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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2026

Zwischen Humor und Selbstfindung

Mit anderen Augen
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Im Mittelpunkt steht Tilda, eine Frau mitten im Leben, deren Alltag plötzlich aus den Fugen gerät: Nach und nach verschwinden Teile ihres Körpers, erst ein Finger, dann weitere. Eine Ärztin stellt die ...

Im Mittelpunkt steht Tilda, eine Frau mitten im Leben, deren Alltag plötzlich aus den Fugen gerät: Nach und nach verschwinden Teile ihres Körpers, erst ein Finger, dann weitere. Eine Ärztin stellt die rätselhafte Diagnose „Unsichtbarkeit“. Doch statt sich ihrem Schicksal zu ergeben, beginnt Tilda, ihr Leben zu hinterfragen. Zwischen Familie, Beruf und Freundschaften stellt sie sich der Frage, warum sie sich selbst aus dem Blick verloren hat und wie sie wieder sichtbar werden kann.

Die Grundidee ist ungewöhnlich und sofort fesselnd: Unsichtbarkeit nicht als Fantasy-Element, sondern als greifbare Metapher für das Gefühl, im Alltag übersehen zu werden. Genau hier setzt die Geschichte ihre stärksten Impulse. Sie schafft es, ein ernstes Thema – Selbstwahrnehmung, Älterwerden und gesellschaftliche Erwartungen – zugänglich und stellenweise sogar leicht zu erzählen, ohne an Tiefe zu verlieren.

Was hier wirklich trägt, ist die Hauptfigur. Tilda wirkt nahbar, widersprüchlich und angenehm unperfekt. Ihre Entwicklung fühlt sich glaubwürdig an, weil sie nicht plötzlich „alles im Griff“ hat, sondern sich Schritt für Schritt wieder näherkommt. Auch die Nebenfiguren fügen sich stimmig ein und sorgen dafür, dass die Geschichte emotional verankert bleibt. Der Schreibstil ist modern, flüssig und von einem feinen Humor durchzogen. Gerade dieser Ton verhindert, dass die Geschichte zu schwer wird. Stattdessen entsteht eine gute Balance aus Nachdenklichkeit und Leichtigkeit, und die Botschaft bleibt präsent, ohne belehrend zu wirken.

Ein kleiner Kritikpunkt liegt für mich im Schluss: Der wirkt insgesamt sehr rund und fast schon ein wenig zu glatt. Ohne zu viel vorwegzunehmen, hätte ich mir hier etwas mehr Reibung oder Zwischentöne gewünscht, statt einer Lösung, die stellenweise etwas idealisiert und leicht kitschig daherkommt. Am Ende bleibt ein kluger, emotionaler und zugleich angenehm lesbarer Roman, der zum Nachdenken anregt, ohne zu beschweren.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Eine Reise, die alles verändert

The Sea Sisters
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Der Roman beginnt mit einem Schock: Katie erfährt, dass ihre jüngere Schwester Mia auf Bali ums Leben gekommen ist, angeblich ein Selbstmord. Für Katie passt das nicht zusammen. Als sie Mias Reisetagebuch ...

Der Roman beginnt mit einem Schock: Katie erfährt, dass ihre jüngere Schwester Mia auf Bali ums Leben gekommen ist, angeblich ein Selbstmord. Für Katie passt das nicht zusammen. Als sie Mias Reisetagebuch zugeschickt bekommt, trifft sie eine mutige Entscheidung: Sie folgt den Stationen von Mias Reise und versucht, die letzten Monate im Leben ihrer Schwester zu rekonstruieren. Von London über Kalifornien und Hawaii bis nach Australien und schließlich zurück nach Bali setzt sich Stück für Stück ein Bild zusammen, das weit über das hinausgeht, was zunächst wie ein tragischer Unfall wirkt. Während Katie liest, reist und nach Antworten sucht, taucht sie immer tiefer in ein Geflecht aus Geheimnissen, unausgesprochenen Wahrheiten und komplizierten Beziehungen ein.

