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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.12.2020

Warmherziges und mutmachendes Abenteuer

Elchtage
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„Elchtage“ ist das erste Jugendbuch von Autorin Malin Klingenberg. Eine Außenseiterin findet ihren Weg.

Am Schulanfang nach den Sommerferien beschließt Johannas beste Freundin Sandra lieber zur In-Clique ...

„Elchtage“ ist das erste Jugendbuch von Autorin Malin Klingenberg. Eine Außenseiterin findet ihren Weg.

Am Schulanfang nach den Sommerferien beschließt Johannas beste Freundin Sandra lieber zur In-Clique der Schule zählen zu wollen. Schulschwarm Sebastian bildet den Mittelpunkt des Interesses. Johanna kann über das seltsame Verhalten der Mädels nur den Kopf schütteln.

Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Johanna erzählt. Anders als erwartet geht die 13jährige Johanna sehr selbstbewusst mit der neuen Situation um. Sie hat eine starke Persönlichkeit und wirkt mit ihrer Liebe zur Natur und Tierwelt sehr sympathisch. Das gekünstelte Verhalten der Anderen, die schmachtenden Blicke bezüglich Sebastian stoßen bei ihr auf Unverständnis. Originell ist die Idee mit der selbstgebauten Hütte im Wald als Treffpunkt. Ein Sehnsuchtsort nicht nur für Teenager. Sebastian hat Klasse und besondere Interessen. Nähern sich die Beiden an? Bald macht Johanna eine neue Bekanntschaft, die die Geschichte mehr in Fahrt bringt. Sie trifft auf einen Seelenverwandten und hat eine ungewöhnliche Begegnung am See. Der Titel ist Programm, auch zwei Elche spielen eine Rolle. Die sanfte Annäherung zu den Tieren begeistert. Bilder entstehen im Kopf. Die Geschichte wirkt sehr lebendig. Johanna zieht mit einer offensichtlichen Entwicklung den Neid der Clique auf sich. Wird sich Sandra eingestehen, dass sie einen Fehler macht? Kurze Kapitel sorgen für einen guten Lesefluss. Das Abenteuer reißt mit. Humor fließt mit ein. Eine gemeinsame Vorliebe hat viel Herz. Mit einer kniffeligen Situation kommt Spannung auf. Die Themen „Erste große Liebe und echte Freundschaft“ werden in eine warmherzige, Mut machende Geschichte verpackt. Johanna wird zur Identifikationsfigur und weiß sich zu behaupten. Ihre Familie, Tierliebe und ihr Erfindungsgeist geben ihr Halt. Sie baut sich ein neues Umfeld auf, das zu ihr steht und weist so Lesern ab 11 Jahren ihren Weg. Viel zu schnell und abrupt kommt das Ende. Ein paar Seiten mehr hätten diesen Eindruck abmildern können.

Die Coverszene fängt den Zauber der Geschichte ein. Die Illustration zieht alle Blicke aufs Buch. Der Titel hat Humor und fasst das ungewöhnliche Abenteuer perfekt zusammen. „Elchtage“ übertrifft die Erwartungen mit besonderen Freundschaften und einer aufflammenden Liebe. Das Thema „Tierschutz“ wird facettenreich beleuchtet. Besonders für tierliebe Mädchen und die ganze Familie ein mitreißendes Leseabenteuer.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2020

Eine unglückliche Frau?

Grace. Das Mädchen mit den weißen Handschuhen
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In „Grace – Das Mädchen mit den weißen Handschuhen“ von Autorin Kerri Maher träumt eine junge Frau von Unabhängigkeit, Liebe, Anerkennung und einer Theaterkarriere am Broadway.

„Kerri Maher erzählt ...

In „Grace – Das Mädchen mit den weißen Handschuhen“ von Autorin Kerri Maher träumt eine junge Frau von Unabhängigkeit, Liebe, Anerkennung und einer Theaterkarriere am Broadway.

„Kerri Maher erzählt die Geschichte von Grace, die gegen den Willen der katholisch-konservativen Eltern nach New York ging, um Schauspielerin zu werden, und die sich in der männlich-dominierten Filmwelt behaupten musste für ihre Träume und ihre Freiheit ...“

Das Leben von Grace Kelly umgibt einen besonderen Zauber. Autorin Kerri Maher versucht der Persönlichkeit auf den Grund zu gehen und erzeugt das Bild einer eher unglücklichen, zerrissenen Frau, deren Träume und Wünsche an der Wirklichkeit scheitern. Rückblicke spannen einen Bogen zu der jungen Grace, die ehrgeizig ihre Pläne verfolgt, am Theater Fuß zu fassen und die Filmwelt für sich entdeckt. Graces entwickelt früh eine sehnsuchtsvolle Liebe zum Theater. Sie arbeitet als Fotomodell. Ihr Weg zum Erfolg ist steinig. Über lange Strecken überzeugt die Geschichte nur mit den Theater- und Filmstationen. Die Hauptfigur Grace Kelly ist wenig greifbar. Grace hat stets mit Selbstzweifeln zu kämpfen, muss sich behaupten, um die Anerkennung der Eltern buhlen. Sie stößt auf Widerstände und Unverständnis. Auch in der Liebe findet sie selten Halt. Intensiver wird die Atmosphäre als Grace Fürst Rainer kennenlernt. Mit dem Stilmittel „Brief“ wird die Annäherung der Beiden untermalt. Die Szenen wirken realer. Grace und Rainer entdecken Gemeinsamkeiten. Sie fühlt sich immer mehr zu ihm hingezogen. Der Weg bis zur Fürstin wird interessant erzählt. Es entsteht mehr Nähe zur Hauptfigur, die sich nach der zu kurz abgehandelten Hochzeit wieder verliert. Das Leben der Schauspielerin und Fürstin wird zu schwarz-weiß gemalt. Die permanenten Seitenhiebe gegen ihre Eltern und Rainer verderben den Unterhaltungswert. Besonders schlecht kommen Vater und Ehemann weg. Hinweise zu den Buchrecherchen lassen sich im Nachwort finden. Nicht alle aufkommenden Fragen werden beantwortet. Der Roman ist Fiktion und schafft es nicht der faszinierenden, warmherzigen und engagierten Grace Kelly gerecht zu werden.

Cover und Titel wecken die Neugierde auf die Geschichte um Grace Kelly. Der Name „Grace“ hat viel Anziehungskraft. „Grace – Das Mädchen mit den weißen Handschuhen“ enttäuscht mit einer negativen Grundstimmung. Es wird nicht erklärt, woher die Informationen zu Grace unglücklicher Gefühlslage und der erkalteten Liebe stammen. Der Fokus liegt zu sehr auf Leid und Frust. Das Glück nimmt sehr wenig Raum ein. Das Ende wird sehr theatralisch geschildert. Die Karrierestationen steigern den Wunsch, Grace Kelly auf der Bühne und im Film zu erleben und sich Hitchcockfilme mit ihr anzusehen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.11.2020

Herrlich skurriles und spannendes Abenteuer

Charlie – Ein Schulbus hebt ab
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In „Charlie – Ein Schulbus hebt ab“ von Autorin Irene Zimmermann erleben Willi und seine Freunde ein unglaubliches Abenteuer.

Normalerweise erledigt Hausmeister Freddie seine Klopapier-Tour mit dem Golfwägelchen. ...

In „Charlie – Ein Schulbus hebt ab“ von Autorin Irene Zimmermann erleben Willi und seine Freunde ein unglaubliches Abenteuer.

Normalerweise erledigt Hausmeister Freddie seine Klopapier-Tour mit dem Golfwägelchen. Willi traut seinen Augen nicht, als Freddie plötzlich mit einem knallgelben Schulbus auf dem Gelände des Dreistein-Internats auftaucht. Schwarm Maisie steigt ein.

Der faulste Hausmeister der Welt und seine Marotte stimmen auf eine unterhaltsame und humorvolle Geschichte ein. Bus Charlie ist eine eigenwillige Hauptfigur, die an den VW-Käfer Herbie aus dem Film „Ein toller Käfer“ erinnert. Charlie entwickelt ein Eigenleben. Was hat er vor? Mit dem sturen Bus beginnt ein rasantes, originelles Abenteuer. Willi und seine Freunde heben ab. Das turbulente Fliegen bereitet vor allen Dingen Schnösel Frank Schwierigkeiten. Außer Charlie kommen die Charaktere etwas zu kurz. Sie hätten gerne noch mehr Persönlichkeit, Ecken und Kanten haben können. Maisie und Willi entpuppen sich als tolles Team. Beide sind erfindungsreich, spontan und wissbegierig. Es geht um Freundschaft, Zusammenhalt, Kreativität, Abenteuerlust und Entdeckergeist. Der kindgerechte Erzählstil reißt mit und führt nah an die Geschehnisse heran. Skurriles wirkt real. Kurze Kapitel fördern den Lesefluss. Die witzigen, lebhaften Illustrationen von Tine Schulz zu Beginn der Kapitel und auf den Buchseiten sorgen zusätzlich für Unterhaltungswert. Das Rätsel um Willis Eltern wird nur angeschnitten und in Folgebänden eine weitere Rolle spielen. Keine neue Idee, die aber die Neugierde weckt. Was hat der Bus verbockt? Das Geheimnis um Charlie ist sehr gelungen. Den jungen Abenteurern steht eine gefährliche Mission bevor. Unheimliche, lauernde Bedrohungen in ungewöhnlicher Kulisse sind fesselnd inszeniert. Unvollendete Sätze steigern die Spannung. Bis zum Schluss eine herrlich kuriose Expedition mit überraschenden Begegnungen und pfiffigem Ende.

Das kunterbunte Cover verströmt Dschungel- und Abenteuer-Charme und passt perfekt zum Inhalt. Eine tolle, auffällige Illustration, die Aufmerksamkeit erregt. „Charlie – Ein Schulbus hebt ab“ spricht Jungs wie Mädchen an und ist ein packendes Leseerlebnis für die ganze Familie. Die Geschichte fördert die Phantasie, den Spaß an eigenen Entdeckungen und weist auf den Tierschutzgedanken hin.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.11.2020

Schräges Bühnenstück

Die Djurkovic und ihr Metzger
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„Die Djurkovic und ihr Metzger“ ist Band 8 der Krimireihe um Restaurator Willibald Adrian Metzger von Autor Thomas Raab. Eine schicksalhafte Wende legt Willibalds Welt in Scherben.

Beim Shopping kurz ...

„Die Djurkovic und ihr Metzger“ ist Band 8 der Krimireihe um Restaurator Willibald Adrian Metzger von Autor Thomas Raab. Eine schicksalhafte Wende legt Willibalds Welt in Scherben.

Beim Shopping kurz vor seiner Hochzeit trifft Willibald Adrian Metzger ausgerechnet auf Heribert Senekowitch. Vierzig Jahre haben sich die beiden nicht gesehen. Das kann kein gutes Omen sein.

Der Dialog am Anfang lässt Fragen aufkommen. Was ist da im Gange? Handlungswechsel, Willibald macht sich schweren Herzens auf den Weg, einen neuen Anzug zu kaufen. In den alten passt er nicht mehr rein. Was ist ein U-Hakerl? Wer die Krimireihe nicht kennt, für den sind Sprache und Erzählstil anfangs schräg bis verwirrend. Unspektakuläre Szenen ufern aufgrund des Slangs schon mal auf mehrere Seiten aus. Ein Ruhepol in dem etwas chaotischen Verlauf ist Willibalds bester Freund Hausmeister Petar Wollnar. Er behält den Überblick, hält sich aber leider manchmal in entscheidenden Momenten zu sehr zurück. Willibalds bald Angetraute Danjela hat mit Sprache und schlagfertiger Art Unterhaltungswert. Bald läuft alles aus dem Ruder. Rückblicke geben Hinweise auf Geheimnisse aus der Vergangenheit. In diesem Krimi zeigen Frauen Kante und den Männern wo es lang geht. Plötzlich steht alles Kopf und Willibald kapiert die Welt nicht mehr. Nicht nur für ihn wird es brenzlig. Neben anderen Ausschweifungen hat die Geschichte auch einige Seitenhiebe gegen Mensch und Gesellschaft parat. Sie werden in die Länge gezogen und bremsen die Geschichte aus. Was humorvoll gemeint ist, will sich nicht so richtig einpassen. Viel zu kurz kommt die Spannung. Es lässt sich Einiges vorausahnen. Ohne den schrägen Erzählstil wäre die Geschichte innerhalb weniger Seiten abgehandelt. Die Charaktere haben zu wenig Tiefe. Es fällt schwer, mit irgendjemanden mitzufiebern. Willibald ist eher ein Spielball. Petar läuft ihm den Rang ab. Der Unterhaltungswert des Skurrilen kommt nicht richtig durch. Zum Schluss gibt es zwar kleine Überraschungen, aber auch deren Intensität wird ausgeschaltet.

Das Cover wirkt durch das verschlissene Sofa und den Titel schräg und hat Sarkasmus parat. Durch das rote Möbelstück fällt es ins Auge. „Die Djurkovic und ihr Metzger“ ist eher etwas für Hardcore-Fans der Krimireihe und scheidet die Gemüter. Wer einen rasanten, packenden Krimi erwartet liegt hier falsch. Sprache, Handlungskauderwelsch und Erzählstil sind Geschmackssache.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.11.2020

Spiel mit dem Feuer

Dark
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„Dark“ ist das neueste Werk von Krimiautorin Candice Fox. Ihre „Hades und Eden“-Trilogie wurde 2014 und 2015 mit dem Ned Kelly Award ausgezeichnet.

Die ehemalige Ärztin Blair Harbour arbeitet seit ...

„Dark“ ist das neueste Werk von Krimiautorin Candice Fox. Ihre „Hades und Eden“-Trilogie wurde 2014 und 2015 mit dem Ned Kelly Award ausgezeichnet.

Die ehemalige Ärztin Blair Harbour arbeitet seit ihrer Gefängnisentlassung in der Tankstelle eines gefährlichen Clans. Sie versucht alles, um einen guten Kontakt zu ihrem Sohn Jamie aufzubauen, der bei einer Pflegefamilie lebt. Ein Mädchen auf der Flucht und eine spontane Tat ändern alles.

Der direkte Einstieg mit einer Bedrohung ist sehr gelungen. Es fällt leicht mit Blair mitzufiebern. Ihr Gegner steht unter Strom und ist unberechenbar. Eine Entscheidung überrascht. Handlungswechsel, Detective Jessica Sanchez wird wegen einem Erbe von ihren Kollegen gemobbt. Auch hier ist die drohende Eskalation greifbar. Unfassbar, welche Ausmaße Hass und Neid annehmen. Die Geschichte wird einerseits in der Ich-Perspektive aus Sicht von Blair erzählt und spaltet sich in zwei Handlungsstränge auf. Das vermisste Mädchen bildet den roten Faden. Was ist mit ihr geschehen? Briefe sind Puzzlestücke, die nach und nach etwas erahnen lassen. Im Fokus des Krimis stehen vier sehr gegensätzliche Frauen, die ein Interesse entwickeln, den Vermisstenfall gemeinsam zu lösen. Drei der Hauptfiguren haben etwas auf dem Kerbholz und sind Ex-Sträflinge. Das Eskalationspotential ist nicht nur wegen Marotten und Eigenarten hoch. Es spielen noch andere mit, die im Dunkeln bleiben und eine Gefahr für alle bedeuten. Besonders unberechenbar ist die Mutter des vermissten Mädchens. Sneak klaut selbst in heiklen Situationen. Auch dank ihr nimmt die Action zu, und es wird immer wieder brenzlig. Rechtsmediziner Diggy ist einer der wenigen sympathischen, männlichen Charaktere und steht Jessica zur Seite. Überraschende Wendungen sind gut inszeniert und steigern die Konflikte. Für eine Prise Humor sorgt ein kleiner, tierischer Akteur. Er wird perfekt in die Geschichte eingebunden und hat filmreife Auftritte. Alles steuert auf einen Showdown zu, der auch in mehrere Handlungen gesplittet ist. Gier, Kaltblütigkeit und Gnadenlosigkeit überschreiten Grenzen. Ein Twist sorgt für eine effektvolle Überraschung. Fesselnd bis zum Schluss.

Das Cover setzt auf Autorinnenname und Titel und zieht die Blicke aufs Buch. Die Szenerie unterstreicht die düstere, lodernde Atmosphäre. „Dark“ konzentriert sich auf die weiblichen Hauptfiguren und einen rätselhaften Fall und hat einen hohen Unterhaltungswert. Jede spielt auf ihre Weise mit dem Feuer und überschreitet Grenzen. Alle haben viel zu verlieren. „Endstation Gefängnis“ bildet das Damoklesschwert. Empfehlenswert für alle Thrillerfans, auch wenn manche Schwäche und mancher Hass/Wahnsinn etwas drüber sind. Die Fortsetzung mit einem ungewöhnlichen Ermittlerteam ist möglich.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere