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Veröffentlicht am 28.08.2025

Zwischen Melancholie und Erinnerung: Eine Reise durch zwei Zeitebenen

Die Verlorene
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In diesem Roman verarbeitet die Autorin persönliche Familiengeschichte, inspiriert von den Erinnerungen und Erzählungen ihrer Großeltern. Entstanden ist eine vielschichtige Erzählung auf zwei Zeitebenen, ...

In diesem Roman verarbeitet die Autorin persönliche Familiengeschichte, inspiriert von den Erinnerungen und Erzählungen ihrer Großeltern. Entstanden ist eine vielschichtige Erzählung auf zwei Zeitebenen, die sich mit tiefgreifenden Familiengeheimnissen beschäftigt – Geheimnisse, deren Wurzeln bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs reichen und die das Leben der Protagonistinnen nachhaltig geprägt haben.

Thematisch bewegt sich das Buch in schweren Gefilden: Heimatverlust, Identitätsfindung, generationsübergreifende Traumata – Schlagworte, die im Nachwort aufgegriffen werden und sich wie ein Schleier aus Melancholie über das gesamte Werk legen. Diese Düsternis durchzieht nicht nur die historische Ebene, sondern beeinflusst auch die Gegenwartshandlung in ihrer Stimmung deutlich.

Im Vergleich zu früheren Büchern der Autorin fiel mir der Einstieg diesmal schwer. Die wechselnden Zeitebenen empfand ich zu Beginn als verwirrend, auch blieben mir einige Charaktere in ihrem Verhalten fremd, was sich im Verlauf leider nur bedingt auflöste. Zwar entwickelten sich nach und nach die Zusammenhänge, doch geriet das Erzähltempo über längere Passagen ins Stocken. Besonders die intensive, teils krankhafte Beziehung der Zwillingsschwestern Änne und Luise wirkte auf mich belastend – auch durch die beträchtliche Länge des Romans zog sich die Lektüre stellenweise zäh.

Positiv hervorzuheben ist die sorgfältige Recherche. Die Schilderungen von Kriegszeit, Flucht und Alltag wirken authentisch und sind atmosphärisch dicht erzählt. Doch gerade weil der Roman durchweg von einer gedrückten Stimmung dominiert wird, hätte ich mir zumindest gelegentliche Lichtblicke oder Momente der Hoffnung gewünscht – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwartsebene.

Der Titel ist interessant gewählt, doch sein Bezug zur Handlung erschloss sich mir erst spät – und auch dann nur vage. Das Cover hat mich ebenfalls nicht besonders angesprochen, was jedoch durch meine bisherigen positiven Erfahrungen mit der Autorin in den Hintergrund rückte.

Am Ende hinterlässt das Buch gemischte Gefühle: Nach einem langsamen Aufbau gewinnt die Geschichte zwar an Fahrt, lässt mich jedoch ernüchtert und emotional diffus zurück. Für Leser, die sich auf eine melancholische, tiefgründige Reise mit schweren Themen einlassen möchten, ist der Roman sicherlich interessant – mir persönlich war er in seiner Schwere und Dichte jedoch stellenweise zu viel.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Zwischen Herzklopfen und Geduldsprobe

Eine unmögliche Braut
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Der Heiratsvermittler Bellamy hat es nicht leicht mit Finola Shanahan: Trotz hilfsbereitem Wesen vergrault sie jeden Bewerber und plant sogar, ins Kloster zu gehen. Erst Riley Rafferty, stur, einfallsreich ...

Der Heiratsvermittler Bellamy hat es nicht leicht mit Finola Shanahan: Trotz hilfsbereitem Wesen vergrault sie jeden Bewerber und plant sogar, ins Kloster zu gehen. Erst Riley Rafferty, stur, einfallsreich und geduldig, versucht, ihr Herz zu gewinnen – bis ein Cholera-Ausbruch ihre Pläne durcheinanderwirbelt.

Der Roman stellt sich als durchwachsene Lektüre heraus. Zwar kennt man von der Autorin spritzige Geschichten mit selbstbewussten Heldinnen, doch hier fehlt oft die gewohnte Leichtigkeit. Die Hintergründe der Protagonisten geben Einblicke in ihr Handeln, machen es aber nicht immer nachvollziehbarer. Zahlreiche hitzige Dialoge, ständige Liebesbekundungen und Gefühlswirren wirken bisweilen überladen, ehe einzelne Szenen doch wieder berühren. Positiv fällt der starke familiäre Zusammenhalt auf, ebenso die liebevolle Darstellung der Vaterfiguren.

