Profilbild von Lilli33

Lilli33

Lesejury Star
offline

Lilli33 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lilli33 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.11.2025

Mehr als eine traurige Geschichte

Da, wo ich dich sehen kann
3

Mehr als eine traurige Geschichte

Inhalt:
Frank Kopmann drangsaliert seine junge Frau Emma psychisch und physisch - bis er sie eines Tages umbringt. Damit stürzt die ganze Welt der neunjährigen Tochter ...

Mehr als eine traurige Geschichte

Inhalt:
Frank Kopmann drangsaliert seine junge Frau Emma psychisch und physisch - bis er sie eines Tages umbringt. Damit stürzt die ganze Welt der neunjährigen Tochter Maja in sich zusammen. Sie muss von Hamburg ins weit entfernte Glauberg zu Emmas Eltern ziehen, die sie kaum kennt. Auch Majas Patentante, Emmas beste Freundin Liv, lebt dort in der Nähe. Die drei Erwachsenen bemühen sich um das traumatisierte Mädchen, kommen dabei aber mit ihrer eigenen Trauer und ihren Schuldgefühlen nicht wirklich klar.

Meine Meinung:
Wie gewohnt konnte mich Jasmin Schreiber auch mit ihrem neuesten Werk begeistern. Das schwere Thema liegt ihr persönlich am Herzen; das spürt man in jeder Zeile. Zunächst empfand ich den Schreibstil als relativ distanziert und war sehr froh darüber. Mich tiefer in die Geschichte hineinziehen zu lassen, wäre mir nicht gut bekommen, denke ich. Gegen Ende wird es doch noch sehr emotional, was an dieser Stelle dann aber auch gut ist. Eingestreute Zeitungsartikel, Gerichtsurteile und Ähnliches lassen den Roman sehr realistisch erscheinen.

Die Charaktere, vor allem Liv und Maja, aber auch Emma, die wir in Rückblenden näher kennenlernen, sind tiefgründig ausgearbeitet und offenbaren von Seite zu Seite immer mehr ihrer Facetten. Sowohl die Hauptfiguren wie auch die diversen Nebenfiguren wirken authentisch und realitätsnah. Als Astrophysikerin erzählt Liv Maja viel über die Sterne. Dies war durchaus auch für mich lehrreich.

In kurzen Kapiteln mit wechselnden Perspektiven (Liv, Maja, Brigitte, Per) begleiten wir die Hinterbliebenen in ihrer Trauer. Alle fühlen sich dabei auch irgendwie schuldig an Emmas Tod. Hätten sie ihn verhindern können, wenn sie an irgendeiner Stelle genauer hingeschaut, mehr nachgefragt, anders reagiert hätten? In drei schwarz hinterlegten Kapiteln, die eine alternative Realität aufzeigen, erfahren wir, was eventuell möglich gewesen wäre. Doch Brigittes Therapeutin bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt:

»Wenn eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet wird, ist niemand schuld, Brigitte. Niemand außer dem Mann, der die Tat begeht.«

Die Autorin untermauert ihren literarischen Aufruf an die Gesellschaft, Femizide zu stoppen, mit Zahlen und Fakten. Für Betroffene und Angehörige sind im Anhang diverse Telefonnummern und Webseiten aufgeführt, wo man Hilfe bekommen kann.

Fazit:
Ein sehr berührender und bedrückender Roman, der stark an der leider grausamen Realität orientiert ist. Absolut lesenswert und wichtig!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 31.10.2025

Langweilig

Die Lage des Landes
0

Langweilig

Im Nachhinein frage ich mich, warum ich dieses Buch überhaupt gelesen habe. Die vorherigen Bände der Frank Bascombe-Tetralogie sowie andere Romane des Autors sind bei mir schon einige Jahre ...

Langweilig

Im Nachhinein frage ich mich, warum ich dieses Buch überhaupt gelesen habe. Die vorherigen Bände der Frank Bascombe-Tetralogie sowie andere Romane des Autors sind bei mir schon einige Jahre her und nicht mehr allzu sehr in Erinnerung. So habe ich nun feststellen müssen, dass meine Bewertungen damals auch nicht gerade euphorisch ausgefallen sind. Glücklicherweise waren die Romane aber nicht so dick wie dieser hier.

