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Veröffentlicht am 10.11.2019

High Fantasy vom Feinsten!

Knochendiebin (Die zwölf Kasten von Sabor 1)
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In der Geschichte geht es um die 16-jährige Stur. Sie ist als Krähe geboren und aufgewachsen. Die Krähen haben kein Geburtsrecht und stehen ganz unten in der Ordnung der Kasten. Alle anderen Kasten stehen ...

In der Geschichte geht es um die 16-jährige Stur. Sie ist als Krähe geboren und aufgewachsen. Die Krähen haben kein Geburtsrecht und stehen ganz unten in der Ordnung der Kasten. Alle anderen Kasten stehen darüber und beherrschen jeweils eine ganz besondere Macht. Doch die Krähen sind für die anderen Kasten von Nutzen, denn nur sie können sich nicht an der Sündenseuche anstecken und verbrennen daher die Toten, welche an dieser Seuche gestorben sind. Soweit, so gut. Allerdings wird Sturs Rotte zu einer Bestattung in den Königspalast gerufen um dort den verstorbenen Prinzen Jasimir und seinen Beschützer Tavin zu beerdigen. Überraschenderweise stellt sich heraus, dass die beiden gar nicht tot sind. Sie wollen etwas ganz anderes: heimlich das Königshaus stürzen. Doch dabei brauchen sie die Hilfe der Krähen und Stur bzw. ihr Anführer Pah geht einen Eid mit den beiden ein. Ob sie das bereuen werden?


Der Schreibstil von Maragaret Owen ist der Wahnsinn. Ab dem ersten Satz war ich voll und ganz in dieser Geschichte versunken. Teilweise sehr poetisch und voller Gefühl, magisch und bildhaft erleben wir die Geschichte der Protagonistin Stur aus der Erzähl-Perspektive. Diese Perspektive hat einfach wunderbar gepasst und hat der Geschichte zusätzlich etwas märchenhaftes verliehen.


Mit Sturs Zorn war es so eine Sache, manchmal war war er so kühl und hart wie Stahl, manchmal so wild und stürmisch wie Blut, das aus einer verletzten Ader sprudelte.

Mit der 16-jährigen Stur haben wir einen zu Anfang sehr zurückhaltenden, aber auch loyalen Charakter an die Seite gestellt bekommen. Durch ihre schlechten Erfahrungen aufgrund ihres Daseins als Krähe wirkte sie etwas abgestumpft auf mich, denn sie musste bereits viel Leid über sich ergehen lassen, da das Leben als Krähe nicht einfach ist. Allerdings hat Stur während der Geschichte einen starke charakterliche Entwicklung durchgemacht, die mir sehr gefallen hat. Ich habe mit ihr gelitten, geliebt, mich gefreut oder auch geweint. Stur war für mich eine starke Protagonistin mit Ecken und Kanten, die mich komplett von sich überzeugen konnte. Ich habe sie sehr in mein Herz geschlossen.


Sabor ist ein ziemlich faszinierendes Land, allerdings ist es jetzt auch nicht ungewöhnlich beschrieben worden. Ich habe es mir mittelalterlich vorgestellt, da oft von Burgen und ähnlichem die Rede war. Was mich aber wirklich geflasht hat, ist der Weltenaufbau. Die Kaste, die Gaben, die Eigenheiten der Charaktere und der einzelnen Kasten. Ich bin immer noch hin und weg. Wie kann man so tolle Ideen haben? Wow! Ich liebe Welten in denen es für mich viel Neues zu entdecken gibt und genau so war es nun auch in dieser Geschichte. Zum ersten Mal Gänsehaut während des Lesens hatte ich zu Anfang, als die Krähen ihren Mammon-Tanz aufführten. Den Mammon-Tanz führen die Krähen auf, wenn jemand ihnen ihren "Lohn" für die Beerdigungen nicht zahlen will. Sie wollen die Preller so in Angst und Schrecken versetzen. Was für eine grandiose Idee, oder!? Mich hat dies total geflasht. Unter den Krähen gibt es auch besondere Hexer/innen, die sogenannten "Knochendiebe/innen". Solch eine ist natürlich auch Stur. Aufgrund der Zähne der Menschen aus den verschiedenen Kasten kann sie deren Geburtsrechte magisch hervorrufen. Ein Pfau gehört zum Beispiel zu den Hehren Kasten und hat das Geburtsrecht des Glanzes. Stur kann daher die Macht des Pfauenzahnes erwecken und somit das Geburtsrecht der Pfauen für sich nutzen. Sie "klaut" sozusagen das Geburtsrecht. Dies geht auch mit Knochen, egal ob Mensch oder Tier. Cool oder?


Jede Krähe, so hieß es, hatte in einem früheren Leben irgendeinen Riesenmist gebaut, so schlimm, dass sie von der Korona zuerst mit der Seuche geschlagen und danach dazu verdonnert worden war, diese als Buße ein Leben lang einzudämmen.

Auch die Handlung hat mich komplett überzeugt. Sie war komplex, kraftvoll und man musste sich schon sehr konzentrieren, aber es lohnt sich dranzubleiben. Die Geschichte ist halt nichts für Zwischendurch. Zudem ist es teilweise wirklich extrem hart zu Lesen, was den Krähen alles wiederfährt, sodass die Geschichte an manchen Stellen wirklich düster und nichts für schwache Nerven ist. Wie bereits erwähnt, habe ich mit Stur sehr mitgefiebert und konnte vor anhaltender Spannung das Buch kaum zur Seite legen, sodass ich es auch schnell beendet hatte. Apropos Ende: Es war spektakulär! Mehr verrate ich nicht. :)


Die Innen- und Außengestaltung des Buches hat mir ebenfalls gefallen. Es ist schön, dass sich das Cover ans Originalcover hält, aber auch mit der Karte im Inneren und der Kapitelgestaltung wurde sich sehr viel Mühe gegeben. Jedes Kapitel trägt eine eigene Überschrift in einer schönen Schrift und auch die Aufteilung des Buches (ich meine es waren drei Teile) war schön dargestellt.


Fazit

High Fantasy vom Feinsten! Ein gefühlvolles und spannendes Abenteuer mit einer Protagonistin, die über sich hinaus wächst. Stur konnte mich von Anfang an begeistern, genauso wie die komplexe Handlung und der besondere Weltenaufbau. Der Schreibstil war grandios, lies sich schnell lesen und war sehr bildhaft, sodass ich mir alles genau vorstellen konnte. Ein absolutes Must-Read für alle Fans von Leigh Bardugo!


Vielen lieben Dank an den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar!


Erhältlich im Buchhandel eures Vertrauens oder direkt beim Verlag.

Eure Neni ♥

Veröffentlicht am 07.11.2019

Es war okay...

Racheopfer
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Das Cover finde ich super ansprechend, da es auch zu den anderen Bänden passt, und auch der Klappentext hat mich sofort in den Bann gezogen. Allerdings ist der Klappentext das Beste aus der gesamten Geschichte... ...

Das Cover finde ich super ansprechend, da es auch zu den anderen Bänden passt, und auch der Klappentext hat mich sofort in den Bann gezogen. Allerdings ist der Klappentext das Beste aus der gesamten Geschichte... den eigentlich spoilert dieser sogar, da dies die letzten Sätze der Geschichte sind. :/


Der Schreibstil von Ethan Cross hat mir wieder einmal sehr gut gefallen. Auch unser Protagonist Francis Ackermann jr., den ich bereits aus "Ich bin die Nacht" kannte, war sehr interessant und hat mich wieder total in seinen Bann gezogen. Man hat einiges über seine Kindheit erfahren, aber auch nicht so viel, dass man die Geschichte nun als Vorgeschichte bezeichnen könnte. Mir hat da einiges gefehlt. Leider! Ich hatte sehr viel mehr erwartet und irgendwie gehofft, etwas mehr aus seiner grausamen Vergangenheit zu erfahren. :( Die Handlung war auch nicht ganz stimmig... irgendwie hat nicht alles Sinn ergeben, was wirklich schade war.

Fazit

Ich denke die Geschichte ist eher was für zwischendurch, aber man muss sie nicht gelesen haben. Es war halt einfach okay, weder sehr gut, noch sehr schlecht. Natürlich sind einige grausame Szenen dabei, aber mich hat die Geschichte leider nicht umhauen können.


Vielen lieben Dank an den Bastei Lübbe Verlag und NetGalley für das Rezenionsexemplar!


Erhältlich im Buchhandel eures Vertrauens oder direkt beim Verlag.

Eure Neni ♥

Veröffentlicht am 24.10.2019

Ein Jugendthriller für Groß und Klein

Da waren's nur noch zwei
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Das Cover hat mich ehrlich gesagt überhaupt nicht angesprochen. Es wirkt auf mich wie eine Geschichte für Schüler, da das Cover mich an eine Tafel erinnert, daher habe ich mir den Klappentext nie durchgelesen. ...

Das Cover hat mich ehrlich gesagt überhaupt nicht angesprochen. Es wirkt auf mich wie eine Geschichte für Schüler, da das Cover mich an eine Tafel erinnert, daher habe ich mir den Klappentext nie durchgelesen. Ich komme gerade einfach nicht darauf, wie das Spiel heißt, aber die Zeichnung erinnert mich einfach an Unterricht bei einem Vertretungslehrer... Nach der Prieview des Verlages war ich allerdings hin und weg von dem Inhalt, deswegen habe ich das Buch auch direkt noch auf der Messe gekauft und sofort begonnen. :)


Die Geschichte beginnt damit, dass Kim, Feline, Abby und Pippa kurz vor Weihnachten zu dem Ferienhaus von Abbys Eltern nach Belgien reisen um dort ein paar Tage zu verbringen. Einfach entspannen und die Zeit nach dem bestandenen Abi genießen, doch sie werden eingeschneit und abgeschnitten von der Außenwelt. Schnell wird der Trip zum Albtraum, denn eine von ihnen verschwindet spurlos... Klingt spannend oder? War es auch!


Der Schreibstil von Mel Vallis de Vries war zu Anfang für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Die Sätze sind immer ziemlich kurz, was mich ein wenig iritiert hatte. Daran hatte ich mich aber schnell gewöhnt und der Einstieg in die Geschichte selbst viel mir dafür aber leicht. Das Buch ist in 4 Abschnitte eingeteilt, die jeweils einen der Namen der Freundinnen tragen. Aus dessen Sicht wird in der Ich-Perspektive dann auch immer die Geschichte erzählt. So haben wir einen sehr guten Blick in die Gefühls- und Gedankenwelt jedes Charakters.

Das Haus fühlt sich an wie ein Gefängnis, dem wir nicht mehr entkommen können.

Da die Charaktere selbst eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen möchte ich nicht zu viel auf die vier Mädels eingehen. Eines sei aber gesagt: Es ist nichts wie es scheint. Vielleicht sind sie auch nicht ganz so gute Freundinnen. Dies bemerkt man als Leser aber auch relativ schnell. Ich wusste nie wie ich das jeweilige Mädchen einschätzen sollte, aus dessen Sicht ich gerade las. Somit hatte ich dann auch viele Theorien im Kopf, was eine Menge Spaß gemacht hat. Ich liebe es nämlich mitzuraten, was nun als nächstes geschieht oder wie sich alles auflöst. :)

Die Geschichte spielt in Belgien, Ardennen, was ein wirklich tolles Setting für solch eine Geschichte ist. Mutterseelenallein und abgeschieden in einem Haus zwischen Wäldern wo sonst nichts ist. Könnte entspannend sein oder auch, so wie hier, zum Albtraum werden. Die Atmosphäre war die ganze Zeit angespannt und gruselig. Allein der Klappentext klingt für mich schon ein wenig nach Horror. Man ist abgeschnitten vom Rest der Welt, die Freundinnen haben Geheimnisse voreinander, nichts ist wie es scheint. Gerade das hat für sehr viel Spannung gesorgt! Dennoch hatte die Geschichte  zu Anfang eine kleine Länge. Irgendwie wusste ich da noch nicht so genau, ob mir das alles zu klischeehaft ist.

Das Ende hat mich dann noch einmal komplett überzeugen können. Es war so unvorhersehbar und genau das Liebe ich!

Fazit

Ein spannender Jugendthriller für Groß und Klein! Aufgrund der gruseligen Atmosphäre und der Handlung ist dieses Buch auch etwas für Erwachsene. Ich bin bis zum Ende wirklich nicht dahintergestiegen was es mit allem auf sich hat. Es werden auf jeden Fall weitere Bücher der Autorin bei mir einziehen. :) Eine Leseempfehlung für alle, die sich mal an Thriller versuchen möchten oder die Bücher von Sara Shepard lieben.


Erhältlich im Buchhandel eures Vertrauens oder direkt beim Verlag.

Eure Neni ♥

Veröffentlicht am 14.10.2019

Nicht alles Verlorene soll gefunden werden

Der Zauber der verlorenen Dinge
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Das Cover hat mich sofort in den Bann gezogen. Es wirkt magisch und mystisch auf mich. Absolut genial! Ich habe daher auch auf eine geheimnisvolle Geschichte gefreut. Ich dachte sie wäre ruhiger, aber ...

Das Cover hat mich sofort in den Bann gezogen. Es wirkt magisch und mystisch auf mich. Absolut genial! Ich habe daher auch auf eine geheimnisvolle Geschichte gefreut. Ich dachte sie wäre ruhiger, aber da habe ich mich definitv getäuscht. Dazu später mehr.


Der Klappentext hört sich ziemlich lasch an, 08/15, wie bereits schon 100 mal gehlört. Aber das Gegenteil ist der Fall! Allein der Schreibstil hat mich schon umgehauen. Es war poetisch, gefühlvoll, spannend und hat mich einfach komplett in seinen Bann gezogen. Die Geschichte hat 3 Hauptprotagonistinnen die jeweils die Geschichte in der Ich-Perspektive erzählen. Wir haben also in jedem Kapitel eine andere Sichtweise, wobei die 3 Charaktere sich abwechseln. Es handelt sich dabei um Laurel, Olive und Hazel. Die Kapitelgestaltung hat mir wirklich gut gefallen. Es war immer der Name der Person zu sehen, der dann zwischen den passenden Blättern stand. Olive hatte Olivenbaumblätter, Hazel Haselnussblätter, usw. Dazu stand auch immer, was derjenige verlieren wird bzw. verloren hat und ein Datum ohne Jahr, allerdings mit Tag. Die Geschichte spielt demnach innerhalb einiger Tage.


Überleg dir deinen Handel gut:
Jeder verlorene Gegenstand erfordert ein Opfer -
für jeden Fund geht etwas anderes verloren.

Wie ihr jetzt wisst sind Laurel, Olive und Hazel die drei Hauptprotagonisten, aber es gibt auch noch viele mehr. Zum eine haben wir noch Laurels Freundinnen Holly und Ash, Olives beste Freundin Rose und Hazles Bruder Rowan sowie deren Freundin Ivy. Wie diese 3 Gruppen zusammenhängen, dass müsst ihr selbst nachlesen. Allerdings finde ich jeden Charakter wirklich sehr besonders! Zu Anfang wusste ich noch nicht wie ich diese abolut nicht normalen Charaktere finden soll. Ich mag es, wenn Charaktere nicht "normal" sind. Olive trägt zum Beispiel ein Hörgerät und Rose pustet mit Seifenblasen um so nicht zu rauchen. Coole Idee! Aber diese prollige Sprache und die Themen die zu Anfang des Buches angeschnitten wurden hatten es echt in sich. Ich wusste nicht, ob die Geschichte nun in die Themenrichtung Vergewaltigung, Horror oder Fantasy geht. Es war eine absolut gruselige, beklemmende und unangenehme Atmosphäre. Es geschahen unheimliche Dinge, die einfach paranormal waren. Für mich ein absoluter Graus! Aber dafür umso spannender! :) Jetzt schweife ich ab. Die Charaktere waren auf jeden Fall mit ihren blauen kurzen Haaren, Tatoos, Bisexualität und Alkoholproblemen einfach mal anders. Sie waren rebelisch auf ihre eigene Art und Weise und das hat mir sehr gut gefallen.

Und dann fing es an. Moos wurde zu Fell wurde zu toten Tieren auf dem Waldboden. Die Bäume wurden die Lücken zwischen den Bäumen.

Auch die Handlung war super. Bis zum 3/4 des Buch war ich unglaublich verwirrt. Ich bin einfach nicht dahinter gestiegen was es jetzt mit allem auf sich hat. Warum verschwinden Dinge und tauchen woanders wieder auf? Warum muss für alles was gefunden wird etwas verloren gehen? Wer hat das Ganze überhaupt ins Rollen gebracht? Fragen über Fragen deren Antworten ihr auf jeden Fall nachlesen solltet. Ich bin nach diesem Buch total in Gruselstimmung. Ich habe mich während des Lesens ständig umgesehen. Ein absolutes Must-Read! Ich war hin und weg, wollte überhaupt nicht aufhören zu lesen. Es waren so krasse Wendungen in der Geschichte und allein diese unheimlichen Dinge die die ganze Zeit passieren. Der Hammer!


Auch das Ende hat mich noch einmal komplett von den Socken gehauen. Ich war absolut geflasht. Zudem gab es ab und zu Easter Eggs z. B. zu Harry Potter oder Tolkien, was ich wirklich toll fand. Irgendwie gibt einem das ein Gefühl von Nahbarkeit. Das Setting war übrigends auch nicht zu verachten. Die Geschichte spielt in einer (ich glaube) fiktiven Stadt namens Balmallen mit viel Neben, viel Wald, einer Straße mit leerstehenden Häusern und nur einer einzigen Schule. Es ist also eher eine Kleinstadt. All das macht die Stadt aber nicht weniger interessant. Dadurch das sie so abgelegen ist, war sie so besonders. :)


Fazit

Atmospährisch, faszinierend, unvergesslich, gruselig, aber auch märchenhaft! Ein absolutes Must-Read für die dunkle Jahreszeit! Ich habe es sehr geliebt und finde die Geschichte unglaublich gut. Die Handlung war packend, der Schreibstil hat mich verzaubert und die Charaktere haben mich immer wieder überrascht. Absolute Lesempfehlung!


Vielen lieben Dank an den cbj Jugendbuch Verlag für das Rezensionsexemplar!


Erhältlich im Buchhandel eures Vertrauens oder direkt beim Verlag.

Eure Neni ♥

Veröffentlicht am 04.10.2019

"Der Zirkus ist ein schlechter Ort. Ein böser Ort." - Zitat

Die Arena: Grausame Spiele
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Beginnen wir ganz vorbildlich mit dem Cover, bevor ich aus dem Schwärmen nicht mehr raus komme. ;) Das Cover hatte ich bereits in der Vorschau entdeckt und war hin und weg. Es hat mich sofort angesprochen, ...

Beginnen wir ganz vorbildlich mit dem Cover, bevor ich aus dem Schwärmen nicht mehr raus komme. ;) Das Cover hatte ich bereits in der Vorschau entdeckt und war hin und weg. Es hat mich sofort angesprochen, da ich Zirkusgeschichten unfassbar liebe und aufregend finde. Das Treiben auf einem Jahrmarkt gefällt mir ebenso und die Arena hat (auch vom Klappentext her) einfach alles für mich vereint. Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, worauf ich mich eingelassen habe...

Ben ist ein Pure, aus einer der reichsten und angesehensten Familien, denn seine Mutter ist die Ministerin für Dreg-Kontrolle. Als Ben sieht, dass der Zirkus aufgebaut wird und die Artisten durch die Stadt streifen um Werbung zu machen, sieht er Hoshiko zum ersten Mal. Sie ist DIE Aktraktion im Zirkus und Ben ist sofort hin und weg von ihr. Doch Hoshiko ist eine Dreg, die mit dem Namen "die Katze", in der Arena als Hochseilartistin auftritt und somit Abschaum in den Augen der Pures. Ben kann seine Eltern nun überreden, mit ihm in den Zirkus zu gehen, aber was ihn dort erwartet, hätte nicht schrecklicher sein können...

Der Zirkus ist ein schlechter Ort. Ein böser Ort. - Ben

Der Schreibstil von Hayley Barker war wirklich bildhaft, einfach und flüssig zu lesen, sodass ich durch die Seiten geflogen bin. Zudem waren die Kapitel immer sehr kurz, sodass sie nur eine Länge zwischen einer und 10 Seiten hatten. Zudem kam noch hinzu, dass nach (fast) jedem Kapitel die Sichtweise gewechselt hat. Mal haben wir daher alles aus der Ich-Perspektive von Ben und dann wieder aus der Sicht von Hoshiko erlebt. Durch die jeweiligen Ich-Perspektiven hat meinen einen unglaublich einprägenden und interessanten Einblick in die Gefühlwelt bekommen. Für mich war es ein besonderes Erlebnis, da Ben noch sehr naiv war und Hoshiko bereits vom Leben gezeichnet.

Die Geschichte spielt in der nahen Zukunft, ca. 2045, aber eine genaue Zeitangabe wird nicht genannt. Als ich die Geschichte las war mir noch gar nicht wirklich bewusst, worauf ich mich eingelassen haben. Aus dem Klappentext wusste ich nur, dass die Pures "die Guten" und die Dregs "die Bösen" sind, um es einfach mal ganz extrem und einfach zu sagen. Allerdings steckt so viel mehr dahinter. In dieser Geschichte geht es nämlich eigentlich um Fremdenhass. Die Dregs sind Einwanderer und ethnische Minderheiten, egal ob hier geboren oder woanders, für die Pures, die Reinen, sind sie nichts weiter als Abschaum und werden in dieser Geschichte auch immer wieder wie Tiere dargestellt. Sie werden mit Affen verglichen und wirklich wie Dreck behandelt sowie für alles Schlechte verantwortlich gemacht. Die Pures sind übrigens "reinrassige" Engländer. Eine Geschichte in der es zwei verfeindete Gruppen gibt ist nichts neues, aber unter den Umständen wie in dieser Geschichte ist es für mich noch erschreckender. Es wirkte einfach so real auf mich, denn auch in unserer heutigen Welt ist Fremdenhass kein Fremdwort mehr und nimmt immer weiter zu.

Sie wollen zusehen, wie wir sterben. - Hoshiko

Die Dregs werden bereits mit 5 Jahren von ihrer Familie fortgerissen um im Zirkus aufzutreten und oft machen sie dies bis zum Tod, der spätestens zwischen 18 und 20 Jahren geschieht. Sei es durch Ermordung oder durch "Unfälle" während der Auftritte. Erwachsen wird im Zirkus keiner. Manche werden auch "aussortiert", sobald sie unnütz für den Zirkus werden. Dieser wird im Übrigen von Silvio geleitet. Ebenfalls ein Dreg, der sich allerdings aufgrund gewisser Umstände für etwas besseres hält. Ich hatte schon seit Ewigkeiten keinen so schmierigen, wiederwärtigen und ekelhaften Charakter mehr in einem Buch. Ich hasse ihn! Aber auch Bens Mutter hat es einem nicht einfach gemacht. Durch ihre Aufgaben als Ministerin für Dreg-Kontrolle konnte ich ihr ebenfalls nicht abgewinnen. Aber dies war gut so, denn durch die beiden kamen so viele Emotionen in mir hoch und wenn dies ein Autor aufgrund seiner Charaktere und der Handlung schafft, dann ist es super! Auch wenn es sehr negative Gefühle waren. So hatten wir aber auch "Bösewichte" in beiden Handlungssträngen, welche natürlich im Laufe der Geschichte zu einem wurden.

Neben diesen Charakteren gab es noch einen weiteren, für mich ganz besonderen Charakter, nämlich Amina. Sie ist sozusagen die Mutti der Artisten. Sie war selbst ebenfalls mal Artistin und ist nun mit 20 die Älteste und kümmert sich um die Verletzten. Sie habe ich schnell ins Herz geschlossen. Ein wahrer Lichtblick in dieser dunklen Stunde in der die Geschichte spielt.

Aber es sind keine Zelte. Es sind feste Gebäude; damit die Tiere nicht ausbrechen können, nehme ich an, und die Dregs auch nicht. - Ben

Das Setting hat mir wirklich sehr gefallen. Ein Zirkus inkl. Jahrmarkt ist für mich immer ein gelungenes Setting! Haha! Es wurde so schön beschrieben wie prunkvoll der Zirkus von außen erscheint und wie schön die Arena ausgestattet ist. Außerdem sind um den Zirkus herum noch weitere kleinere Zelte aufgebaut. Hach... ein Traum! England ist als Setting jetzt nichts neues, aber das Worldbuilding, wo die Dregs und die Pures in der Gesellschaft stehen und was dies alles mit sich bringt hat mich umgehauen. Ich bin immer noch so schockiert! Wie die Pures gejubelt haben und einfach zusehen wollten wie die Dregs sterben oder gequält werden... es war grausam.

Die Handlung der Geschichte hat mir sehr gefallen. Aufgrund der extremen Gesellschaft war die Liebesgeschichte für mich nicht 08/15. Natürlich verliebt sich der Pure Junge in das Dreg Mädchen... könnte man annehmen. Aber für mich war diese Liebesgeschichte so viel mehr. Für mich war sie ein Lichtblick in dieser grausamen Welt voller Ungerechtigkeit. Die Geschichte spielt zwischen 3 bis 4 Tagen, ist sehr schnelllebig, aber dennoch mochte ich wie verliebt die beiden ineinander waren. Zudem darf man auch nicht vergessen, dass die beiden erst so um die 16 Jahre alt sind. :) Ich fand es wirklich süß und mir tat diese Liebesgeschichte zwischendurch einfach nur gut. Dank vieler unerwarteter Wendungen und Schockmomenten rast man einfach nur so durch die Geschichte. Die Spannung war wirklich immer auf dem Höhepunkt, dennoch gab es aber auch ab und an ein paar Seiten die weniger turbulent waren, zum durchatmen. 

Fazit

Eine schokierend grausame Geschichte, die gar nicht so realitiätsfern ist, wie man zu Anfang denken mag. Für mich ein absolutes Jahreshighlight! Dieses Buch hat alles was ein Highlight braucht. Eine schöne Liebesgeschichte, spannende Charaktere mit Entwicklung, ein aufregendes Setting und "Bösewichte", die einfach jeder hasst. Mir hat es an absolut nichts gemangelt. Es war durchweg spannend und die Handlung war immer wieder überraschend! Nichts war vorhersehbar.

Vielen lieben Dank an den Wunderlich/ Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!

Erhältlich im Buchhandel eures Vertrauens oder direkt beim Verlag.

Eure Neni ♥