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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2025

Unmenschliche Odyssee durch eisiges Land

Um jeden Preis
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Lydia lebt mit Eltern und Geschwistern in der Ukraine. Die Familie sind Deutsche, die das Land bewirtschaften. Die roten Brigaden unter Stalin lassen die Bauern aushungern, kassieren die gesamte Ernte ...

Lydia lebt mit Eltern und Geschwistern in der Ukraine. Die Familie sind Deutsche, die das Land bewirtschaften. Die roten Brigaden unter Stalin lassen die Bauern aushungern, kassieren die gesamte Ernte und gründen Kolchosen. Lydias Eltern müssen Zwangsarbeit leisten und erhalten kaum Nahrung für sich und die Kinder. Drei ihrer Geschwister sterben. Doch es kommt noch schlimmer: Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Familie zwangsumgesiedelt und muss sich unter schwierigsten Bedingungen in die eisige Kälte Sibiriens begeben. Die Lebensbedingungen sind unmenschlich hart. Als der Vater eingezogen wird, muss die Mutter allein für ihre fünf Kinder sorgen, Lydia und ihrer ältere Schwester Katja arbeiten fortan zwölf bis vierzehn Stunden um ihre jüngeren Geschwister durchzubringen. Doch es soll noch schlimmer werden ...

Im ersten Teil des Buches erzählt Lydia, die offenbar später ihre Erlebnisse niedergeschrieben hat. Es ist wie ein Tagebuch. Was ihr und ihrer Familie zugemutet wurde ist barbarisch und menschenverachtend. Der Schreibstil ist gut leserlich und ich flog nur so über die Seiten. Für mich war unglaublich, was Lydia alles durchmachen musste. Über viele Dinge erzählt sie einfach nüchtern und einiges wird kurz gefasst, die Story hat mich berührt und demütig werden lassen. Mit wie wenig ein Mensch überleben kann! Und was man alles aushält – sagenhaft.
Der zweite Teil ist anders: Lydias erwachsene Kinder erzählen Episoden. Die lesen sich ebenfalls sehr gut, wie kleine Kurzgeschichten. Dennoch hätte ich es lieber gehabt, wenn Lydias Geschichte weitergegangen wäre.
Der Anfang, als die Autorin mit den »echten« Protagonisten aus dem Buch spricht, ist mir unheimlich nahe gegangen – das Leben schreibt doch die schönsten und auch schlimmsten Geschichten.
Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Vorlesebuch und Ratgeber in einem

Ups, ich bin krank
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Dieses Buch ist zweigeteilt, in einem Teil wird die Vorlesegeschichte rund um die kranke Leonie erzählt. Erst hat sie Bauchweh im Kindergarten, zu Hause Fieber und muss schließlich zum Arzt gehen. In diese ...

Dieses Buch ist zweigeteilt, in einem Teil wird die Vorlesegeschichte rund um die kranke Leonie erzählt. Erst hat sie Bauchweh im Kindergarten, zu Hause Fieber und muss schließlich zum Arzt gehen. In diese Geschichte ist viel Wissenswertes eingepackt, beispielsweise die Wartezeit beim Arzt, dass man eine Urinprobe abgeben muss und sogar eine Ultraschalluntersuchung. Hier fehlen mir die unangenehmen Sachen, wie Blut abnehmen oder Medizin schlucken, eventuell eine Spritze. Leonie erhält ein Bonbon als Belohnung, das ist auch nicht mehr zeitgemäß, beim Kinderarzt gibt es eher Aufkleber oder Ähnliches.(das haben mir meine Enkelinnen gesagt, mit denen ich das buch gelesen habe). Zudem hat Leonie Bauchweh – da ist ein Bonbon bestimmt kontraproduktiv. Und welche Ärztin fragt »Wie geht es uns?« Dass die Kinderparty dann verschoben wurde war zwar ein schöner Abschluss, dennoch wäre mir lieber gewesen, dass Leonie damit klarkommen muss, dass man krankheitsbedingt auch Dinge versäumt.
Die Abschnitte zwischen den Erzählkapiteln sind Ratgeber für Eltern, sie befassen sich mit Tipps, wie man den Kindern alles erklärt oder auf ihre Gefühle eingeht. Die fand ich sehr gut, vor allem für Menschen, die medizinisch komplette Laien sind.
Mein Fazit: Ein Buch mit liebevollen Illustrationen für Kinder, die zu Hause eine (leichte) Krankheit haben und bei denen der Arztbesuch harmlos verläuft. Kinder, die größere (schmerzhaftere) Untersuchungen vor sich haben oder sogar ins Krankenhaus müssen ist diese Geschichte nicht ausreichend. Da es jedoch häufiger vorkommt, dass Kinder krank werden und zu Hause betreut werden können, ist dieses Buch bestimmt hilfreich. Vor allem die Tipps gegen Langeweile und die Geschichte rund um Papa, der zum Zahnarzt muss, hat meinen Enkelkindern Spaß gemacht. Und sie war eine tolle Grundlage für zahlreiche Gespräche.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Wenn das Leben Kopf steht

