem, weil es aus meiner Sicht nicht zu dem Bild von ihr gepasst hat, dass am Anfang gezeichnet wird: Sehr auf ihren Job fokussiert, zielstrebig und klar auf das Wesentliche bedacht.

Später im Buch, als sie dieses Klein-Mädchenhafte abgelegt hatte fand ich sie deutlich sympathischer, und mir hat insbesondere ihre Idee für die Stadt gefallen.

Was die anderen Personen angeht bin ich hin- und hergerissen. Nick, den männlichen Hauptcharakter fand ich super. Ein netter Kerl, absolut authentisch ohne viel Schnickschnack – ich mochte sein Wesen und auch die Art wie er sich um Cassie bemüht und wie er zuhört. Für mich absolut der am besten gezeichnete Cha-rakter in dem Buch.

Die Nebenfiguren konnten mich nur so halb überzeugen. Über die „Dorfchefin“ hatte ich ja oben schon geschrieben, die Mitarbeiter aus dem Bürgermeisterbüro. Ich weiß nicht – dieser Wechsel zwischen „total begeistert“, dass sie Cassie kennenlernen durften und dann teilweise sehr gemein, das hat für mich das idyllische Bild der Kleinstadt irgendwie etwas zerstört. Vor allem weil es wieder sehr viel schwarz /weiß war.

Zur Geschichte an sich – dass es eine Liebesgeschichte gibt ist schon aus dem Klappentext deutlich. Wie sich diese entwickelt hat, hat mir sehr gut gefallen, insbesondere die kleinen Gesten von Nick an Cassie. Ebenso fand ich schön, dass der Liebesgeschichte auch noch die Aktion für die Stadt zur Seite gestellt wurde, sodass beide Themen mit einander kombiniert wurden, und nicht nur die Geschichte um Nick und Cassie im Vor-dergrund stand. Aber und das ist vielleicht ein kleiner Wehmutstropfen: Aus meiner Sicht war es doch sehr vorhersehbar was passiert – es gab nicht mal wirklich viele Wendungen – es war relativ gradlinig und auch das ein oder andere Hin- und Her war doch recht schnell gelöst. Und was mich zum Schluss tatsächlich ge-stört hat war dieses absolut komische Verhalten zum Schluss: Sowohl von Nick als auch die Art von Cassie auf der Bühne noch das Publikum anzuheizen – es geht um ihre Liebe die sich gerade wieder entwickelt. Ich weiß nicht, das hat nicht zu der schönen, romantischen Geschichte gepasst, die ich bis eigentlich zu den letzten zehn Seiten gerne mochte.

Insgesamt, auch wenn sich vieles vielleicht etwas negativ liest: Mir hat das Buch auf jeden Fall gefallen und mich gut unterhalten. Es war für mich die richtige Zeit um einfach abzuschalten und ein bisschen zu träu-men und dafür ist das Buch genau richtig. Die Atmosphäre ist schön, bei der Liebesgeschichte kommt man durchaus ab und zu aus dem grenzdebilen Grinsen nicht mehr raus und aufgrund der doch etwas skurrilen Kleinstadtbewohner gibt es durchaus auch etwas zu Lachen.

Wer solche Geschichten gerne liest, der hat mit „Sweet like you“ auf jeden Fall einige schöne Lesestunden!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.11.2020

Locker, lustig – zum Wohlfühlen

Aller guten Dinge sind zwei
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Ich muss sagen, der Klappentext hat mich am Anfang etwas von diesem Buch abgehalten. Er klang für mich einfach eine Spur zu vorhersehbar um wirklich Spaß an diesem Buch zu haben. ABER: Zum Glück habe ich ...

Ich muss sagen, der Klappentext hat mich am Anfang etwas von diesem Buch abgehalten. Er klang für mich einfach eine Spur zu vorhersehbar um wirklich Spaß an diesem Buch zu haben. ABER: Zum Glück habe ich einen Blick in das Buch gewagt! Dieses Buch ist aus meiner Sicht sehr viel tiefgründiger als der Klappentext vermuten lässt – es ist locker und lustig geschrieben, ein klassischer Wohlfühlroman, in dem aber auch sehr viel Nachdenkliches liegt. Mich hat der Roman zu 100%
überzeugt!

Laurie ist Mitte 30 und eine erfolgreiche Anwältin – lebt in ihrem Traumhaus in Manchester – gemeinsam mit ihrem Traummann, Dan, ihrem ersten Freund mit dem sie seit mittlerweile 18 Jahren zusammen ist. Entsprechend überrascht ist sie, als Dan sie kurzer Hand verlässt weil er das Gefühl hat, etwas in seinem Leben zu verpassen. Dass die beiden auch noch in der gleichen Kanzlei arbeiten macht es für Laurie noch schwieriger ihren Liebeskummer zu überwinden – immerhin waren sie und Dan das Traumpaar der Kanzlei. Und weil es natürlich immer noch schlimmer kommt, bleibt sie pünktlich zum Start ins Wochenende mit Jamie, dem Frauenheld der Kanzlei, im Aufzug stecken. Was die beiden während der Aufzug“fahrt“ und dem anschließenden Absacker für einen Plan aushecken ist so kurios wie einfach: Eine Fakebeziehung mit Vorteilen für beide Seiten. Was ist schon dabei – und einen Versuch ist es doch wert, um Dan wieder zurückzuerobern.

Ich habe mich direkt ab der ersten Seite total wohl mit dem Buch gefühlt. Laurie ist eine Hauptfigur, die man einfach gern haben muss. Sie ist offen und sympathisch und ich habe mehr als einmal gedacht, dass ich sie gerne zur Freundin hätte. Die Autorin hat es aus meiner Sicht geschafft, Laurie absolut authentisch zu beschreiben, mit all ihren Gefühlen, Problemen und Freuden. Natürlich, an manchen Stellen ist es vielleicht auch etwas zu viel des Guten, aber ich mochte Laurie von Anfang an und habe mit ihr gehofft und mich mit ihr geärgert. Auch Jamie fand ich klasse – vom Frauenheld zum perfekten Schwiegersohn in spe hat mich wirklich gefreut, dass er von der Autorin nicht so klischeehaft gezeigt wurde, wie man erwartete hatte. Hier hat man ihn eher mit den Vorurteilen „durch Lauries Augen“ gesehen und hat so auch gleich etwas aus dem Kanzleialltag mitbekommen. Diesen fand ich übrigens sehr amüsant geschildert – auch wenn an der ein oder anderen Stelle sicher deutlich übertrieben wurde . Auch die anderen Figuren der Geschichte fand ich super – jeder hatte seine Rolle und auch die Nebenfiguren waren aus meiner Sicht klar gezeichnet und ausgearbeitet.

Die Geschichte hat mich wie oben schon gesagt voll überzeugt. Ich mochte die Wohlfühlatmosphäre die der Roman ausstrahlt. Die Leichtigkeit trotz des schwierigen Themas. Und was mir besonders gefallen hat war, dass er eben doch nicht so leicht war – sondern durchaus auch zum Nachdenken anregt. Vieles von dem was Jamie sagt, oder über das sich Laurie im Rahmen der Aufarbeitung ihrer beendeten Beziehung Gedanken macht ist wahr nur macht man sich viel zu selten Gedanken darüber. Für mich war es daher viel mehr als ein typischer Liebesroman!

Noch kurz zum Stil – mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen – das Buch lässt sich flüssig lesen, die Kapitel haben eine angenehme Länge. Die Erzählgeschwindigkeit fand ich angenehm, es ging nicht zu schnell – man hatte nicht die Zeit irgendwas zwischen zwei Kapiteln verpasst zu haben. Einzig das Ende der Geschichte war für mich etwas zu abrupt und hat aus meiner Sicht irgendwie nicht ganz so gepasst.

Von mir gibt es auf jeden Fall 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere