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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.10.2020

Eine Geschichte zum Träumen

Das Glück so leise
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Das Cover des Romans ist unaufdringlich, aber liebevoll gestaltet und spricht mich sehr an. Die fröhlichen Farben erinnern an Sommer und Wärme und zauberten mir direkt ein Lächeln aufs Gesicht. Damit passte ...

Das Cover des Romans ist unaufdringlich, aber liebevoll gestaltet und spricht mich sehr an. Die fröhlichen Farben erinnern an Sommer und Wärme und zauberten mir direkt ein Lächeln aufs Gesicht. Damit passte es super zum Inhalt des Buches.
Hinsichtlich eben dieses Inhalts möchte ich hier nichts weiter verraten und nur auf den Klappentext verweisen. Es sei aber so viel verraten: Es geht um Liebe, Freundschaft und Familie, um persönliche Höhen und Tiefen, um Akzeptanz und Selbstfindung. Damit sind eine Menge Handlungselemente gegeben, die keine Langeweile aufkommen lassen.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Lillan und Sam erzählt. Damit kann man beim Lesen ihre Gedanken super nachvollziehen, sich mit ihnen freuen und leiden und sie selbst besser verstehen. Der Schreibstil ist spritzig, fesselnd und immer wieder von Humor durchzogen. Aber auch negative Emotionen wie Traurigkeit oder Wut kommen berührend zur Geltung. Die Kapitel sind angenehm kurz und geben dem Ganzen damit eine gewisse Würze. Die schnellen Perspektivwechsel haben die Spannung aufrechterhalten und mich durch die Seiten fliegen lassen.
Die Charaktere sind liebevoll gestaltet und es hat mir viel Freude bereitet, sie kennenzulernen und mich in ihrer Welt zu bewegen. Lillan ist durchweg sympathisch, bodenständig, charakterstark und einfach liebenswert. Sam zeigt sich differenziert. Ich mochte nicht alle seine Seiten. Aber so ist das nun einmal. Kein Mensch ist perfekt. Er hat aber definitiv zu unterhaltsamen Stunden beigetragen. Sams Großmutter Henriette und Lillans Tochter Ida haben die Geschichte für mich abgerundet. Ihr Auftreten ist so erfrischend, direkt und hat mich immer wieder zum Lachen gebracht. Die rüstige, moderne und gewitzte Oma Henriette ist einfach der Wahnsinn!
Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen. Es war romantisch, triefte aber nicht vor Kitsch. Und ganz wichtig: Nicht alles war rosarot. Es gab auch nachdenklichere, etwas düstere Momente, die die Handlung realistisch wirken ließen. Über weite Teile handelt es sich hier um ein absolutes Wohlfühlbuch – aber eben mit Tiefgang. Wer Liebesgeschichten zum Träumen und Mitfiebern mag, ein traumhaftes Setting auf einem ländlichen Gestüt mit Abstechern in die Großstadt, sympathische, einnehmende Charaktere und eine Prise Humor sucht, ist hier genau richtig.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.10.2020

Auf der Suche nach der eigenen Identität

What I Like About You
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Das Cover gefällt mir gut. Es ist schlicht gehalten, passt aber dank kleiner Details super zum Inhalt. Die Farbgebung ist ansprechend, aufmunternd und fröhlich.

Hinsichtlich des Inhalts möchte ich hier ...

Das Cover gefällt mir gut. Es ist schlicht gehalten, passt aber dank kleiner Details super zum Inhalt. Die Farbgebung ist ansprechend, aufmunternd und fröhlich.

Hinsichtlich des Inhalts möchte ich hier nur auf den Klappentext verweisen. Neben Themen wie Freundschaft und Liebe geht es beispielsweise auch um Religion und Trauerbewältigung.

Der Schreibstil ist hervorragend. Er ist leicht, spitzig, direkt und fängt sowohl Humor als auch emotionale Stellen absolut perfekt ein. Das war für mich einer der größten Pluspunkte, da ich beim Lesen nur so durch die Seiten geflogen bin. Immer wieder werden zum Beispiel E-Mails und Textnachrichten eingeflochten, die den Lesefluss sowie den Inhalt unterstützen und das Gelesene zusätzlich veranschaulichen. Die Handlung wird aus Halles Sicht erzählt. Ihre Liebe zum Lesen und Backen ist für den Leser spürbar. Man kann ihre Begeisterung dadurch sehr gut nachempfinden und sich mit ihr identifizieren.

Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet. Halle steht kurz vor dem Schulabschluss, ist bedingt durch ihre Familie oft umgezogen und hat deshalb anfangs nur wenige Freunde und bleibende soziale Kontakte im echten Leben, was wohl ein Grund ist, weshalb sie sich in ihre Online-Identität flüchtet. Mit Halle, ihrer Doppelidentität und ihrer Art mit dieser umzugehen hatte ich zwischendurch meine Probleme, was vielleicht nicht zuletzt daran liegt, dass uns altersmäßig schon ein paar Jahre trennen. Letztlich kann man beim Lesen aber Halles Entwicklung zu einer selbstbewussteren jungen Frau nachvollziehen. Sei du selbst ist eine wichtige Message dieses Buches.

Neben Halle gibt es da noch Nash, der lange Zeit strahlend und fehlerlos dargestellt wird, was mir weniger gut gefallen hat, da niemand perfekt ist. Im letzten Drittel zeigt Nash aber glücklicherweise auch noch etwas realistischere Charakterzüge. Außerdem ist da Halles sympathischer Bruder Ollie, der Dinge voller Tatendrang angeht und ebenfalls auf der Suche nach seinem Platz in der Welt ist. Schließlich gibt es auch noch Halles und Ollies Großvater, den man bei einem emotionalen Prozess begleitet. Hier möchte ich nicht zu viel verraten, wohl aber, dass dieses Element der Geschichte mich mehrmals tief berührt hat. Die Entwicklung des Großvaters gehört für mich definitiv zu den schönsten am überzeugendsten ausgearbeiteten Teilen des Buches.

Insgesamt wurde ich gut unterhalten, wozu nicht zuletzt der grandiose Schreibstil beigetragen hat. Hier und da hat mir das Verständnis für die Protagonistin Halle gefehlt, was den Spaß am Lesen zeitweise gemindert hat. Manche Themen hätten gerade zum Ende hin etwas mehr Tiefe vertragen können und das Ende selbst kam mir zu unerwartet und plötzlich. Für junge Erwachsene auf der Suche nach einer Wohlfühlgeschichte mit etwas Tiefgang ist das Buch aber durchaus zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 15.09.2020

Überzeugender historischer Krimi

Der falsche Preuße
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Die Aufmachung des Buches mit Liebe zum Detail ist wunderschön. Nicht nur das Cover, das bereits Einblick in vergangene Zeiten gewährt, ist sehr schön und ansprechend gestaltet, auch das farblich darauf ...

Die Aufmachung des Buches mit Liebe zum Detail ist wunderschön. Nicht nur das Cover, das bereits Einblick in vergangene Zeiten gewährt, ist sehr schön und ansprechend gestaltet, auch das farblich darauf abgestimmte Lesebändchen gefällt mir sehr.

Inhaltlich geht es um die Ermittlungen am Mord an einem anfangs Unbekannten in München Ende des 19. Jahrhunderts. Der Ermittler untersucht letztendlich aber sogar in zwei Fälle, was ihn in verschiedene Zwickmühlen hinsichtlich seiner Arbeit und persönlicher Loyalitäten bringt. Wie genau es dazu kam, darauf möchte ich hier noch nicht genauer eingehen.

Der Kriminalfall selbst war solide gestaltet, hielt für mich aber wenig Überraschungen bereit, da ich ziemlich schnell selbst auf die Auflösung kam. Die Untersuchung entfaltet sich eher ruhig. Dennoch war die Handlung so gut umgesetzt, dass keinesfalls Langeweile aufkam. Die Handlung war immer wieder von humor- und spannungsvollen Elementen durchsetzt, was das Lesen sehr angenehm und abwechslungsreich gestaltete. Außerdem ist es der Autorin sehr gut gelungen, die Stimmung der Zeit mit der Handlung zu verweben und den Leser in das München des 19. Jahrhunderts mitzunehmen.

