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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.11.2024

Ein Spannungs-Auf und Ab

Dezember 41
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Das Cover hat mich sofort angesprochen, die bildliche Gestaltung und düstere Farbgebung passen perfekt zu Setting und Inhalt des Buchs.
Am Tag nach Pearl Harbour stehen die USA unter Schock, während der ...

Das Cover hat mich sofort angesprochen, die bildliche Gestaltung und düstere Farbgebung passen perfekt zu Setting und Inhalt des Buchs.
Am Tag nach Pearl Harbour stehen die USA unter Schock, während der deutsche Spion Martin Browning plant, dem Land und dessen Vorsteher beim Erleuchten des Weihnachtsbaums vor dem Weißen Haus einen weiteren Treffer zuzufügen. Wer wird ihn aufspüren und stoppen können?
Der rasante Einstieg in die düstere Geschichte hat mir sehr gefallen, trotz einer Vielzahl handelnder Personen und teils ellenlanger Kapitel, die durch schnelle Perspektivwechsel dennoch kurzweilig erscheinen. Auf diesen Start folgte ein zäher Mittelteil, in dem ich mitunter die Lust verloren habe, zum Buch zu greifen. Im letzten atemberaubenden Drittel konnte ich es dafür wieder kaum aus der Hand legen. Durch den filmischen Erzählstil fühlt es sich an, als würde man die Geschehnisse hautnah miterleben.
Selten hat mir die Ausarbeitung eines historischen Kontexts in letzter Zeit so gut gefallen. Wer sich für Hollywoods Filmgeschichte interessiert, schon immer mal mit dem damals hochmodernen Super Chief quer durch die USA reisen oder tief ins politische - und schrecklich aktuell anmutende - Pulverfass der Zeit eintauchte wollte, wird voll auf seine Kosten kommen. Der Detailreichtum mag auf manche Lesende fast schon ermüdend wirken und klar, wer sich etwas mit Geschichte auskennt, weiß von Anfang an, wie der große Plan des Protagonisten ausgeht. Das hat dem Reiz der Handlung für mich aber keinen Abbruch getan.
Ich liebe es, wenn mir auch die Perspektive des Bösewichts geboten wird und ich seine Handlungen dadurch nachvollziehen, mich ihm mitunter fast schon gruselig nah fühlen kann. Allerdings sorgen die bereits erwähnten Perspektivwechsel dafür, dass die Charaktere etwas fremd bleiben. Angespannt mit ihnen mitgefiebert habe ich trotzdem. Sympathisch war mir am ehesten die taffe Privatdetektivin Stella, vor allem aber schätze ich, dass alle Figuren mit Stärken, Schwächen und reichlich realistisch wirkenden Grauzonen gestaltet wurden. Unbescholtene Helden sucht man hier also vergeblich.
Insgesamt hat mir die wendungsreiche Geschichte nicht zuletzt dank der grandiosen Atmosphäre gut gefallen. Eine klare Empfehlung für Fans alter Agentenfilme und historischer Spannungsromane mit Sogwirkung.

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Veröffentlicht am 20.10.2024

Kurzweiliger Geschichtsabriss für Interessierte ohne viel Vorwissen

Was war denn da los?!
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Die Autoren verschriftlichen hier die beliebtesten, unzusammenhängenden Geschichten aus ihrem Podcast „DAMALS und heute“ aus fünf Epochen. QR-Codes am Ende der jeweiligen Ausführungen verweisen auf die ...

Die Autoren verschriftlichen hier die beliebtesten, unzusammenhängenden Geschichten aus ihrem Podcast „DAMALS und heute“ aus fünf Epochen. QR-Codes am Ende der jeweiligen Ausführungen verweisen auf die dazugehörige Podcast-Folge. Für Antike- und Mittelalter-Fans sei direkt angemerkt, dass diese beiden Epochen weniger als die Hälfte ausmachen.
Obwohl pro episodenartiger Darstellung so viele Informationen auf wenigen Seiten auf die Lesenden einprasseln, sind die Abschnitte schnell beendet und durchaus mitreißend erzählt. Durch ihre Kürze bieten sie einen oberflächlichen Einblick, weshalb Menschen mit viel Vorwissen eher wenig Neues entdecken. Auch wenn die einzelnen Geschichten bebildert sind, hätten Karten und auch so mancher zusätzlich erklärende Satz den Geschichten trotzdem nicht geschadet.
Mit meinem Fachwissen gehöre ich eindeutig nicht zur Zielgruppe und habe mich auch an so mancher Formulierung gestört, allerdings wollte ich in erster Linie herausfinden, ob das Buch sich als Literaturtipp für meine Erstsemester-Studierenden eignet. Für mich war es dadurch eher ein unterhaltsamer Test meiner Grundlagenkenntnisse, wobei mich der Antike-Teil durch die Auswahl oft durchgekauter, aber eben scheinbar immer noch faszinierender Geschichten besonders enttäuscht hat.
Der Titel ist meiner Meinung nach unglücklich gewählt, da er Humor und eine besonders erheiternde Auswahl von historischen Ereignissen suggeriert, die sich eher nicht im Inhalt widerspiegelt.
Insgesamt eine alles andere als langweilige, lehrreiche Reise durch die Epochen für alle, denen das Podcast-Format eher weniger zusagt und sicherlich eine tolle Geschenkidee für historisch interessierte Laien, die auf der Suche nach häppchenweise servierter, zugänglicher Einstiegsliteratur sind.

Veröffentlicht am 06.10.2024

Für Fans moderner Märcheninterpretationen

Ich fürchte, Ihr habt Drachen
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Das Cover hat mich sofort angesprochen. Es wirkt so herbstlich, aber auch etwas mystisch und verweist gelungen auf den Inhalt.
Prinzessin Cerise kann sich vor heiratswilligen Prinzen kaum retten. Als schließlich ...

Das Cover hat mich sofort angesprochen. Es wirkt so herbstlich, aber auch etwas mystisch und verweist gelungen auf den Inhalt.
Prinzessin Cerise kann sich vor heiratswilligen Prinzen kaum retten. Als schließlich einer ihr Herz erobern kann, bleibt nur ein Problem: die Drachenplage im Schloss. Ein Schädlingsbekämpfer muss also her. Doch was, wenn die eigentlich klar abgesteckten gesellschaftlichen Rollen plötzlich verschwimmen?
Ich fand nur schwer in das Buch. Das Schreibstil wirkt merkwürdig unausgewogen, mal hochtrabend künstlerisch, dann wieder fast einfallslos. Manche Sätze musste ich mehrfach lesen. Sprünge im Handlungsablauf haben mich zusätzlich verwirrt. Generell bleibt vieles zwischen den Zeilen ungesagt. Mitunter hätte ich mir mehr Erklärungen gewünscht, auch das Ende fühlte sich für mich zu abrupt und offen an.
Anfangs hat es mich zudem gestört, die Handlung nie wirklich greifen zu können, die vielen Wendungen haben mein Interesse aber letztlich aufrechterhalten können.
Erschwerend kam hinzu, dass ich in den ersten Kapiteln das Gefühl hatte, der Autor würde sich ein wenig zu sehr über seine Charaktere amüsieren. Hier wurde ich eines Besseren belehrt, da alle ProtagonistInnen aus ihren eigenen Schatten und vorgegebenen Wegen ausbrechen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen, was mir sehr gefallen hat. Die moderne Herangehensweise an die üblichen Märchenklischees konnte mich daher voll überzeugen. Der Kampf Gut gegen Böse jedoch eher wieder nicht. Die Lektüre glich also einem ständigen Auf und Ab.
Ich habe wegen des fantastischen Inhalts und der Aussicht auf viel Humor zum Buch gegriffen. Die Handlung hat sich jedoch als ziemlich düster entpuppt, was mich zwar überrascht, aber nicht gestört hat. Am meisten überzeugt haben mich schließlich die leisen romantischen Klänge. Wie die Charaktere sich öffnen und kennenlernen ist einfach großartig.
Insgesamt fällt es mir schwer dieses Buch zu bewerten. Während des Lesens hat es mir oft recht gut gefallen, in den Lektürepausen hatte ich aber nie den Drang, nach dem Buch zu greifen. Drachenfans und LiebhaberInnen von Märchenadaptionen auf der Suche nach einer dunkel-hoffnungsvollen, wendungsreichen Story mit toller Charakterentwicklung sollten dennoch einmal reinlesen.

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Veröffentlicht am 29.09.2024

Ein Ruhepol in Buchform

Im Schmetterlingsflieder
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Anni wagt einen Neuanfang und flieht aus der Großstadt in die Leipziger Seenlandschaft, um wieder zu sich selbst zu finden.
Dieses Buch spielt damit quasi vor meiner Haustür. Es war ungewohnt, ein solches ...