Die Geschichte lebt stark von der Dynamik zwischen den beiden Schwestern. Ihre Verbindung ist intensiv, aber alles andere als einfach: Nähe und Distanz, Liebe und unterschwellige Rivalität wechseln sich ständig ab. Gerade diese Ambivalenz wirkt sehr echt und nachvollziehbar. Katie steht für Struktur und Verantwortung, während Mia eher frei, impulsiv und suchend durchs Leben geht. Trotz dieser Gegensätze spürt man durchgehend, wie eng sie miteinander verbunden sind, auch über den Tod hinaus.

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, die sich elegant miteinander verweben. Katies Gegenwart und Mias Vergangenheit greifen ineinander, sodass sich nach und nach ein vollständiges Bild ergibt. Dieser Aufbau sorgt für eine konstante, leise Spannung, die nie laut oder übertrieben wirkt, sondern sich eher subtil entfaltet. Man folgt den Spuren, entdeckt Hinweise, hinterfragt Motive und ist dabei emotional voll eingebunden. Atmosphärisch ist das Ganze dicht und eindringlich. Die verschiedenen Schauplätze sind lebendig beschrieben, ohne sich in Details zu verlieren, und transportieren dieses leicht melancholische Fernweh-Gefühl, das perfekt zur Geschichte passt. Gleichzeitig schwingt immer eine gewisse Beklemmung mit, weil man ahnt, dass hinter der Fassade mehr steckt.

Im Kern geht es um Familie, Identität und die Frage, wie gut man einen Menschen wirklich kennt ... selbst, wenn es die eigene Schwester ist. Die emotionalen Zwischentöne, die komplexen Beziehungen und die schrittweisen Enthüllungen machen die Handlung intensiv und mitreißend. Das Ende rundet alles auf eine bittersüße, stimmige Weise ab und hinterlässt einen Eindruck, der noch eine Weile nachhallt.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Zwischen Lüge und Liebe (Hörbuch)

Alle lieben Dandelion, aber sie ist tot
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Sieben Monate nach dem Tod ihrer Schwester Dandelion ist Poppys Leben noch immer aus den Fugen geraten. Als sie auf dem Handy ihrer Schwester eine Nachricht von Jake entdeckt, trifft sie eine impulsive ...

Sieben Monate nach dem Tod ihrer Schwester Dandelion ist Poppys Leben noch immer aus den Fugen geraten. Als sie auf dem Handy ihrer Schwester eine Nachricht von Jake entdeckt, trifft sie eine impulsive Entscheidung: Sie gibt sich als Dandelion aus und verabredet sich mit ihm. Was als einmaliger Versuch beginnt, ihrer Schwester näher zu sein, entwickelt sich schnell zu etwas Echtem. Zwischen Trauer, Schuldgefühlen und neu entstehender Liebe muss Poppy entscheiden, ob sie die Lüge weiterlebt oder den Mut findet, ihr eigenes Glück zu wählen.

Das Hörbuch hat mich vor allem durch seine emotionale Vielschichtigkeit überzeugt. Die Geschichte balanciert gekonnt zwischen Humor und Ernsthaftigkeit. Immer wieder gibt es witzige, leichte Momente, die jedoch von einer tiefen, nachdenklichen Grundstimmung getragen werden. Gerade diese Mischung macht die Figuren greifbar und lebendig. Besonders hervorzuheben ist die Sprecherleistung: lebendig, einfühlsam und mit genau dem richtigen Gespür für Timing. Die Figuren wirken dadurch authentisch und nahbar, was die emotionale Wirkung deutlich verstärkt.

