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Veröffentlicht am 17.06.2019

Das Geheimnis einer jungen Hofdame

Lady Annes Geheimnis
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Zu Beginn des 18. Jahrhunderts in England ist es nicht leicht, eine junge Frau zu sein. Anne verliebt sich nicht nur in den „falschen“ Mann, sondern wird auch noch unverheiratet schwanger und darum von ...

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts in England ist es nicht leicht, eine junge Frau zu sein. Anne verliebt sich nicht nur in den „falschen“ Mann, sondern wird auch noch unverheiratet schwanger und darum von ihrer Familie schnell nach Deutschland zu ihrer Tante abgeschoben. Ihr Sohn wird bei Fremden untergebracht, ihr Geliebter ist auf hoher See verschollen bzw. tot und sie selbst landet als Hofdame in Hannover bei der Familie des Kurfürsten Georg Ludwig.
Im Prinzip geht es ihr dort gut, doch die Sehnsucht nach ihrem Kind lässt ihr keine Ruhe. Unaufhörlich schmiedet sie Pläne, wie sie zurück nach England kommen und ihn wieder bei sich haben könnte. Als die englische Königin stirbt und der Kurfürst ihre Nachfolge antritt, bietet sich ihr endlich eine Chance.

Diese Geschichte hat mich von der ersten bis zur letzten Seite sehr in ihren Bann gezogen. Martha Sophie Marcus erzählt so farbenfroh und detailliert, dass ich das Gefühl hatte, mitten dabei zu sein und mir sogar die Gerüche und Geräusche passend dazu vorstellen konnte.
Die Protagonistin Anne hat mich sehr beeindruckt. Sie ist so gradlinig und ehrlich, hat dabei aber nie ihr Ziel aus den Augen verloren. Mit sehr viel Geschick und List schafft sie es, ihren Sohn und ihr Glück zu finden und ganz nebenbei die Sympathien ihrer Mitmenschen zu gewinnen. Dabei hat sie sehr viele Hürden zu überwinden, von denen die größte wohl die Sturheit und der Machthunger der sie umgebenden Männer ist.
Aber auch die Nebenfiguren wirkten lebendig und gut geschildert. Ihre junge Begleiterin May war eine meiner Lieblingsfiguren, Gräfin Johanna ebenso. Annes Vater dagegen absolut fies. Und Will, ihr Freund aus Jugendtagen, in meinen Augen bis zum Schluss unberechenbar.
Ganz nebenbei erfährt der Leser auch noch eine ganze Menge über die damalige Zeit und die Lebensumstände der Menschen. Nicht nur der Adeligen und besser gestellten, sondern auch von denen, die eher am Rande der Gesellschaft stehen und sich durchschlagen müssen.
Meiner Meinung nach hätte lediglich die Romantik noch ein klein wenig mehr Beachtung finden dürfen, aber das ist ja Geschmackssache. Ich kann das Buch auf jeden Fall nur weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 27.05.2019

Gedankenkontrolle

THINK - Sie wissen, was du denkst! - Folge 1
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Think ist ausgebildete Psychotherapeutin, doch nachdem sie als solche einen großen Fehler machte, nimmt sie einen anderen Job an:
Sie überwacht die Gedanken von Straftätern, die unter der Voraussetzung ...

Think ist ausgebildete Psychotherapeutin, doch nachdem sie als solche einen großen Fehler machte, nimmt sie einen anderen Job an:
Sie überwacht die Gedanken von Straftätern, die unter der Voraussetzung dieser Überwachung wieder frei leben dürfen.

