Profilbild von Lui_

Lui_

Lesejury Star
offline

Lui_ ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lui_ über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2025

Lebendig wirkender Klassiker

Verstand und Gefühl - die Graphic Novel nach Jane Austen
0

Ich kannte durch mein Studium sowohl Austens Klassiker als auch eine dazugehörige Verfilmung, was sich als hilfreich für das Verständnis der Graphic Novel erwiesen hat. Bedingt durch die Erzählform gibt ...

Ich kannte durch mein Studium sowohl Austens Klassiker als auch eine dazugehörige Verfilmung, was sich als hilfreich für das Verständnis der Graphic Novel erwiesen hat. Bedingt durch die Erzählform gibt es wenig Text und schon gar keine langen, sperrigen Klassiker-Satzkonstruktionen. Dadurch ist die Graphic Novel auch für Neulinge eine großartige Möglichkeit, um möglichst unkompliziert in Austens zeitlose Geschichte einzutauchen.
Man fliegt nur so durch die Seiten und nimmt viele Emotionen über die wunderschönen Illustrationen auf. Diese lassen auch das historische Setting überaus lebendig erscheinen. Nicht zuletzt deshalb habe ich sie manchmal einfach verzückt angesehen und mich völlig in den Zeichnungen verloren, die auch ganz hervorragend zum Herbst, also in die aktuelle Jahreszeit, passen. Dank ihnen schimmerten nicht nur am Ende der Handlung Tränen in meinen Augen.
Ich habe Elinor und Marianne gerne auf ihrem Weg durch Schicksalsschläge, Irrungen und Wirrungen sowie gesellschaftliche Grenzen der Zeit zu ihrem persönlichen Glück begleitet, mit ihnen gelitten und gehofft. Mögen sie auch von noch so verschiedenen Motiven angetrieben werden, sind beide doch gleich sympathisch.
Eine kurze Einleitung oder wenigstens eine namentliche Vorstellung bzw. Ersterwähnung aller Charaktere wäre allerdings hilfreich gewesen. Vor allem für all jene, die diese Graphic Novel ohne Vorwissen in die Hand nehmen. Manche der Nebencharaktere sehen sich außerdem ähnlich, weshalb ich manchmal aus dem Lesefluss gerissen wurde und erst einmal überlegen musste, mit wem wir es hier eigentlich zu tun haben.
Insgesamt hat mir die Graphic Novel sehr gefallen. Ich werde sicher irgendwann noch einmal zu ihr greifen. Ein Augenschmaus fürs Bücherregal und eine wundervolle Geschenkidee für Austen-Fans ist sie allemal.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.09.2025

Mitunter zähe Angelegenheit

We hunt the Flame
0

Cover und Titel haben mich direkt neugierig gemacht, aber leider konnte mich die Geschichte dahinter nur phasenweise fesseln.
Dieses Buch hat mich seit Anfang des Jahres begleitet. An vielen Tagen kam ...

Cover und Titel haben mich direkt neugierig gemacht, aber leider konnte mich die Geschichte dahinter nur phasenweise fesseln.
Dieses Buch hat mich seit Anfang des Jahres begleitet. An vielen Tagen kam ich nur wenige Seiten voran, bevor ich es genervt wieder zur Seite gepackt habe. Der Schreibstil ist etwas blumig und bietet damit zwar eine Prise Poesie sowie wunderschöne Beschreibungen, gestaltete das Lesen für mich aber eher anstrengend. Viele Sätze musste ich mehrfach lesen. Über manche Stellen bin ich auch regelrecht gestolpert und habe verwirrt zurückgeblättert, weil ich befürchtet habe, irgendwas verpasst zu haben. Dazu kamen das mühsame Nachschlagen vieler Worte im Glossar, die dem Setting aber immerhin größere Lebendigkeit verleihen, sowie der sehr langsame Start der Handlung.
Trotz der beiden wechselnden Erzählperspektiven bin ich mit Zafira und Nasir nicht ganz warm geworden. Immerhin wirken sie mit ihren Ecken und Kanten sehr menschlich. Auch der sehr langsame Fortgang der dezenten Lovestory ist nur so glaubhaft, jedoch konnte mich auch die Chemie zwischen beiden nicht ganz abholen. Meine Highlights waren die Schlagabtausche zwischen Nasir und Altair. Auch die Entwicklung der einzelnen Charaktere hat mir sehr gefallen.
Die Grundidee der Handlung fand ich durchaus spannend und habe gerne mit den Charakteren mitgerätselt, was eigentlich los ist und wer welche Motivation verfolgt. Manche Wendungen habe ich kommen sehen, andere nicht. Außerdem mochte ich den eingebauten Feminismus, die orientalisch-inspirierte, düstere Fantasywelt selbst und die Art und Weise, wie diese uns Lesenden erklärt und Geschichten in der Geschichte eingewoben wurden. Deshalb - und aus Interesse am zum Ende hin aufgegriffenen Schicksal zweier Nebencharaktere - werde ich die Dilogie wohl weiterverfolgen.
Insgesamt war ich von diesem Auftaktband unter Berücksichtigung seiner großen Beliebtheit im englischen Sprachraum eher etwas enttäuscht. Fans zeitaufwendiger, charakterzentrierter Fantasygeschichten sollten hier aber dennoch einmal reinlesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.08.2025

Keine leichte Kost

Der Sternenstaubdieb
0

Ich kam nur schwer durch dieses umfangreiche Buch, das allein schon aufgrund der Vielzahl handelnder Personen einiges an Konzentration erfordert. Schließlich dauerte es zu Beginn auch etwas, bevor die ...

Ich kam nur schwer durch dieses umfangreiche Buch, das allein schon aufgrund der Vielzahl handelnder Personen einiges an Konzentration erfordert. Schließlich dauerte es zu Beginn auch etwas, bevor die Geschichte Fahrt aufnimmt. Dann lauerte jedoch gefühlt an jeder Ecke Gefahr, sodass es sich für mich überladen anfühlte.
Ich mochte, wie scheinbar mühelos die Fantasywelt erklärt wurde. Auch die bedrohliche Atmosphäre, in der man niemandem trauen konnte, und die tiefere Bedeutung des Titels haben mir gefallen. Die grausame Dschinn-Magie sorgt zusätzlich für eine Spur Grusel, die mir eiskalte Schauer über den Rücken gejagt und dafür gesorgt hat, dass ich an manchen Stellen besser nicht abends weitergelesen habe.
Leider konnte ich mich trotz Perspektivwechseln nicht wirklich in die ProtagonistInnen hineinversetzen. Selbst eigentlich schockierende Wendungen haben mich so gar nicht abgeholt und eher kaltgelassen als emotional berührt.
Die herrlich widerwillige Zusammenarbeit der Reisegruppe hat mich immerhin mal schmunzeln lassen. Loulie war mir grundsätzlich sympathisch mit ihrem großen Herzen und Helfersyndrom. Mazens Entwicklung zu selbstbestimmteren Aktionen hat mir aber wohl am besten gefallen. Aisha erschien mir dagegen oft zu blass, ihre Perspektive wirkte leider lange Zeit eher wie bloßes Beiwerk. Erst gegen Ende nahm die innere Zerrissenheit der Charaktere für mich richtig nachvollziehbar Gestalt an.
Viele Wendungen, viel grausige Action, aber war ich nicht mit dem Herz bei der Sache. Mein Highlight waren die Geschichten in der Geschichte, welche dann wirklich die versprochene magische Lagerfeuerstimmung entfalteten. Es fiel mir insgesamt nur selten schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Allerdings blieb die Handlung durch aufgeworfene Fragen stets interessant genug, um grundsätzlich weiterlesen zu wollen, auch wenn zwischenzeitlich der rote Faden verloren schien. Am besten gefiel mir der Abschluss, kein fieser Cliffhanger, sondern bittersüß und passend zur vorherigen Handlung. Wahrscheinlich werde ich auch den zweiten Band lesen, da ich sehr neugierig auf einen gegen Ende eingeführten Charakter bin.
Für High-Fantasy-Fans, die von zusammengewürfelten Gruppen ausgeführte Quests vor märchenhaftem Wüstensetting suchen, könnte sich diese düstere Geschichte dennoch lohnen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.07.2025

Eine würdige Fortsetzung

Season for Scandal
0

Selten habe ich mich in letzter Zeit so sehr auf eine Fortsetzung gefreut, wie auf diese hier und ich wurde nicht enttäuscht.
Ich liebe Laura Woods Schreibstil. Es fällt einfach so schwer, ihre Bücher ...

Selten habe ich mich in letzter Zeit so sehr auf eine Fortsetzung gefreut, wie auf diese hier und ich wurde nicht enttäuscht.
Ich liebe Laura Woods Schreibstil. Es fällt einfach so schwer, ihre Bücher aus der Hand zu legen, weil sie Spannung, teils schwermütigen Tiefgang und Humor abwechslungsreich zu verbinden weiß. Auch diese Geschichte sorgt mit schlagfertigen Dialogen für gute Laune, bietet Momente zum Schmachten und Mitfiebern. Besonders haben mir die passend zu Marigolds Job als Blumenhändlerin liebevoll eingestreuten Details um die Bedeutung von Blumenarten gefallen.
Die Protagonistin ist eine beeindruckende junge Frau, ihr Schwanken zwischen Liebe und Sorge für ihre Familie und eigenen Zukunftswünschen erschien sehr gut nachvollziehbar. Die Sympathie für Oliver wuchs bei mir entsprechend seiner harten Schale und grummeligen Art erst mit einigen Enthüllungen. Es hat diesmal etwas gedauert, bis ich die Funken zwischen dem Paar gespürt habe, letztendlich hat mich das romantische Finale dann aber sogar zu Tränen gerührt. Die Krimihandlung hat jedoch sofort zum Miträtseln eingeladen und zusätzlich dafür gesorgt, dass ich gar nicht bemerkt habe, wie die Zeit während des Lesens verflogen ist.
Ganz besonders hat mich das Wiedersehen mit den Charakteren aus dem ersten Band gefreut sowie die Tatsache, dass wir hier Mrs. Finch etwas näher kennenlernen. Dieser herrlich bunte Freundeskreis hat eindeutig mein Herz erobert und ich erwarte bereits gespannt den dritten Teil der Reihe.
Auch wenn dieser Band ernster und erwachsener als der Vorgänger gestartet ist, merkt man an manch rosaroter Abhandlung von Problemen zum Ende hin doch, dass das Buch auf ein jüngeres Publikum abzielt. Dennoch empfehle ich es allen, die auf der Suche nach einem spicefreien, aber sehr romantischen Mix aus Krimi und Liebesgeschichte vor - keinesfalls verherrlichtem - historischem Setting sind und sich eine ordentliche Prise Feminismus wünschen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2025

Auftaktband mit Luft nach oben

Spark of the Everflame
0

Das wunderschöne Cover dieses Buchs hat mich in seinen Bann gezogen. So sehr, dass ich zu dem für mich eher seltenen Romantasy-Genre gegriffen habe.
Die leichte Lesbarkeit und die düstere Welt haben mir ...

Das wunderschöne Cover dieses Buchs hat mich in seinen Bann gezogen. So sehr, dass ich zu dem für mich eher seltenen Romantasy-Genre gegriffen habe.
Die leichte Lesbarkeit und die düstere Welt haben mir sofort gefallen, aber leider verfolgen wir hier nur die Erzählperspektive von unserer Protagonistin Diem, die auf der Suche nach ihrer verschwundenen Mutter die ihr unbekannte Welt der adligen Descended betritt und sich bald inmitten von Machtspielen wiederfindet. Diem, ein temperamentvoller Hitzkopf, erschien mir zu Beginn einfach nur unglaublich nervig. Sie trifft wiederholt waghalsige Entscheidungen, fliegt dabei auf und kommt dennoch irgendwie halbwegs heil aus der Sache heraus – nicht sehr realistisch.
Lücken im Plot gepaart mit Diems Naivität sowie aktuell gut laufenden Romantasy-Elementen ergaben Vorhersehbarkeit, unsympathische Hauptfiguren und damit viel Frustration auf meiner Seite. Einzig die Szenen in Diems Familienkreis oder ihre Heilerinbesuche bei kranken Kindern konnten mein Herz durchgehend erweichen.
60 Prozent lang war ich nicht wirklich begeistert, sogar kurz vor dem Abbruch, da ich das Gefühl hatte, die Handlung käme nicht vom Fleck, auch wenn es nie wirklich langweilig wurde. Zwei große Fragen haben mich jedoch weiterlesen lassen und es hat sich gelohnt, denn entgegen meinen Befürchtungen hat sich mancher Handlungsstrang schlussendlich glaubwürdig in andere Richtungen entwickelt. Auch wenn ich exakt diese Cliffhanger-Wendung erwartet habe, bin ich nun doch gespannt, wie Diems Geschichte weitergeht.
Die Hitze ist an einem Punkt der Handlung also doch noch buchstäblich übergesprungen. Apropos Romance, auch die sich anbahnende Liebesgeschichte hat schließlich weit weniger Raum eingenommen, als ich erwartet hatte.
Und mein Sinneswandel gegenüber Diem? Nun sie ist jung und verhält sich entsprechend. Im Chaos ihres unverarbeiteten Verlusts, dem verständlichen Wunsch nach Selbstbestimmung und aufrüttelnden Entdeckungen außerhalb ihres gewohnten Schutzumfelds erscheinen ihre lebensmüden Entscheidungen deutlich weniger verrückt.
In diesem ersten Band wurde viel Aufbauarbeit für die Folgebände geleistet, die mich nicht von Anfang an zum Schwärmen bringen konnte. Das Ende verspricht jedoch unglaubliches Spannungspotenzial für die nächsten Bände.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere