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Liselottchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2025

Eine Abrechnung mit dem bequem gewordenen Bürgertum

Shitbürgertum
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Der Autor beschäftigt sich in diesem Sachbuch mit der Gesellschaft, die aus dem Wohlstand gewachsen sich bequem zurückgelehnt hat und aus den Lehnstühlen vorzugsweise vor dem Fernsehapparat nicht mehr ...

Der Autor beschäftigt sich in diesem Sachbuch mit der Gesellschaft, die aus dem Wohlstand gewachsen sich bequem zurückgelehnt hat und aus den Lehnstühlen vorzugsweise vor dem Fernsehapparat nicht mehr hervorbewegen mag. Während ein anderer Teil der Bevölkerung das Land kaputt macht. Nach Jahrzehnten Frieden wiegen sich die meisten in Sicherheit und möchten mit minimaler Anstrengung ein Leben in Luxus führen. Poschardt listet Dinge auf, die zum Nachdenken anregen und hält den Menschen einen Spiegel vor, der sich unangenehm anfühlt. Bereits in seinen beiden Vorworten geht er hart ins Gericht: »Das Shitbürgertum lebt vom Geld derjenigen, die es beschimpft, verachtet und zerstört.« Das Nicht-Shitbürgertum sieht zu.
Leider sind mir Teile des Buchs etwas zu hoch, die Sprache ist in verschachtelten Sätzen mit zahlreichen Fremdwörtern gespickt, sodass ich oft mehrmals lesen musste, um zu verstehen, was gemeint ist. Zudem setzt der Autor ein Grundwissen von geschichtlichen Ereignissen und Personen heraus, das ich zwar teilweise besitze, jedoch trotzdem einige der genannten und zitierten Personen googeln musste. Aber er schreibt nichts, was nicht der Wahrheit entspricht. Die provokanten Äußerungen bieten hoffentlich eine gute Grundlage zum Nach- und Umdenken Ich persönlich hätte mir an manchen Stellen eine einfachere Ausdrucksweise und ein paar Erklärungen mehr gewünscht, vor allem auch eine Perspektive für die Zukunft. Nach Beendigung de Buches habe ich nun auf jeden Fall ein mulmiges Gefühl, was uns erwarten wird.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Nachdenklich stimmender Liebesroman

Verliebt in Stockholm
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Mira ist Geigerin und hat die Chance in ein renommiertes Orchester aufgenommen zu werden. Mit Stargeiger Alessandro verbindet sie eine Affäre, und hofft, dass mehr draus wird. Eine Schulterentzündung scheint ...

Mira ist Geigerin und hat die Chance in ein renommiertes Orchester aufgenommen zu werden. Mit Stargeiger Alessandro verbindet sie eine Affäre, und hofft, dass mehr draus wird. Eine Schulterentzündung scheint nun all ihre Träume platzen zu lassen. Bei der Ärztin trifft sie auf ihren Jugendfreund William. Die damalige Trennung ist unschön verlaufen, nun wird sie erneut damit konfrontiert.

Die Autorin erzählt ihren Roman in zwei Zeitebenen: In der Gegenwart und vierzehn Jahre zuvor. Mira ist mit Alessandro zusammen, doch der berühmte Geiger ist ständig unterwegs und sie haben wenig Zeit, ihre Liebe auszuleben. Als sie auf ihre große Liebe in der Jugendzeit trifft. Wirft sie das in einen Wirbelsturm von Erinnerungen und Gefühlen. Stück für Stück werden die Ereignisse in der Vergangenheit aufgerollt, das ist spannend und ich war neugierig auf Williams Geheimnis und die Trennung der beiden. Die Geschichte der Gegenwart beschäftigt sich mit der wertvollen Geige, die Mira als Leihgabe bekommen hat, und wer sie vor ihr spielen durfte. Diese Nebenhandlung hätte es für mich nicht gebraucht, dafür wären mit ein paar Takte am Schluss und Aufklärung (beispielsweise über Williams Eltern) lieber gewesen.
Der Schreibstil ist flüssig lesbar und trotz meiner kleinen Kritik hat mich das Buch gut unterhalten, daher gibt es eine klare Leseempfehlung von mir.


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Veröffentlicht am 03.04.2025

Unmenschliche Odyssee durch eisiges Land

Um jeden Preis
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Lydia lebt mit Eltern und Geschwistern in der Ukraine. Die Familie sind Deutsche, die das Land bewirtschaften. Die roten Brigaden unter Stalin lassen die Bauern aushungern, kassieren die gesamte Ernte ...

Lydia lebt mit Eltern und Geschwistern in der Ukraine. Die Familie sind Deutsche, die das Land bewirtschaften. Die roten Brigaden unter Stalin lassen die Bauern aushungern, kassieren die gesamte Ernte und gründen Kolchosen. Lydias Eltern müssen Zwangsarbeit leisten und erhalten kaum Nahrung für sich und die Kinder. Drei ihrer Geschwister sterben. Doch es kommt noch schlimmer: Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Familie zwangsumgesiedelt und muss sich unter schwierigsten Bedingungen in die eisige Kälte Sibiriens begeben. Die Lebensbedingungen sind unmenschlich hart. Als der Vater eingezogen wird, muss die Mutter allein für ihre fünf Kinder sorgen, Lydia und ihrer ältere Schwester Katja arbeiten fortan zwölf bis vierzehn Stunden um ihre jüngeren Geschwister durchzubringen. Doch es soll noch schlimmer werden ...

Im ersten Teil des Buches erzählt Lydia, die offenbar später ihre Erlebnisse niedergeschrieben hat. Es ist wie ein Tagebuch. Was ihr und ihrer Familie zugemutet wurde ist barbarisch und menschenverachtend. Der Schreibstil ist gut leserlich und ich flog nur so über die Seiten. Für mich war unglaublich, was Lydia alles durchmachen musste. Über viele Dinge erzählt sie einfach nüchtern und einiges wird kurz gefasst, die Story hat mich berührt und demütig werden lassen. Mit wie wenig ein Mensch überleben kann! Und was man alles aushält – sagenhaft.
Der zweite Teil ist anders: Lydias erwachsene Kinder erzählen Episoden. Die lesen sich ebenfalls sehr gut, wie kleine Kurzgeschichten. Dennoch hätte ich es lieber gehabt, wenn Lydias Geschichte weitergegangen wäre.
Der Anfang, als die Autorin mit den »echten« Protagonisten aus dem Buch spricht, ist mir unheimlich nahe gegangen – das Leben schreibt doch die schönsten und auch schlimmsten Geschichten.
Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Vorlesebuch und Ratgeber in einem

Ups, ich bin krank
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Dieses Buch ist zweigeteilt, in einem Teil wird die Vorlesegeschichte rund um die kranke Leonie erzählt. Erst hat sie Bauchweh im Kindergarten, zu Hause Fieber und muss schließlich zum Arzt gehen. In diese ...

Dieses Buch ist zweigeteilt, in einem Teil wird die Vorlesegeschichte rund um die kranke Leonie erzählt. Erst hat sie Bauchweh im Kindergarten, zu Hause Fieber und muss schließlich zum Arzt gehen. In diese Geschichte ist viel Wissenswertes eingepackt, beispielsweise die Wartezeit beim Arzt, dass man eine Urinprobe abgeben muss und sogar eine Ultraschalluntersuchung. Hier fehlen mir die unangenehmen Sachen, wie Blut abnehmen oder Medizin schlucken, eventuell eine Spritze. Leonie erhält ein Bonbon als Belohnung, das ist auch nicht mehr zeitgemäß, beim Kinderarzt gibt es eher Aufkleber oder Ähnliches.(das haben mir meine Enkelinnen gesagt, mit denen ich das buch gelesen habe). Zudem hat Leonie Bauchweh – da ist ein Bonbon bestimmt kontraproduktiv. Und welche Ärztin fragt »Wie geht es uns?« Dass die Kinderparty dann verschoben wurde war zwar ein schöner Abschluss, dennoch wäre mir lieber gewesen, dass Leonie damit klarkommen muss, dass man krankheitsbedingt auch Dinge versäumt.
Die Abschnitte zwischen den Erzählkapiteln sind Ratgeber für Eltern, sie befassen sich mit Tipps, wie man den Kindern alles erklärt oder auf ihre Gefühle eingeht. Die fand ich sehr gut, vor allem für Menschen, die medizinisch komplette Laien sind.
Mein Fazit: Ein Buch mit liebevollen Illustrationen für Kinder, die zu Hause eine (leichte) Krankheit haben und bei denen der Arztbesuch harmlos verläuft. Kinder, die größere (schmerzhaftere) Untersuchungen vor sich haben oder sogar ins Krankenhaus müssen ist diese Geschichte nicht ausreichend. Da es jedoch häufiger vorkommt, dass Kinder krank werden und zu Hause betreut werden können, ist dieses Buch bestimmt hilfreich. Vor allem die Tipps gegen Langeweile und die Geschichte rund um Papa, der zum Zahnarzt muss, hat meinen Enkelkindern Spaß gemacht. Und sie war eine tolle Grundlage für zahlreiche Gespräche.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Wenn das Leben Kopf steht

Der Bright-Side-Running-Club
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Keira steht mitten im Leben, sie hat in Tom einen liebevollen Ehemann, eine tolle Familie mit drei halbwüchsigen Kindern und ihre kleine Keramikfirma boomt. Die Diagnose Brustkrebs reißt sie grausam aus ...

Keira steht mitten im Leben, sie hat in Tom einen liebevollen Ehemann, eine tolle Familie mit drei halbwüchsigen Kindern und ihre kleine Keramikfirma boomt. Die Diagnose Brustkrebs reißt sie grausam aus ihrer Komfortzone. Von jetzt auf gleich ist alles anders. Sie muss operiert werden mit anschließender Chemotherapie. In ihrer Firma drängen sich plötzlich zwei Mitarbeiter vor, die sie ins Aus katapultieren wollen. In der Anwaltsfirma ihres Mannes beginnt eine neue sexy Anwältin zu arbeiten und ihre Kinder sind nicht die Bilderbuchkinder, die man sich in solch einer Situation wünschen würde. Keira trifft auf eine Laufgruppe, in der alle Krebs haben und täglich eine Runde drehen. Nicht nur das Laufen selbst hilft ihr, sondern auch der Rückhalt in der Gruppe, die alle im gleichen Boot sitzen.

Was für ein unglaublich berührend emotionales Buch! Die Autorin lässt die Leserinnen und Leser mit feinfühliger Sensibilität in die Welt einer krebskranken Frau eintauchen. Sie beschönigt nichts, lässt uns an allen Hochs und Tiefs, mit allen Schwierigkeiten, Schocks und Problemen, teilhaben. Dennoch behält die Geschichte eine gewisse Leichtigkeit und vor allem gelingt es ihr, den Spannungsbogen hochzuhalten. Die Ängste von Keira sind nachvollziehbar und plastisch dargestellt. Auch der Schock ihrer Familie, die erst nach und nach auf die Bedürfnisse von Keira eingehen können, wird hautnah geschildert. Eine besonders berührende Szene war für mich, als der Sohn sich ebenfalls eine Glatze scheren hat lassen, als der Mutter auf Grund der Chemotherapie die Haare ausfielen.
In den Nebenhandlungen geht es hoch her: Intrigante Mitarbeiter wollen Keira aus ihrem eigenen Geschäft drängen und nutzen ihre Krankheit schamlos aus. Toms Chef hat kein Verständnis, dass dieser seine Frau an erste Stelle setzt, und auch Schwiegereltern und Mutter tragen vorläufig nicht viel zu Keiras Unterstützung bei. Erst nach und nach wird eine Akzeptanz aufgebaut und die Wogen glätten sich. Mich haben die Geschichte und der bildhaft ehrliche Schreibstil der Autorin, die eigene Erfahrungen eingebaut hat, von Anfang an gefallen und beeindruckt. Ein Buch über ein Tabu-Thema, das ich allen wärmstens ans Herz lege.

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