Inhaltlich fand ich die Grundidee stark und berührend, auch wenn ich mir stellenweise einen etwas anderen Weg gewünscht hätte. Manche Passagen wirkten für mich etwas ausschweifend oder „drumherum erzählt“, wodurch die Handlung gelegentlich an Tempo verliert.
Dennoch: Die emotionale Entwicklung und die zentralen Fragen nach Identität, Verlust und Wahrheit tragen die Geschichte zuverlässig.
Am Ende bleibt ein Hörbuch, das trotz kleiner Längen gut unterhält, zum Nachdenken anregt und vor allem durch seine Mischung aus Humor und Tiefe überzeugt.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Wenn ein falsches Leben plötzlich zu verlockend wird (Hörbuch)

Die Fremde neben dir
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Eine Frau ist auf der Flucht, ohne Perspektive, bis sich ihr plötzlich die Chance bietet, in das Leben einer anderen zu schlüpfen. Was zunächst wie ein glücklicher Zufall wirkt, entpuppt sich schnell als ...

Eine Frau ist auf der Flucht, ohne Perspektive, bis sich ihr plötzlich die Chance bietet, in das Leben einer anderen zu schlüpfen. Was zunächst wie ein glücklicher Zufall wirkt, entpuppt sich schnell als riskantes Spiel, denn hinter dem neuen Leben verbergen sich dunkle Geheimnisse, die nach und nach ans Licht kommen. Der Einstieg hat mich direkt gepackt, vor allem weil sich die Geschichte angenehm düster und unterschwellig bedrohlich entwickelt und lange offenlässt, wem man eigentlich trauen kann. Insgesamt war das für mich mal etwas anderes, auch vom Stil her. Manche Dialoge wirkten typisch „koreanisch“, stellenweise etwas melodramatisch oder leicht überzeichnet, aber irgendwie passend und mit eigenem Charme.

Die beiden Sprecherinnen haben das Hörbuch wirklich gut gemacht, die Stimmen waren angenehm und haben die Atmosphäre getragen, ohne zu aufgesetzt zu wirken. Dadurch ließ sich die Geschichte durchgehend gut hören, auch wenn der Mittelteil die Spannung kurz etwas verliert.
Zum Ende hin wird dann nochmal deutlich angezogen, fast schon ein bisschen zu viel, weil sich die Wendungen teilweise überschlagen und es leicht überladen wirkt. Insgesamt bleibt es aber ein spannender, ungewöhnlicher Thriller mit einer starken Grundidee, kleinen Schwächen im Tempo und einem Finale, das für meinen Geschmack etwas weniger hätte sein dürfen.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Nicht meine Welt

Weird Girls
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Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine Clique junger Frauen in Belfast, die gemeinsam ihre wilden Zwanziger erleben und nach einem einschneidenden Verlust versuchen, irgendwie mit ihrem Leben klarzukommen. ...

Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine Clique junger Frauen in Belfast, die gemeinsam ihre wilden Zwanziger erleben und nach einem einschneidenden Verlust versuchen, irgendwie mit ihrem Leben klarzukommen. Es geht um Freundschaft, Trauer und das Gefühl, sich selbst irgendwo zwischen Chaos und Erwachsenwerden zu verlieren.

Das klang für mich erstmal richtig vielversprechend. Gerade solche Geschichten leben ja davon, dass sie emotional berühren und man sich in den Figuren wiederfindet. Auch das Cover hat mich sofort angesprochen: modern, auffällig und wirklich schön gestaltet.

Leider konnte mich das Buch inhaltlich überhaupt nicht abholen.

Gefühlt dreht sich ein Großteil der Handlung immer wieder um Partys, Drogen und exzessives Verhalten. Klar, das mag für manche realistisch sein, aber hier war es mir einfach zu viel und auf Dauer auch ziemlich ermüdend. Ich hatte oft das Gefühl, dass sich alles wiederholt und kaum echte Entwicklung stattfindet.

Besonders schwierig fand ich den Zugang zu den Figuren. Ich konnte mich mit keiner von ihnen wirklich identifizieren oder mitfühlen. Die emotionale Tiefe, die ich mir bei dem Thema erhofft hatte, ist bei mir leider komplett ausgeblieben.

Am Ende blieb für mich nichts, was ich wirklich mitnehmen konnte. Weder inhaltlich noch emotional hat mich das Buch erreicht, es war eher ein Durchlesen als ein Erleben. Schade, denn die Idee hatte definitiv Potenzial. Für mich persönlich war es aber einfach nicht das Richtige.

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