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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.02.2019

Berührende und kluge Fabel

Liebende
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In "Liebende" schreibt der koreanische Dichter Jeong Ho-seung von der Liebe und dem Erkennen des eigenen Wesens. Die Geschichte ist wunderschön bebildert.

Blauperlenauge und Schwarzperlenauge sind zwei ...

In "Liebende" schreibt der koreanische Dichter Jeong Ho-seung von der Liebe und dem Erkennen des eigenen Wesens. Die Geschichte ist wunderschön bebildert.

Blauperlenauge und Schwarzperlenauge sind zwei Karpfen, die Windspiele schmücken. Ein Mönch kauft sie und hängt sie an jeweils eine Ecke eines Tempels. Dort sind sie in tiefer Liebe verbunden, bis Blauperlenauge Fernweh bekommt und davon fliegt, um nach seiner Bestimmung zu suchen.

In der sich entwickelnden Suche nach sich selbst geht es um die existenziellen Fragen des Lebens. Blauperlenauge begegnet verschiedenen Wesen, lernt Freundschaft und Liebe kennen, bekommt tiefe Wunden und kommt immer wieder in schwierige Situationen. Am Ende macht die Geschichte einen Bogen und wird rund.

Wie in Fabeln üblich bekommen Tiere und Gegenstände Leben, können Fühlen und Sprechen. Alles scheint möglich und auf existenzielle Fragen folgen kluge und poetische Antworten. Als Dichter hat der Autor sich sichtbar ausgelebt. Der Text ist sehr poetisch und gespickt mit Lebensweisheiten. Zeitweise fühle ich mich an die Geschichten von Paulo Coelho erinnert. Gleichzeitig ist das Geschehen sehr berührend und macht nachdenklich.

Störend war zwischenzeitlich, dass die Geschichte kitschige Züge hat und auf wenigen Seiten (etwas über 100) inhaltlich sehr kompakt ist. So war es schwer immer hinterher zu kommen. Womöglich zeigen sich auch darin Eigenschaften von Fabeln. Also nicht für Jeden was.

Eine berührende und kluge Fabel - ein fliegender Karpfen auf der Suche nach sich Selbst.

Veröffentlicht am 18.02.2019

Erst im letzten Drittel spannend

Zwischen uns die Sterne
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Cameron, Everett und Aiden nennen sich als Kinder die drei Musketiere, schützen sich gegenseitig und haben ihre Rituale. Zu jedem Geburtstag sitzen sie in ihrem Baumhaus im Camp von Cameron's Eltern und ...

Cameron, Everett und Aiden nennen sich als Kinder die drei Musketiere, schützen sich gegenseitig und haben ihre Rituale. Zu jedem Geburtstag sitzen sie in ihrem Baumhaus im Camp von Cameron's Eltern und schreiben ihre Wünsche auf. Cam und Everett verlieben sich ineinander, ohne das der jeweils Andere davon weiß und finden so nie zueinander. Als Aiden später an einer schweren Krankheit stirbt, erfährt Everett dies zu spät, Cameron muss ihn alleine beerdigen. Und dann kommt auch noch das Camp in eine schwere finanzielle Krise.

Die Geschichte ist in längere nummerierte Kapitel unterteilt, in der Cameron, Everett und Aiden jeweils aus ihrer Sicht erzählen. Die Erzählung wechselt dabei zwischen der Vergangenheit, in der sie als Kinder ihre Wünsche aufgeschrieben haben und der aktuellen Situation.

In den ersten zwei Dritteln des Buches dreht sich die Geschichte im Kreis. Es geht gefühlt endlos um die Gefühle zwischen Everett und Cam, die sie sich gegenseitig nicht gestehen, verzweifeln und sich zurück ziehen. Erst im letzten Drittel nimmt das Buch an Fahrt auf, die Beiden lösen sich aus ihrer Vergangenheit.

Die Geschichte erwärmt das Herz. Die Sehnsüchte, Ängste und Schuldgefühle der Hauptfiguren sind gut spürbar und berührend. Zum Ende gibt es aufregende erotische Szenen. Zusammen mit dem Teil, in dem eine große Bedrohung deutlich wird, wirkt die Geschichte auf die letzten paar Meter aber etwas überfrachtet.

Gefühl- und lustvolle Geschichte, die erst im letzten Drittel spannend wird.

Veröffentlicht am 31.01.2019

Fortsetzung folgt...?

Saligia
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Mit "Saligia" hat Swantje Oppermann erneut ein Jugendbuch geschrieben, in dem es darum geht sich als Außenseiter zu fühlen und seinen Platz zu suchen.
Keira muss mit ihrem ständigen unkontrollierbaren ...

Mit "Saligia" hat Swantje Oppermann erneut ein Jugendbuch geschrieben, in dem es darum geht sich als Außenseiter zu fühlen und seinen Platz zu suchen.
Keira muss mit ihrem ständigen unkontrollierbaren Zorn leben, der auch Fremde dazu bringt sich unerwartet zu Prügeln. Der Vater wurde von der Mutter, in Notwehr getötet, als sie erst drei Jahre alt war. Seitdem lebt Keira mit einer großen Schuld. Als ihr ein Fremder folgt und ihr erklärt, dass sie mit ihrer "Gabe" nicht alleine ist, sondern viele "Saligia" eine der Todsünden in sich tragen, eröffnet sich ihr eine neue Welt.

Das Buch ist schön gestaltet, hat einen logischen Aufbau. In vier Teilen mit interessanten Überschriften und 59 nummerierten Kapiteln ist die Erzählung übersichtlich gestaltet. Der Text liest sich fließend und ist, bis auf die Vermenschlichung von Gegenständen sowie Sprachbildern, einfach gehalten. Ebenjene sorgen dafür, dass das Geschehen anschaulicher wird.

Keira ist eine sympathische Hauptfigur, die wegen ihrer Einsamkeit und Außenseiterrolle, dem "kaputten" Elternhaus das Mitgefühl der Lesenden weckt. Und das trotzdem sich die Spuren ihrer Zerstörungswut durch ihr Leben und das der Anderen ziehen. Sie wirkt stark und gleichzeitig hilflos, ermöglicht es den Lesenden sich mit ihr zu identifizieren. Ihr Leid ist spürbar und ebenso ihre Orientierungslosigkeit. Umso erleichternder ist es, als sie von den anderen Saligia erfährt.

Thematisch ist die Geschichte auf die Todsünden ausgerichtet. Es geht um Hochmut, Habgier, Lust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit. Es ist spannend mitzuerleben, wie sich diese Laster in einzelnen Personen ausprägen und sich Dynamiken untereinander entwickeln. Die Erzählung hat durch dieses fantasievolle Thema und die Jugendliche-in-einem-Internat-Atmosphäre geeignete Eigenschaften für ein Jugendbuch zum Eintauchen.

Die Geschichte hat eine Sog-Wirkung und das Buch ist schnell gelesen. Die Geschichte hat trotz der simplen Thematik eine starke Wirkung. Doch das Ende ist offen und etwas holprig. So endet die Erzählung unerwartet und lässt Fragen offen. Das macht etwas unzufrieden, auch wenn es auf einen Nachfolgeband hoffen lässt.

Simple Geschichte zum Eintauchen und Abtauchen.

Veröffentlicht am 19.01.2019

Berührend und tiefgründig

Fünf Tage im Mai
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Elisabeth R. Hager hat in "Fünf Tage im Mai" die besondere Beziehung zwischen Illy und ihrem Ur-Großvater Tatka beschrieben. Er, ein Auslaufmodell, sie, in der Orientierung müssen sie sich beide den Härten ...

Elisabeth R. Hager hat in "Fünf Tage im Mai" die besondere Beziehung zwischen Illy und ihrem Ur-Großvater Tatka beschrieben. Er, ein Auslaufmodell, sie, in der Orientierung müssen sie sich beide den Härten des Lebens stellen.

Die Geschichte besteht aus fünf Teilen, in jedem Teil wird ein Ausschnitt aus dem Leben der Beiden erzählt. Immer im Mai. Im Mai lernt sie einen Jungen kennen, im Mai feiern sie den Geburtstag von Tatka, im Mai muss sie eine folgenschwere Entscheidung treffen...

Der Autorin gelingt es durch die ausschnittweise Erzählung, trotzdem zwischen den Ereignissen Jahre liegen, ein umfassendes Bild der Situation entstehen zu lassen. Vielleicht bekommt die Geschichte auch durch diese intensiven Einblicke in Ausschnitten ihren Schwung. Die Erzählung ist lebendig und lässt sich gut begreifen. Tatka und Illy sind sehr sympathisch, mit ihren positiven und negativen Eigenschaften. Es entsteht Nähe zu den Beiden, die Gefühle sind spürbar und die Geschichte entwickelt einen Sog. Das Geschehen macht betroffen, Tiefgang der Aussagen ist rührend. Am Ende wird die Geschichte rund, alles macht Sinn.

Die Sprache ist durchzogen von verschriftlichtem Dialekt und fällt durch sehr kreative Metaphern und kluge Formulierungen auf.

Eine vollkommene Geschichte - berührend, eindrücklich und logisch aufgebaut. Tolle Literatur. Und immer im richtigen Maß.

Veröffentlicht am 09.01.2019

Mal eine andere Perspektive

Good Morning, Mr. President!
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Beck Dory-Stein beschreibt in ihrem Roman ihre fünf Jahre dauernde Tätigkeit im Weißen Haus zur Regierungszeit Obamas. Beck hat als Stenographin viel über den Alltag im Weißen Haus, die MitarbeiterInnen, ...

Beck Dory-Stein beschreibt in ihrem Roman ihre fünf Jahre dauernde Tätigkeit im Weißen Haus zur Regierungszeit Obamas. Beck hat als Stenographin viel über den Alltag im Weißen Haus, die MitarbeiterInnen, die Auslandsreisen und ihre Begegnungen mit dem Präsidenten zu berichten. Dorey-Steins Roman steht für die jubelnde Anhängerschaft Obamas, Politikbegeisterung und das Erwachsen werden.

Kapitelweise schildert die Autorin ihren Alltag, ihre Sorgen bei der Jobsuche, dann die unglaubliche Zusage für einen Job im Weißen Haus. Neben ihrem intensiven Job bleibt nicht mehr viel Zeit für ihren Freund. Für Beck beginnt ein völlig neues Leben, dass sie einem Tagebuch ähnlich beschreibt. Die Lesenden bekommen umfassende Einblicke in ihre Erlebnisse, ihre Gedanken und Gefühle. Mit ihrem wunderbar humorvollen und fließenden Schreibstil schafft sie es zu Begeistern. In vielen Anekdoten erzählt sie von den spannenden Auslandsreisen, den Flügen mit der Air Force One und den vielen Besprechungen. Durch die Verwendung von internen Begriffen (POTUS: präsident of the United States; u. a.) schafft sie eine spürbare Nähe zum Geschehen. Die Atmosphäre, die sie beschreibt ist spannend, einladend und zum Wohlfühlen. Beck begegnet vielen sympathischen KollegInnen und erzählt mit viel Sprachwitz und Situationskomik von ihren Erlebnissen.

Ein wunderbar unterhaltsamer Roman über Obamas Regierungszeit: aus Sicht der Stenographin. Persönliche Geschichte verbunden mit dem politischen Geschehen. Gelungen!