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Veröffentlicht am 28.12.2025

Zwischen Herkunft und Zuhause: Ein Roman voller Herz und Hoffnung

Wohin ihre Flügel sie tragen
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Der Titel des Buches erweist sich als äußerst treffend und gewinnt durch das Nachwort der Autorin eine besondere Tiefe. Dort heißt es, dass „Lob und Dank unserem Vater gebühren, der uns sieht, wenn wir ...

Der Titel des Buches erweist sich als äußerst treffend und gewinnt durch das Nachwort der Autorin eine besondere Tiefe. Dort heißt es, dass „Lob und Dank unserem Vater gebühren, der uns sieht, wenn wir fliegen, der sich um uns sorgt, wenn wir fallen und der jederzeit seine Hand über uns hält“. Dieser Gedanke zieht sich spürbar durch den gesamten Roman und prägt seine warmherzige, hoffnungsvolle Atmosphäre.
Die Geschichte wird aus drei Perspektiven und klar voneinander abgegrenzten Zeitebenen erzählt. Linda berichtet aus der Sicht als Mutter im Jahr 1975, als die Familie durch die Adoption der kleinen Vietnamesin Minh – liebevoll Mindy genannt – im Rahmen der Operation Babylift wächst. Kinder wurden damals aus der Gefahrenzone des Vietnamkriegs in die USA gebracht, um dort ein neues Zuhause zu finden.

Sonny, die Tochter von Bruce und Linda, erzählt aus der Perspektive ihrer Jugend im Jahr 1988. Ihre Kapitel spiegeln das Aufwachsen der Halbschwestern wider: erste Verliebtheit, familiäre Veränderungen, Unsicherheiten und Reibungen, aber auch Zusammenhalt und Ehrlichkeit. Vater Bruce ergänzt die Geschichte aus der Gegenwart, verbunden mit Rückblicken, die das Erlebte einordnen und vertiefen.

Anfangs erfordern die zeitlichen Sprünge etwas Aufmerksamkeit, bis man sich in die familiären Abläufe, Sorgen, Ängste und auch die Vorurteile von außen eingelesen hat. Ist dieser Überblick jedoch gewonnen, entfaltet die Geschichte ihre volle emotionale Wirkung.

Durch die persönliche Erzählweise wirken die beschriebenen Emotionen besonders intensiv. Vor allem Vater Bruce schließt man schnell ins Herz: Seine liebevolle, offene Art, seine Bereitschaft, Gefühle zu zeigen, und sein aufrichtiges Bemühen, für jedes Familienmitglied da zu sein, verleihen der Geschichte große Authentizität.

Beeindruckend ist zudem der Umgang der Familie mit Mindy. Ob Sonnys direkte, manchmal dickköpfige Ehrlichkeit oder die Eltern, die sich ihren eigenen Ängsten stellen und ihre Adoptivtochter nicht nur beim Aufwachsen, sondern auch bei ihrem späteren Wunsch, nach ihrer Herkunftsfamilie zu suchen, unterstützen – stets stehen Annahme, Offenheit und Zuhören im Mittelpunkt.

Die Geschichte entwickelt sich anders als erwartet: emotional, stellenweise sehr berührend, zugleich aber auch mit leichten und humorvollen Momenten. Einige im Klappentext angekündigte Aspekte bleiben vergleichsweise knapp, sodass das Ende offen wirkt und Raum für eigene Gedanken oder eine mögliche Fortsetzung lässt.

Der christliche Glaube ist dezent, aber bewusst in die Handlung eingeflochten. Besonders die Hinweise auf Gottes Güte, seine Liebe zu allen Menschen und die Botschaft, dass Herkunft keinen Unterschied im Wert eines Menschen macht, fügen sich stimmig ein.
Insgesamt ist es ein lesenswertes Buch, auch wenn stellenweise mehr Tiefe oder Spannung möglich gewesen wäre und bekannte familiäre Entwicklungen teilweise vorweggenommen werden. Zurück bleibt jedoch eine berührende Geschichte über Familie, Vertrauen und das Wissen, gesehen und gehalten zu sein.

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Veröffentlicht am 24.12.2025

Vergebung, Neuanfang und leise Hoffnung – Claires bewegende Geschichte

Eine Versöhnung am Meer
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Im dritten Band der Summers-Schwestern von Sea View steht erstmals die verstoßene älteste Schwester Claire im Mittelpunkt. Nach einem folgenschweren Fehltritt findet sie zunächst Zuflucht bei ihrer Tante ...

Im dritten Band der Summers-Schwestern von Sea View steht erstmals die verstoßene älteste Schwester Claire im Mittelpunkt. Nach einem folgenschweren Fehltritt findet sie zunächst Zuflucht bei ihrer Tante in Edinburgh. Als diese unerwartet stirbt, bleibt Claire mittellos zurück und fasst den mutigen Entschluss, in die Nähe ihrer Familie nach Sidmouth zurückzukehren. Dort bewirbt sie sich als Teilhaberin eines Gästehauses – in der Hoffnung auf einen Neuanfang und vorsichtige Versöhnung.

Während ihre jüngeren Schwestern längst versuchen, wieder Kontakt zu ihr aufzunehmen, bleibt die Mutter hart, gebunden an den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes. Claire setzt dennoch alles daran zu beweisen, dass sie aus ihren Fehlern gelernt hat. Doch die feine Gesellschaft zeigt sich unerbittlich gegenüber Fehltritten, und Claires Weg ist geprägt von Geduld, harter Arbeit und stiller Reue.

Behutsam und ohne zu beschönigen erzählt die Autorin von Schuld, Verantwortung und der Kraft der Vergebung. Der Glaube fließt dezent, aber spürbar in die Geschichte ein und zeigt, wie Gottes Barmherzigkeit und Güte im Kontrast zu gesellschaftlicher Härte stehen. Besonders berührend sind die Begegnungen mit dem verwitweten Mr. Hammond und seiner zuckersüßen Tochter Mira, durch die Themen wie Vorurteile, Mitgefühl und echte Freundschaft aufgegriffen werden.

Auch wenn die Handlung ruhig verläuft und große Dramatik ausbleibt, überzeugt die Geschichte durch emotionale Tiefe, humorvolle Szenen und viele kleine, unerwartete Momente. Die liebevoll gezeichneten Charaktere, lebendige Ortsbeschreibungen und leisen Geheimnisse machen diesen Band zu einer stimmigen, gefühlvollen Erzählung über zweite Chancen. Ein sanfter, hoffnungsvoller Roman, der zeigt, wie wichtig es ist, Fehler einzugestehen – und anderen wie sich selbst Vergebung zuzutrauen.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Zwischen Dünenzauber und Winterwellen – Ein Wohlfühlroman mit Herz

Winterträume in der kleinen Pension am Meer
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Dieser Winterroman entführt erneut in die entschleunigte, besondere Atmosphäre Sylts, wo die Uhren spürbar langsamer ticken. Liebevoll beschreibt die Geschichte, wie Mutter Alma und Tochter Clara versuchen, ...

Dieser Winterroman entführt erneut in die entschleunigte, besondere Atmosphäre Sylts, wo die Uhren spürbar langsamer ticken. Liebevoll beschreibt die Geschichte, wie Mutter Alma und Tochter Clara versuchen, ihre Pension Meerglück und den kleinen Laden Schönerlei trotz Saisonflaute und Konkurrenzdruck über Wasser zu halten. Der familiäre Zusammenhalt, treue Gäste wie die warmherzige Heide und der geheimnisvolle Severin schenken Hoffnung – und sorgen für Herzklopfen und neue Fragen.

Besonders schön gelingt der Autorin der Blick hinter die Kulissen des Inselalltags. Zwischen Winterwind, Manufakturen und kleinen Betrieben zeigt sie die Herausforderungen, mit denen viele Insulaner zu kämpfen haben. Gerade diese authentische, wenig idealisierte Darstellung macht den Roman so charmant: Er feiert die kleinen, gemütlichen Dinge, die den wahren Inselcharme ausmachen.

Claras Verhalten wirkt zwar stellenweise impulsiv und kindlich, bleibt aber aufgrund ihrer Vergangenheit nachvollziehbar. Ihr Verhältnis zu Alma ist warmherzig gezeichnet und gehört zu den stärksten Elementen der Geschichte. Die wunderbare Heide stiehlt dabei fast allen die Show – mit Humor, Herz und klugen Ratschlägen erinnert sie an die Tante Änne aus früheren Bänden und verleiht dem Roman eine Extraportion Wärme.

Ohne übermäßigen Kitsch oder unnötige Dramatik entsteht ein ruhiger, stimmungsvoller Winterroman, der Kunst, Kreativität und Inselleben vereint. Ein leises, aber eindrückliches Leseerlebnis, das Lust auf Sylt und auf eine Pause vom Alltag macht.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Ein fesselnder Auftakt voller Mut, Intrigen und unerwarteter Wendungen

Schatten über dem Kloster
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Mit diesem neuen Auftakt um Isabella Falk hat die Autorin für mich erneut einen brillanten historischen Kriminalroman geschaffen. Schon von Beginn an hat mich die Persönlichkeit der jungen Richtergattin ...

Mit diesem neuen Auftakt um Isabella Falk hat die Autorin für mich erneut einen brillanten historischen Kriminalroman geschaffen. Schon von Beginn an hat mich die Persönlichkeit der jungen Richtergattin gefesselt: Isabella, frisch verwitwet und eigentlich in einer machtlosen Position, zeigt Mut, Klugheit und eine innere Stärke, die in der damaligen Zeit alles andere als selbstverständlich war. Genau diese Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit macht sie für mich zu einer außergewöhnlichen Protagonistin.

Als sie den Mord an Bürgermeister Alois Vogler aufklären muss, der in den verbrannten Überresten des Klosters Weißenfels gefunden wurde, wird schnell klar, dass dieser Fall weit mehr ist als ein einfacher Kriminalfall. Ihr eigenes Schicksal – der drohende Verlust von Haus und Hof an ihren habgierigen Schwager – ist eng mit der Aufklärung verknüpft. Für mich war besonders beeindruckend, wie die Autorin Isabellas Kampf gegen Intrigen, Machtspiele und gesellschaftliche Zwänge darstellt. Man spürt in jeder Szene die Enge und Ungerechtigkeit, die Frauen damals erlebten, aber ebenso Isabellas unerschütterlichen Willen, sich nicht kleinmachen zu lassen.

Die Zusammenarbeit mit dem Stadtschreiber Leonhard Stadler und seinem Freund Magnus Bader bringt interessante Dynamiken ins Spiel. Ich habe die sich langsam entwickelnde, vorsichtige Verbindung zwischen den dreien sehr genossen. Vertrauen, Zweifel, Freundschaft – all das schwingt stets mit. Und irgendwo zwischen den Zeilen hofft man unweigerlich, dass sich vielleicht eine zarte Liebesgeschichte anbahnt, ohne dass die Autorin es zu offensichtlich macht.

Besonders begeistert hat mich der Spannungsaufbau: Jede Vermutung, die ich beim Lesen hatte, wurde sofort wieder durch eine neue Wendung pulverisiert. Der Roman spielt regelrecht Katz und Maus mit den Erwartungen des Lesers. Es gibt Momente, die so überraschend und nervenaufreibend sind, dass ich tatsächlich kurz den Atem angehalten habe. Gleichzeitig sorgen heitere, manchmal sogar herzerwärmende Momente für einen gelungenen Ausgleich zum düsteren Grundton.

Auch das Miteinander im Hause Falk hat mich berührt. Die Loyalität der Angestellten und Isabellas respektvoller, warmherziger Umgang mit ihnen verleihen der Geschichte emotionale Tiefe. Ebenso schön fand ich die Rückblicke auf die Beziehung zu ihrem deutlich älteren Ehemann, die eine unerwartet liebevolle und harmonische Facette zeigt.

Und dann kommt dieses Ende – ein doppelter Cliffhanger, der mich vollkommen überrascht hat und den Wunsch nach der Fortsetzung enorm befeuert. Die Wendung ist zugleich riskant, schockierend und vielversprechend.

Auch das Cover hat mich sofort angesprochen. Es fängt die historische Atmosphäre perfekt ein und macht sofort deutlich, in welcher Epoche die Geschichte spielt. Der Titel harmoniert wunderbar mit der stimmungsvollen Gestaltung und weckt sofort Neugier auf die düsteren Geheimnisse, die sich hinter den Klostermauern verbergen.

Für mich ist dieser Auftaktband ein herausragender historischer Kriminalroman, der nicht einfach nur unterhält, sondern den Leser zum Mitdenken, Mitfühlen und Hinsehen herausfordert. Ein packender, atmosphärischer und emotional tiefgehender Einstieg in eine Reihe, von der ich unbedingt mehr lesen möchte.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Eine Reise des Glaubens, der Liebe und des Wandels – tief bewegend und unvergesslich

Halt in der Brandung
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Selten hat mich ein Buch so sehr berührt wie dieses. Schon das Cover zieht einen in seinen Bann, doch was wirklich begeistert, ist die Tiefe und Klarheit des Schreibstils. Die Autorin versteht es meisterhaft, ...

Selten hat mich ein Buch so sehr berührt wie dieses. Schon das Cover zieht einen in seinen Bann, doch was wirklich begeistert, ist die Tiefe und Klarheit des Schreibstils. Die Autorin versteht es meisterhaft, ohne unnötige Abschweifungen eine Geschichte zu erzählen, die lebendig, spannend und emotional berührend ist. Ich hatte das Gefühl, mitten im Geschehen zu stehen, Teil der Reise zu sein.

Emilie, die Hauptfigur, ist alles andere als perfekt – und gerade das macht sie so menschlich. Ihr innerer Kampf, ihr Stolz, ihre Zweifel und ihr Schmerz sind greifbar. Manchmal wollte ich sie schütteln, dann wieder einfach nur in den Arm nehmen. Die Erfahrungen, die sie prägen, die Verluste, die sie erleidet, und die Lektionen, die sie lernen muss, haben mich tief bewegt. Besonders ihre Entwicklung – vom vom Standesdenken bestimmten Mädchen zur mutigen jungen Frau, die den Wert von Glauben, Freundschaft und wahrer Liebe erkennt – war einfach großartig umgesetzt.

Dabei spielt auch der Missionar und mein heimlicher Favorit Conrad eine große Rolle. Mit strahlenden, ausdrucksstarken Augen, einem tiefen Glauben und einer Menge Geduld stellt er sich Emilies Argwohn, Standesdünken und Zweifeln an Gott und ihrem Leben. Diese Begegnungen zwischen den beiden haben mich stellenweise zutiefst berührt, das Hoffen und Bangen bis zum Schluss ließ mich kaum los.

Auch einige andere Charaktere, die ebenfalls das Herz der Geschichte bilden, tragen ihren Teil dazu bei, die alte Emilie wieder zum Vorschein zu bringen und ihr zu zeigen, dass Gott immer da ist – man muss nur die Augen öffnen, um zu sehen, wie er wirkt.

Die Reise nach Afrika, der Glaube an Gott, das Suchen nach ihrem Bruder – all das verschmilzt zu einer Erzählung voller Hoffnung, Erkenntnis und Glauben. Für mich ist dieses Buch ein echtes Herzenshighlight: berührend, glaubensstark und tiefgründig. Es erinnert daran, dass Glück nicht in Besitz oder Ansehen liegt, sondern in der Liebe zu Gott und zu den Menschen, die er uns an die Seite stellt. Ich kann den nächsten Band kaum erwarten – diese Autorin hat mich mit ihrer Geschichte vollkommen überzeugt.

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