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MrInsomnia

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.09.2025

Wahrheit oder Fiktion

Das Philosophenschiff
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Michael Köhlmeier zählt zweifellos zu den besten Geschichtenerzählern des Landes. Immer wieder greife ich gerne zu seinen Bearbeitungen der Sagen des Altertums. Im vorliegenden Buch erzählt Frau Professor ...

Michael Köhlmeier zählt zweifellos zu den besten Geschichtenerzählern des Landes. Immer wieder greife ich gerne zu seinen Bearbeitungen der Sagen des Altertums. Im vorliegenden Buch erzählt Frau Professor Anouk Perleman-Jacob die Geschichte des Philosophenschiffs, mit dem sie, ihre Eltern und einige andere außer Landes gebracht wurden. Diese Erzählung ist in eine Rahmenerzählung eingebettet, in der die Protagonistin diese Geschichte dem Autor berichtet. Insgesamt eine sehr nette Idee, auch an die Geschichten in der Geschichte und dem "Verlaufen" in eine andere Geschichte gewöhnt man sich recht schnell. Gelegentlich musste ich mir Hintergrundwissen ergoogeln, um bestimmte Aspekte der Geschichte rund um die Bolschewiki und die Revolution besser nachvollziehen zu können. Hin und wieder grübelt man dann doch, was nun Wahrheit und was Fiktion in diesem Buch ist. Insgesamt ist es eine schöne, kleine Geschichte, die sich gut lesen lässt und die ich nur empfehlen kann!

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Außergewöhnlich und dicht

Lauter
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Schon Stephan Roiss letzten Roman Triceratops habe ich mit Begeisterung gelesen. In "Lauter" folgen wir dem Protagonisten Leon, dessen Krebserkrankung einen Wendepunkt darstellt. In einer Reise quer nach ...

Schon Stephan Roiss letzten Roman Triceratops habe ich mit Begeisterung gelesen. In "Lauter" folgen wir dem Protagonisten Leon, dessen Krebserkrankung einen Wendepunkt darstellt. In einer Reise quer nach Venedig und später quer durch Italien beschäftigt er sich mit Meditation, mit Erinnerungen, mit seiner verstorbenen Mutter und mit seinem Vater. Stephan Roiss hat hier einen sehr dichten Roman vorgelegt, beschreibt bildhaft die Szenerie und das Innenleben des Protagonisten. Ein außergewöhnlicher Roman, den ich nur empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

starkes Debüt

Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht
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Julia Jost präsentiert mit ihrem Debütroman “Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht” ein beeindruckendes Werk. Genau dort, 40 Kilometer vom spitzesten Zahn entfernt, versteckt ...

Julia Jost präsentiert mit ihrem Debütroman “Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht” ein beeindruckendes Werk. Genau dort, 40 Kilometer vom spitzesten Zahn entfernt, versteckt sich die elfjährige, namenlose Erzählerin unter einem LKW. Sie spielt Verstecken mit ihrer Freundin Luca und wartet, bis Luca von 100 rückwärts zählt, um sie zu suchen. Während dieses Wartens erfahren wir zahlreiche Geschichten über das Aufwachsen auf dem Kärntner Land, über einen verstorbenen Klassenkameraden sowie über die Vorgeschichte ihrer Eltern und Großeltern. Da ich selbst ein Jahr nach der Autorin in Kärnten geboren und in einer ländlichen Gegend aufgewachsen bin, hat mich das Buch sofort angesprochen. Erstaunlich, wie viele kleine Details man aus der eigenen Vergangenheit im Text wiedererkennt. Durch die vielen Sprünge zwischen Gegenwart und verschiedenen Geschichten aus der Vergangenheit ist es nicht immer klar, wo wir uns gerade befinden, bis der Kontext genug Hinweise gibt. Dennoch war das Buch für mich äußerst spannend zu lesen, weckte viele Erinnerungen und ich kann die Lektüre nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Wow, da wird einem mulmig!

Siebenmeilenherz
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Katharina Winklers Roman Siebenmeilenherz greift ein schwieriges Thema auf: den sexuellen Übergriff auf Kinder. Diese Traumata der Kindheit begleiten eine Person ein Leben lang. Das Buch erzählt die Geschichte ...

Katharina Winklers Roman Siebenmeilenherz greift ein schwieriges Thema auf: den sexuellen Übergriff auf Kinder. Diese Traumata der Kindheit begleiten eine Person ein Leben lang. Das Buch erzählt die Geschichte eines Missbrauchs eines Mädchens und vermittelt eindrucksvoll ihr Innenleben. Schon die Thematik geht einem unter die Haut, der gewählte Stil verschärft dies nur und lässt einen das gesamte Buch mit Gänsehaut lesen. Die anfangs fünfjährige Ich-Erzählerin schildert ihre Erlebnisse und ihr Innerstes. Dabei fallen Worte wie “Einhorn” und “Horn”, “Zauberritze” und “Wundersaft”, der weiß und klebrig ist. Durch diese Sprache aus der Sicht eines Kindes wird einem beim Lesen noch viel mulmiger. Gleichzeitig stimmt es einen traurig, dass genau das tagtäglich auf der Welt passiert – sexuelle Übergriffe an Kindern sind leider allgegenwärtig und kommen nur selten ans Licht. Es ist ein Buch, das mir ein wenig den Atem geraubt hat, ein Buch, das ich durch die sprachliche Dichte in Form eines Langgedichts in einem Rutsch lesen musste. Schockiert regte mich das Buch zum Nachdenken an. Ich kann der Autorin nur für dieses wichtige Buch danken. Auch wenn das Thema schwierig ist, gebe ich eine volle Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Wer sind die Monster?

Kleine Monster
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Ich habe lange überlegt, was ich in meiner Rezension zu Jessica Linds Roman “Kleine Monster” schreiben soll. Einerseits ist der Roman sehr gut geschrieben und lässt sich flüssig lesen, andererseits hat ...

Ich habe lange überlegt, was ich in meiner Rezension zu Jessica Linds Roman “Kleine Monster” schreiben soll. Einerseits ist der Roman sehr gut geschrieben und lässt sich flüssig lesen, andererseits hat er mich auch enttäuscht zurückgelassen. Der Klappentext und der Titel suggerieren, dass es in dem Buch um den kleinen Luca geht. Seine Eltern werden in die Schule ihres Sohnes gerufen, weil es einen “Vorfall” gegeben hat. Ich erwartete eine detaillierte Beschreibung des Vorfalls und eine Aufarbeitung des Geschehenen. Stattdessen entwickelt sich die Geschichte zu einem Psychodrama über eine Frau, die einen Verlust in ihrer Kindheit nie verarbeitet hat. Erst durch die Vergangenheit der Protagonistin, Lucas Mutter Pia, erschließt sich die Auswahl der Cover-Illustration. Wer oder was die “kleinen Monster” sind, bleibt offen für Interpretation. Die Geschichte lässt viele Fragen unbeantwortet, für meinen Geschmack zu viele, sodass ich mit dem Buch insgesamt nicht voll zufrieden bin. Gleichzeitig muss man anerkennen, dass der Text sehr gut geschrieben ist und in manchen Abschnitten eine starke Emotionalität entfaltet. Wenn man sich nicht zu sehr vom Klappentext leiten lässt, bietet das Buch einen tiefen Einblick in die Psyche einer Frau und die “kleinen Monster” in ihrem Kopf, die sie mit sich herumträgt.

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