Es handelt sich bei dem Roman um den ersten Teil einer Thrillerserie mit Science-Fiction-Anteilen. Die Geschichte spielt scheinbar in der Gegenwart, allerdings einer Gegenwart, die sich doch von unserer unterscheidet. Das „Quorumed“ ermöglicht es, die Gedanken einer Person auf eine andere zu übertragen, so dass diese Gedanken überwacht werden können. Auf diese Art ist Think als Bewährungshelferin für insgesamt drei Straftäter zuständig, in deren Gedanken sie sich immer wieder einschaltet und eingreift, falls diese in eine gefährliche Richtung deuten. Soweit läuft alles gut, bis jemand ermordet wird und einer ihrer „Probanten“ veranwortlich zu sein scheint.
Der Grundgedanke dieser Serie hat mich, die ich eigentlich Thriller kaum lese, doch sehr neugierig gemacht und ich finde ihn nach wie vor spannend. Wie läuft die Kontrolle ab? Wie ist es für die beteiligten Personen? Wird der Eingriff von allen akzeptiert?... Leider bin ich mit dem Buch dann aber doch nicht ganz warm geworden.
Zum einen war der Text selbst oft unverständlich. Es wurden viele fremde bzw. unbekannte Begriffe und Abkürzungen wie selbstverständlich verwendet, wobei sich nur einige davon im Laufe des Textes von selbst erklärten. Oft wurden Sätze sehr abgehakt beendet bzw. mittendrin unterbrochen, da sich die Gedanken der „Probanten“ mit denen von Think vermischten. Einige Textpassagen kamen auch ganz ohne Satzzeichen und Lücken zwischen den Worten aus. Dies alles hat natürlich den besonderen Charakter der Geschichte unterstrichen und das, was in Thinks Kopf passiert, sehr anschaulich verdeutlicht. Andererseits hatte ich dadurch aber auch Mühe, der Geschichte zu folgen, wurde immer wieder aus dem Lesefluss hinausgeworfen und musste mich sehr auf die Handlung konzentrieren, um mitzukommen.
Zum anderen bin ich mit den handelnden Personen erst gegen Ende überhaupt etwas warm geworden. Am ehesten gelang mir das mit Clay, dessen Gedanken und Handlungen für mich noch am nachvollziehbarsten waren und der im Laufe der Geschichte auch immer mehr mein Mitgefühl gewann. Die beiden anderen „Probanten“ von Think waren für mich bis zuletzt nur wirre Störenfriede, mit denen ich kaum etwas anzufangen wusste. Zu Think selber blieb immer eine kühle Distanz. Ich fand sie weder symphatisch noch unsympathisch, ihre Handlungen konnte ich sehr oft nicht nachvollziehen und es bleiben auch zum Schluss noch viele Fragen zu ihr offen.
Auch der Mord und seine Auflösung wollen sich mir nicht so recht erschließen und lassen mich unzufrieden zurück. Das erschien mir zu sehr konstruiert und unwahrscheinlich.

Gegen Ende habe ich dann doch etwas Zugang zu der Geschichte gefunden und die Andeutungen, die zum Schluss gemacht wurden, wecken bei mir doch etwas Neugier auf den nächsten Teil. Ob diese ausreicht, um weiterzulesen, weiß ich jedoch nicht.

Veröffentlicht am 07.05.2019

Düster, romantisch und geheimnisvoll

Herz aus Dornen
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London im ausgehenden 19. Jahrhundert ist kein schöner Ort für eine Frau mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Love muss dies schmerzlich erfahren, denn sie lebt entweder mittellos auf der Straße oder eingesperrt ...

London im ausgehenden 19. Jahrhundert ist kein schöner Ort für eine Frau mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Love muss dies schmerzlich erfahren, denn sie lebt entweder mittellos auf der Straße oder eingesperrt in der Psychiatrie und niemand mag sich ihr nähern. Wenn sie einen Menschen berührt, sieht sie Dinge, die allen anderen verborgen bleiben.
Love versucht, so gut es geht zurecht zu kommen. Bis sie eines Tages von dem geheimnisvollen John Coal aus der Anstalt geholt wird, um ihm bei der Suche nach seiner verschwundenen Ehefrau zu helfen.

„Herz aus Dornen“ ist die Neuauflage eines bereits erschienenen E-Books, das ich bisher allerdings nicht kannte. Ich bin froh, dass es diese hübsche Taschenbuch-Neuauflage gegeben hat, denn ansonsten wäre ich wohl nicht auf die tolle Geschichte aufmerksam geworden. Die Protagonistin Love erzählt in der Ich-Perspektive, wie sie das Angebot des geheimnisvollen Unbekannten annimmt und zu ihm auf das Anwesen Coal Manor zieht. Wie sie dort von den Bewohnern bzw. Bediensteten sehr unterschiedlich aufgenommen wird und wie sie sowohl an ihrem Auftraggeber als auch an der Aufgabe selbst zweifelt.
Die ganze Geschichte wird sehr ruhig erzählt, hält aber meiner Meinung nach trotzdem einen stetigen Spannungslevel aufrecht, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Immer wieder passieren überraschende Wendungen, die so nicht vorhersehbar waren und die die Geschichte in einem anderen Licht darstellen. Immer wieder wurden meine Vermutungen in Bezug auf die Geheimnisse, die Coal Manor umgeben, umgeworfen und die Handlung lief anders weiter als ich dachte. Das Buch ist spannend, romantisch, düster-gruselig und zwischendurch auch heiter und hat für mich nur einen Fehler: Es war viel zu schnell durchgelesen! Gerne hätte ich noch mehr über die handelnden Personen erfahren. Z. B. über Loves und Johns Vergangenheit, auf die nur kurz eingegangen wurde oder darüber, woher Loves Fähigkeit kam.

Insgesamt war das „Herz aus Dornen“ für mich aber ein großartiges Lesevergnügen in einem wunderschön gestaltetem Taschenbuch und die Autorin werde ich auf jeden Fall im Auge behalten.

Veröffentlicht am 29.04.2019

Zauberhafte Cupcakes

Cassandra Carpers fabelhaftes Café
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Emma ist vor einigen Monaten mit ihren Eltern nach London gezogen und fühlt sich dort immer noch nicht wohl. Sie hat noch keine Freunde gefunden, ihre Eltern haben kaum Zeit für sie, in der Schule wird ...

Emma ist vor einigen Monaten mit ihren Eltern nach London gezogen und fühlt sich dort immer noch nicht wohl. Sie hat noch keine Freunde gefunden, ihre Eltern haben kaum Zeit für sie, in der Schule wird sie gemobbt. Als sie, mal wieder, vor ihren Mitschülern, den Clark-Brüdern, flüchten muss, die sie regelmäßig attackieren, landet sie ungeplant in der Cupcakery von Cassandra Clark.
Vor ihren Verfolgern ist sie sicher, aber der Cupcake, der so verführerisch ist, dass sie von ihm einfach naschen muss, löst Ereignisse aus, die ihr bisheriges Leben ganz schön auf den Kopf stellen werden.

„Cassandra Carpers fabelhaftes Café“ von Mona Herbst ist eine spannende Geschichte für Kinder und Erwachsene ab 10, die gern in magischen Welten voller Hexen, Zauberer und Fabelwesen versinken. Das Buch ist mit mehr als 360 Seiten relativ lang für die Altersgruppe. Die Kapitel sind ebenfalls recht lang gefasst, was zumindest weniger geübten Lesern vielleicht etwas zu viel Durchhaltevermögen abverlangt. Allerdings ist Mona Herbsts Schreibstil flüssig und leicht zu lesen und die Geschichte selbst ist so spannend, dass uns (meine Tochter, 9,5 Jahre alt, und ich) das beim Lesen nicht gestört hat. Für sehr empfindliche Gemüter könnte die eine oder andere Szene evtl. zu düster und bedrohlich sein. Wir beide kamen damit aber gut zurecht, gegruselt haben wir uns beide nur auf angenehme Weise.

Neben der Zauberei spricht die Autorin viele Themen an, die auch ihre Leser sicher in der einen oder anderen Form kennen: Probleme innerhalb der Familie, Mobbing in der Schule, Freundschaften und auch die Schwierigkeit, zwischen Gut und Böse, netten und bösen Mitmenschen zu unterscheiden.

Gut gefallen hat uns auch der Wechsel zwischen der Hauptgeschichte um Emma und ihre Freunde und der Vorgeschichte über Cassandra Carper selbst und wie es zu der „heutigen“ Situation gekommen ist. Der Leser erfährt nur Häppchenweise, was passiert ist, das hält die Spannung gleichmäßig aufrecht. Auch ist oft nicht klar, wer Freund und Feind ist. Emma steht mehr als einmal vor dem Problem zu entscheiden, wem sie vertrauen kann und wem nicht.

Es gibt einige Parallelen zu ähnlichen Geschichten, die uns aber nicht gestört, sondern eher so eine Art Wiedererkennungseffekt ausgelöst haben. Wir fühlten uns dadurch in dieser modernen, aber doch magischen Welt direkt zuhause.

Eher unzufrieden bin ich mit der Rolle von Ben, der ohne groß gefragt zu werden einfach als Drittes Mitglied des Trios integriert wurde, ohne überhaupt zu wissen, um was es geht und dabei nur mäßigen Widerstand leistet. Auch die Tatsache, dass z. B. Emma und Paula, die im Besitz des mächtigen Zauberbuches sind und ansonsten auch als mutige, taffe Mädchen dargestellt werden, es nicht mit den Clark-Brüdern allein aufnehmen können, sondern von Ben gerettet werden müssen, hat mir nicht eingeleuchtet. Meine Tochter hat das allerdings weniger gestört.

Die Aufmachung des Buches fanden wir sehr schön. Die kleinen Zeichnungen im Inneren haben uns gefallen und auch das Cover ist sehr hübsch. Einige kleine Fragen sind nach dem Lesen noch offen geblieben und wir hoffen, dass die Geschichte fortgesetzt wird und uns bald ein weiteres Lese-Abenteuer mit Emma, Paula und Ben beschert. Insgesamt hat uns das Buch sehr gut gefallen und wir können es auf jeden Fall weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 25.04.2019

Kaffeefahrt nach Triest

Der letzte Caffè
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Prof. Dr. Dr. Dr. Bietigheim bekommt überraschend Post von seiner Jugendliebe Giulia aus Triest. Ihr Ehemann ist verschwunden und sie möchte die Unterstützung ihres alten Freundes, da sie den örtlichen ...

Prof. Dr. Dr. Dr. Bietigheim bekommt überraschend Post von seiner Jugendliebe Giulia aus Triest. Ihr Ehemann ist verschwunden und sie möchte die Unterstützung ihres alten Freundes, da sie den örtlichen Behörden die Rettung ihres Mannes nicht zutraut.
Selbstverständlich fühlt sich Bietigheim verpflichtet, dieser Bitte nachzugehen und wird erneut in einen Kriminalfall verwickelt, in dem er mit seinem kulinarischen Wissen glänzen kann.

Es handelt sich bei dem Buch um den 6. Teil der Krimireihe um den Kulinaristikprofessor (den einzigen Deutschlands!) und ich mag die Reihe ganz gern. Der kauzige und überhebliche Professor, sein liebenswerter und ungehorsamer Hund, der schlagkräftige Pit und auch die Computerexpertin Rena, die diesmal nur einen sehr kurzen Auftritt hatte und mir darum sehr gefehlt hat, sind mir in den vorausgehenden Bänden sehr ans Herz gewachsen. Allerdings muss ich sagen, dass mir dieser Teil, in dem es um Kaffee und seine Herstellung geht, nicht ganz so gut gefallen hat.

Der Kriminalfall an sich war ja auch bisher immer eher Nebensache und ist auch diesmal nur mäßig spannend. Diesmal habe ich ihn aber auch als etwas wirr empfunden und hatte zwischendurch immer wieder Schwierigkeiten, die Zusammenhänge in die richtige Anordnung zu bringen.
Auf Grund der Begegnung mit Bietigheims Jugendliebe gab es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit des Professors, die zwar einerseits vieles erklärten (z. B. die von Anfang der Reihe an bestehende Frage, warum Bietigheim so ein Gegner von Minze ist), aber mich andererseits oft ohne Vorwarnung aus der Handlung rissen und ich erst einige Sätze weiter merkte, dass das geschriebene nicht zu den gegenwärtigen Ereignissen gehört.

Die Charaktere an sich waren liebenswert wie gewohnt und haben mich oft zum Schmunzel gebracht. Das Thema Kaffee war auch wie gewohnt interessant aufgearbeitet und hatte so einige für mich unbekannte Informationen. Der Appetit auf dieses Getränk war während des Lesens hoch, so ging es mir auch bei den Vorgänger-Romanen schon mit den jeweils thematisierten Genussmitteln. Und Triest scheint ein neues interessantes Urlaubsziel zu sein, zumindest für mich.

Alles in allem habe ich das Buch gern gelesen, auch wenn es sich nicht um den besten Teil der Serie handelt.