Auf die christlichen Werte wartet man eher vergeblich, sind sie doch lediglich auf wiederholte Ausrufe des himmlischen Erstaunens oder kurze Worte des Paters beschränkt – verschenktes Potenzial. Manche Dialoge und Situationen wirken sehr draufgängerisch, anzüglich und unausgewogen, was die Sympathie für die Figuren erschwert. Bellamys Methoden, um die Erfolgsquote gegenüber seinem Vater zu steigern, mögen raffiniert wirken – sind aber nicht ganz lupenrein, was mir bei der Ernsthaftigkeit des Themas nicht zugesagt hat.“

Nach dem ständigen Gefühlswirrwarr stellt sich am Ende zwar Erleichterung ein, doch wirkt auch hier vieles zu künstlich und überzeichnet, was bei mir nicht selten für Frust sorgte. Insgesamt bleibt es ein leichter Roman ohne großen Tiefgang, zumal die unsteten Charaktere kaum Raum lassen, echte Nähe zu ihnen aufzubauen. Mit dem Hinweis auf Bellamys nächstes, zeitlich knappes Matchmaking-Projekt wird außerdem schon die nächste Geschichte vorbereitet.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

New York, 1930 – Überleben zwischen Armut, Liebe und Stahl- gelungener Debütroman

Hier oben sind wir unendlich
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Was bedeutet es, für die Familie alles zu riskieren? Diese Frage steht im Zentrum eines Romans, der nicht nur unter die Haut geht, sondern auch das Herz berührt. Mit einer eindrucksvollen Mischung aus ...

Was bedeutet es, für die Familie alles zu riskieren? Diese Frage steht im Zentrum eines Romans, der nicht nur unter die Haut geht, sondern auch das Herz berührt. Mit einer eindrucksvollen Mischung aus historischem Flair, emotionaler Tiefe und mutiger Protagonistin erzählt dieser Debütroman die Geschichte von Grace – einer jungen
Frau, die in den 1930er Jahren ihr Leben auf den Kopf stellen muss, um das Überleben ihrer Familie zu sichern.

Die wirtschaftlichen Krisen der Zeit, gepaart mit persönlichen Schicksalsschlägen, zwingen Grace dazu, einen ungewöhnlichen Weg zu gehen: verkleidet als ihr Zwillingsbruder Patrick tritt sie in dessen gefährlichen Job auf der Baustelle des Empire State Buildings ein. Was wie ein gewagter Schachzug beginnt, entwickelt sich zu einem atemberaubenden Kraftakt – körperlich wie seelisch.

Die Autorin schafft es meisterhaft, das Lebensgefühl jener Epoche einzufangen. Die Härte des Alltags, die prekäre Lage vieler Familien und die Hoffnungen auf ein besseres Leben durchziehen die Seiten wie ein roter Faden. Besonders stark ist die Darstellung des Arbeitsalltags auf der Baustelle – schwindelerregende Höhen, schweißtreibende Arbeit, enge Teamarbeit. Dabei wird die Gefahr greifbar, die emotionale Belastung spürbar. Szenen, die Gänsehaut verursachen und einem mehr als einmal Tränen in die Augen treiben.

Grace ist eine Protagonistin, die lange im Gedächtnis bleibt: mutig, verletzlich, durch und durch menschlich. Ihre Entwicklung über fünf intensive Wochen ist beeindruckend – geprägt von körperlicher Erschöpfung, emotionalem Chaos und neuen Gefühlen, die sie sich zunächst kaum zugestehen kann. Doch auch Hoffnung, Freundschaft, Zusammenhalt und sogar ein Hauch Romantik finden ihren Platz – subtil, glaubwürdig und ohne unnötiges Drama.

Besonders lobenswert: Trotz der fiktiven Erzählung wird der Roman auch zu einer stillen Hommage an all jene, die an der Errichtung dieses ikonischen Bauwerks beteiligt waren – oft unsichtbar, oft unterbezahlt, und leider nicht selten mit ihrem Leben.

Fazit:
Ein fesselnder, vielschichtiger Roman, der historische Kulisse mit einer emotional berührenden Geschichte verbindet. Authentisch, mitreißend und voller Herz. Dieses Debüt hat mich begeistert – und nachhaltig bewegt. Ein echter Geheimtipp für alle, die starke Frauenfiguren, emotionale Tiefe und ein Stück Zeitgeschichte lieben.

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Wo Herzen heilen und Hoffnung wächst – zurück in Hope Harbor

Eine Pension zum Verlieben
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Mit Band 10 der Hope Harbor-Reihe entführt Irene Hannon uns erneut an jenen besonderen Ort, an dem Heilung möglich wird – für Herz, Seele und Lebensweg. Es ist eine Geschichte über Neuanfänge, Glauben ...

Mit Band 10 der Hope Harbor-Reihe entführt Irene Hannon uns erneut an jenen besonderen Ort, an dem Heilung möglich wird – für Herz, Seele und Lebensweg. Es ist eine Geschichte über Neuanfänge, Glauben und darüber, wie wichtig es ist, sich seinen Ängsten und Verletzungen zu stellen.

Im Mittelpunkt stehen diesmal Tierarzt Matt Quinn und Hotelmanagerin Vienna Price, die beide mit emotionalem Ballast im Gepäck nach Hope Harbor kommen. Matt springt für seine Schwester in deren Pension ein – und findet schnell heraus, dass dieses Haus, wie auch er selbst, eine gründliche Renovierung braucht. Vienna, frisch gekündigt und innerlich zerrissen, sucht bei ihrer Mutter Trost – und landet durch eine Fügung genau dort, wo Heilung möglich ist.

Doch was diese Geschichte besonders lebendig macht, ist nicht nur das Hauptpaar – sondern auch ein zweites, stilles Liebespaar im Hintergrund, das mit ganz anderen Sorgen kämpft: existenziellen. Ohne eigenes Verschulden geraten sie in eine Lage, in der ihr Lebensunterhalt bedroht ist. Ihre Geschichte verleiht dem Roman eine zusätzliche emotionale Ebene, berührt durch ihre Bescheidenheit, ihren Zusammenhalt und den tiefen Wunsch, nicht aufzugeben. Sie stehen exemplarisch für viele stille Kämpfer – und man schließt sie schnell ins Herz.
Die christlichen Werte – Mitgefühl, Barmherzigkeit, Vergebung – durchziehen die Handlung wie ein warmes Licht. Sie sind nicht belehrend, sondern einfühlsam integriert und erinnern daran, dass Glaube im Alltag lebendig wird – durch Taten, Zuhören, Dasein.

Natürlich dürfen auch die charmanten Nebenfiguren wie Charley mit seinen weisen Worten und Tacos nicht fehlen, ebenso wenig wie die Möwen Gladys und Floyd – die in ihrer humorvollen, leicht romantisch veranlagten Art für besondere Momente sorgen.

Besonders schön: Hope Harbor bekommt endlich einen eigenen Buchladen – mit einer liebenswert skurrilen Besitzerin, die frischen Wind in die Gemeinde bringt.

Fazit: Mit Humor, Tiefe und Emotionen nimmt dieser Roman seine Leser mit auf eine Reise voller leiser Wendepunkte, rührender Einsichten und aufrichtiger Menschlichkeit. Er lässt lachen, mitfühlen, träumen – und bringt zum Nachdenken. Ein tiefgründiger, bewegender Roman über Vertrauen, Wiederaufbau und Herzensverbindungen.

Und wenn das letzte Kapitel endet, bleibt ein bittersüßer Abschied – doch auch ein warmes Gefühl der Hoffnung auf viele weitere Geschichten aus diesem ganz besonderen Ort. Hope Harbor bleibt auch nach zehn Bänden ein Ort, zu dem man immer wieder gerne zurückkehrt.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Zwischen Schuld, Vergebung und den Trümmern der Nachkriegszeit

Schwestern des brennenden Himmels
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Dieser Roman spielt in einer der bedeutsamsten Phasen deutscher Nachkriegsgeschichte – während der Potsdamer Konferenz – und verwebt historische Fakten mit einer fiktiven, persönlichen Geschichte.

Im ...

Dieser Roman spielt in einer der bedeutsamsten Phasen deutscher Nachkriegsgeschichte – während der Potsdamer Konferenz – und verwebt historische Fakten mit einer fiktiven, persönlichen Geschichte.

Im Mittelpunkt steht Ann Miller, eine britische ATS-Mitarbeiterin, die ihre Herkunft verbergen muss und dennoch versucht, ein altes Versprechen einzulösen. Ihre Suche nach Vergebung und Wahrheit führt sie durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland – begleitet von politischer Spannung und der inneren Zerrissenheit der Überlebenden.
Positiv hervorzuheben ist die detailreiche historische Darstellung: Die Atmosphäre der Nachkriegszeit und einem zerstörten Deutschland, die politischen Spannungen sowie die Darstellung der Großmächte Stalin, Churchill und Truman am Verhandlungstisch sind glaubwürdig und gut recherchiert.

Allerdings verliert sich die eigentliche emotionale Handlung – Anns Suche und ihre innere Auseinandersetzung mit Schuld und Vergangenheit – manchmal im Schatten der politischen Konferenzszenen.

Die Gewichtung zwischen persönlicher Geschichte und politischen Abläufen ist nicht ganz ausgewogen. Auch die angedeutete Liebesgeschichte bleibt eher oberflächlich und kann emotional nicht vollständig überzeugen. Das Ende wirkt abrupt und lässt einige Fragen offen, was den Eindruck eines nicht ganz abgeschlossenen Romans hinterlässt.
Gestalterisch erzeugt der Titel eine gewisse Erwartung und Spannung, was das Cover allerdings nicht so ganz trifft und hätte ich nicht schon Bücher der Autorin mit Begeisterung gelesen, hätte ich es fast übersehen.

Fazit:
Ein atmosphärisch dichter Nachkriegsroman mit starker Grundidee und interessanter historischer Einbettung. Emotional hätte die Geschichte noch mehr Tiefe vertragen können, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Wer historische Romane mit politischem Kontext mag, wird hier trotzdem auf seine Kosten kommen – mit kleinen Abstrichen.

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