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Veröffentlicht am 06.02.2017

Drei Wochen auf einem Dampfer

Katzentisch
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Michael, gerade elf Jahre alt, fährt mit dem Schiff von Ceylon nach Großbritannien zu seiner Mutter. Auf der Reise, die drei lange Wochen dauert, lernt er viele Menschen kennen: Gleichaltrige, aber auch ...

Michael, gerade elf Jahre alt, fährt mit dem Schiff von Ceylon nach Großbritannien zu seiner Mutter. Auf der Reise, die drei lange Wochen dauert, lernt er viele Menschen kennen: Gleichaltrige, aber auch Erwachsene. Einige davon spielen auch in seinem späteren Leben, zu dem immer wieder abgeschweift wird, eine Rolle. Die Reise prägt den Jungen für das ganze Leben.

Michael sitzt am „Katzentisch“, dem unattraktivsten Tisch im Speisesaal, denn er ist kein Gast, der viel Geld bringt, sondern schon eher eine kleine Last. Schon erstaunlich, dass in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts Kinder einfach ohne Begleitung eine solche Strecke allein fahren konnten und durften. Das ist heute unvorstellbar. Die Erlebnisse des Jungen sind nicht alle erfreulich und schön, aber jedes einzelne hat Auswirkungen auf seine weitere Entwicklung und sein späteres Leben. Das weiß er zu dem Zeitpunkt nicht, aber da Michael diese Story aus seiner Erinnerung heraus erzählt, weiß er es inzwischen und lässt es auch immer wieder durchblicken. Die unterschiedlichen Reisebegleiter, allesamt auf ihre Weise besonders, bringen die drei Kinder auf immer neue Ideen, die nicht immer mit den Ge- und Verboten übereinstimmen. So füllen sie die 21 Tage mit Erlebnissen, die andere in einem ganzen Leben nicht sammeln können.

Die vielen Zeitsprünge vor und zurück und die große Zahl an Charakteren machten es mir zwischendurch etwas schwer, der Story zu folgen. Auch kam ich mit einigen Namen nicht so ganz klar. Johannes Steck erzählt (bzw. liest) das Buch sehr passend in einem ruhigen, nachdenklichen Ton. Diese Stimme ist super angenehm – aber sie verleitet auch zum Abdriften mit den Gedanken.

Wirklich spannend ist das Hörbuch nicht, doch lauscht man dem Erzähler dennoch immer weiter. So ähnlich, wie man als Kind gern etwas vorgelesen bekam und sich dabei wohl, sicher und gut aufgehoben fühlte. Der Katzentisch wird zum interessantesten Platz auf dem Schiff. Als Zuhörer mag man von den „besseren“ Leuten gar nicht so viel wissen, da sie schnell verblassen im Vergleich mit der illustren Gesellschaft an diesem abseits stehenden Tisch.

Die Abgeschlossenheit auf diesem Dampfer lässt die Ereignisse ganz anders auf die Personen wirken, besonders auf die Kinder, als es in einer Stadt gewesen wäre. Es gibt keine Möglichkeit, den Geschehnissen aus dem Weg zu gehen. Und auch in drei Wochen Fahrt kann niemand alle Geheimnisse dieser in sich geschlossenen Welt ganz enträtseln. Die Verbindungen, die teils über viele Jahre bestehen bleiben, haben ihren ganz eigenen Zauber und Reiz.

Wer sich auf das Hörbuch einlässt und sich voll und ganz konzentriert, hat viel Freude damit. Insgesamt kann ich vier Sterne dafür geben.

Veröffentlicht am 05.02.2017

Das Protokoll einer Suche

Das Buch der Spiegel
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Nur durch Zufall liest der Literaturagent Peter Katz das Exposé und die ersten Kapitel des unverlangt eingesandten Manuskripts von Richard Flynn. Angeblich handelt es sich um eine wahre Begebenheit. Der ...

Nur durch Zufall liest der Literaturagent Peter Katz das Exposé und die ersten Kapitel des unverlangt eingesandten Manuskripts von Richard Flynn. Angeblich handelt es sich um eine wahre Begebenheit. Der Stil des Textes spricht Katz an und er möchte unbedingt den Rest des Manuskriptes haben. Als Flynn nicht auf Mails reagiert, macht sich Katz auf den Weg zu ihm, um festzustellen, er ist seiner Krankheit erlegen. Trotz intensiver Suche findet seine Lebensgefährtin das Manuskript nicht, weiß auch nichts davon. Katz setzt alle Hebel in Bewegung, um mehr über die Ereignisse rund um den Mord an Professor Wieder zu erfahren.

Die Idee ist super und die Manuskriptauszüge wecken auch das Interesse des Lesers. Der Stil ist hier etwas hölzern, doch denkt man so bei sich, dass ein Lektor das noch gut in Form schleifen wird, es ist ja nur ein Manuskript. Aufgeteilt ist das Buch in drei Teile. Man erfährt so die Story von diversen Personen: zunächst eben von Richard Flynn (zumindest in Teilen), dann von Peter Katz (soweit er selbst recherchiert) und im Anschluss von John Keller, einem Drehbuchautor und Reporter, sowie dem Detective im Ruhestand Roy Freeman, der aus persönlichem Interesse an diesem Fall interessiert ist. Auch diese Idee gefällt mir, zeigt sie doch überdeutlich, dass alles aus mehreren Blickwinkeln betrachtet werden kann. Nur leider ist die Ausführung nicht gelungen. Alle Figuren bleiben blass und schemenhaft, obwohl sie von verschiedenen Personen beschrieben werden. Nirgendwo haben Figuren oder Story eine Tiefe, die den Leser fesselt. Alles bleibt oberflächlich, blass, farblos, konturlos und nebulös. Am schlimmsten ist für mich jedoch, dass sogar die Erzähler völlig austauschbar und schablonenhaft sind. Nicht einmal hier ändert sich am Stil etwas. Das ist so protokollmäßig, dass ich mir ohne Notizen noch nicht einmal die Namen der Ich-Erzähler habe merken können. Da kam einfach nichts rüber. Sehr seltsam ist dabei, dass man dennoch recht zügig mit dem Buch durch ist. Das verwundert mich wirklich extrem.

Die unterschiedlichen Sichtweisen der involvierten Personen äußern sich nicht nur in der Story selbst, sondern auch in Bezug auf die Fragen, die die jeweiligen Erzähler ihnen stellen. Schön ist also zu beobachten, wie der Mensch dazu neigt, seinen Sympathien entsprechend auch zu antworten und zu erzählen. Dass bei fünf Augenzeugen sechs unterschiedliche Aussagen gemacht werden, ist längst nichts Neues. Es langweilt nicht unbedingt, dass man immer wieder die selben Ereignisse aus anderen Perspektiven geschildert bekommt, auch nicht, dass sie entsprechend immer ein wenig voneinander abweichen. Es langweilt einfach der Stil, die Konturlosigkeit der Figuren.

Das Ende hat mich dann ein wenig ratlos zurückgelassen: und jetzt? Dieser Cold Case hätte schon sehr viel früher aufgeklärt werden können, so überraschend war das alles im Grunde gar nicht, auch wenn der Schluss arg konstruiert und abrupt kommt. Es gibt eine ganze Reihe Tatverdächtiger und jeder davon hat jeweils ein starkes Motiv für die Tat. Die Auflösung dann macht aus einem logisch aufgebauten Kriminalfall eine Farce. Die Schicksale der Figuren – seien es nun die Erzähler oder aber die am Fall Beteiligten – werden nur grob angerissen und verhindern so, dass man sich mit einem der Charaktere identifiziert oder auch nur Sympathie empfindet.

Nach einem echt guten Anfang verliert das Buch enorm. Es ist interessant, aber ohne jede Spannung. Man will nur ab einem gewissen Punkt endlich wissen, wo das Manuskript ist und wer nun tatsächlich der Mörder ist. Das geht bei mir am Hype um dieses Buch völlig vorbei. Schade, da hätte man sehr viel mehr herausholen können. So bleibt es bei drei Sternen.

Veröffentlicht am 04.02.2017

Von Schoko-Hauch bis Schoko-Bombe

Kochen & Backen mit der KitchenAid: Schokolade
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Kaum jemand kann Schokolade widerstehen. Da liegt es nahe, ein Buch mit vielen schokoladigen Rezepten in der Sammlung zu haben. Das hier vorliegende bringt aber noch viel mehr mit sich: es informiert auch ...

Kaum jemand kann Schokolade widerstehen. Da liegt es nahe, ein Buch mit vielen schokoladigen Rezepten in der Sammlung zu haben. Das hier vorliegende bringt aber noch viel mehr mit sich: es informiert auch rund um die Schokolade, von der Herstellung über die Sorten bis hin zur Verarbeitung. Das liest sich sehr gut und macht Appetit!

Nicht nur mit der tollen Kitchen-Aid (ein Traum von Küchenmaschine!) lassen sich die Rezepte nacharbeiten.

Der Aufbau der Rezepte ist sehr übersichtlich: es finden sich die Angaben für die Menge (Portionen), den Zeitaufwand, Backzeit/Ruhezeit und wenn nötig auch Angaben zu benötigtem Material (beispielsweise Muffinformen, Kastenform). Danach folgt die Auflistung der Zutaten. Die Arbeitsschritte sind gut und leicht verständlich erklärt. Zudem gibt es zu jedem Rezept ein Foto und noch ein Kasten mit einer hilfreichen Bemerkung. Auf jeder Rezeptseite ist in einer Art Plakette eingezeichnet, welchen Einsatz für die Küchenmaschine man benötigt.

Die Rezepte selbst sind breit gefächert von den bekannten Schoko-Kuchen über neue Anregungen bis zu ausgefallenen Leckereien. Meine Lieblinge sind die Marc de Champagne Trüffel und die Mousse au Chocolat. Aber auch dezenter schokolastige Rezepte finden sich, wie beispielsweise eine Schwarzwälder Kirschtorte und „Mango Traum“, eine tolle fruchtige Creme. Von ganz einfach bis zum kleinen Kunststück (ich bekomme meine Schokoglasur einfach nicht so traumhaft glatt auf meine Torten) findet sich hier alles. Der Schwierigkeitsgrad ist an sechs kleinen „Blümchen“ ablesbar. Je schwieriger, desto mehr der „Blümchen“ sind hervorgehoben.

Aber Vorsicht: hier nimmt man schon beim Lesen zu! So viel Appetit macht das geniale Buch auf schokoladige Leckereien. Dennoch bin ich begeistert und gebe gern die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 02.02.2017

Die Suche nach der wahren Liebe

Miss you
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Tess macht mit ihrer Freundin Doll eine Reise nach Italien, bevor sie mit ihrem Studium beginnen wird. Sie ist jung und fröhlich, ihr ganzes Leben liegt noch vor ihr. Hier begegnet sie zum ersten Mal Gus. ...

Tess macht mit ihrer Freundin Doll eine Reise nach Italien, bevor sie mit ihrem Studium beginnen wird. Sie ist jung und fröhlich, ihr ganzes Leben liegt noch vor ihr. Hier begegnet sie zum ersten Mal Gus. Ganz kurz, eine völlig unbedeutende Begegnung. Gus selbst versucht gerade zusammen mit seinen Eltern über den Tod von Ross, Gus‘ älterem Bruder, hinwegzukommen. Wieder zu Hause, geht für beide das Leben weiter. Bei Tess mit einer Nachricht, die ihre weiteren Pläne völlig verändern, bei Gus mit dem Gefühl von Schuld. Beide Leben nehmen ihren Lauf, mit allen Höhen und Tiefen, die ein Leben eben so mit sich bringt. Und Tess und Gus haben immer das Gefühl, es fehlt etwas …

Die Idee zum Plot ist großartig. Auch sind die beiden Erzählstränge Tess/Gus interessant geschrieben. Beide Leben laufen sehr unterschiedlich. Man erkennt am Stil, wessen Part man gerade liest. Das mag ich sehr. Obwohl alle Ereignisse logisch ineinander greifen und stimmig sind, verliert die Story irgendwann ein wenig. Ich habe mehr und andere kleine Begegnungen erwartet, vor allem mit etwas mehr Erinnerungswert für Tess und Gus.

Erst auf den letzten einhundert Seiten nimmt die Geschichte wieder Fahrt auf und macht mir so viel Spaß, wie auf den ersten hundert Seiten. Gerade Gus‘ Part ist dazwischen ein wenig eintönig und uninteressant, obwohl sein Charakter sehr liebenswert ist.

Die Figuren allgemein sind mit wenigen Strichen sehr aussagekräftig gezeichnet. Sie haben alle genug Tiefe, um nicht blass zu wirken. Sowohl die Netten, als auch die weniger Sympathischen sind lebendig und realitätsnah gestaltet. Der Sprachstil (beide Parts sind in der Ich-Form gehalten) ist schnörkellos und gut zu lesen. Obwohl Gus Arzt ist, wird er nicht als snobistischer Akademiker dargestellt und seine Art zu sprechen ist freundlich und liebevoll, selbst dann, wenn er allen Grund hätte, ausfallend zu werden oder seinen Doktortitel heraushängen zu lassen. Tess steckt voller Potenzial, das sie aber zurückhält. Man spürt instinktiv, dass beiden etwas fehlt und hofft, sie finden zusammen, um gemeinsam ein Ganzes zu bilden.

Da der Leser die beiden Protagonisten über volle 16 Jahre begleitet, erlebt er deren Erwachsenwerden direkt mit. In dieser Zeit stellen sich vielen Menschen Probleme in den Weg, doch bei Tess und Gus sind es dann doch schon wirkliche Pakete, die sie zu schleppen haben. Vielleicht ist hier zu viel abgeladen worden und zum Teil auch zu oberflächlich abgehandelt worden.

Wie gut oder happy das Ende nun ist, kann man so gar nicht sagen. Mir fehlt hier ein wenig. So ganz zufriedenstellend ist es nicht. Einiges ist noch offen und nach so vielen Seiten hätte ich da etwas anderes erwartet, auch wenn ich nicht der typische Liebesromanleser bin. „Miss You“ ist auch kein typischer Liebesroman, denn Romantik ist hier nicht sehr viel zu finden.

Es ist nicht einfach, dem Buch mit einer Wertung gerecht zu werden. Es hat mich nicht übermäßig angestrengt, aber ich bleibe mit ein wenig Enttäuschung zurück. Die Lesezeit habe ich nicht als vergeudet empfunden und ich musste mich auch nicht durch das Buch quälen. Insgesamt finde ich drei Sterne als faire Lösung.

Veröffentlicht am 31.01.2017

Britische Küche und lecker? Ja, das geht!

Kiss me Cake
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Christine Bermayer war als Pâtissière bei Harrods tätig und ist inzwischen längst in Deutschland selbständig. Doch ihre Liebe zu den britischen Cakes und Snacks trägt sie noch immer im Herzen und so kam ...

Christine Bermayer war als Pâtissière bei Harrods tätig und ist inzwischen längst in Deutschland selbständig. Doch ihre Liebe zu den britischen Cakes und Snacks trägt sie noch immer im Herzen und so kam dieses Buch zustande. Zum Glück – denn so zeigt sich England mal von der leckeren Seite! Auch wenn die Briten doch eher für fantasieloses, für unsere Gaumen weniger ansprechendes Essen bekannt sind, haben sie doch auch einige wirkliche Köstlichkeiten auf Lager. Und um genau diese geht es hier.

Die Unterteilung wirkt kunterbunt: Cake, Picknick, Pudding, 5 O’Clock Tea, Pub, After Dinner. Zwischen den einzelnen Rezepten finden sich immer wieder unterhaltsame kleine Anekdoten und beeindruckende und bunte Bilder rund um England und das Königshaus. Die Rezepte selbst sind übersichtlich aufgebaut und immer mit einem Foto versehen.

Mir hat es besonders die Biskuittorte mit schwarzen Johannisbeeren angetan. Recht schlicht, aber oberlecker. Bei den deftigen Leckereien finde ich die Cheese-Onion-Pie super, auch wenn sie schwer im Magen liegen. Die Sausage Rolls sind hier schnell und einfach zubereitet und schmecken auch Gästen als Fingerfood. Sogar Pfefferminzstangen kann man hier finden!

Auch wer nicht ganz so geschickt ist, kann die Rezepte nacharbeiten. Die meisten verlangen nicht zu viel künstlerisches Geschick. Auch sind die Zutaten nicht zu ausgefallen und leicht zu bekommen. Man benötigt keine außergewöhnlichen Haushaltsgeräte.

Nur bei den Minced Pies denke ich, einen Fehler entdeckt zu haben. „Minced Meat“ ist Hackfleisch. Vermutlich ist „Mincemeat“ gemeint, das ist eine Mischung aus klein gehacktem Trockenobst, Weinbrand und Gewürzen. Dennoch gefällt mir das Buch ausgesprochen gut und ich ziehe dafür auch keinen Stern ab. Das Buch ist jung, lebendig, bunt und fröhlich. Wer Koch-/Backbücher liebt und vielleicht sogar wie ich sammelt, der hat an diesem Buch seine helle Freude, weil es so schön anders ist. Macht also die vollen fünf Sterne.