Über 680 Seiten, deren Quintessenz man gut und gerne in 200 hätte packen können, waren kein Lesevergnügen für mich. Ich habe mich von Seite zu Seite gehangelt, immer in der Hoffnung, dass mal endlich ein bisschen Spannung oder interessanter Inhalt aufkommt, aber nein!

Richard Ford schwadroniert (aus Sicht seines Protagonisten Frank Bascombe) über die Ehen, das Leben im Allgemeinen, Immobilienverkäufe und Prostatakrebs und bildet so die Lage des Landes ab. Dabei springt er hin und her, vor und zurück, reißt dieses an, denkt über jenes nach. Aber bei allem fehlte mir die Tiefe oder eine neue Erkenntnis, die mich irgendwie weiterbringen würde.

Die Tetralogie:
1. Sportreporter
2. Unanbhängigkeitstag
3. Die Lage des Landes
4. Frank

★★☆☆☆

Veröffentlicht am 27.10.2025

Spannende Verfolgungsjagd

Die Jagd
0

Spannende Verfolgungsjagd

Alexa wird ungewollt Zeugin eines Mordes. Sie flieht in ihrem Auto, muss aber bald schon zu Fuß weiter - in einer Gegend, in der sie sich nicht auskennt, der Mörder schon. Und ...

Spannende Verfolgungsjagd

Alexa wird ungewollt Zeugin eines Mordes. Sie flieht in ihrem Auto, muss aber bald schon zu Fuß weiter - in einer Gegend, in der sie sich nicht auskennt, der Mörder schon. Und er wird nicht aufgeben, bis er die Zeugin erledigt hat, dessen ist sich Alexa sicher.

Ich bin eigentlich nicht unbedingt Fan von Kurzgeschichten, egal welcher Gattung. Aber dieser Kurzthriller hat es in sich. Natürlich kann man keine hoch komplexe Handlung erwarten. Aber wie viel Spannung auf diesen wenigen Seiten liegt, hat mich positiv überrascht. Ich habe praktisch eine Stunde lang den Atem angehalten, während ich an Alexas Seite durchs Unterholz geprescht bin. Die Verfolgungsjagd wird so plastisch und drastisch beschrieben, dass quasi ein Film vor dem inneren Auge abläuft.

Und es gibt nicht nur am Ende eine überraschende Wendung, sondern auch schon vorher die ein oder andere. Mir war das Ganze nur etwas zu unrealistisch-reißerisch, aber als kleines Lesehäppchen zwischendurch durchaus zu empfehlen.

★★★★☆

Veröffentlicht am 25.10.2025

Hoch spannend, aber etwas zu viel von allem

Kälter
0

Hoch spannend, aber etwas zu viel von allem

Inhalt:
Luzy Morgenroth hat einen ruhigen Job in der Polizeistation auf Amrum. Zusammen mit ihrem Freund und Kollegen Jörgen kümmert sie sich mal um einen Verkehrsunfall, ...

Hoch spannend, aber etwas zu viel von allem

Inhalt:
Luzy Morgenroth hat einen ruhigen Job in der Polizeistation auf Amrum. Zusammen mit ihrem Freund und Kollegen Jörgen kümmert sie sich mal um einen Verkehrsunfall, häusliche Gewalt oder kleinere Delikte. Bis eines Tages ein Mitarbeiter des Fährbetriebs auf See bleibt. Schnell ist klar, dass die Fremden, die auf der Fähre waren, mit dessen Tod zu tun haben. Luzy erkennt ihren Erzfeind: Babel. Ihn hat sie in ihrer Zeit als Personenschützerin beim BKA kennen gelernt. Damit wollte sie eigentlich nichts mehr zu tun haben, aber nun sinnt sie auf Rache.

Meine Meinung:
Andreas Pflügers Trilogie um die blinde Ermittlerin Jenny Aaron sowie der Agententhriller „Wie sterben geht“ haben mich vollkommen begeistert. Auch das im Oktober 2025 bei Suhrkamp erschienene „Kälter“ ist hoch spannend. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen. Pflüger erzählt rasant, aber auch etwas sprunghaft. Zuweilen habe ich die Übergänge verpasst und war kurzzeitig verwirrt. Dabei war ich heilfroh, dass ich mit den meisten realen Personen, Begriffen und Abkürzungen, die im Roman auftauchen, etwas anfangen konnte, da ich in der beschriebenen Zeit aufgewachsen bin, der Zeit des Kalten Krieges bis kurz nach dem Mauerfall.

Luzy ist wie Nina aus „Wie sterben geht“ eine absolut taffe Superwoman, der praktisch alles gelingt und die schwerste Verletzungen überlebt, selbst wenn sie zwischendurch ein paar Fehler macht. Auch wenn sie sich hin und wieder Gedanken um die Menschen macht, die sie getötet hat, fällt ihr das Töten doch unglaublich leicht. Mir persönlich waren es ein paar Leichen zu viel.

Schön fand ich allerdings, dass Luzy auch zu echten Gefühlen fähig ist und lieben kann. Ihre Intelligenz und ihr Durchblick sind faszinierend, ebenso ihre körperliche Fitness mit 50 Jahren.

Ein Wiedersehen mit Figuren aus den früheren Büchern des Autors habe ich schmunzelnd genossen. Man kann „Kälter“ aber auch vollkommen ohne Kenntnis der anderen Bücher lesen.

★★★★☆

Veröffentlicht am 22.10.2025

Das Sonderdezernat Q ermittelt weiter!

Tote Seelen singen nicht
0

Das Sonderdezernat Q ermittelt weiter!

Nachdem im März 2024 das groß angekündigte Finale der Reihe erschienen war, war ich jetzt einigermaßen verblüfft, einen weiteren Band zu sehen. Des Rätsels Lösung: ...

Das Sonderdezernat Q ermittelt weiter!

Nachdem im März 2024 das groß angekündigte Finale der Reihe erschienen war, war ich jetzt einigermaßen verblüfft, einen weiteren Band zu sehen. Des Rätsels Lösung: Die alte Reihe um Carl Mørck von Jussi Adler-Olsen ist tatsächlich zu Ende, der Druckluftnaglerfall endgültig abgeschlossen. Carl Mørck ist aus dem Polizeidienst ausgeschieden. Nun geht es nach einem Wechsel zum Penguin Verlag weiter, und es sind neben Jussi Adler-Olsen noch die Autorinnen Line Holm und Stine Bolther mit am Start.

Carl Mørck taucht zwar hin und wieder bei seiner alten Truppe auf, spielt aber keine so große Rolle mehr. Gordon Taylor ermittelt neuerdings in Nordseeland, sodass vom alten Dezernat Q nur noch Assad und Rose übrig geblieben sind. Ihnen wird eine neue Kollegin zur Seite gestellt, die aus Frankreich kommende Ermittlerin Helena Henry, die davon genauso wenig begeistert ist wie Rose. Das gibt Spannungen im Team, die der Story eine gute Würze verleihen. Besonders Assads sprachliche Verbesserung von Helenas Dänisch reizt das ein oder andere Mal zum Schmunzeln.

Vorkenntnisse sind nicht unbedingt nötig; man kann sehr gut mit diesem Band in die Reihe einsteigen, auch wenn man dann Assads und Roses Geschichte nicht kennt. Für den Kriminalfall ist das absolut nicht nötig. Dieser wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Kleine Cliffhanger am Ende einzelner Kapitel sorgen dafür, dass die Spannung gehalten wird. Sie hätte allerdings durchaus noch ein bisschen höher sein dürfen. Durch ausführliche Beschreibungen der Ermittlungen und viele innere Konflikte der Protagonistinnen entstehen manchmal Längen. Zudem ist praktisch von vornherein klar, wer der Täter ist. Es geht nur noch darum, wie viele Menschen sterben werden und ob die Polizei vielleicht den ein oder anderen Mord verhindern kann.

Der Schreibstil ist rund und wie aus einem Guss, obwohl drei Autor
innen beteiligt sind. Die Handlung ist logisch aufgebaut, und mit den Hintergrundgeschichten von vor allem Helena und Rose bleiben am Rand einige lose Fäden, die es in den folgenden Bänden weiterzuknüpfen gilt. Band 12 und 13 sind bereits in Arbeit. Ich freue mich schon darauf!

★★★★☆