Der Bright-Side-Running-Club
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Keira steht mitten im Leben, sie hat in Tom einen liebevollen Ehemann, eine tolle Familie mit drei halbwüchsigen Kindern und ihre kleine Keramikfirma boomt. Die Diagnose Brustkrebs reißt sie grausam aus ...

Keira steht mitten im Leben, sie hat in Tom einen liebevollen Ehemann, eine tolle Familie mit drei halbwüchsigen Kindern und ihre kleine Keramikfirma boomt. Die Diagnose Brustkrebs reißt sie grausam aus ihrer Komfortzone. Von jetzt auf gleich ist alles anders. Sie muss operiert werden mit anschließender Chemotherapie. In ihrer Firma drängen sich plötzlich zwei Mitarbeiter vor, die sie ins Aus katapultieren wollen. In der Anwaltsfirma ihres Mannes beginnt eine neue sexy Anwältin zu arbeiten und ihre Kinder sind nicht die Bilderbuchkinder, die man sich in solch einer Situation wünschen würde. Keira trifft auf eine Laufgruppe, in der alle Krebs haben und täglich eine Runde drehen. Nicht nur das Laufen selbst hilft ihr, sondern auch der Rückhalt in der Gruppe, die alle im gleichen Boot sitzen.

Was für ein unglaublich berührend emotionales Buch! Die Autorin lässt die Leserinnen und Leser mit feinfühliger Sensibilität in die Welt einer krebskranken Frau eintauchen. Sie beschönigt nichts, lässt uns an allen Hochs und Tiefs, mit allen Schwierigkeiten, Schocks und Problemen, teilhaben. Dennoch behält die Geschichte eine gewisse Leichtigkeit und vor allem gelingt es ihr, den Spannungsbogen hochzuhalten. Die Ängste von Keira sind nachvollziehbar und plastisch dargestellt. Auch der Schock ihrer Familie, die erst nach und nach auf die Bedürfnisse von Keira eingehen können, wird hautnah geschildert. Eine besonders berührende Szene war für mich, als der Sohn sich ebenfalls eine Glatze scheren hat lassen, als der Mutter auf Grund der Chemotherapie die Haare ausfielen.
In den Nebenhandlungen geht es hoch her: Intrigante Mitarbeiter wollen Keira aus ihrem eigenen Geschäft drängen und nutzen ihre Krankheit schamlos aus. Toms Chef hat kein Verständnis, dass dieser seine Frau an erste Stelle setzt, und auch Schwiegereltern und Mutter tragen vorläufig nicht viel zu Keiras Unterstützung bei. Erst nach und nach wird eine Akzeptanz aufgebaut und die Wogen glätten sich. Mich haben die Geschichte und der bildhaft ehrliche Schreibstil der Autorin, die eigene Erfahrungen eingebaut hat, von Anfang an gefallen und beeindruckt. Ein Buch über ein Tabu-Thema, das ich allen wärmstens ans Herz lege.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Venedig ist mehr als nur der Markusplatz

Essen, Trinken, Erleben – Venedig
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In diesem kleinen kompakten Büchlein stellt der Autor zahlreiche Genusstempel in der Lagunenstadt vor. Das Taschenbuch ist genau das: Ein Buch, das man gut in die Tasche stecken und mitnehmen kann.
In ...

In diesem kleinen kompakten Büchlein stellt der Autor zahlreiche Genusstempel in der Lagunenstadt vor. Das Taschenbuch ist genau das: Ein Buch, das man gut in die Tasche stecken und mitnehmen kann.
In Stadtteile aufgegliedert mit malerischen Fotos geschmückt ist der kulinarische Führer wirklich ein Augenschmaus. Zahlreiche Restaurants, Cafés, Bars – sowie auch Konditoreien und Eisdielen sind mit treffenden Texten beschrieben. Auch preislich werden alle fündig: Vom Sternelokal bis zur gemütlichen Trattoria ist für jeden etwas dabei. Zusätzlich sind noch die Websites oder Facebook-Accounts, sowie E-Mail-Adressen für Reservierungen drin, übersichtlich und in ansprechender Weise gestaltet. Die Texte sind informativ und interessant. Mein Mann und ich machen fast in jedem Jahr einen Abstecher nach Venedig, doch sehr viele Orte, die in diesem Ratgeber vorkommen, kennen wir nicht. Das wird sich ändern, das Büchlein wird uns in den nächsten Jahren der wichtigste Begleiter sein.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Kein gemeinsamer Weg für zwei Liebende

Die Frau im weißen Kimono
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Gegenwart: Toris Vater liegt im Sterben und übergibt seiner Tochter Tori einen Brief. Offenbar hatte er vor der Hochzeit mit ihrer Mutter bereits eine Frau geliebt, in Japan. Nach seinem Tod durchforscht ...

Gegenwart: Toris Vater liegt im Sterben und übergibt seiner Tochter Tori einen Brief. Offenbar hatte er vor der Hochzeit mit ihrer Mutter bereits eine Frau geliebt, in Japan. Nach seinem Tod durchforscht Tori seine Unterlagen und findet eine alte Heiratsurkunde. Sie macht sich auf die Suche nach der Frau und deren Tochter, ihrer Halbschwester.

1957: Naoko lebt in einer traditionellen japanischen Familie während der amerikanischen Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie verliebt sich in einen US-Soldaten, der ihr verspricht sie zu heiraten. Doch ihre Liebe steht unter keinem guten Stern: Japanerinnen, die sich mit Amerikanern einlassen, werden von ihrer Familie verstoßen. Soldaten, die heiraten wollen, brauchen die Genehmigung ihres Kommandanten.

Der Roman wird in zwei Zeitebenen aus den Blickwinkeln von Tori und Naoko erzählt, der Schreibstil ist bildgewaltig und flüssig, die Beschreibungen der japanischen Familientraditionen hautnah und spannend. Naoko ist trotz ihrer Jugend ein selbstbewusster Charakter, die sich für ihre Liebe entscheidet, Jim, den sie Hajime nennt, ist wesentlich unreifer. Der historische Teil hat mich beeindruckt und gefesselt, viele Szenen machen wütend oder rühren zu Tränen, beispielsweise das Entbindungsheim, das Mütter von unerwünschten Babys »befreien« soll. »Hier schreien nur die Mütter, nicht die Babys«. Mischlingskinder waren unwillkommen, deren Mütter geächtet.
Toris Geschichte in der Gegenwart beschäftigt sich mit der Aufklärung. Ihr wird erst jetzt bewusst, dass ihr Vater seine Erinnerungen an Japan in Geschichten verpackt hat, und versucht nun, seine Botschaften zu entschlüsseln.
Im Buch erlebt man ihn als jungen Soldaten sowie als Sterbenden, die Zeit dazwischen bleibt unklar. Damit kämpft auch seine Tochter: Der liebende Vater hat offenbar in seiner Jugend eine Frau schwanger sitzen gelassen.
Die Story hat mich gefesselt und tief berührt, das Ende ist schlüssig, selbst wenn ein paar Dinge von der Autorin vermutlich bewusst im Dunkeln gelassen wurden. Eine bewegende Geschichte, die noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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