Anni wagt einen Neuanfang und flieht aus der Großstadt in die Leipziger Seenlandschaft, um wieder zu sich selbst zu finden.
Dieses Buch spielt damit quasi vor meiner Haustür. Es war ungewohnt, ein solches Setting zu lesen, gleichzeitig aber wahnsinnig interessant, die Gegend durch andere Augen zu sehen. Außerdem kann man hier so manchen Ausflugstipp mitnehmen.
Der Schreibstil ist angenehm. Annis Auszeit beziehungsweise ihrer Reise zu sich selbst entsprechend begegnet uns eine ruhige Handlung, die auch zum Nachdenken über die eigenen Lebensumstände anregt und dabei gleichzeitig eine Hommage an die kleinen Freuden des Lebens darstellt: Bücher, gutes Essen, Aufenthalte in der Natur und Zusammenkünfte mit besonderen Menschen. Ein Buch zum Abschalten und damit sicher auch eine geeignete Urlaubslektüre.
Mir war es teilweise schon etwas zu ruhig, was dazu geführt hat, dass ich etwas gebraucht habe, diese Geschichte zu beenden, da ich nicht den ultimativen Drang gespürt habe, dazu zu greifen. Dennoch hat mir die Lektüre inmitten des turbulenten Alltags durchaus gutgetan.
Anni ist eine sympathische Protagonistin, deren Wunsch nach einem Neuanfang ich absolut nachvollziehen konnte. Ihr Weg dahin ist glaubhaft und herzerwärmend. Was ihre romantischen Abenteuer angeht, hat es eine Weile gedauert, bis ich mich für diese erwärmen konnte. Immerhin kommt die Handlung hier ohne allzu viel Drama aus. Begeistert haben mich aber vor allem die Nebencharaktere, allen voran die vor Energie sprühende Evi und die resolute Danielle, über die ich jederzeit ein eigenes Buch lesen wollen würde.
Insgesamt hat mich die Geschichte gut unterhalten, mitunter tief bewegt, zum Grübeln animiert und meinen regionalen Entdeckergeist geweckt. Wer einen buchigen Zufluchtsort der Stille abseits vom Alltagsstress sucht, sollte hier unbedingt einmal reinlesen.

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Anders als die Kriminalromane

Reise in ein fernes Land
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Gleich vorab: Ich habe beruflich schon viele Reiseberichte gelesen und wusste daher genau, worauf ich mich womöglich einlasse. Und nun ja, dieser hier hat es nicht unter die besten geschafft.
Agatha Christie ...

Gleich vorab: Ich habe beruflich schon viele Reiseberichte gelesen und wusste daher genau, worauf ich mich womöglich einlasse. Und nun ja, dieser hier hat es nicht unter die besten geschafft.
Agatha Christie hat ihren Ehemann Max Mallowan in den 1930er Jahren mehrfach zu dessen archäologischen Ausgrabungen in Syrien und den Irak begleitet. Aus ihren Tagebuchnotizen und Aufzeichnungen bastelte sie später diesen Reisebericht zusammen.
Wer ihre Krimis kennt und auf ein ähnlich exquisites Leseerlebnis hofft, wird wohl zwangsweise enttäuscht werden. Der Reisebericht ist zwar gut lesbar und sogar bebildert, die Gliederung und der Erzählstil lassen aber zu wünschen übrig. Abrupte Themenwechsel und Wiederholungen stören das Gesamtbild.
Ich hatte mir zudem mehr Einblicke in die Ausgrabungen selbst gewünscht, da die jedoch das Metier ihres Ehemannes und nicht ihr eigenes waren, findet sich zwar interessantes, aber vergleichsweise wenig dazu. Stattdessen wird uns eher eine Charakterstudie der Mitreisenden, etwas Kultur sowie ein Bericht über Herausforderungen auf außereuropäischen Reisen geboten. All das vollzieht sich – nicht untypisch für diese Literaturgattung – unter westlichen Vorurteilen und Überlegenheitsgedanken, was, ebenso wie die Sprache der Zeit, durchaus in einem Vor- oder Nachwort problematisiert hätte werden sollen.
Wer Agatha Christie jedoch auf einer persönlichen Ebene kennenlernen und etwas über die Beziehung zu ihrem zweiten Ehemann erfahren möchte, wird hier fündig werden. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, mich der berühmten Krimiautorin einmal so nah zu fühlen. Wenn Christie mit Leichtigkeit und Selbstironie über Probleme beim Kleiderkauf, ihre Vorliebe für Schuhe oder Hemmungen bei sozialen Interaktionen schreibt, wirkt sie unglaublich sympathisch.
Allerdings bleiben ein paar offene Fragen: Wenn Christie die bereisten Gebiete so sehr liebte, wie sie durchweg behauptet, warum hat sie sich dann (trotz vor Ort geltender Geschlechterrollen) nie die Mühe gemacht, die Sprache zu lernen? Vor allem, da ihr Ehemann diese hervorragend beherrschte und die Kommunikation auch bei der Haushaltsführung vor Ort immer wieder zu Problemen führte.
Insgesamt kann ich die Lektüre des Reiseberichts nur bedingt empfehlen. Wer Christies Krimis kennt, sollte seine Erwartungen – vor allem sprachlich – reduzieren.

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