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Veröffentlicht am 24.02.2026

Schuld, Magie und Liebe

Das White Octopus Hotel
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Schuld, Magie und Liebe

Als Eve Shaw auf ihrer Arbeitsstelle von einem fremden alten Herrn besucht wird, der denselben Namen trägt wie Eves Lieblingskomponist Max Every, hat sie das unheimliche Gefühl, ...

Schuld, Magie und Liebe

Als Eve Shaw auf ihrer Arbeitsstelle von einem fremden alten Herrn besucht wird, der denselben Namen trägt wie Eves Lieblingskomponist Max Every, hat sie das unheimliche Gefühl, ihn zu kennen. Doch das scheint unmöglich. Und nun bittet dieser Max Every sie auch noch, ins White Octopus Hotel in den Schweizer Bergen zu reisen. Eves Recherchen ergeben, dass das Hotel bereits vor über achtzig Jahren geschlossen wurde. Trotzdem macht sie sich auf den Weg und landet in einem eleganten Grand Hotel mit mysteriösen Gegenständen, Zeitreisezimmern und vielen Geheimnissen.

Mich konnte Eves Geschichte richtig packen, denn sie ist weitaus tiefgründiger als es der erste Anschein erahnen lässt. Seit vielen Jahren plagt Eve sich mit Schuldgefühlen und zieht sich immer mehr in sich zurück. Das Auftauchen des Fremden rüttelt sie auf, zumal es auch das Gerücht gibt, dass man im White Octopus Hotel die Zeit zurückdrehen könnte. Könnte Eve den Tod ihrer kleinen Schwester damit ungeschehen machen? Auch Max Every trägt eine schwere Last. Im Ersten Weltkrieg hat er so viel Leid mit ansehen müssen, was ihm zuweilen den Lebensmut nimmt.

Obwohl beide Protas schier unter ihrer Last zu zerbrechen drohen, schafft Alexandra Bell es, eine hoffnungsvolle Atmosphäre zu kreieren. Mit einem leichten Schreibstil und der sanften Entwicklung einer Romanze ist dieses Buch einfach schön und sehr berührend. Allerdings hatte ich beim Hören leichte Schwierigkeiten, den Zeitreisesprüngen zu folgen. Hier gibt es einiges an Hin und Her. Das Buch handelt in drei Zeitebenen: Gegenwart (2016), 1935 und 1918. Anfangs fand ich dies verwirrend, später hatte ich mich daran gewöhnt. Es hat mir sogar sehr gut gefallen, wie die verschiedenen Zeitstränge miteinander verwoben sind. Je mehr man die Verbindungen aufdeckt, desto mehr Überraschungen kommen auch zum Vorschein.

Ich habe das Hörbuch gehört, gesprochen von Sarah Dorsel und Sebastian Fischer. Beide machen ihre Sache sehr gut, lesen gut betont und transportieren mit ihrer Stimme die Atmosphäre zu den Hörenden. Der Text ist ungekürzt, die Lauflänge beträgt 10 h 49 min.

Gerne empfehle ich diese magische und berührende Geschichte weiter.

★★★★☆

Veröffentlicht am 20.02.2026

Hat was, aber leider nicht genug

Unser Haus mit Rutsche
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Hat was, aber leider nicht genug

Layla Beni Sayed hadert mit sich und ihrem Leben. Verschiedene berufliche Ansätze waren nicht von Erfolg gekrönt. Auch die Schriftstellerei läuft ihr nicht einfach von ...

Hat was, aber leider nicht genug

Layla Beni Sayed hadert mit sich und ihrem Leben. Verschiedene berufliche Ansätze waren nicht von Erfolg gekrönt. Auch die Schriftstellerei läuft ihr nicht einfach von der Hand. In Gesprächen mit ihrer Psychotherapeutin und ihrem Hausarzt kommt sie sich selbst näher.

In episodischen Rückblenden begleiten wir Layla durch ihre außergewöhnliche Kindheit in Saarbrücken. Behütet von einer französischstämmigen Mutter und einem irakischen Vater, der oft auf Reisen ist, verläuft ihr Leben anders als das ihrer Freundinnen. Amir, der Vater, ist eine schillernde Person, in gewisser Weise ein Traumtänzer, der seiner Familie die tollsten Träume ausmalt, wie zum Beispiel das Haus mit Rutsche in Bagdad. Doch immer wieder kommt etwas dazwischen, beispielsweise der Golfkrieg, wodurch Amir arbeitslos wird und nicht wieder auf die Beine kommt.

Wir haben an bestimmten Ereignissen Anteil, aber auch am ganz gewöhnlichen Alltag dieser Familie - alles betrachtet durch die Augen des Kindes Layla. Vieles hätte ich mir tiefgründiger und intensiver gewünscht, aber klar, ein Kind begreift die Dinge nicht so wie ein Erwachsener. So empfand ich vieles als eher belanglos, was für die kleine Layla eine große Bedeutung hatte. Nichtsdestotrotz war es interessant, einen Blick in diese bunte Familie (auch auf die weiteren Familienangehörigen in Frankreich und im Irak) zu werfen und das Aufeinanderprallen der grundverschiedenen Kulturen zu beobachten.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, zuweilen mit einer Prise Humor gewürzt, sodass man fast über die zum Teil schlimmen Ereignisse hinweg getäuscht wird.

Die Handlung in der Gegenwart gefiel mir bei Weitem nicht so gut wie die in der Vergangenheit. Laylas Gedanken haben mich hier verwirrt und vor allem die wiederkehrenden Suizidgedanken fand ich verstörend.

Das Buch erschien im Februar 2026 im Carl Hanser Verlag.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 17.02.2026

Das war nicht meins

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Das war nicht meins

Das Ende des Kalten Krieges muss gefeiert werden. Zu diesem Anlass trifft man sich im Garten der Botschaft der Russischen Föderation in Rom. Der alternde Doppelagent Dieter Germeshausen, ...

Das war nicht meins

Das Ende des Kalten Krieges muss gefeiert werden. Zu diesem Anlass trifft man sich im Garten der Botschaft der Russischen Föderation in Rom. Der alternde Doppelagent Dieter Germeshausen, der unter den neuen Umständen um seine Lebensgrundlage fürchtet, hat einen letzten Plan, bevor er sich zurückziehen will. Doch dazu braucht er den jungen Dichter Jakob Dreiser, der im Gegensatz zu Germeshausen gut mit Worten umgehen kann. Gemeinsam reisen sie nach Kasachstan, damit Germeshausen das große Geld scheffeln kann. Doch Jakob Dreiser ist von seiner neuen Spionagetätigkeit so begeistert, dass er Germeshausens Anweisungen spontan in den Wind schlägt und auf eigene Faust handelt …

Von Kristof Magnusson habe ich bereits „Das war ich nicht“ gelesen, und das gefiel mir um Längen besser. Mit „Die Reise ans Ende der Geschichte“ konnte ich leider nicht viel anfangen. So witzig wie im Klappentext versprochen, fand ich das Buch bei Weitem nicht. Die Charaktere sind slapstickartig überzeichnet, dabei aber erstaunlich eindimensional und nichtssagend bis unglaubwürdig.

Nach einem spannenden Anfang, wo Germeshausen einen Giftanschlag erleidet, geht es erst mal recht gemächlich in der Vergangenheit weiter. Über Seiten wird die Party im Garten der russischen Botschaft beschrieben, ohne dass etwas Wesentliches geschieht. Ganz langsam werden hier Germeshausen und Dreiser zusammengeführt. Das hätte für meinen Geschmack ruhig etwas schneller passieren dürfen. Und die Story zieht sich auch danach in die Länge. Erst gegen Ende kommt dann etwas Tempo und auch Spannung auf. Und dann ist plötzlich Schluss, ohne dass die Geschichte ans Ende gekommen wäre - zumindest empfinde ich es so.

Sprachlich ist der Roman sehr in Ordnung, auch die Idee ist toll. Doch leider schaffte der Autor es nicht, mir die Figuren nahe zu bringen.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 15.02.2026

Diese verflixten Dimensionslöcher

Qwert
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Diese verflixten Dimensionslöcher

Als der Gallertprinz Qwert Zuiopü durch ein Dimensionsloch in die Parallelwelt Orméa stürzt, findet er sich im Körper und der Ritterrüstung des legendären Prinz Kaltbluth ...

Diese verflixten Dimensionslöcher

Als der Gallertprinz Qwert Zuiopü durch ein Dimensionsloch in die Parallelwelt Orméa stürzt, findet er sich im Körper und der Ritterrüstung des legendären Prinz Kaltbluth wieder, der Qwert aus unzähligen Romanen bekannt ist. Seine erste Tat in der neuen Welt besteht darin, eine „schöne Jungfrau“ zu befreien. Dummerweise entpuppt diese sich dann aber als Janusmeduse Jamusa, die nichts weiter im Sinn hat als ganz Orméa mit ihrem bösen Blick zu versteinern. Nun hat Qwert alle Hände voll zu tun, genau dies zu verhindern, dabei aber auch Jamusa vor ihren Verfolgern zu beschützen, denn unglücklicherweise hat er sich in die Schöne verliebt.

Ich habe mich mit Walter Moers neuestem Werk mal wieder köstlich amüsiert. Abenteuer für Abenteuer muss Qwert als Prinz Kaltbluth in einer ihm unbekannten Welt bestehen, was zu manch kurioser Szene führt, denn eigentlich hat er mit dem Rittertum so gar nichts am Hut. Zum Glück steht ihm sein treuer Knappe Oyo zur Seite, der notfalls aus dem einschlägigen Handbuch für Ritter zitiert und Qwert mit den Regeln vertraut macht. Ich fand es herrlich, wie Qwert dabei immer weiter über sich hinauswächst und tapfer seinen Weg geht. Die Figuren sind mir ganz schnell ans Herz gewachsen, sie sind einfach putzig - selbst die „Bösen“.

Die Einfälle des Autors sind schon ziemlich genial und vor allem auch unvorhersehbar. Immer wieder zeigt sich, dass die Dinge gar nicht so sind, wie sie auf den ersten oder auch zweiten Blick scheinen. Walter Moers hat immer noch eine überraschende Wendung im Ärmel. Es gibt unzählige Anspielungen auf Historisches, Gegenwärtiges und Mythologisches. Ich wette, ich habe nicht einmal die Hälfte davon entdeckt. Aber das macht nichts. Das Lesevergnügen war auch so enorm und zudem rechtfertigt es ein nochmaliges Lesen dieses abstrusen unterhaltsamen Abenteuer-Liebes-Romans.

★★★★★

Veröffentlicht am 11.02.2026

Vom Unglück einer Familie

Alle glücklich
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Vom Unglück einer Familie

„Alle glücklich“ von Kira Mohn, die sich mit diesem Roman in ein für sie neues Genre wagt, ist im Januar 2026 im HarperCollinsVerlag erschienen.

Für mich war es das erste Buch ...

Vom Unglück einer Familie

„Alle glücklich“ von Kira Mohn, die sich mit diesem Roman in ein für sie neues Genre wagt, ist im Januar 2026 im HarperCollinsVerlag erschienen.

Für mich war es das erste Buch der Autorin, ich hatte daher keine besonderen Erwartungen. Na ja, außer vielleicht, dass zumindest jemand glücklich ist in dieser Geschichte. Tatsächlich stellt sich die Familie Holtstein aber ganz anders dar.

Mutter Nina begnügt sich mit einem Job als Arzthelferin, da sie ihr Medizinstudium wegen der Schwangerschaft mit Ben abbrechen musste, während Vater Alexander seines beendet und eine erfolgreiche Karriere in der Klinik hingelegt hat. Er rackert sich für die Familie ab, ist aber viel zu selten daheim. Der neunzehnjährige Ben fühlt sich wie ein Loser. Er wünscht sich so sehr eine Freundin, vor allem, da seine drei Jahre jüngere Schwester Emilia anscheinend in einer glücklichen Beziehung mit Julian ist.

Der Roman sollte vielleicht besser „Alle nicht wirklich glücklich“ heißen, doch das ist nur der Anfang. Das dicke Ende kommt erst zum Schluss. Abwechselnd begleiten wir die vier Protagonist*innen durch ihren Alltag, lernen sie dabei immer besser kennen und dürfen hinter ihre Fassaden schauen. Dabei wirkt das Leben der Familie anfangs noch recht normal, wie es sicher in vielen realen Familien ist. Das Ende gleicht dann eher einem Erdbeben, das keinen Stein mehr auf dem anderen lässt. Das war mir dann fast schon zu heftig in dieser Größenordnung. Und leider endet die Geschichte dann auch noch recht offen, was ich nicht so besonders mag.

Der Schreibstil ist ziemlich einfach und nüchtern gehalten. Dabei gäbe es hier so viele Emotionen zur Leserin zu transportieren. Insgesamt konnte mich der Roman nicht wirklich mitreißen, obwohl ich mich gut in sämtliche Familienmitglieder hineinversetzen konnte.

★★★☆☆