Mit dem Schreibstil habe ich mich besonders am Anfang des Buches etwas schwergetan. Immer wieder kommen veraltete und bildungssprachliche Begriffe und gelegentlich auch fremdsprachige Zitate vor. Das hat dem historischen Krimi Authentizität und ein Gefühl der Zeit verliehen, mir aber leider auch den Lesefluss etwas erschwert, weil ich das Buch wiederholt zur Seite gelegt habe, um hinter die Bedeutung dieser Worte zu kommen.

Die Charaktere sind durchweg mit Liebe zum Detail ausgearbeitet. Der Ermittler selbst ist durchweg sympathisch. Man kann seine Sorgen und Ängste bei der Ermittlung sowie den auf ihn ausgeübten Druck hinsichtlich der Aufklärung des Falles sehr gut nachvollziehen. Das macht ihn zu einem äußerst nahbaren Charakter. Dazu tragen auch der liebevolle Umgang mit seiner Familie und seine ausgeprägte Schwäche für Essbares bei. Auch seine Wachtmeister sind einzigartige, kauzige und liebenswerte Charaktere.

Hervorzuheben sind die Zitate zur zeitgenössischen Ermittlungsarbeit am Anfang jedes Kapitels. Dieses Detail hat mich regelrecht begeistert. Mehrfach gibt dieser historische Krimi Einblick in die Entwicklung der Kriminalistik und streut im Verlauf der Handlung hin und wieder interessante historische Fakten, sodass man vom Lesen gewissermaßen etwas für das eigene Allgemeinwissen mitnehmen kann.

Insgesamt handelt es sich um einen in sich geschlossen, gut umgesetzten, überzeugenden Krimi mit einem sehr sympathischen, nahbaren Ermittler. Das Miträtseln hat mir viel Freude bereitet.

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Veröffentlicht am 02.09.2020

Streben nach Selbstbestimmung

Die Wahnsinnige
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Das Cover ist wunderschön gestaltet. Das detaillierte Portrait lässt Rückschlüsse auf den historischen Kontext der Handlung zu. Die Anordnung des Titels mit den Spiegelungen im Hintergrund wirkt in sich ...

Das Cover ist wunderschön gestaltet. Das detaillierte Portrait lässt Rückschlüsse auf den historischen Kontext der Handlung zu. Die Anordnung des Titels mit den Spiegelungen im Hintergrund wirkt in sich schon irgendwie wahnsinnig, verrückt und springt sofort ins Auge.

Inhaltlich beleuchtet der Roman beispielhaft einige Episoden aus dem Leben Johannas von Kastilien näher. Dabei geht die Autorin der Frage nach, welchen Einfluss verschiedene Ereignisse oder Personen auf Johannas Leben und vor allem ihren Charakter und ihr Verhalten hatten, wie die junge Frau also von ihrer Umwelt geprägt wurde. Dadurch wirft Alexa Hennig von Lange einen kritischen Blick auf Johanna als „die Wahnsinnige“, wie ihr Beiname lautet.

Der Brief am Anfang des Romans hat den Einstieg sehr angenehm gestaltet. Der Schreibstil ist sehr direkt, aber auch bildhaft, atmosphärisch und passt zu den philosophischen Fragen, denen der Roman inhaltlich nachgeht. Dabei bleibt jede Art von Wertung außen vor, was ich sehr gelungen finde. So wird man beim Lesen dazu angehalten, sich eine eigene Meinung zu bilden und über das Gelesene nachzudenken. Dank des Schreibstils konnte ich Johannas Gefühle beim Lesen sehr gut nachempfinden.

Letztlich geht es vor allem um jene Gefühle. Es handelt sich hier nicht um einen actionreichen historischen Roman. Der Fokus liegt vielmehr auf den zwischenmenschlichen Beziehungen, die Johannas Verhalten bzw. Charakter prägten und den Regeln, nach denen sie lebte. Für mich ergab das einen faszinierenden, berührenden und erschreckenden Einblick in die Lebensumstände der spanischen Kronprinzessin, die sich innerhalb ihres Käfigs aus Verhaltensvorschriften nach Freiheit und Selbstbestimmung sehnte.

Auf den historischen Kontext wird im Roman nicht näher eingegangen. Hier wäre vielleicht etwas Vorwissen nötig. Für geschichtlich Interessierte, die einen modernen und kritischen Blick auf historische Persönlichkeiten gewinnen möchten, ist dieser Roman sehr zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 10.08.2020

Spannung vereint mit Gesellschaftskritik

American Spy
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Das Cover ist sehr gelungen. Es passt durch die hübsche aber nicht näher bestimmte Frauensilhouette perfekt zur Handlung und macht neugierig.

In American Spy geht es um die ehemalige Spionin Marie Mitchell, ...

Das Cover ist sehr gelungen. Es passt durch die hübsche aber nicht näher bestimmte Frauensilhouette perfekt zur Handlung und macht neugierig.

In American Spy geht es um die ehemalige Spionin Marie Mitchell, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, und deshalb ihr bisheriges Leben und ihre Entscheidungen überdenkt und niederschreibt. Das geschieht rückblickend mit Hilfe von Zeitsprüngen, die sich zwischen den 1960er- und 90er-Jahren bewegen. Anfangs fand ich es deshalb schwer, das Puzzle zusammenzusetzen und mit der Erzählweise mitzukommen, aber da man immer wieder in die drei gleichen Zeitabschnitte zurückkehrt, wurde es zunehmend leichter der Geschichte zu folgen. So erfährt man nicht nur etwas über Maries Gegenwart, sondern man sieht sie aufwachsen, begleitet sie bei ihrem Job beim FBI und ihrer Spionagetätigkeit. Das erleichterte es mir beim Lesen, Marie als Charakter näherzukommen. Ihre Motive und Lebensentscheidungen ließen sich so nachzuvollziehen. Die Erzählweise fand ich aber noch aus einem anderen Grund unglaublich gelungen. Man bekommt bedingt durch die Zeitsprünge nur häppchenweise Informationen serviert und weiß immer nur so viel wie Marie selbst zum jeweiligen Zeitpunkt, was für mich die anhaltende Spannung aufgebaut hat.

Die Charaktere sind detailliert ausgearbeitet worden. Marie ist eine liebevolle Mutter und eine mutige sowie intelligente junge Frau, die sich den Konsequenzen ihrer vergangenen Handlungen stellen muss. Marie erscheint dabei in mehreren Rollen: als brave Tochter, liebende Mutter und schließlich der vielseitigen, sich in ihren Einstellungen und Wünschen wandelnden Agentin. Keiner der Charaktere ist nur schwarz oder weiß gezeichnet, sie alle erscheinen in umfassenden Darstellungen und das machte sie für mich auch ein Stück weit glaubwürdiger.

Es geht aber um weit mehr als nur um eine ehemalige Spionin, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Es geht um die Auswirkungen des Kolonialismus, um die Konsequenzen, die schlussendlich aus dem Rückzug der Kolonialmächte entstanden, und die unter anderem ein politisches Machtvakuum schufen. Hierbei sei auch angemerkt, dass im Zuge der Handlung mehrfach geschichts- bzw. politikwissenschaftliche Begriffe fallen, wobei das Wissen um deren Bedeutungsinhalt beim Lesen vorausgesetzt wird. Mich hat das aber nicht weiter gestört. Weiterhin spielen am Beispiel Maries Debatten um Rassismus und die Rolle der Frau in der Männerwelt der amerikanischen Sicherheitsbehörden der 80er-Jahre eine wichtige Rolle. Dadurch gelingt es der Autorin, eine Verbindung zu aktuellen politischen Themen zu schaffen und zum Nachdenken über diese anzuregen.

Insgesamt wurde ich sehr gut unterhalten und unglaublich gefesselt von dieser anspruchsvollen Lektüre. Ich konnte das Buch beim Lesen des letzten Drittels kaum mehr aus der Hand legen. Der Thriller kommt allerdings ohne viel Blutvergießen aus, was auch bedeutet, dass man keinen filmreifen Actionstreifen in Buchform erwarten darf.

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