Profilbild von Liselottchen

Liselottchen

Lesejury Profi
offline

Liselottchen ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Liselottchen über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.11.2025

Herzerwärmender Debütroman

Rewrite My Rules | Emotionaler Liebesroman | New Adult Romance über Angst vor Gefühlen und Mut zum Neuanfang
1

Nach acht Jahren Beziehung erwischt Casey ihren Freund mit einer anderen im Bett. Sie flieht zu ihrer Cousine Ali und beginnt bei ihrer Tante Becca ein Praktikum, sehr zum Ärger ihrer Eltern. Die finden, ...

Nach acht Jahren Beziehung erwischt Casey ihren Freund mit einer anderen im Bett. Sie flieht zu ihrer Cousine Ali und beginnt bei ihrer Tante Becca ein Praktikum, sehr zum Ärger ihrer Eltern. Die finden, dass Casey nicht wegen eines Seitensprungs die Beziehung beenden hätte müssen – hauptsächlich auch, weil eine Fusion der beiden Familien angestanden hätte. In San Diego trifft Casey auf Jacob, der sich lediglich auf unverbindliche Sex-Abenteuer einlässt. Nach anfänglich schlechtem Start schließen die beiden einen interessanten Deal ...
Es ist der Debütroman einer Autorin und sie hat mich positiv überrascht mit ihrem frischen flüssigen Schreibstil, der sich weglesen lässt, wie Sahneeis. Zu Casey konnte ich gleich eine Verbindung aufbauen und lebte mit ihr mit, war sogar wütender auf die Mutter, als auf den untreuen Freund. Das Setting in San Diego passt hervorragend zur Geschichte, toll auch der neue Freundeskreis rund um ihre Cousine Ali. Mit Jacob wurde ich nicht so rasch warm, jedoch war seine Figur fesselnd und seine Hintergrundstory traurig. Die Story war gut aufgebaut, hatte einige tiefgehende Szenen, und die Liebesgeschichte der beiden ging ans Herz. Schade, dass man über Jacobs Mutter nichts mehr hört, dass sie ihren Mann verlässt, konnte ich nachvollziehen – Ehen zerbrechen – aber ihren Sohn zurückzulassen und keinen Kontakt mehr zu haben, das ist ein No go. Hier hätte ich mir Aufklärung gewünscht. Der Schluss zog sich ein wenig in die Länge – Jacob brauchte lang, um in die Gänge zu kommen, dafür brach es dann ziemlich abrupt ab.
Mein Fazit: Eine liebevolle New-Adult-Geschichte, mit minimalen Kritikpunkten, daher gebe ich 4,5 Sterne, bin aber eher geneigt auf- als abzurunden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.11.2025

Nachhilfeunterricht im »Sexy-Sein«

Touchdown fürs Herz
0

Ruby lebte immer brav und angepasst, Musterschülerin, schlug nie über die Stränge und erlaubte sich niemals, die Regeln zu brechen. Nach einem unschönen Erlebnis hat sie mit Sex abgeschlossen und verbirgt ...

Ruby lebte immer brav und angepasst, Musterschülerin, schlug nie über die Stränge und erlaubte sich niemals, die Regeln zu brechen. Nach einem unschönen Erlebnis hat sie mit Sex abgeschlossen und verbirgt sich hinter der Maske des grauen Mäuschen. Ihr Beruf als Bibliothekarin trägt auch nicht dazu bei, dass sie Menschen kennenlernt. Als ihre Freundin Lauren ihr ein schlüpfriges Geburtstagsgeschenk macht, beschließt sie, ihr Leben zu ändern. Nur wie? Sie engagiert einen Escort, der ihr beibringen soll, wie sie auf Männer wirken kann. Doch es kommt zu einer Verwechslung: Griffin King, den sie aus ihrer Jugend kennt, kreuzt ihren Weg und als er von ihrem Problem hört, möchte er ihrem Sex-Appeal auf die Sprünge helfen ...

In die Geschichte kam ich schnell hinein, der Schreibstil ist locker und flüssig lesbar. Auch die Idee fand ich gut: gefeierter Footballstar und schüchterne Bibliothekarin. Leider konnte mich die Story nicht wirklich fesseln, es blieb alles ein wenig oberflächlich. Beispielsweise hatte Ruby eine Herztransplantation, lebt aber weitgehend unbeschwert. Es ist nicht von ärztlichen Kontrollen oder Medikamenten (sowie deren Nebenwirkungen) die Rede, erst am Schluss wird das am Rande gestreift. Griffins Charakter bleibt ein wenig blass, als ob die Autorin sich nicht entschließen könnte, ihn zum wirklichen Bad Boy zu machen. Auch den Bruderzwist konnte ich nicht nachvollziehen, ich hätte mir auch am Ende eine richtige Versöhnung der beiden gewünscht, nicht in zwei Nebensätzen abgehandelt.
Alles in allem eine nette Wohlfühlgeschichte, mit wenig Tiefgang, als Lektüre für zwischendurch zum Entspannen.
.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.10.2025

Abenteuerliche Entdeckerreise

Auch im Dunkeln leuchtet die Liebe
0

Bente ist ein Star als Sommelière und hat ihre eigene Fernsehsendung. Durch einen dummen Fehler fällt sie in Ungnade und wird suspendiert. Doch der Fund einer alten Weinflasche inspiriert sie zur Idee, ...

Bente ist ein Star als Sommelière und hat ihre eigene Fernsehsendung. Durch einen dummen Fehler fällt sie in Ungnade und wird suspendiert. Doch der Fund einer alten Weinflasche inspiriert sie zur Idee, Nachforschungen anstellen zu können. Ihre Freundin Elnaz, die als Produktionsleiterin beim Sender TV24 arbeitet, ist von der Idee angetan, doch sie holt Professor Didrik an Bord, der beim Fernsehen als Historiker bekannt ist. Für Didrik, der immer noch nicht fassen kann, dass seine Frau ihn verlassen hat, ist es eine willkommene Abwechslung. Gemeinsam versuchen sie dem Geheimnis der alten Weinflasche auf den Grund zu gehen. Während des Aufenthalts in Frankreich kommen sich Didrik und Bente näher ...

Der Einstieg in die Story fiel mir nicht ganz leicht, auch den Grund, weshalb Bente in Ungnade fiel, konnte ich nicht nachvollziehen. Aber dann gewinnt die Geschichte rasch an Fahrt und ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Es ist aus drei Perspektiven geschrieben, Didrik, Bente und ein historischer Teil, der während der deutschen Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich spielt. Diesen Part fand ich besonders spannend und informativ, man spürt förmlich den Druck, der auf der Bevölkerung während der Besatzungszeit lang. Die Liebesgeschichte zwischen Bente und Didrik fügt sich wunderbar in die interessanten und fesselnden Nachforschungen der beiden ein. Man bekommt mit, wie eine Reality-Sendung entsteht, nachstellen, filmen, interviewen – mühselig und zeitaufwendig. Auch die Nebenfiguren wie Elnaz oder Bentes Familie runden die Story hervorragend ab. Am Schluss hätte ich sehr gern noch ein Gespräch mit Didriks Eltern gehabt.
Der Schreibstil ist bildhaft flüssig, ich kann das Buch daher allen, die gerne Geschichten lesen, in denen Abenteuer und Liebe verknüpft sind, wärmstens empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2025

Innehalten und überlegen, was im Leben wichtig ist

Drei Tage im Schnee
0

Hannah geht es wie vielen Menschen: sie ist im Hamsterrad gefangen und vergisst zwischen Arbeit und Rücksicht auf andere Leute nehmen, sich selbst. Was möchte sie wirklich vom Leben? Kann das alles gewesen ...

Hannah geht es wie vielen Menschen: sie ist im Hamsterrad gefangen und vergisst zwischen Arbeit und Rücksicht auf andere Leute nehmen, sich selbst. Was möchte sie wirklich vom Leben? Kann das alles gewesen sein? Die 33-Jährige nimmt sich eine Auszeit und mietet eine Hütte in der Einsamkeit. Hier begegnet sie Sophie und das kleine Mädchen hält ihr vor Augen, was sie alles im Leben verpasst.

Von Anfang an konnte ich mich sehr gut in die Gedanken der Protagonistin hineinversersetzen. Sie hatte viele Träume, die alle auf der Strecke geblieben sind. Hannah arbeitet viel, bürdet sich zusätzlich Lasten auf, weil sie nicht Nein sagen kann und stresst sich auch noch in der Freizeit. Weil sie beispielsweise auf Werbung hört und vermeintlich Schnäppchen kauft. »Du kannst Geld sparen, indem du Geld ausgibst?«, fragt Sophie. Was für eine tolle Frage, ich glaube, an dieser Stelle muss jeder nachdenken. Und auch Hannah fragt sich, ob sie wirklich so viel Kleidung, Taschen und Schuhe braucht. Nein, tut sie nicht. Ich konnte den Spaß fühlen, den Hannah zum ersten Mal wieder hatte, während sie mit Sophie ein »Schneinhorn« und ein Iglu gebaut hat. Und sie denkt an ihre Freundin, mit der sie sich aus nichtigen Gründen zerstritten und den Kontakt abgebrochen hat.
Da ich bereits zu den älteren Semestern gehöre, waren viele der Gedanken zum Leben für mich nicht neu. Auch die Metapher mit dem Glas, in das man Steine, Kieselstein und Sand hineingibt, war mir bekannt, allerdings kann man sie immer wieder hören. Ich fand es großartig, wie die Autorin Gedanken über das Leben in eine kleine Geschichte verpackt hat. Besonders berührend war für mich Hannahs Briefe an den (Baby)Sohn ihrer Freundin Julia und an diese selbst. Ich empfehle dieses Büchlein uneingeschränkt weiter, es ist zum Nachdenken, Wohlfühlen, Innehalten und vielleicht das eigene Leben zu überdenken. Es ist nie zu spät, sich auf das wirklich Wichtige zu besinnen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.10.2025

Ein Sommer der Familie Mann im französischen Exil

Wenn die Sonne untergeht
0

Eine Äußerung aus dem Zusammenhang gerissen und der berühmte Dichter und Nobelpreisträger Thomas Mann ist im Nazi-Deutschland nicht mehr willkommen. Weder Reichtum noch Ansehen retten ihn vor der Ächtung. ...

Eine Äußerung aus dem Zusammenhang gerissen und der berühmte Dichter und Nobelpreisträger Thomas Mann ist im Nazi-Deutschland nicht mehr willkommen. Weder Reichtum noch Ansehen retten ihn vor der Ächtung. Widerwillig verlässt er Deutschland, lebt zuerst in der Schweiz und danach verbringt er einen Sommer in Sanary, einem kleinen Küstenort Frankreichs. Mit dabei ist seine Familie, seine Frau und meist auch seine sechs Kinder. Auch anderer Dichter und Künstler teilen sein Schicksal und es kommt zu einer Art Gemeinschaft in dem kleinen Ort.

Der Autor hat hier die Erlebnisse eines Sommers aus den Tagebucheinträgen verschiedener Personen zusammengefasst. Sowohl schrieb Thomas Mann selbst, als auch sein Bruder und seine Kinder, aber auch andere Personen, die eine Zeit lang Weggefährten des Dichters waren. Der Erzählstil ist distanziert, eher kühl gehalten und manchmal ein wenig ironisch. Es gibt keine durchgehende Handlung, es sind vielmehr aneinandergereihte Szenen und Erlebnisse, sowohl von den Mitgliedern der Familie Mann, aber auch von anderen Persönlichkeiten. So werden Aldous Huxley, Lion Feuchtwanger, Eva Herrmann, Arnold Zweig, Paul Valery und andere genannt, teilweise erhält man ebenfalls einen (kurzen) Einblick in deren Leben. Für mich war es teilweise mühsam, das Buch zu lesen, der Autor springt in der Perspektive, vieles wird nur angerissen. Als Beispiel möchte ich hier einen Hund erwähnen, der aus einem Flugzeug geworfen direkt neben Aldous Huxleys Geliebter landet. Eine Aufklärung, wer das getan haben könnte und ob damit ein bestimmtes Ziel verfolgt wurde, bleibt aus.
Bei einigen Szenen fragte ich mich, warum sie erwähnenswert waren, beispielsweise wenn Golo Mann ausnahmsweise nicht mit der Familie früh zu Bett geht, sondern lieber den Sonnenuntergang betrachtet. Denn es kam nichts Aufregendes, außer, dass »gegen 21 Uhr taucht der Sonnenball am fernen Horizont feurig in das Wasser ein ...«
Die Beziehungen untereinander werden ausgebreitet, alle Männer hatten Geliebte, weibliche und/oder männliche.
Das Bild, das hier von Thomas Mann gezeichnet wird, ist kein sympathisches. Er bedauert sein Schicksal, ist lange Zeit unschlüssig, welche Stellung er zum Deutschland der Nazi-Zeit einnehmen soll, und behandelt seine Kinder nicht gleich – hat Lieblingskinder und »Schwarze Schafe«. Von der Familie wurde er »Zauberer« genannt, das zeigt, dass er vermutlich manchmal weltfremd war. Bewundernswert fand ich seine Frau Katia, die felsenfest hinter ihm stand.
Es ist keine Lektüre, die man mal so zwischendurch lesen kann, empfehlen kann ich es auf jeden Fall Thomas Mann-Fans.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere