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Veröffentlicht am 07.05.2018

Gefangener der Zeit?

Wie man die Zeit anhält
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Tom Hazard nimmt einen neuen Job als Geschichtslehrer in London an. Sein Unterricht ist farbig und lebendig. Das ist kein Wunder, denn er sieht aus, als wäre er um die 40 Jahre alt, ist aber in Wirklichkeit ...

Tom Hazard nimmt einen neuen Job als Geschichtslehrer in London an. Sein Unterricht ist farbig und lebendig. Das ist kein Wunder, denn er sieht aus, als wäre er um die 40 Jahre alt, ist aber in Wirklichkeit sagenhafte 439 Jahre! Das darf niemand wissen, denn sonst wäre sein Leben in Gefahr. Ein Leben, das so lang und ereignisreich und einsam ist, das er aber dennoch liebt. Da tritt die Lehrerin Camille in sein Leben und Tom spürt, dass eine dramatische Wendung naht …

Schon allein die Idee ist faszinierend: wie wäre es, so lange leben zu können – eben einfach nur extrem langsam zu altern, immun gegen fast alle Krankheiten zu sein, die Entwicklung der Menschen und die ganzen Veränderungen quasi hautnah zu erleben? Ja, klingt erst mal toll. Doch wenn man Toms Geschichte erst kennt, ist „forever young“ vielleicht doch nicht mehr so erstrebenswert. Und wenn ich überlege, was ich allein in meinen paar Lebensjahren (im Vergleich zu Toms) an Veränderungen miterlebt habe, vermisse sogar ich Dinge aus meiner Kindheit oder wünsche mir Dinge von heute trotz aller Annehmlichkeiten doch wieder weg.

Durch Toms Augen sehe ich, dass es von heutiger Sicht toll wäre, mal in diese, mal in jene Zeit springen zu können – aber immer wieder „nach Hause“ kommen zu können – aber nicht unbedingt die vielen Jahre von Anfang bis Ende mitmachen zu müssen. Shakespeare hätte ich schon gern kennengelernt, aber der Pest wäre ich eindeutig gern aus dem Weg gegangen. Die roaring twenties wären super zu erleben, aber die Kriege nicht. Doch Tom muss Tag für Tag durch all die Jahre, verliert endlos viele Menschen, da er sich immer wieder neue Flecken suchen muss, um ein Leben zu leben, immer wieder aus seiner Umgebung heraus, um nicht aufzufallen – und doch fällt er auf, brennt sich ins Gedächtnis seiner Mitmenschen ein, hinterlässt Spuren.

Mit Tom lernen wir eine Reihe von Persönlichkeiten und Zeiten kennen, die in die Geschichte eingegangen sind. Die einzelnen Kapitel sind jeweils recht kurz, doch sagen sie immer so viel mehr aus, als man in diesen wenigen Seiten vermuten würde. Matt Haig fasst sich also erfolgreich extrem kurz, bläht nichts unnötig auf, um Seiten zu machen. Es entsteht eine ganz eigene Philosophie, die dazu anregt, noch lange nach Beenden des Buches Zeit anders zu sehen – und mit Glück auch: zu nutzen.

Weite Teile des Buches ziehen ihre Spannung daraus, dass Tom immer in der Gefahr lebt, trotz seiner Ortswechsel wiedererkannt zu werden. Auch die Suche nach Marion zieht einen guten, stabilen Spannungsbogen. Die dritte Komponente ist „Die Gesellschaft“. All dies im Wirbel der Zeitsprünge, die nicht chronologisch, sondern wild wirbelnd, wie Toms Gefühle, sind.

Wie man aus diesem Buch sein persönliches Fazit ziehen mag, ist jedem natürlich selbst überlassen. Für mich ist es ein Anstoß, darüber nachzudenken, wie weit ich mich fremdbestimmen lasse oder lassen möchte und wie viel Freiheit ich mir selbst lasse. Auch sehe ich den Faktor Zeit jetzt tatsächlich mit anderen Augen – nicht er bestimmt, wie großartig mein Leben ist!

Mich hat die Lektüre dieses Buches sehr bereichert. Deshalb bewerte ich es auch mit den vollen fünf Sternen und trage es tief in meinem Herzen.

Veröffentlicht am 06.05.2018

Wissen wunderbar präsentiert

Naturzeit Vögel
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Ulrich Schmids Buch ist kein klassisches Nachschlagewerk, um die Vögel im heimischen Garten oder bei Spaziergängen zu identifizieren. Es bietet sehr viel mehr. Viele Informationen und gar „Geschichten“ ...

Ulrich Schmids Buch ist kein klassisches Nachschlagewerk, um die Vögel im heimischen Garten oder bei Spaziergängen zu identifizieren. Es bietet sehr viel mehr. Viele Informationen und gar „Geschichten“ hat er hier zusammengetragen, um uns Lesern die einzelnen Vogelarten wirklich gut vorzustellen und ihre Besonderheiten zu erklären. Auch Aberglaube und „Ammenmärchen“ werden erwähnt und ausgeräumt. Der Stil ist dabei nicht nur eingängig und informativ, sondern streckenweise auch mit einem Augenzwinkern und damit humorvoll.

Ob nun wild durcheinander gelesen je nach Wissensdurst oder von vorn bis hinten chronologisch – die Lektüre macht echt Spaß. Man hat das Buch gern griffbereit, um immer mal wieder nachlesen zu können. Wie mein Biolehrer immer sagte: Du musst nicht alles auswendig wissen, aber Du musst wissen, wo Du die Informationen findest.

Als Krönung ist der Urvogel mit im Buch. Die Idee finde ich bezaubernd, auch wenn mir nie vergönnt sein wird, dieses Tier in der freien Natur bewundern zu dürfen.

Ganz ohne Fotografien, rein „nur“ mit Zeichnungen kommt das Buch aus. Das mag zunächst ein klein wenig enttäuschen, doch die wunderbaren Illustrationen sind so gelungen und liebevoll gestaltet, dass kein Foto das besser könnte.

Für mich ist dieses Naturbuch ein wahres Highlight. Deshalb bekommt es von mir auch die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 05.05.2018

Jesus und der Teufel

Schlüssel 17 (Tom Babylon-Serie 1)
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Eine grotesk inszenierte Leiche im Berliner Dom versetzt Tom Babylon in seine Jugend zurück, denn um ihren Hals hängt ein Schlüssel mit der eingravierten Zahl 17. Tom kennt diesen Schlüssel – er ist mit ...

Eine grotesk inszenierte Leiche im Berliner Dom versetzt Tom Babylon in seine Jugend zurück, denn um ihren Hals hängt ein Schlüssel mit der eingravierten Zahl 17. Tom kennt diesen Schlüssel – er ist mit seiner damals 9-Jährigen Schwester zusammen verschwunden. Seither sucht Tom nach Antworten. Kann ihm dieser Fall geben, was er so sehnlich wünscht?

Mir gefallen Bücher mit gut angelegten Zeitwechseln sehr gut. Ganz besonders, wenn sie in den 1980ern spielen. Mit exakt diesem Stilmittel spielt Marc Raabe hier. Dennoch bin ich nicht begeistert. Die Ereignisse in 1989 sind sehr schön und klar geschildert, wohingegen ich bei den Stellen in der Gegenwart stets das Gefühl habe, dass ein völlig anderer Autor daran geschrieben hat. Hier fehlt mir immer wieder Entscheidendes, hier verliert mich die Story immer wieder streckenweise und hier tauchen auch immer wieder Spannungslücken auf.

Die vielen eingestreuten Wendungen, mal kleine, mal große, reißen das Ruder nicht mehr herum. Tom Babylon als Erwachsener bleibt mir wenig sympathisch. Auch die anderen Figuren wecken meine Sympathie nicht so stark, wie ich das gerne mag. Auch wenn der Stil an sich gut lesbar ist, fehlt mir das gewisse Etwas. Ein Teil davon liegt sicher darin, dass dies ein Serienauftakt ist. Viele der noch offenen Fragen sollen vermutlich in den weiteren Bänden geklärt werden. Das ist legitim und bei Reihen Usus, gefällt mir dennoch nicht sonderlich gut. Besonders die wichtigste Frage (da ich nicht spoilern mag, kann ich nicht deutlicher werden) findet keine Antwort und das stört mich dann doch. Ein gewisser Grad an Abschluss ist für meinen Geschmack erforderlich, um eine Reihe gut anzulegen. Immerhin darf der (Viel-)Leser meist ein volles Jahr auf die Fortsetzung warten, da ist es ungünstig, wenn man beim Folgeband erst noch mal den Vorgänger lesen muss, damit man wieder weiß, wo es hakt.

Sascha Rotermund hat das Hörbuch sehr gekonnt eingelesen, kann aber meine Meinung nicht nennenswert anheben, sodass es bei drei Sternen bleibt.

Veröffentlicht am 04.05.2018

Wann und womit fing es an?

Der Kreidemann
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1986: Ed Adams, genannt Eddie Munster, ist 12 Jahre, als auf dem Jahrmarkt dem Kreidemann das erste Mal begegnet. Die Umstände sind äußerst schrecklich. Vom Kreidemann stammt auch die Idee der Kreidezeichnungen, ...

1986: Ed Adams, genannt Eddie Munster, ist 12 Jahre, als auf dem Jahrmarkt dem Kreidemann das erste Mal begegnet. Die Umstände sind äußerst schrecklich. Vom Kreidemann stammt auch die Idee der Kreidezeichnungen, mit denen er seinen Freunden geheime Nachrichten hinterlassen kann. Doch dann finden sie im Wald bei den Kreidezeichen eine Leiche … 2016: Ed ist inzwischen selbst Lehrer und lebt noch immer in seinem alten Elternhaus. Dann bekommt er einen Brief – mit einem Stück Kreide und einer Zeichnung eines Strichmännchens …

»Wenn Sie meine Bücher mögen, werden Sie auch dieses verschlingen.« Stephen King
Oh ja! Das kann man so sagen! So schnell hatte ich schon lange kein Buch mehr nahezu inhaliert! Und noch dazu – C.J. Tudor bekommt das Ende besser hin, als der Meister des Horrors. Unfassbar! Aber der Reihe nach!

Sehr schnell ist mir aufgefallen, dass C.J. Tudor einen genialen Humor hat und eindeutig ein Fan von Stephen King ist. So viele Anspielungen – angefangen beim Namen des Lehrers über die Art, manche Ereignisse quasi schon im ersten Satz eines Absatzes oder Kapitels zu „verraten“, also vorwegzunehmen und dem Leser geradezu ins Gesicht zu schleudern, ohne an Spannung einzubüßen, bis zur kleinen Gruppe von Außenseitern.

Ihr Stil ähnelt dem von King enorm, dennoch liest man hier keine King-Kopie. Tudor kommt – sieht man von den inneren Dämonen ab, die man so mit sich herumschleppt – ganz ohne Kings „Zusätze“ aus. Ihr Thrill entstammt allein den Ereignissen. Und das so gekonnt, dass man kaum aufhören kann, zu lesen. Ich hoffe sehr, sie bleibt von jeder Art von Schreibblockade verschont und verfällt in einen regelrechten Schreibrausch, denn davon will ich dringend mehr!

Da ich in den 1980ern selbst Teenager war, liebe ich Bücher, die in der Zeit spielen. Der Wechsel zwischen damals und heute ist der Autorin sehr gut gelungen. Die Figuren sind authentisch und ihre Entwicklung von Kindern zu Erwachsenen ist passend. Alle fünf Kids sind als Erwachsene genauso, wie man das erahnen konnte. Keiner hat sich völlig überraschend entwickelt. Welche Auswirkungen die Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft haben muss, ist perfekt inszeniert. Alle haben Stärken und Schwächen – die so austariert sind, dass man meinen könnte, hier handelt es sich um eine wahre Geschichte, keine Fiktion.

Der Spannungsbogen ist durchgehend vorhanden. Wie bei King hat man ständig dieses Kribbeln unter der Haut. An jeder Ecke, hinter jeder Biegung erwarte man das Schlimmste überhaupt, bis es dann tatsächlich zuschlägt. Dabei zaubert C.J. Tudor keine abwegigen Erklärungen aus dem Ärmel, sondern hält dem Leser vor die Nase, dass alles von Anfang an da war. Ein Trick, wie bei „The sixth Sense“ – genial und umwerfend und unfassbar gemein.

Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Oft bissig, teils schwarz, aber nie zu heftig. Man vergisst sehr leicht, dass die Autorin aus Nottingham stammt und auch noch dort lebt. Ich empfinde den Stil nicht wirklich als britisch, für mich ist er eher amerikanisch. Das soll keine Wertung sein, nur eine Feststellung.

C.J. Tudor sollte sich jeder Thriller-Fan gut merken! „Der Kreidemann“ ist nicht einfach nur ein gelungenes Debüt, sondern ein wahres Meisterwerk! Immer wieder habe ich mich gefragt, ob das ganz sicher kein Stephen-King-Buch ist. Fünf Sterne, ganz ohne Frage!

Veröffentlicht am 02.05.2018

Aktiv bleiben in der Schwangerschaft

Mom in Balance: Fit und aktiv durch die Schwangerschaft
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Sport tut gut und Sport macht Spaß – und wer gerne Sport macht, der möchte das auch in der Schwangerschaft beibehalten. Doch was darf und was kann man an Sportarten ausüben, um sich selbst und dem Baby ...

Sport tut gut und Sport macht Spaß – und wer gerne Sport macht, der möchte das auch in der Schwangerschaft beibehalten. Doch was darf und was kann man an Sportarten ausüben, um sich selbst und dem Baby etwas Gutes zu tun und keinen Schaden anzurichten? Darauf gibt dieses Buch ausführlich Antwort. Zudem finden sich tolle Rezepte, die lecker und gesund sind.

Die komplette Zeit der Schwangerschaft wird begleitet, erklärt und so jede Angst genommen. Die werdende Mami erfährt viel über das Schwangersein in anderen Ländern, bekommt Hilfe für Sport- und Ernährungspläne und hat in diesem Buch ein Mitmach-Buch, das vom Aufbau her schon Spaß macht und motiviert. Aufgeteilt ist es in die drei Schwangerschaftsabschnitte plus die Zeit nach der Geburt. Um immer die richtige Stelle zu finden, ist auch ein Lesebändchen eingearbeitet. Ich mag das!

Zudem gibt es jede Menge Möglichkeiten, das Buch selbst aktiv mitzugestalten, indem man eigene Pläne darin zusammenstellt und festhält. Auch für ein Schwangerschaftstagebuch ist alles vorhanden. Die ersten sechs Wochen nach der Geburt kann man ebenfalls festhalten. Besonders für die erste Schwangerschaft finde ich dies sehr gelungen. Weitere Tagebuchaufzeichnungen kann die Mami dann, wenn sie denn möchte, in „eigenen“ Büchern festhalten.

Das Buch ist schon vor der Schwangerschaft hochinteressant. Man kann sich damit noch besser auf eine Schwangerschaft einstimmen und vorbereiten und sich selbst motivieren, die Schwangerschaft nicht als Ausrede für Bewegungsmangel vorzuschieben. Jede aktive Schwangere hat es bei der Geburt leichter, als eine Mami, die sich kaum bewegt hat. Dabei zielt das Buch keineswegs darauf ab, dass Mütter nach der Geburt sofort wieder gertenschlank sein müssen, aber es hilft dabei, Muskeln und Bindegewebe durch gezielte Übungen zu stärken und es damit leichter zu haben, wieder die eigene Figur zu bekommen. Auch die Zeit nach der Geburt ist eine besondere Zeit und Esther van Diepen beantwortet viele Fragen dazu, die Frauen gerne beantwortet haben, aber nicht so gerne fragen.

Ob für sich selbst oder die schwangere Tochter / Freundin – dieses Buch ist ein toller Begleiter durch die Schwangerschaft und motiviert total. Von mir: fünf Sterne!